Ausgabe 
30.8.1873
 
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Meblsubssanz hasen: dennoch wurden sie von dem ge⸗ wissenlosen Händler zum Verkauf ausgestellt. 2 Darmstadt. In Großzimmern soll der Blitz am 28. August drei Mal eingeschlagen haben und sollen zwei Hofraithen abgebrannt sein. 1 a Darmstadt. DieHess. Volksblätter, bringen Nachstehendes,(dem wir aus vollem Herzen beistimmen. Die Red.): Von verschiedenen Seiten ist jetzt die er⸗ freuliche Wahnehmung zu verzeichnen, daß gegen die Ver⸗ fälschung von Lebensmitteln, als Bier, Milch, Wurst de. polizeilich vorgegangen wird. Es ist auch wahrlich hohe Zeit, daß diesem schändlichen Treiben einmal enigegen⸗ getreten wird, was aber nur erfolgreich geschehen kann, wenn das Publikum selbst dabei mitwirkt. Ist es nicht empörend zu lesen, daß, wie das letzter Tage hier geschehen, ein Soldat wegen Genuß schlechten Bieres erkrankte? Wer wirb solchem Betruge, solcher Versündigung an der Ge⸗ sundbeit, noch länger müssig zuseben wollen! Nicht nur gestraft, auch geächtet in der öffentlichen Meinung gehören alle die, welche zu ihrer Bereicherung das schimpfliche und gefährliche Mittel nicht scheuen, nothwendige Lebensbedürf⸗ nisse zu verfälschen. a 5

Lindenfels. Die Ernte des Frühhopfens ist bei uns in vollem Gange und ist man mit dem Extrag größen⸗ theils zufrieden; auch hofft man, daß sich der Preis nicht so niedrig stellen werde. N f

Mainz. In Anknüpfung an unsere neulichen Mit⸗ tbeilungen über die auf der Wiener Weltausstellung für Mainz erfolgte Auszeichnung ist noch anzuführen, daß noch drei Fortschrit's-Medaillen: für die Champagner⸗ Fabrik von Chr. Lauteren und Sohn, dasGasapparat⸗ Gußwerk(Krauße) und die Schubfabrik von Schuh⸗ macher, angekommen sind. Verdienst⸗ Medaillen haben außer den schon Genannten noch erhalten: die Billard⸗ Fabrik von Dorffelder und die chemische Fabrik von Wel linger. Die Zahl der ehrenden Anerkennungen ist eine sehr ansehnliche. Auch die Treibriemen-Fabrik von Hager bat nur eine solche, nicht die Verdienst⸗Medaille, davon⸗ getragen.

Worms. Von einem geborenen Wormser, Herrn Karl Delp s. Z. in einem Geschäfte in London an⸗ gestellt haben wir einen Act selbstaufopfernder Humani⸗ tät zu berichten, durch den derselbe mit eigener Lebens⸗ gefahr ein Menschenleben vor der schrecklichsten Todes⸗ art, dem Verbrennungstode, rettete. Sonntag Abend den 10 d. M. gerieih durch einen unglücklichen Zufall das Musselinkleid des 12jährigen Töchterchens des Haus⸗ befitzers, bei dem Herr Delp wohnt, in Flammen. In der Angst rannte das Mädchen Treppe auf und Treppe ab 3 Herr Delp, auf den Hülferuf aus seinem Zimmer trelend, stürzte sich sofort auf das brennende Kind, warf es zu Boden, bedeckte es mit seinem Körper und riß ihm die brennenden Kleider vom Leibe. Glücklich gelang es diesen Anstrengungen, die Flammen zu löschen und das Kind zu retten, jedoch nicht ohne daß der wackere junge Mann selbst nicht unbedeutende Brandwunden an beiden Händen und Armen davontrug. Vorläufig kann derselbe von einen Händen keinen Gebrauch machen, jedoch ist der be bandelnde Arzt, Dr. Lichtenberg vom deutschen Spitale, der zuversichtlichen Hoffnung, daß wenn die Heilung auch langsam vor sich gehen wird, doch keine nachtheiligen Folgen für den jungen Mann zurückbleiben werden. Das Kind ist, wenn schon stark an verschiedenen Theilen des Körpers verbrannt, doch außer aller Gefahr und dessen Eltern voll des tiefgefühlten Dankes für denjenigen, der mit solcher Kaltblütigkeit und Selbstaufopferung das Leben ihres Kindes rettete.

Allerlei.

Frankfurt. Levens zooplastisches Cabinet ist durch eine neue Aufstellung von Pflanzen und Bäumen recht geschmackvoll decorirt worden und hat dadurch die Scenerie der verschiedenen Gruppen ein frisches und lebhaftes An⸗ sehen erhalten. Der Besuch am letzten Zwölfkreuzer⸗ Sonntag war wieder ein sehr lohnender.

Kassel. Auf dem hiesigen Bahnhofe kam es am 25. d. M. abermals zu einem Zusammenstoße zwischen einem Güterzuge der Hessischen Nordbahn und einem Nangierzuge. Drei Wagen wurden zertrümmert, drei andere stark beschädigt. Das Personal des Güterzugs rettete sich noch rechtzeitig durch Herausspringen auf das Seitengeleise. Falsche Weichenstellung soll die Ursache dieses hier nicht mehr ungewöhnlichen Unfalls gewesen sein.

Schmalkalden. Am 26. Augus Nachmittags 2 Uhr ist hier im Hotel zur Krone der lebensmüde Tondichter Karl Wilbelm, dem das deuische Volk die schwungvolle Weise zu Max SchneckenburgersWacht am Rhein ver⸗ dankt, zur letzten Ruhe eingegangen. Das Vaterland wird ihm ein treues Andenken bewahren, denn sein waren die Klänge, unter denen unsere Krieger zum Rhein und carüber hinaus in die blutige Feldschlacht zogen; sein war der Ruhm, Tausende, Hunderitausende mit ermuthigt, e und noch im Tode getröstet zu haben. Unauflöslich verflochten mit der Geschichte des 1870 bleibe sein Name. 75 A

Mannheim, 27. August. Der auch in weiteren Kreisen bekannten und renomirten Fabrik landwirthschafl⸗ licher chemischer Producte von Georg Carl Zimmer in Mannheim, wurde bei der diesjährigen Wiener Weltaus⸗ stellung eine doppelie Auszeichnung und Anerkennung zu Theil, nämlich: Die Fortschritt⸗Medaille für ihre künst⸗ lichen Düngerfabrikale und die Verdienst⸗Medaille für ihre sonstigen chemischen Producte.

Coburg. Die Polizeibehörde in Coburg hat in diesen Tagen die Bierkeller untersucht und einem Wirth 24 Eimer saures Bier confiscirt und auf die Straße laufen lassen. Vivat sequens!

Eisenach. Au 27. Außust ist in det Nähe von

Fröltstebt ein Wolkenbruch niedergegangen, wodurch der Verkehr auf der Thüringischen Büihn dür Zeit gestört

war. Die Züge coursiren jetzt wieder regelmäßig. Erefeld, 21. Aug. DieCref. Zig. schreibt:Daß Bostwagen angehalten und beraudt worden, ist eine That⸗ sache, die nicht nur in Spanien, Ikalien, sondern auch in unserem lieben Deutschen Reiche häufig genug vorge⸗ kommen ist, daß aber ein ganzer Postwagen mit Inhalt und Bespannung gestohlen wird, wie dies gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr auf dem hiesigen Bahnhose vor⸗ gekommen, möchte doch wohl zu den Seltenheiten gehören. Als nämlich der Postgepäckwagen gestern Abend auf dem Bahnhöfe angekommen und der Postillon nur für einen Angenblick vom Bock gestiegen war, sprang ein fremder Mensch auf den Bock, bemächtigte sich der Zügel und Peitsche und suhr in scharsem Galopp vom Bahnhofe davon, zur nicht geringen Ueberraschung des Postbeamten. Auf die Anzeige des Postillons wurde sofort eine energische Verfolgung zu Wagen und Pferd eingeleitet und, da man die Spur des Eutflohenen auf Uerdingen zu gefunden halte, mit- Glück ausgeführt. Der entführte Postwagen hatte bereits Uerdingen passirt, die Richtung nach Moers eingeschlagen und war gegen 12 Uhr Nachts in Calden⸗ hausen angelangt, wo der Führer die Pferde eiwas ver- schnaufen lassen wollte. Da aber hier wegen eines Brandes viele Personen auf den Beinen waren, denen das Erscheinen eines Postgepäckwagens ohne Führung eines Postillons zu so später Zeit und mit schweißtriesenden Pferden bespannt verdächtig vorkommen mochte, so hielt der Dieb es für angemessen, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen und Pferd und Wagen im Stich zu lassen. Eiwa eine halbe Stunde später trafen auch die verfolgenden Beamten in Caldenhausen ein und waren nicht wenig erfreut, das Ge⸗ fährt unerbrochen vorzufinden. Der Inhalt des Wagens soll sehr werthvoll gewesen sein und die darin enthaltenen Packete mit Seidenwaaren allein schon einen Werth von 5 bis 6000 Tylrn. repräsentirt haben. Hoffentlich wird es der Polizei gelingen, den kühnen Räuber, der an Bar⸗ rieren und Eisenbahnübergängen gesehen worden ist, zu ermitteln. Nach derCrefelder Zeitung vom 24. Aug. klärt sich der abenteuerliche Vorfall in etwas harmloserer Wetse auf. Ein, wie es heißt, wohl begüteter Ackerer aus Frimersheim, welcher sich gestern etwas lange in der Stadt aufgehalten und sich einen recht gründlichen Affen aufgeladen hatte, suchse eine Droschke zu engagiren, um sich nach Hause fahren zu lassen. Da ihm dies nicht ge⸗ lingen wollte und er auch keine Lust verspürte, den weiten Weg zu Fuß zurückzulegen, bediente er sich des königlichen Postfuhrwerks zur Heimreise. Dieses Stückchen ist ihm gelungen, indessen dürfte das Vergnügen doch ein so kost⸗ spieliges werden, daß ihm die Lust zu einer Wiederholung wohl vergehen wird.

Berlin, Ein Mord, wie er in solcher Ausführung wohl jelten vorkommt, ist am Samstag früh in dem Schmalz'schen Hause auf der Prenzlauer Chaussee von dem Arbeiter Richardt an seiner Ehefrau verübt werden. Derselbe war aus bis jetzt noch unermittelter Ursache mit seiner Frau in Streit gerathen, in Folge dessen er die⸗ selbe zuletzt ergriff und aus dem Fenster seiner drei Stock boch belegenen Wohnung auf die Straße warf, wo sie so⸗ fort den Geist aufgab. Der Mörder ißt verhaftet und die Leiche nach dem Obductionshause geschafft worden.

München. Eine in München stadibekannte Pex⸗ sönlichkeit, der vielfach genannte und gesuchteWunder⸗ doctor Haubner, der Erfinder der sogenannten Cholera⸗ tropfen, dem noch in der letzten Nummer derNeuesten Nachrichten ein bereits für rettungslos erklärter und durch Haubners vortreffliches Mittel wieder genesener Cholera⸗Erkrankter öffentlich seinen Dank ausspricht, ist am 25. August selbst rasch an der Cholera gestorben.

Neidenburg. Mehrere Schützen der hi:sigen Gilde, darunter auch der Kaufmann Kollodzinsky, waren am 21. August nach dem Stadtwalde gefahren, um sich zu dem künftigen Prämienschießen zu üben. K. hatte seinen 15jährigen Sohn, der Obertertianer des Hohensteiner Gymnasiums ist und sich der Ferien wegen hier aufhielt, miigenommen. Der junge Mensch übernahm freiwillig das Markiren an der Scheibe. Das Unglück wollte es nun, daß er das mit einer Glocke gegebene Signal über⸗ hörte und in dem Augenblick aus seinem sicheren Versteck bervortrat, als gerade sein Vater die Büchse abfeuerte. Von des Vaters Kugel ins Herz getroffen, brach er zu⸗ sammen, die Bleifeder, womit er die Marken gemacht, in der rechten Hand haltend.

Wien. In den letzten Tagen werden hier neun junge Leute im Alter von 13 bis 26 Jahren vermißt. Man spricht von scheußlichen unnatürlichen Verbrechen, denen dieselben zum Opfer gefallen sein sollen.

Ueber die Vertilgung des gelben Hederichs.

(Von Bürger meister Hensel in Schwalheim.)

Seit längerer Zeit hat man viele Versuche zur Vertilgung des gelben Hederichs(Ackersenfs) angestellt, ohne diesen Zweck vollständig zu erreichen.

Nach mancherlei Versuchen meinerseits kam ich endlich auf den Gedanken, gleich nach Einerntung der Frucht, wo der Samen des Hederichs massen⸗ haft auf dem Felde liegt, denselben nach einem Regen unterzueggen und nicht mehr wie seither unterzuackern; denn der untergeackerte Samen geht nicht eher auf, als bis er im nächsten Frühjahr bei einer zweiten Umackerung wieder auf die Ober⸗

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al geeggten Samen gekeimt daliegen und 3

fläche gebracht wird und kommt dann bei det ein gesäcten Frucht zugleich als Pflanze zum

Ich machte nun den Versuch(im Monat August) mit der Egge und fand bald.

darnach schon als Pflänzlein das Grundstück defend. 1 1* Im Monat October ackerte ich schon statt

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unter. So verfahre ich nun schon seit 3 Jahren und erwies sich's, daß meine in dieser Weise be⸗ arbtiteten Grundstücke im folgenden Jahre gänzlich von diesem Unkraut befreit blieben, während die nebenliegenden und anderen Grundstücke dicht mit Hederich überzogen und von demselben mit seinem üppigen Wachsthum bis auf's Mark ausgesaugt werden. g R Die Frucht auf meinen Grundstücken, welche nun mit diesem nahrungentziehenden Nachbar nichts mehr gemein hatte, wuchs in vollem Gedeihen, legte sich breit über die Fluren und zierte durch ihren reinen unkrautfreien Bestand den Acker.

D. Frankfurt a. M., 28. August. Nachdem Creditactien gestern Mittag und auch an der Abendbörse in ziemlich fester Haltung verkehrt hatten, erlitten sie heute einen kleinen Rückgang und schlossen 252½ per comptant und 251 ½ per Ultimo. Wie man vernimmt, gingen von ersten Häusern, welche sich in den Vorwochen als eifrige Käufer zeigten, heute starke Realisationen aus und will man daraus entnehmen, daß die am Freitag zu erwartende Blanz der Creditanstalt nicht ganz nach Wunsch ausfallen werde. Der letzte Liquidationstag er⸗ gab übrigens für Creditaetien, statt der bisherigen Deport einen Report von ca. 1 fl. Staatsbahn blieben fest zu 355. Lombarden schlossen fast ganz geschäftslos zu 190 ¾. Oesterr. Bahnen ziemlich still. Albrecht und Donau- Drau besser. Von Banken blieben Deutsche Creditbank besser zu 1051. Oesterr. Nationalbank matter. Silberrente etwas niedriger. South Eastern 2% matter. Rinsk⸗Wjesma wurde zu 83 umgesetzt. Von Wechseln Wien schwächer. In Industriepapieren waren heute Um⸗ sätze zu etwas besseren Coursen, namentlich in Harzer Bergwerksaetien. b 11

Für Joachimsthal in Böhmen gingen s. Z. noch ein: Von C. Hd. 1 fl., Pfarrer Bor⸗ nagius in Fauerbach b. F. 30 kr., Dekan Buchhold in Ossenheim 1 fl., Professor Dr. Diegel 1 fl. Im Ganzen fl. 23. 30 kr., welche wir an den Ort ihrer Betimmung

abgesandt haben. 5 Die Exped. d. Oberh. Anz.

Aecht kölnisches Wasser

von Johann Maria Farina. Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober⸗ hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle ich zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und 45 kr. per Glas gehorsamst. 3 3 g Johann Maria Farina in Cöln.

Wollene Hemden,

wollene und baumwollene N

Unter jacken und Unterhosen

66 zu verschiedenen Preisen bei⸗ en* K. Friedrich neben der Post in Friedberg. e

17 Nb E Versteigerung. 2445 In der Wohnung der August Stamm Wittwe, Mittelstraße Nr. 675 werden Mittwoch den 3. September 1873 folgende Gegenstände öffentlich gegen Barzahlung versteigerk: Wagnerwerkzeug, 2 Hobelbänke, 1 Schleife stein, Bohrer aller Größe und sonstiges in das Geschäft gehörende Werkzeug; außerdem 1 Wagen, 2 Pflüge und andere Ackergeräthe. i Bad- Nauheim den

3. September 1873. A. Stamm Witwe.

Aeue Prima hol. Vollhäringe. 2353 M. D. Loeb. Ein freundliches Logis

2435 gleicher Erde, am 1. Oktober beziehbar, hat zu vermiethen Friedrich Netz.

Hederichsamen die jung entwickelten Pflänzlein

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