f Deutsches Reich.
Darmstadt, 25. März. evangelischen Kirche des Großherzogthums Hessen wurde heute durch den Ministerialdirector v. Starck eröffnet, nachdem ein Gottesdienst vorausgegangen war, bei welchem der Superintendent Schmidt aus Mainz die Predigt hielt. Zu Präsidenten der Landessynode sind dem Großherzog die Hrn. Eigenbrodt, Küchler, Seel, Schmitt, Bonhardt und Königer vorgeschlagen worden.
Berlin, 24. März. Der Reichstag erledigte fast ohne Debatte die zweite Berathung des Ge⸗ setzentwurfs über die Disciplinarbefugnisse des Oberhandelsgerichts gegen Rechtsanwälte und Advokaten. Bei der Discussion über zwei Schreiben des Reichskanzlers betreffs der Convention mit Frankreich über die Zahlung der Kriegsentschädi⸗ gungsgelder gab der Staateminister Delbrück ein ziffermäßiges umfassend es Exposé. Lasker sprach unter dem Beifall des Hauses seine Anerkennung aus über die Leitung der auswärtigen Politik in threr geschickten Lösung der schwierigsten Fragen bei Vertragsabschlüssen, welche selbst die Miß⸗ stimmung Frankreichs gegen Deutschland mildern müßte. Am Schluß der Debatte schlug Präsident Simson unter dem Beifall des Hauses folgende Resolution vor: Der Reichstag nimmt mit größter Befriedigung die Schreiben des Reichskanzlers über die Convention entgegen. Fürst Bismarck dankt und erklärte: der Ausdruck des Dankes Seitens der Volksvertretung gewähre dem Staatsmanne die höchste Befriedigung; derselbe sei ihm eine Ermuthigung für fernere Arbeiten, eine Arznei für Schwächen, mit denen er bei Erfüllung seines Dienstes zu kämpfen habe. Die Gesetzvorlage wegen der bei dem Marine-Etat für 1867 bis 1871 vergekommenen Ueberschreitungen wurde un- verändert in erster und zweiter Berathung genehmigt.
— Die„Spen. Zeitung“ schreibt: Wenn die Eisenbahnanleihe im Abgeordnetenhaus zur Be⸗ rathung kommt, wird ein neuer Handelsminister die Vertretung übernehmen. Auch noch eine andere Personalveränderung steht im Ministerium bevor; Graf Königsmark will aus Gesundheitsrückfichten zurücktreten.
— Der„Reichs⸗Anzeiger“ enthält einen Er⸗ laß des Kaisers an den Reichskanzler, durch welchen der Letztere beauftragt wird, den kaiser⸗ lichen Dank für die zahlreichen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten, die der Kaiser von außerhalb und innerhalb Deutschlands an seinem Geburts- tage empfangen, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Weimar, 24. März. In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung des deutschen Buchdrucker(Principal) Vereins wurde der Ent⸗ wurf des Normal⸗Tarifs mit 61 gegen 1 Stimme angenommen mit der Modification, daß der für Zeitungs⸗Satz proponirte Zuschlag von 6/ pCt. nur im Falle der Herstellung des Satzes in außer- gewöhnlicher Arbeitszeit gewährt wird. Nach An⸗ nahme des Tarifs gab die Principal-⸗Versammlung die Einleitung weiterer Unterhandlungen dem Buchdrucker⸗Gehülfenschafts⸗Vorstande anheim.
Ausland.
Oesterreich. Wien, 25. März. In Folge des gestrigen Ministerrathes ist die Gründung einer ungarischen Escomptebank ohne Präjudiz für die Bankeinheit ermöglicht; die Zustimmung der cis— leithanischen Regierung ist gesichert.
Schweiz. Genf. Das katholische Cultus- gesetz ist am 23. d. mit 9081 gegen 151 Stimmen durch das Volk angenommen worden. Die Ultra- montanen enthielten sich der Abstimmung⸗
Bern. Der von der Regierung in seinen pfarramtlichen Functionen suspendirte Pfarrer Jecker wurde aufgefordert, die Kircherschlüssel herauszu⸗ geben. Pfarrer Jecker verweigerte dies und gab Erklärungen ab, welche den Regierungs-Statt— halter veranlaßten, seine Verhaftung anzuordnen.
Frankreich. Paris. Laut„Patrie“ hat die Militärbehörde beschlossen, in der Nähe von Rouen ein verschanztes Lager zu errichten, dessen Zweck sei, für Paris die Verbindungen mit der See aufrecht zu erhalten. Ein anderes ver—
Die Synode der
schanztes Lager soll bei Reims angelegt werden. Die Kosten für beide Lager sollen 100 Millionen
betragen.
Spanien. Madrid. Die Nationalver- sammlung hat ihre Sitzungen suspendirt und eine aus allen Fractionen und Büreaus zusammenge⸗ setzte Permanenz-Commission gewählt. Figueras hatte die Annahme einer bezüglichen Vorlage zu einer Cabinetsfrage gemacht. Die Versammlung genehmigte vor den genannten Handlungen den Gesetz⸗ Entwurf, betreffend die Aufhebung der Sclaverei auf Portorico. Die Regierung hat Vorsichtsmaßregeln gegen die beabsichtigte Mani⸗ festation der„Intransigentes“ getroffen.
— Das amtliche Blatt berichtet von einem Treffen bei Seira, in welchem die Colonnen des Obersten Soma die Bande des Pfarrers Santa Cruz zersprengt haben sollen. Auch die Banden von Dorregaray, Ollo und Anderen, welche sich bei Aranaz geschlagen haben, sollen sich in voller Auflösung befinden.
— Aus den Provinzen Lerida und Gerona wird von Gewaltthaten gemeldet, welche Abthei⸗ lungen von Carlisten begangen hälten; dieselben hätten gefangene Republikaner erschossen und städtische Archive angezündet. Die Regierung trifft Vor- kehrungen, um der Insurrection wirksam zu be⸗ gegnen. Eine kleine Abtheilung von Carabiniers wurde bei Ripoll durch 2000 Carlisten bedrängt, jedoch durch Truppen aus Gerona befreit. Seu de Urgel ist vollständig eingeschlossen.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Zur Feier des Geburtsfestes des deutschen Kaisers fand am 22. d. in der hiesigen protestantischen Kirche ein feierlicher Gottesdienst statt, welchem die Ver- treter des Fürsten und der Staatsregierung, sowie ein außerordentlich zahlreiches Publikum beiwohnten.
Rußland. Petersburg. Chiwanische Emissäre reizten die kirgisische Bevölkerung der Halbinsel Bazatschi gegen Rußland auf, indem sie dieselbe aufforderten, an Chiwa Tribut zu zahlen und den Russen die Lieferung von Kameelen und Pferden zu verweigern. Die Mehrzahl der Kirgisen blieb treu und suchte in dem benachbarten rus— sischen Fort Schutz, bis ein russisches Armeecorps erschien, worauf sie in ihre Wohnsitze zurückkehrte.
— Der„Russische Invalide“ meldet: Die Aus rüstungs⸗Arbeiten zu der Expedition nach Chiwa sind in den Militärbezirken Kaukasus, Orenburg und Turkestan vollendet. Die Colonnen marschiren in concentrirten Corps von dem Ufer des kas- pischen Meeres, von Embafort und der Mündung des Sir Daja. Eine aus Orenburg ausgerückte Abtheilung sollte sich Mitte März in Embafort concentriren. Anfangs Mai erfolgt der Aufbruch in drei Colonnen nach der Grenze von Chiwa.
e- Friedberg. Auch hier wurde, wie anderwärts, der Geburtstag unseres Kaisers gefeiert. Die Stadt hatte teich geflaggt. Nachmittags fand ein Festessen im Hötel zu den drei Schwertern statt, dem Abends ein sehr ani⸗ mirtes Bankett folgte.
a- Friedberg. Die Reihe der diesjährigen Vor⸗ lesungen wurde am verflossenen Donnerstage den 21. d. M. durch Herrn Reallehrer Dr. Weyerhäuser geschlossen. Er las über Livingstones Entdeckungsreisen in Afrika.
Afrika, dem Altertbume und Mittelalter nur wenig bekannt, seit der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien im Jahre 1498 viel umfahren und in seinen Küstenlän⸗ dern nach und nach in den allgemeinen Weltverkehr ge— zogen, wurde im Inneren erst von dem Jahre 1788 an aufgeschlossen durch die in diesem Jahre gegründete Londoner „Afrikanische Gesellschaft“. Während eine große Anzahl von Reisenden sich der Erforschung des Nigergebiets, dessen Mündung, und des Nilgebiets, dessen Quelle es aufzu⸗ suchen galt, sowie dem zwischen beiden liegenden Central⸗ sudan zuwandten, blieb das Innere des entlegenen süd— afrikanischen Dreiecks noch lange unbeachtet. Der große Entdecker auf diesem Gebiete ist Dr. David Livingstone. Er ist 1817 nicht weit von Glasgow von armen, frommen Eltern geboren. Schon als 10jähriger Knabe mußte er sich sein Brod in einer Spinnerei verdienen. Bon unbeugsamem Wissens trieb gespornt, ersetzte er den mangelnden Schul- Unterricht durch eisernen Privatfleiß. Im 19. Jahre war er fest entschlossen, Missionar zu werden und studirte nun in Glasgow sowohl Theologie als Medicin, um auch den leiblichen Gebrechen der Heiden hülfreiche Hand bieten zu können. Zugleich ernährte er durch seine Arbeit als Wollspinner die Seinigen. Nach lücklich beendigten Studien stellle er sich der Londoner Missionsgesellschaft zur Verfügung und betrat 1840 den Boden Afrikas.
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Der erste Theil der großen Thätigkeit Livingsones 856, während welcher er fünf Reisen zur Durchsorschung der Central⸗
umfaßt sechszehn Jahre von 1840 bis 1 senke Südafrikas ausgeführt hat. Er ging in dieser Zeit von dem Berufe eines eigentlichen Missionars zu dem eines Reisenden und Entdeckers über,
erst dann werde mii Erfolg betrieben werden können, wenn
das Land durch Handels verbindungen vom Caplande, von der Of- und Wesiküste aus aufgeschlossen und den Ele⸗
menten europäischer Civilisation und christlicher Cultur zugänglich gemacht worden sei. Unter den geographischen Resultaten diefer Reisen verdienen Hervorhebung: Entdeckung des Ngamisees(1849), die Auffindung des oberen Zambesi(Liambey) und des oberen Congo. Living⸗ stone erreichte vom Inneren aus zuerst die Westküste und wandte sich sodann den Liambey hinabfahrend(Victoria⸗ fälle) zur Küste des Indischen Oceans.
Nur zwei Jahre verweilte der große Reisende nach
seiner Rückkehr in England, woselbst er die ehrenvollste Aufnahme und Anerkennung fand. Er benutzte diese Zeit
zur Herausgabe eines Reisewerkes und zu Vorbereitungen
auf eine neue Reise. Diesmal ging er von der Ostküste (Kilimane an der Zambesimündung) aus und drang über den ins Zambesigebiet gehörigen Nyassasee weiter nach Nordwesten ins Innere vor. Wieberholt verschollen und von treulosen Begleitern verlassen und todtgesagt, wurde und wird Livingstone noch jetzt durch englische Expeditionen aufgesucht. In wie weit der merkwürdige Bericht des Amerikaners Stanley, den mehr Journalisten⸗ neugier als wissenschaftliches Interesse nach dem Tangonyika— see gesandt und der den großen Reisenden in Adschischi an diesem See gefunden zu haben behauptet, Glauben verdient, wird erst die Zukunft, vielleicht die allernächste, aufhellen. Dann wird auch das Problem der Entdeckung der eigentlichen Nilquellen seine Lösung finden. ö
Daß übrigens Livingstone noch am Leben ist, machen Nachrichten aus Zanzibar zweifellos.
u- Friedberg. Die am 23. d. Mts. im Casino⸗ saale statigehabte Vorlesung des Herrn Hugo Wauer aus Berlin war, wie von dem die letzten Wochen von Vergnügungen aller Art betroffenen Friedberger Publi— kum nicht anders zu erwarten stand, nicht stark be⸗ sucht. Es würde die Betheiligung wobl noch geringer ausgefallen sein, wenn man vorausgewußt hätte, daß nicht das angekündigte„die Hohenzollern und die Bonaparte's⸗, sondern Gölhe's Faust, welcher erst einige Tage zuvor in demselben Lokale von einem unbekannten Kunstjünger herunter gehustet worden war, zum Vortrage gelangen würde. Die Versammlung nahm die Mittheilung von diesem Wechsel und der auf 3 Stunden zu berechnenden Dauer der Vorlesung sichtlich sehr ungnädig auf, und lag bei dieser Eröffnung wohl Manchem der Wunsch, in un⸗ bemerklicher Weise möglichst srühzeiligen Rückzug zum heimischen Kartoffelsalat antreten zu können, näher, als das Verlangen, sich an Faustischer Speise zu erlaben. So waren denn die äußeren Verhälinisse, unter denen Herr Wauer vorlesen sollte, so ungünstig, wie nur möglich. Allein die nachfolgenden 3 Stunden hoben den Stimmungs⸗ Barometer seines Auditoriums bis zum höchsten Stande.
Von seinem Stuhle herab, den er während des ganzen
Vortrags nicht verließ, im schwarzen Salonanzuge, ohne Kostüme, Coulissen und Decorationen verstand es der Künstler, eine imponirende Gestalt, seinem Hörerkreis eine ganze Welt von Menschen aufzuthun. Die Unbändigkeit Faust's, der mit sieben Meilenstiefeln das ganze Univer⸗ sum durchschreiten, dem Himmel und der Hölle die ewigen Geheimnisse der Natur abtrotzen will, die keuflische Salyre seines Genossen über die Ohnmacht und Eitelkeit des Erdenwurms, der kecke Humor der Studentenzeche, das Aufgehen der Liebessonne in keuscher Mädchenseele, ihr Fall, ihr Schmerzensschrei vor'm Muttergottes-Bilde, des Bruder's Fluch, der Schauer des Kerker's, Grethchen's Wahnsinn, Grethchen's Tod— wer von Euch, die Ihr es gehört, hat dies Alles in gleich erhabenem, großartigen Style mit solcher Sicherheit in der künstlerischen Beherr⸗ schung der Aufgabe an sich vorübergehen sehen? Gestehen wir, daß uns die Meisterschaft des Künstlers jene Stunden unvergeßlich gemacht hat, erklären wir, daß der Präsident des Casino's mit uns Allen sympathisirte, wenn er nach der Vorlesung Herrn Wauer warmen Dank für einen solchen Abend und die Hoffnung auf baldige Wiederkehr, die dieser auch schon für den nächsten Monat in ziemlich sichere Aussicht stellte, aussprach. Zur Rechtfertigung Wauers noch die Bemerkung, daß die Ankündigung seines
„Hohenzollern und die Bonaparte's“ ohne sein Vorwissen
geschay; die Vorlesung dieses Gedichts auch, wie man ihm seiner specielleren Motivirung gegenüber einräumen mußte, im Interesse der Zuhörerschaft unrathsam erschien.
Marktbericht.
Fraukfurt, 24. März. Waizen, wetterauer,(100 Kilo) 16¼ U fl., Korn(100 Kilo) 10½ fl., Gersie(100 Kilo) 12¾ fl., Hafer(100 Kilo) 896 fl., Kohlsamen (100 Kilo)— fl., Erbsen(100 Kilo) 10—12 fl., Wicken (100 Kilo) 93/ fl., Linsen(100 Kilo) 10—14 fl. Rübbl (100 Kilo) 44 fl
„Für die arme Lehrerswittwe sind bei uns noch nach⸗ träglich eingegangen: Von Herrn Director Dr. Matthias
geleiten von der Ueberzeugung, daß die Christianisirung der Südafrikaner
die
1 fl., Ungenaunt 1 fl., einige Ungenannten in Fauer⸗ bach b. Fr. 1 fl., zusammen 3 fl., welche an den Or
ihrer Bestimmung abgellefert wurden. 9 Die Expebilion des Oberhessischen Anzeigers.
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