20. Nov.
deutischer Münzstätten bisher im Ganzen ungefähr eine Milliarde Mark in 20. und 10⸗Markstücken
beträgt. Ferner sollen auf den preußischen Münz ⸗ stctten im nächsten Jahre 29,000,000 Ein⸗Mark⸗ Stücke, 5,700,000 Zwanzig Pfennig Stücke in Silber, 3,300,000 Mark Zehn- Pfennig Stücke in Nickel, 480,000 Mark Zwei⸗ Pfennig und 220,000 Mark Ein Pfennig Stücke in Kupfer ausgeprägt werden. Der Fünf ⸗ Mark-⸗Stücke in Gold oder Silber, so wie der Zwei⸗Mark- Stücke in Silber geschieht in dem Prägungs⸗Programm des nächsten Jahres noch keine Erwähnung.
— Hinsichtlich des Civilehegesetzes wird be⸗ stätigt, daß der von den Commissarien der Mi⸗ nister des Cultus, des Innern und der Justiz redigirte Gesetzentwurf in der Sitzung des Staats- minfsteriums vom 20. Novbr. definitiv beschlossen wurde. Indessen konnte die Genehmigung des Katsers mit Rücksicht auf eine, wie es scheint, vorübergehende Verschlimmerung in dem Befinden desselben noch nicht eingeholt werden.
Bonn. Bischof Reinkens hat sich am 21. d. in Begleitung des Professors Schulte von hier nach Karlsruhe begeben; er wird vort nach voll⸗ zogener Eides Ablegung vor dem Minister Jolly seine Anerkennungs Urkunde für Baden ausge- händigt und dann nebst seinem Reise⸗Gefährten beim Großherzog Audienz erhalten.
Kassel. Bis zum 22. d. sind fünf ordent. liche und drei außerordentliche Pfarrer abgesetzt
worden. Sechs weitere Absetzungen erfolgen in dieser Woche. f Limburg. Auf Präsentation des Grafen
v. Elz ist dem Stadteaplan Houben dahier vom Bischof die Pfarrei Baldninstein übertragen worden, und wurde der Ernannte von Domcapitular Thissen in sein neues Amt eingeführt. Damit wäre denn auch in der Diöbcese Limburg der erste Confliets⸗ fall eingetreten.
München. Ueber den Flügeladjutanten des Königs scheint ein eigener Unstern zu walten. Nachdem Graf v. Holnstein wegen verbotener Be · tretung des reservirten Parkes von Berg sich die Allerhöchste Ungnade zuzog, und in Metz beim Regimente einrückte, stürzte Freiherr v. Stauffen⸗ berg in Hoheaschwangau vom Pferde, und liegt Freiherr v. Varicourt an der Diphterie hier dar nieder, so daß Freiherr v. Hertling allein den Dienst übernehmen mußte.
Stuttgart. Abgeordnetenkammer vom Außer den Kosten für die Gesandt⸗ schaften in München und Wien wurden auch die für Berlin und Petersburg bewilligt. Eine Bitte um Erwägung der späteren Aufhebung des Wiener Gesandtschaftspostens wurde durch Stich- Entscheid des Präsidenten angenommen.
Karlsruhe. Die Abgeordnetenkammer hat am 22. d. die Wahl des Präsidiums vollzogen. Zum Präsidenten wurde Kirsner, zu Vite ⸗ Präsi⸗ denten wurden Bluntschli und Kiefer gewählt.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der Große Rath von St. Gallen hat einen Gesetzvorschlag, wonach Geistliche, welcht confessionellen Unfrieden stiften und ihr Amt zu politischen Zwecken mißbrauchen, mit Geldbuße bis 1000 Frs. oder Gefängniß bis 1 Jahr, im Rückfalle mit temporärer Amts- suspension oder gänzlicher Amtsentsetzung bestraft werden sollen, für erheblich erklärt und denselben einer Specialcommission überwiesen, die darüber noch im Laufe der gegenwärtigen Session Bericht erstatten und Antrag stellen soll.
Frankreich. Paris. Der„Moniteur“ meldet, daß Graf Chambord seit einer Woche in Frankreich verweile. Derselbe habe natürlich viel Anhänger empfangen, seine Reise trage aber keinen ausgesprochenen politischen Charakter; Graf Cham⸗ bord habe in der letzten Krisis den Deputirten der Rechten volle Freiheit gelassen.
— Ueber das angebliche Complot von Lyon weiß der officibse„Frangais“ folgendes Nähere mitzutheisen: An der Spitze der Verschwörung, deren Zweige sich nicht nur nach Saint-Etienne
eines der hervorragendsten und thätigsten Mit⸗ glieder der Internationale. Barcelona ein französisches Blatt unter dem Titel: „La Solidarité révolutionnaire“ herausgegeben und in Lyon, Saint-Etienne und Genf ein aus schließlich aus Arbeitern bestehendes„revolutionäres Actions⸗Comite“ gegründet, welches in einem ge⸗ gebenen Augenblicke die Volksmassen anführen und unter dem Rufe:„Es lebe die Commune von Lyon!“ einen Aufstand herbeiführen sollte. Das Programm dieses Comites verurtheilt das individuelle Eigenthum und jede andere Staats · sorm als die„Anarchie“; es will an die Stelle der Gesetze und des Richterstandes ein Volks- Tribunal, an Stelle der bestehenden Steuern eine Taxe auf das bewegliche und unbewegliche
Vermögen legen, die Kirchengüter confisciren und
die stehende Armee abschaffen.
— Am 22. Nov. hat ein Ministerrath statt⸗ gehabt und kamen die Minister dahin überein, daß sie an ihrem früher(am 20. d.) gefaßten Beschluß festhalten werden. Es wird sonach das „Journal officiel“ die Demission des Ministeriums nicht veröffentlichen, letzteres vielmehr in seiner jetzigen Zusammensetzung noch zur Diecussion der von Leon Say eingebrachten Interpellation vor der Nationalversammlung erscheinen.
— Das„Journal officiel“ schreibt: Nach der Nachtsitzung der Nationalversammlung begaben sich die Mitglieder des Burkaus in das Hotel des Präsidenten der Republik Marschall Mae Mahon. Der Präsident der Nationalversammlung sagte dem Marschall, daß er und seine Collegen vom Bureau sich beeilten, ihm den Beschluß der Nationalver⸗ sammlung mitzutheilen, welcher ihm die executive
Gewalt auf sieben Jahre überträgt, und mit dem
die Nationalversammlung ihm ihr vollkommenes Vertrauen in seine schon so viel bewährte Hin- gebung für das Land bekundet. Der Präsident der Republik erwiderte:„Ich bin von den Ge⸗ sinnungen, welche Sie mir aussprechen, tief gerührt. Ich bitte Sie, Herr Präsident, der Nationalver⸗ sammlung zu sagen, wie sehr ich ihr für diesen hohen Beweis ihres Vertrauens dankbar bin.“
— Die„Gazette de France“ erzählt:„In dem Augenblick, als man das Ergebniß der Abstimmung proclamirte, ließ Hr. Thiers, von der Niederlage seiner Armee wie vernichtet, sich die Worte ent⸗ schlüpfen:„Ich kann nichts mehr verstehen von diesem Roman!“ Hr. Laurier, der eben vorüber ging, antwortete, laut genug, um von Hrn. Thiers gehört zu werden:„Wenn es ein Roman ist, so sind Sie joenfalls nicht der Held!“
Triamon, 21. Nov. Prozeß Bazaine. Jules Favre, als Zeuge vernommen, sagt, daß Vörst Bismarck ihn bei der Zusammenkunft von Ferrières gefragt habe:„Sind Sie des Gehorsams de. Marschalls Bazaine sicher?“ Da Favre über diese
gesügt:„Ich habe allen Grund zu glauben, daß Bazaine nicht Ihnen gehört(west pas à vous).“ Diese Aussage erregt lebhaftes Erstaunen.
Belgien. Brüssel. Die Deputirten⸗ Kammer hat das Kriegs-Budget ohne Debatte mit 57 gegen 16 Stimmen angenommen.
Holland. Haag. Offiziellen Nachrichten aus Indien zufolge war die Cholera in Batavia im Abnehmen. Die Expedition gegen Atschin sollte dieser Tage abgehen, der Obergeneral van Swieten am 20. Nov. abreisen und das gesammte Geschwader in der Meerenge von Melacca zusammentreffen.
Großbritannien. London. Nachrichten aus Cap Coastcastle vom 31. Oct. zufolge haben die Engländer am 27. Oct. die Aschanti's bei Dunquah überfallen und ihr Lager niedergebrannt. Bei einer Recognoscirung auf Abrakampra wurden viele Aschanti's gefangen genommen.
Spanien. Madrid. Das Bombardement von Cartagena soll, wie man in Madrid versichert, am 24. November beginnen. Die Belagerungs⸗ batterien sind vollendet; 5000 Mann Verstärk⸗ ungen werden dagegen noch erwartet.
— Die Regierung hat Nachrichten erhalten, wonach die Insurgenten von Cartageng beschlossen
und Genf, sondern bis nach Barcelona ausdehnten, steht ein ehemaliger Arbeiter, Namens Camet,
Frage erstaunt gewesen sei, habe Bismarck hinzu-
wickelungen nach sich ziehe, über das Flotten ⸗ Ge ⸗
Camet hatte schon in schwader vor Cartagena disponiren könne.
Nach carlistischen Nachrichten hat Don Carlos den Infanten Don Alfonso zum Chef Com eur der Carlistentruppen in Va⸗ lencia und Arrogonien ernannt. Der Infant ist in 2. reixa, Lafuente und Caro nüch kurzem Aufenthalt in Bordeaux auf seinen Posten abgegangen.— Zufolge einer Depesche aus dem carlistischen Hauptquartier in Estella vom 17. ds. hat eine 900 Mann starke Carlisten-Ab⸗ theilung ein 400 Mann starkes Detachement von Regierungstruppen bei Velez Rubio(Provinz Almeria) geschlagen. 22 Republikaner wurden getödtet, 52 verwundet, der Rest zum größten Theil gefangen genommen. f Rußland. Petersburg. Man rüstet zu einem zweiten Frühjahrs⸗Feldzuge nach Mitkel⸗ Asten, um, wie man der„Ostsee-Zeitung“ aus Warschau mittheilt, die Unterwerfung der turko⸗ manischen Steppen ins Werk zu setzen und sich vor Allem der reichen Stadt Merw, der ebe⸗ maligen Hauptstadt von Khorassan an der Grenze Persiens, zu bemächtigen. Der Schah, welcher sich zwischen die aufdringliche Liebe Englands und Rußlands gestellt sieht, soll in diesem Falle dem Czar seine freundnachbarliche Unterstützung angeboten haben, welches Angebot unzweifelhaft gnädige Aufnahme in Peiersburg gefunden haben wird. Einem noch unverbürgten Gerüchte zufolge sollen die aus Khiwa und FTaschkend zurück⸗ kehrenden russischen Truppen auf dem Marsche Kehrt, gemacht haben und wieder in das Khanat vordringen wollen, um weiteren Extessen der be⸗ nachbarten Nomadenvölker vorzubeugen.
— Die Journale melden, daß General Kauff⸗ mann mit dem Chan von Khiwa eine Präliminar⸗ Convention abgeschlossen hat.
Amerika. Newyork. Die Journale veröffentlichen ein noch unbestätigtes Gerücht, daß in dem Ministerrath beschlossen worden sei, nach Madrid ein Ultimatum zu senden, in welchem die Abschaffung der Sklaverei auf Cuba, Herausgabe des„Virginius“ und der noch lebenden Ge⸗ fangenen an die Vereinigten Staaten, Auslieferung der für die Hinrichtung Verantwortlichen und Schadenersatz gefordert wird.
— Die Ingenieur- Officiere der Küsten⸗ und Hafen Vertheidigung haben den Befehl erhalten, alle Vorbereitungen zur Abweisung eines eventuellen Angriffs von der Seeseite her zu treffen. Die Artillerie-Commission ist bereit, einen vollständigen Vorrath an Kriegsmaterial an die Armee zu liefern. Das Ultimatum an die spanische Re⸗ gierung, dessen Absendung von den Journalen gemeldet wurde, redueirt sich auf eine diplomatische Rote, welche gewisse erwiesene Thatsachen bespricht n Genugihuang fordert.
— Am 21. Nov. hat ein Ministerrath statt⸗ gefunden. Man glaubt, daß Alles sehr günstig für eine Auseinandersetzung ohne Krieg stehe. Präsident Grant hat eine Verlängerung des Auf⸗ schubes für Herbeischaffung der Satisfaction Sei⸗ tens der spanischen Regierung bewilligt und wünscht, daß man auf die Unmöglichkeit Rücksicht nehme, daß Spanien bereits Nachrichten über die Belei⸗ digung erhalten und Zeit habe, Genugthuung zu
Bayonne.
gewähren. Die Marineberwaltung wird im Laufe eines Monats 20 Schiffe nach Cuba expediren können. e
Aus Stadt und Land.
— J. Butzbach. Dieser Tage vagabundirte hier ein aus Ziegenhain entlassener Zuchthaussträfling und warf Abends mit einem schweren Stein einem hiesigen Kauf⸗ mann das Erkerfenster ein, und zwar mit solcher Gewalt, daß noch die Glasschränke im Laden zertrümmert wurden. Vorderband sitzt der Kerl in Nummero Sicher.
Offenbach. Der am 21. November früh zwischen
Güterzug ist im Hanauer Bahnhof, in der Nähe des Viadukts, entgleist, mehrere Wagen find beschädigt und liegen übereinander, wodurch der Verkehr unterbrochen ist. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Wie wir hören, soll ein im Zug gewesener französischer Wagen die Veranlassung zur Entgleisung gegeben haben. Darmstadt. Die Verbreitung der in Frankfurt er⸗
hätten, sich zu unterwerfen, damit die 100. scheinenden größeren politischen Zeilungen im Großherzog⸗ thum Hessen kennen zu lernen, ist in gewisser Beziehung
im Falle die„Virginius“ Affaire weitere Ver⸗
5 und 6 Uhr mit der Frankfurt⸗Bebraer Bahn abgegangene


