Ausgabe 
25.10.1873
 
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Einigung hergestellt sei. Die Bonapartisten wür⸗ den nicht gegen die Monarchie stimmen.

Frankreich. Paris. DerSoleil schreibt: Folgendes ist die Wahrheit über die Entrevue von Salzburg: Die Delegirten baben volles Genüge auf den bereits bekannten Grundlagen erhalten. Sein volles Einverständniß mit dem Lande be kunden wollend, hat Graf Chambord der National- versammlung überlassen, diese Grundlagen in dem Act, durch welchen sie ihn auf den Thron zurück⸗ beruft, zu formuliren. Hinsichtlich der Fahnen Frage erklärte Graf Chambord:Ja, ich werde die Fahne grüßen, welche die französischen Sol- daten bei meiner Rückkehr nach Frankreich mir präsentiren werden, denn dies mit ihrem Blute gefärbte Banner ist meiner Achtung würdig.

DerMoniteur universel resumirt die hauptsächlichsten Bestimmungen der von derCom- misston der Neun vorbereiteten Resolution, welche als Grundlage der Wiederherstellung der Monarchie dienen soll: Absolute Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze; Zulässigkeit zu allen bürgerlichen und militärischen Stellungen; religiöse Freiheit ohne Unterschied der bestehenden Culten; Freiheit der Presse unter der alleinigen und nothwendigen Garantie der öffentlichen Ordnung; jährliche Fest⸗ stellung der Steuern durch die Repräsentanten des Landes und Aufrechterhaltung und Organisation des allgemeinen Stimmrechts. Uebrigens wird der definitive Text erst in letzter Stunde festgesetzt werden.

Der Herzog von Nemours ist, wie man officibs meldet,auf der Rückkehr von Deutsch⸗ land wieder in Paris eingetroffen. Er hatte sich also in Deutschland aufgehalten, ohne daß es ihm, wie seinem Bruder Aumale, nöthig geschienen hätte, in Berlin eine Erlaubniß dazu einzuholen.

Das rechte Centrum hat beschlossen, die⸗ jenigen seiner Mitglieder, welche zugleich Mitglieder der Permanenz ⸗Commission sind, zu beauftragen, die vorzeitige Einberufung der Nationalversamm⸗ lung za beantragen, ohne das Datum der Ein- berufung festzusetzen, bevor sie das Gutachten der Regierung eingeholt haben.

Seit dem 20. d. M. ist in Paris, in Versailles, in den Forts und in den nahen Lagern die Hälfte der Truppen stets consignirt; die Patrouillen, welche Nachts die Straßen von Paris durchzieben, sind verdoppelt worden. Der Polizei⸗ präfect hat umsassende Versichtsmaßregeln getroffen, und hat täglich Conferenzen mit dem Militär⸗ Gouverneur, General Ladmirault, und mit dem Commandanten von Paris, General Graf De Geslin. Letzterer gehört zu den Notabilitäten der royalistischen Partei.

Versailles. DieAgence Havas meldet:

strengungen bedürfen wird. Die Eröffnung der Restauration

Die Regierung spricht sich weder für noch gegen die vorzeitige Einberufung der Nationalversammlung aus, sondern überläßt die Entscheidung dieser Frage der Weisheit der Permanenz Commisston. N

Trianon, 21. Oct. Prozeß Bazaine. Fort. setzung des Zeugenverhörs. Schneider und Rouher sagen aus, daß Bazaine keinerlei Schritte zur Er⸗ langung des Obercommandos gethan habe. Mar- schall Canrobert legt seine Theilnahme an den militärischen Operationen, namentlich an dem Tage des 15. August, dar und betont den geringen Werth der französischen Artillerie, von der er nur über 54 Kanonen verfügt habe. Nichts destoweniger habe er das Schlachtfeld behauptet. Die Er⸗ zählung Canrobert's ruft eine lebhafte Bewegung dervor. Canrobert betont den persönlichen Muth Bazaine's und erzählt die Schlacht bei St. Privat; er habe zweimal das Hauptquartier benachrichtigt, daß es an Munition fehle. Mittags habe er Mittheilung erhalten, daß die Garde zu seiner Unterstützung erscheinen werde, es sei aber nichts gekommen. Canrobert führt aus, daß Bazaine sich von der Wichtigkeit der Schlacht keine Vor stellung gemacht habe. Leboeuf, Ladmirault, Bourbaki, Frossard und Jarras geben ihre Aus⸗ sagen über die militärischen Operationen bis zum 19. August ab. Bourbaki sagt, er habe am 18. keine Ordres zur Unterstützung Canrobert's er halten, von dessen Gefahr er nichts gewußt babe. Er habe nicht geglaubt, ohne Ordre marschiren zu dürfen.

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der Gegenstände bewies; der Himmel bedeckt. Gleich

binnen 14 Tagen vollständig beendigt sein. Die Trauben

22. Okt. Prozeß Bazaine. Zu dem heute fortgesetzten Zeugenverhör war Soleille, General der Artillerie, wegen einer Krankheit nicht er⸗ schienen. Der Generalstabschefs desselben sagt aus, daß nach Schätzung des Generals Soleille bis zum 16. August Abends die Hälfte der vor⸗ handenen Munition verbraucht gewesen sei, Bazaine sei hiervon benachrichtigt worden-und habe dieser gefürchtet, daß in Folge dessen Munitionsmangel eintreten könnte. Lebrun sagt, mehrere Befehle seien gegeben worden, ohne daß dieselben vorher den Generalstab passirt hätten. Dieser Umstand habe viele Confusion und selbst Widerspruch in den Instructionen herbeigeführt.

Holland. Haag. Der Sultan von Atchin hat, nach einer demDagblad zugegangenen Privat mittheilung aus Paris, an die französische Re- gierung ein Memorandum betreffs seiner Be schwerden gegen Holland gerichtet. Dasselbe ist vom Marschall-Prästdenten der holländischen Re- gierung übermittelt worden.

Spanien. Madrid. Eine 480 Mann starke Abtheilung Regierungstruppen unter Maturana hat am 18. d. M. die Bande des Pfarrers Flix bei Prades in Catalonien geschlagen. Am 19. traf die Colonne des Maturana eine Bande unter Cerros, schlug dieselbe, wurde aber von den in der Stärke von 3000 Mann vereinigten Banden Tristanp's und Miret's überrascht und gezwungen sich zurückzuziehen. Maturana wird vermißt. Die Insurgenten machten einen Ausfall aus Cartagena, wurden aber zurückgedrängt. Das Regierungs- Geschwader wird am 22. d. M. vor Cartagena erwartet.

Aus Stadt und Land.

t- Langenhain. Am 21. d. M. wurde ein hiesiger, 29 Jahre alter Bursche, der ein geschickter Schneider und der Sohn einer armen, alten, braven Wiltwe war, in einem Tannenwäldchen bei Ziegenberg erhenkt gefunden. Ein unglückliches Liebesverhältniß mit einer hiesigen schon ältlichen Weibsperson deren Ehemann vor ungefähr 16 Jahren nach Australien auswanderte und seit 12 bis 14 Jahren nichts mehr von sich hören läßt, hat diesen tragischen Fall herbeigeführt. Am 9. dieses hatte der von Eifersucht Gefolterte seine Geliebte auf dem Felde, in der Nähe des Ortes, dermaßen mißhandelt, daß sie einige Tage das Bett hüten mußte. Noch an genanntem Tage scheint der Unglückliche den Selbstmord ausgeführt zu haben, da er sich in seinen Alltagskleidern eilig aus dem Dorf entfernte.

Darmstadt. Die Eröffnung des Saalbau's ist auf den 15. November fest bestimmt worden, obwohl die Fertigstellung der Räume bis dahin noch sehr großer An⸗

des Herrn Riedmalter wird noch im Laufe dieser Woche erfolgen.

Darmstadt. Die Weber'sche Eisfabrik ist nunmehr in Betrieb getreten. Dieselbe beendet in je 24 Stunden 5 Mal den Verwandlungsproceß von Wasser in Eis und liefert hierbei jedesmal 59 Tafeln 3 20 Pfd. cristallklarer festester Waare.

Michelstadt. Am 22. d. Nachts zwischen 2 und 3 Uhr nahm man ein zwei Secunden dauerndes Erd beben wahr. Die Erschütterung hatte die Richtung von Südwest nach Nordosten, war heflig, was die Bewegung

darauf folgte ein sturmartiger Regen und der Wind kam aus Süd⸗Süd⸗Westen. Besonders start nahm man die Erschütterung in den Orten an der badisch⸗hessischen Grenze im Odenwalde wahr. ö

Mainz. An vielen Orten unserer Provinz hat die Weinlese begannen und im Laufe dieser und der nächsten Woche wird dieselbe überall im Gange sein; sie dürfte

haben bis 90 Grad Süße und bis 11 Grad Säure und wird die Eich je nach Länge und Güte zu 14 22½ fl. verkauft. Die Weinernte fällt an manchen Orten besser aus, als man gebacht hatte.

Mainz. Vor einigen Tagen lenkte ein hiesiger Fuhr⸗ mann sein Chaischen, in welchem er nebst seiner Frau placirt war, gegen Hechtsheim. Auf der Hechtsheimer Chaussee am sogenannten Albanusberg, stießen die Vorder⸗ räder bei einer kurzen Wendung mit solcher Vehemenz gegen einen Abweisstein, daß das Fuhrwerk umstürzte und die Insassen darunter zu liegen kamen. Die Frau erlitt einen Armbruch, der Mann einige Verletzungen am Knie und auch das Pferd wur ke beschädigt. Letzieres ging mit dem Chaischen durch und konnte erst nach einer Weile wieder aufgefangen werden.

Allerlei.

Frankfurt. Das Resultat des diesjährigen Herbst⸗ Pferdemarkles ist hinter den gehegten Erwartungen geblieben. Das Geschäft in Wagenpferden war mittel⸗ mäßig, in Reitpferden faul, in Arbeilspferden ziemlich

Umsatz beziffert sich auf 170,000 fl. Die rkt⸗ erfreute sich einer regen Theilnahme und benni Händler wenigstens insofern vor Verlust, als man solche Rücksicht nahm, die sonst einen höchst geringen satz hatten. Nur ein Händler verläßt Frankfurt befriedigt; derselbe hat seine sämmtlichen zu Me brachten schweren Arbeitapferde verkauft. Hoffentlich w der nächstjährige Frühjahrs Markt zu einem andert Resuliat führen. 1 3 7

Speyer. Hier hat die Cholera jetzt doch mae genommen; an einzelnen Tagen kommt wohl er ein mal eine größere Anzahl von Erkrankungen vor, abe lange nicht mehr so viel, als in voriger Woche, und di Zahl der Todesfälle vat sich constant ren Ganzen betrug bis jetzt die Zahl der Erkrankungen 389, die der Todesfälle 172. Die Sammlungen für die von der Cholera Heimgesuchten haben an Geld bis i 5322 fl. ertragen. 5.

München. Als ein Chargcteristicum von München mag erwähnt sein, daß am letzten Samstage bei Wieder eröffnung des Hofbräuhauses binnen 12 Stunden 146 Eimm Bier ausgetrunken wurden und die durstigen Mün 14 trotz empfindlicher Kälte ihre Plätze im Freien behauptelen, als sei die Saison mitten im Hochsommer eröffnet worden,

Mühlhausen. Der jetzt steckbrieflich verfolgte Banken Blachstein von hier halte in Leipzig einen Vetter, den Inhaber der noch vor Blachstein fallit gewordenen dor tigen Firma G. Buchholz Wwe. Der verwandtschaftliche Verkehr des edlen Vetter⸗Paares beschränkte sich wesentlih auf eine systematisch ausgebeutete Wechselreiterei. Als daß Buchholtz'sche Fallissement noch nicht erfolgt war, und mehrere größere Tratten Blachstein's auf Buchboltz fam wurden, rief der Erstere dem Letzteren das Herannahen desbewußten Termins ins Gedäch:niß zurück. Buchholz konnten antwortete darauf lapidarisch:Ich bin pleite. Einliegend eine Groschen⸗Marke mit der Bitte um Benachrichtigung, wann Du pleite bist.

D. Frankfurt a. M., 23. Oct. Die matte Hal⸗ tung der Börse dauert fert. Die Contremine wird nicht müde, Sensationsnachrichten aller Art zu verbreiten, welche die getrübte Stimmung verstärken und wenigstens eine temporäre Wirkung ausüben. Indeß fehlt es auch nicht alt 63 an begründeten Hiobsposten, welche am gestrigen Tage in Elisabe der Nachtbörse, sowie im Abendgeschäft einen deroutear⸗ lisabe tigen Rückgang auf allen Verkehrsgebieten veranlaßen. des Se Mitlags war es die Nachricht von dem Rücktritt Hanse⸗ ffriedri mann's von der Discontogesellschaft, Abends die Melbung 62 Jal sehr malter Wiener Course in Folge von Executionsver⸗* käufen. Die Stimmung gestallete sich heute etwas be- Anna, ruhigter, indem starke Berliner Kaufordres zu Deckung? zwecken vorlagen., Creditactien setzten über ihren Abendcours mit 214 ein und bewegten sich zwischen 213 41½ 14/ 14½, um nach Notiz mit 216 zu schließen. Staats⸗

bahn blieben 325, Lombarden 159½. Oesterreichische Da Bahnen waren angeboten und durchweg matter, nament- fungsbl lich Alföld, welche fl. 6 einbüßten. Am Bankenmarkte 1. herrschte große Stille und genügsen kleine Verkaufsordres, das Oe um die Course weiter herabzusetzen. Oesterreichische Renten betreffe matter. Amerikaner fest. Looseffecten durchgängig flau. II. Von Wechseln Wien und Paris höher. Napoleons ½ kr. bebung billiger. 8 l betreff III.

5 Geld- Cours. tätgung Frankfurt am 23. October 1873. 0 18

5 dirrchen⸗

Preußische Friedrichsd'or..fl. 9 58½59½ hessen in Pistolen en, V. Holländische fl. 10-Stücke 9 5254 d Ducgten, ier bt n 5 3436 0 Ducaten al mare 5 3638 nastalleh 20⸗Frankenstücke 9 21 ½22½ boisch! Englische Sovereighg s 11 5052 der Ho Russische Imperiales. 9 4143 ö Dollars in Gold., 2 25½26½ 0* 8 0 mme

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