Ausgabe 
22.7.1873
 
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ordentlichen Professor der Maschinenbaukunde an der polptechnischen Schule, mit Wirkung vom 1. October 1873 an, ernannt. 9 995

Berlin. Der Cultusminister Dr. Falk be absichtigt, wie derBreslauer Zeitung von be⸗ theiligter Seite geschrieben wird, trotz aller ent- gegengesetzten Nachrichten bereits in der nächsten Session des preußischen Landtages ein das gesammte Schulwesen umfassende Unterrichtsgesetz einzubringen. Zu diesem Behufe hat er am 9. d. an eine An- zahl von Männern, bei denen er genaue Kenntniß des höheren Unterrichtswesens und Interesse für eine möglichst vollendete Organisation desselben voraussetzt, Einladungen zu einer Mitte October abzuhaltenden Conferenz zur Berathung von Gegen: ständen des höheren Unterrichtswesens, namentlich zur Besprechung der Organisation der Realschulen, ergehen lassen.

Anläßlich der neuerdings so häufig vorge⸗ kommenen Eisenbahn- Unfälle in Folge desecter Wagen ist den Werkstätten⸗Verwaltungen die ge⸗ naue Befolgung der Vorschrift, wonach die ein- zelnen Wagen nach Zurücklegung einer bestimmten Anzahl Axmeilen zur Revision gestellt werden müssen, zur strengsten Pflicht gemacht worden. Bezüglich der Auswechselung der defecten Schwellen und Schienen in den Bahnhöfen wie auf der freien Strecke wird demnächst jedenfalls eine be⸗ sondere Instruetion für die Bahnmeister der Staats⸗ bahnen ausgearbeitet werden.

Der Handelsminister hat eine Commisston niedergesetzt, welche mit der Untersuchung der sich in der letzten Zeit so auffallend mehrenden Un⸗ fälle auf Eisenbahnen beauftragt ist. Fexner soll auf Veranlassung des großen Generalstabs im Laufe dieses Sommers eine eingehende Revision des gesammten Betriebsmaterials und der Vor⸗ kehrungen für den Transport der Truppen auf den deutschen Eisenbahnen durch höhere Militärs stattfinden, deren Resultat von Einfluß auf die Maßnahmen bei einer künftig etwa eintretenden Mobilmachung fein wird.

Die Einleitung der Klage des Bischoss von Ermeland gegen den Fiscus, wegen Vorent haltung der seit dem 1. October v. J. gesperrten Temporalien, ist, wie derNotional- Zeitung mitgetheilt wird, jetzt auch von dem Obertribunal, also endgültig abgewiesen worden.

Ems. Kaiser Wilhelm begab sich am 20. d. zur Begrüßung der russischen Kaiserfamilie nach Jugenheim.

München. Das Beweisverfahren in dem Prozeß Spitzeder wurde am 19. d. beendet. Der Staatsanwalt hielt die Anklage in 2½stündiger Rede vollständig aufrecht. Der Urtheilsspruch er⸗ folgte am 20. d.

Straßburg. Der DampferStadt Mann- heim ist am 18. d. um 2 Uhr hier eingetroffen und als erstes Dampfschiff, welches den Verkehr mit Straßburg eröffnet, von dem General Hart mann und dem Handels ⸗Président Sengenwald feierlich empfangen worden. An Bord des Schiffes befanden sich Vertreter der Uferstaaken. Eine große Menschenmenge war herbeigeströmt.

f Auslaud.

Frankreich. Paris. In der National- versammlung wurde am 15, d. ein Gesetzentwurf von Cczanne vertheilt, welcher die Bildung einer Anzahl von Bergjäger⸗Bataillonen beantragt, die speziell für die Vertheidigung der Alpen-, Jura-, Vogesen⸗ und Pyrenäen⸗Grenze herangezogen und hauptsächlich aus den Einwohnern jener Gebirgs⸗ Gegenden rekrutirt werden sollen.

In Toul ist mit der Wegschaffung des deutschen Kriegsgeräths begonnen worden. Das rechte Centrum hat über die Interpellation von Montag berathen; da die Verhandlungen sehr stürmisch waren, so wurde beschlossen, kein Proto koll zu veröffentlichen. Die klerikalen Tendenzen der Regierung wurden scharf getadelt und darauf hingewiesen, wie lächerlich Frankreich sich dadurch mache, daß es ofstziell erkläre, daß Wallfahrten nach Paray⸗-le⸗Monial und der Bau einer Kirche auf dem Montmarte es retten würden.

Spanien. Bayonne. Ein Befehl Don

Carles dom 15. S. wird von General Lizarraga imCourier von Bayonne veröffentlicht. Der⸗

selbe verpflichtet den in Guipuzeoa commandiren⸗ den General, den geflohenen Santa Cruz als Rebellen zu behandeln, wenn derselbe an der Spitze neuer Banden auftritt. Der Befehl besagt weiter, daß alle von der Klugheit eingegebenen Ueberredungsmittel erschöpft seien. Alle Diejenigen, welche unter Santa Cruz dienen, sollen als Majestäts⸗ Verbrecher verurtheilt werden. Der Brief Don Carlos an Lizarraga befiehlt schließlich Wieder⸗ herstellung der Diseiplin und Bestrafung der ge⸗ ringsten Uebertretung.

Aus Stadt und Land.

Bad⸗ Nauheim. Am 17. Juli Abends wurde unfern der hiesigen Bahnstation nach Friedberg zu, nächst dem zweiten Gradirwerk, ein Schienenbruch bemerkt, nach⸗

dem soeben noch ein langer Güterzug in der Richtung auf

Frankfurt die Stelle passirt hatte. Wäre der Schaden nicht sofort wahrgenommen worden, wes bei der einbrechen⸗ den Nacht sehr leicht geschehen konnte, so hätte den kaum eine Viertelstunde darauf(842 Uhr) in gleicher Richtung von Nauheim abgehenden stark besetzten Personenzug wohl unzweifelhaft schweren Schaden getroffen, und die schon übergroße Zahl von Eisenbahnunfällen der letzten Wochen wäre um einen weiteren aus nächster Nähe vermehrt worden.

Offenbach. Am 18. Juli erschoß sich hinter der Chaisenfabrik von Dick und Kirschten dahier, unweit des Wolfswegs auf städt. Gelände, ein in Frankfurt in Con⸗ dition steyender Barbiergehülfe mittelst eines Terzerols, das er noch als Leiche in seiner Hand hielt. Er trug sein ganzes Barbierwerkzeug bei sich, war aber ohne Geld. Er heißt G. Betz und ist aus Hangenweißheim bei Worms.

Alsfeld. Am 13. und 14. Juli wurde in Alsfeld das vierte Turnfest des Bezirks Hessen abgehalten. Aus Nah und Fern hatten sich Turner und Turufreunde zu diesem vom schönsten Wetter begünstigten Feste begeben, das sich in seinem ganzen Verlaufe zu einem eigentlichen Volksfeste gestaltete. Die sämmtlichen Straßen der altehr⸗ würdigen Stadt prangten im Festschmuck, fast alle Häuser, deren Bewohner sich überdies durch ihre unbegrenzte Gast⸗ freundschaft auszeichneten, waren mit Blumen, Kränzen und Fahnen geschmückt.

Darmstadt. Einem Bauersmann, welcher am 17. Juli Nachmittags ein Billet zu dem um 3 Uhr 10 Min. nach Frankfurt gehenden Zug gelöst hatte, fiel auf dem Perron 1 kr. zwischen die Wagenreihe des zur Abfahrt bereiten Zuges und wollte das Bäuerlein zwischen die Räder kriechen, um den verlorenen Kreuzer zu suchen. Da er mit Gewalt hiervon abgehalten wurde, schrie ee, der Zugführer möge ein wenig vorfahren, damit er seinen Kreuzer suchen könne, er sttege nicht eher ein, bis er seinen Kreuzer wieder habe, und dabei blieb er auch, so daß der Zug ohne ihn abfuhr. Ob der Mann seinen Kreuzer wieder gefunden hat, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, glauben aber, daß er bis zu dem um 7 Uhr 10 Minuten staltfindenden Abgang des nächsten Zuge mehr wie einen Kreuzer bier verzehrt bat. 5

Darmstadt. Der hiesigen Polizei ist es gelungen, einige jugendliche Gauner zu erwischen, welche in letzter Zeit eine ziemlich bedeutende Anzahl kleinerer Diebstähle ausführten. Der Hauptmann dieser Bande ist dem Ver⸗ nehmen nach ein hoffnungsvolles Früchtchen aus Langen, welcher von Polizeisoldat Fr. arretirt wurde, und soll der⸗ selbe über ein Dutzend Diebstähle bereits eingestanden haben.

Mainz. Eine großartige Todischlägerei man kann es nicht anders nennen fand am 15. Juli gegen Abend aus der geringfügigsten Ursache in Mombach statt. Ein beim Neubau der Gastell'schen Wagenfabrik beschäftigter Maurer, ein sehr braver Mann, kam mit zwei anderen Arbeitern, Vater und Sohn, in Streit, weil er dem letzteren dankte, als derselbe ihm sein Glas zum Trinken anbot; hierauf folgte eine Rauferei, die sich durchs Dorf bis zum Kirchhof forispaun, wo dann schließlich dem besaglen Maurer der Bauch aufgeschlitzt wurde, so daß dieser todt blieb, und drei andere mehr oder minder schwer verwundet wurden. Verschiedene der Theilnehmer sind bereits hierher in Haft gebracht.

Mainz. Bereits kommen von allen Seiten wieder die Backsteinbrenner herbei, welche im Frühjehr nach allen Richlungen ausgewandert sind, um auf den Backstein⸗ brennereien, wie im verflossenen Jahre, einen reichen Ver⸗ dienst, sich zu verschaffen. In Folge der geringen Bau⸗ thätigkeit, welche in diesem Jahre allenibalben herrscht, ist der Preis so gefallen, daß man sie nicht mehr ohne eigenen Verlust liefern kann. Auch sind noch mehr Backsteine vor räthig, als man braucht, weshalb auf allen Vackstein⸗ brennereien jetzt eine greße Anzahl Arbeiter eutlassen wird.

Allerlei.

Frankfurt. Herr Pfarrer Wucherer dahier hat sich durch die Gründung eines Bienenzuchtvereins in hiesiger Stadt, der schon über 100 Miiglieder zählt, um die Bienenzucht viele Verdienste erworben. Der sirebsame Frankfurter Verein wird nun, unterstützt durch die ver⸗

waud ien Vereine am Taunus, am 17. August eine Bienen⸗

ausstellung, verbunden mit einer Verloosung, veranstalten, und ist zu der Verloosung die Genehmigung bereits ertheilt. Frankfurt. Am 17. Juli haben sirikende Stein⸗

drucker einen andern, welcher noch arbeitete, mit Todt⸗

thätige Hülfe, desselben bald Herr zu werden, so daß ber

auf der Station Elm vom Sturmwinde in Bewegung

zu wersen.

stiechen bebroht, wenn er nicht die Arbeit einstelle. Ein K demselden Geschäft befindlicher Buchdrucker erklärte den Steindrucker, daß, wenn die Mehrheit feiere, die Minder

heit mitthun müsse und forderte ihn auf, die Arbeit ein, Der betreffende Steindrucker gerieht dadurg in zwei Feuer und lief von Frankfurt sort. Die Unter

zustellen.

suchung des Vorfalles ist eingeleitet. 5 9 Frankfurt. Zwei Jubelfeste der Turnerei stehet devor; das eine in unserm nahen Bornbeim, woselbst die Turngemeinde am 27. Juli das 25jäbrige Fahnen⸗Jubiläun begeht, und ebenso der Cronberger Turnverein das gleich Fest am 3. August Höchst. Am 18. Juli zwischen 10 und 11 Uhr

Vormittags brach in der großen Anilinfabrik von Meisic y

Lucius und Brüning dahier Feuer aus, welches an fänglich sehr bedeutende Dimensionen anzunehmen drohe, Glücklicherweise gelang es jedoch, durch rasch ru

Betrieb seinen ungestörten Fortgang nehmen kann.

Fulda. DerF. Anz. schreibt: Dem am 18.%

von Frankfurt kommenden Nachtschnellzug konne zwischen Schlüchtern und Elm ein schwerer Unfall. geguen. Ein freistehender beladener Güterwagen wutke

gesetzt und nach Schlüchtern zu getrieben. Nur der Auf⸗ merksamkeit eines Bahnwärtets, welcher schnelles Sigml abgab und dem vorsichtigen Fahren des Locomolivführets it es zu verdanken, daß ein Zusammenstoß und groß Unglück verbület wurde. In demselben Blatt wird die Angabe, daß sich an der Wallfahrt nach dem Gehülferk⸗ berge 10,000 Pilger betheiligt, dahin richtig gestellt, de Gesammtzahl der Männer, welche an der Prozession Thill genommen, habe sich(also ausschließlich der Frauen) auß über 2000 belaufen. 4 Bacharach. In Erinnerung an die am 13. Juli vor drei Jahren in Euts stattgefundene historische Unte⸗ redung unseres Kaisers mit dem frcanzösischen Botschaster Benedetti richteten die Pensionäre desHotel Wasum in Bacharach das folgende poelische Telegramm an dem Kaiser: f Heiß, wie der Rebe Blut uns rinnt, Treu, wie das deutsche Mädchen minnt, Voll, wie in seinem Bett nder Rhein, Soll unser Hoch auf Kaiser Wilhelm sein. Gegen Abend lief von Ems die nachstehende telegraphische Antwort ein:Den Pensionären imHotel Wasum zu

Bacharach sage Ich Meinen freundlichsten Dank für den

poenschen Zuruf vom heutigen Tage. Wilhelm.

Metz. Durch den am 12. Juli Morgens gegem 5 Übr ersolgten Zusammenstoß zweier Güterzüge zwischen Ueckingen und Hagendingen an der Eisenbahn nach Dieden⸗ bofen hat sämmtliches Fahrpersonal mehr oder wenigen Verletzungen davongetragen. Sämmtliche Waggons ung Maschinen sind zertrümmert.

Gotha. Der Staatsanwalt Morchutt gibt in den Hess. Morgen ⸗Ztg. eine Erklärung bezüglich des Fröls⸗ siedter Eisenbahn⸗ Unglücks ab, worin er sagt, daß die Ergebnisse der im vollen Gange befindlichen Untersuchung unter gllen Umständen zur rückhaltlosen Veröffentlichung gelangen werden.

D. Frankfurt a. M., 19. Juli(Börsenwoche von 12. bis 18 Juli). Die Speculationelust ist erschlafft und die lodte Jahreszeit macht ihre Rechte auf allen Verkehrs gebieten geltend. Weder die Baisseparthei, noch die Lieb: haberei hat mehr die Kraft, die ihnen gebotenen günstigen Momente für sich auszunutzen. Es ergibt sich dies auß den Wiener Exeignissen dieser Woche, wo Furcht vor den Cholera, die sichere Aussicht auf eine Mittelerndte, und die abermals erschrecklich zu Tage getretene Fäulniß der Börse, die Contremine zu dem Versuche veranlaßten, dit internalionalen Werthe, besonders Creditactien, wieder ftall Der Versuch hatte wenig Erfolg. Aber auch der Liebhaberei gelingt es nicht, eine Coursentwickelung in steigender Richtung hervorzurufen, da sie der Unter stützung der, in den Bädern weilenden Haute Financk: enibehrt. Ein Theil der Speeulation hat sich übrigen bereits mit Werthen zu den tief gesunkenen Coursen unte der Hand versorgt und wartet eine bessere Zeit ab, un

das billig erworbene Material dann mit Vortheil an den

Markt zu bringen. Der Medio gestaltete sich ohne Schwierig keiten zu einem befriedigenden Abschluß. Die vorliegenden

Engagements waren nicht zahlreich, doch zog Geld etwas an. und Prolongalionen waren nicht unter 5% zu machen. Für Speculationswertbe war die Stimmung im Ganzen

eine schwankende, indeß die Tendenz für Ansagepapiel und Bahnen, trotz des unbedeutenden Geschäftes, ziemlich fest blieb. Ueber Creditactien waren wieder die verschieden⸗

artigsten Vetsionen im Umlauf, Nach der neuesten Mel⸗ dung sollen die Verluste der Creditanstalt höchstens eine Million betragen und das Benkgeschäft inzwischen die größten Fortschritte gemacht haben. Staatsbabn hiellen sich relativ fest, da sie durch die wachsenden Mehreinnahmen günstig beeinflußt sind, und Lombarden, wenig beachlet, stagnirlen. Creditactien verkehrten zwischen 240½34. Staatsbahn gingen von 357½56, Lombarden schwankten zwischen 200 196 ½. In österr. Bahnen war das Ge schäft weniger umfangreich, als in der Vorwoche. Linz Budweis blieben 3 fl. besser, hingegen Elisabeth fl. matter. Deutsche Bahnen zeigten sich ziemlich preishaltenb. Auch in Anlagefonds und Prioritäten entwickelte sich uur ein mäßiges Geschäft. Russische und Amerik. Fonds fe. Spanier weichend. Neue Bayrische Ostbahn- Prioritäten zu 101 ½ in gutem Begehr; auch neue russische Pfandbriese

und Nassauische Landesdank⸗Obligationen gefragt. Banken wurde fast durchgehends, bei ssillem Verkehr, eine leichte

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