Landesgesetze angeschlossen. Der Wahrnehmung Ew. Heilig⸗ keit wird nicht entgangen sein, daß ähnliche Erscheinungen sich gegenwätlig in der Mehrzahl der europäischen und in einigen überseeischen Staaten wiederholen. Es ist nicht meine Aufgabe, die Ursachen zu untersuchen, durch welche Priester und Gläubige einer der christlichen Confesstonen bewogen werden können, den Feinden jeder staatlichen Ordnung in Bekämpfung der letzteren behülflich zu sein. Wohl aber ist es meine Aufgabe, in den Staaten, deren Regierung mir von Gott anvertraut ist, den inneren Frieden zu schützen und das Ansehen der Gesetze zu wahren.
ch bin mir bewußt, daß ich über Erfüllung dieser meiner königlichen Pflicht Gott Rechenschaft schuldig bin, und ich werde Ordnung und Gesetz in meinen Staaten jeder An⸗ sechtung gegenüber aufrechthalten, so lange Gott mir die Macht dazu verleiht. Ich bin als christlicher Monarch dazu verpflichtet, auch da, wo ich zu meinem Schmerz diesen königlichen Beruf gegen die Diener einer Kirche zu erfüllen habe, von der ich annehme, daß sie nicht minder wie die evangelische Kirche das Gebot des Gehorsams gegen die weltliche Obrigkeit als einen Ausfluß des uns geoffenbarten göttlichen Willens erkennt. Zu meinem Be⸗ dauern verleugnen viele der Ew. Heiligkeit unterworfenen Geistlichen in Preußen die christliche Lehre in dieser Rich⸗ tung, und setzen meine Regierung in die Nothwendigkeit, gestützt auf die große Mehrzahl meiner treuen katholischen und evangelischen Unterthanen, die Vefolgung der Landes— gesetze durch weltliche Mittel zu erzwingen. Ich gebe mich gern der Hoffnung bin, daß Ew. Heiligkeit, wenn von der wahren Lage der Dinge unterrichtet, Ihre Autorität werden anwenden wollen, um so der unter bedauerlicher Ent⸗ stellung der Wahrheit und unter Mißbrauch des priester⸗ lichen Ansehens betriebenen Agitation ein Ende zu machen. Die Religion Jesu Christi hat, wie ich Ew. Heiligkeit vor Golt bezeuge, mit diesen Umtrieben nichts zu thun, auch nicht die Wahrheit, zu deren von Ew. Heiligkeit ange⸗ rufenen Panier ich mich rückhaltslos bekenne. Noch eine Aeußerung in dem Schreiben Ew. Heiligkeit kann ich nicht ohne Widerspruch übergehen, wenn sie auch nicht auf irrigen Berichterstattungen, sondern auf Ew. Heiligkeit Glauben beruht, die Aeußerung nämlich, daß Jeder, der die Taufe empfangen hat, dem Papste angehöre. Der evangelische Glaube, zu dem ich mich, wie Ew. Heiligkeit bekannt sein muß, gleich meinen Vorfahren und mit der
Mehrheit meiner Unterthanen bekenne, gestattet uns nicht,
in dem Verhäliniß zu Gott einen anderen Vermittler als unseren Herrn Jesum Christum anzunehmen. Diese Ver⸗ schiedenheit des Glaubens hält mich nicht ab, mit Denen, welche den unsern nicht theilen, in Frieden zu leben und Ew. Heiligkeit den Ausdruck meiner persönlichen Ergeben⸗ heit und Verehrung darzubringen. Wilhelm.“
— Die betheiligten Behörden sind gegen- wärtig zu Gutachten darüber aufgefordert worden, ob es sich vielleicht empfehle, eine kürzlich in
Realschulen sein. Mathematik, Naturwissenschaften und die neueren Sprachen, welche schon jetzt den Hauptbestandtheil des Lehrplanes der Realschulen bilden, werden für die Folge dies noch in er⸗ höhtem Maße sein müssen, wahrend das linguistisch⸗ historische Studium auch für die Folge als das eigentliche Prineiß des Gymnasiums anzusehen
sein wird. Breslau. Nach der„Schlesischen Volks— zeitung“ ist die Vorladung des Fürstbischofs
Dr. Förster vor Gericht am 11. d. erfolgt und die verantwortliche Vernehmung desselben auf den 21. October anberaumt.
Fulda. Der verstorbene Bischof hat den Regens des Priesterseminars, Komp, zum Testa⸗ mentsvollstrecker ernannt. Zum Bisthumsverweser wurde der Dom⸗Dechant Lahrenz erwählt. 5
Gelnhausen. Hier fand am 6. d. M. die zweite dießjährige Conferenz der evangelischen Geistlichen der Diöcesen Hanau und Fulda statt. Einstimmig wurde die Civilehe im Gegensatze zu einer gewissen extremen Richtung als Ehe anerkannt.
Weimar. Unsere Minister haben fär den nächsten Landtag so vorgearbeitet, daß derselbe von besonderer Bedeutung werden dürfte. Propo⸗ sitionen für ein Volksschul und Wahlgesetz, sowie über Bildung von Bezirks-Verbänden, auch der
Entwurf einer neuen Gemeinde⸗Ordnung und ein solcher über das Strafandiohungs Recht der Pylizeibehörden liegen vor. München. Während der protestantische Clerus hier auf seiner Weigerung beharrt, den Religionsunterricht an den neuen Simultanschulen zu ertheilen, wird namentlich in der Pfalz die Bewegung für die Einführung gemischter Schulen immer lebendiger, und zwar auch auf dem platten Lande.
In Speyer ist die Seuche seit den letzten 3 Tagen im Abnehmen begriffen, so daß man wohl auf ein baldiges Erlöschen derselben hoffen darf. In den letzten 3 Tagen kamen nähmlich Erkrankungsfälle vor: 8, 8, 2; Todesfälle 4, 4, 4. Die Gesammtzahl der Erkrankungen beträgt nun— mehr 353, der Todesfälle 166. Die vom Be—
Baden erlassene ministerielle Verordnung auch in zirksamtmann in Speyer für die heimgesuchten
Preußen einzuführen. Gründung von irgendwelchen Vereinen unter Kindern, welche die öffentliche Voksschule besuchen, den Beitritt solcher Kinder zu bereits bestehenden Vereinen und die Veranstaltung oder Vornahme von Sammlungen unter den Schulkindern. Die Uebertretung dieser Verbote wird disciplinarisch bestraft. Lehrer, einschließlich die Religionslehrer an öffentlichen Volksschulen, welche den erwähnten Verboten zuwiderhandeln, oder Schulkinder zu deren Uebectretung veranlassen, können von der betreffenden Schule entfernt, beziehungsweise von der Forlertheilung des Religionsunterrichts an derselben ausgeschlossen werden.
— Cultusminister Dr. Falk hat die Ober— Präsidenten zu Ermittelungen über die Anlegung, Erweiterung, Benutzung und Schließung der Be— gräbnißplätze, sowie über das Beerdigungswesen überhaupt, wegen allgemeiner gesetzlicher Regelung dieser Materie, aufgefordert.
Dieselbe untersagt die Familien veranstalteten Sammlungen haben bis
jetzt über 3000 fl. ergeben. Der König von Bayern hat 500 Thlr. zur Unterstützung dieser Familien übersandt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Ein be⸗ deutendes Anlehen für den Grafen Chambord, ge⸗ sichert durch die Besitzungen des Haufes Orleans in Frankreich, ist dem Abschluß nahe.
— Der päpstliche Nuntius dahier hat, der „Karlsr. Zig“ zufolge, aus Rom die bestimmte Weisung erhalten, auch während der Anwesenheit des deutschen Kaisers in Wien aus einer unauf⸗ fälligen Zurückhaltung nicht herauszutreten.
— Sämmtliche liberalen Blätter Wiens feiern die Antwort des Kaisers Wilhelm auf das Schreiben des Papstes als ein epochemachendes Ereigniß, das jeden Deutschen mit Stolz erfüllen müßte.
— Kaiser Wilhelm findet gegenwärtig die
— Die Veröffentlichung des Gedankenaus⸗
politische Situation nicht ganz so ungetrübt, wie sie zur Zeit des Besuches des Königs von Italien
tausches zwischen dem Papst und dem Kaiser hat war. Die Gemüther sind dort momentan in Auf—
begrelflicher Weise allgemeines Auffehen erregt.
regung über das türkische Memorandum gegen die
Die offent und entschiedene Sprache, mit welcher Vertreter der österreichischen Regierung in Bos⸗
der Monerch seinen politischen und religiösen Standpunkl und gleichzeitig die Rechte und die Gewissensfreiheit der deutschen Nation vertritt, hat einen wohlbeg ündeten Anspruch auf den un⸗ getheilten Beifall der öffentlichen Meinung, der auch bereits in einer großen Anzahl Preßkund⸗ gebungen Ausdruck gefunden hat.
1 Nach einer beglaubigten Nachricht besteht in der gegenwärtig tagenden Reallehrer-Conferenz durchweg die Ansicht, daß den Rcalschulen ebenso wie den Gymnasien die vollste Aufmerksamkeit zu widmen sei. Denn mit den Gymnasten theilen die Realschulen die Aufgabe, der Jugend die wissenschaftlichen Grundlagen höherer Bildung zu gewähren. Sowie Progymnasien immer nur un— vollständige Gymnasien sein werden, so werden die
höheren Bärgerschulen immer nur unvollständige
nien, aber dieser Zwischenfall ist durchaus nicht dazu angethan, den Frieden Europa's zu stören.
— Das„Neue Femdenblatt“ theilt das Fest— Programm für die Anwesenheit des deutschen Kaisers mit. Dasselbe ist folgendermaßen festgesetzt: Bei der am 17. Nachmittags 3 Uhr in Penzing erfolgenden Ankunft des Kaisers Empfang durch die Erzherzoge, eine Ehren⸗Compagnie, eine Depu— tation des Regiments„Kaiser Wilhelm“ und der Landes- Commandirenden. Hierauf fährt Kaiser Wilhelm, welcher vom Kaiser von Oesterreich be⸗ reits in St. Pölten begrüßt wird, wit diesem nach Schönbrunn, woselbst die Vorstellung der bbersten Hof-Chargen stattfindet. Abends ist Familiendiner in Schönbrunn. Am 18. Besuch der Weltaus⸗
stellung, Nachmittags Gala-Diner in Schönbrunn, Abende Théatre paré im Hosopernhause(„Marga—
rethe“). Am 19. Diner bei dem deutschen Bot⸗ i eater in
schafter, Abends Schönbrunn. Hierauf Souper
am Morgen des 22. erfolgt die Abreise.
Frankreich. Paris. Die Sache der Republik ist in Frankreich allem Anschein nach jetzt definitiv in ein günstiges Fahrwasser einge⸗ lenkt. Die Ersatzwahlen vom 12. d. haben einen tclatanten Sieg der republikanischen Partei zur Folge gehabt.
— Der Gesandte der Schweiz, Dr. Kern, wurde in Versailles vom Herzog v. Broglie em⸗ pfangen, um denselben im Auftrage des Bundes- rattes darauf aufmerksam zu machen, daß der exilirte Bischof Mermillod auf französischem Ge⸗ biet, hart an der schweizerischen Grenze, agitire.
— Dem„D. N.“ zufolge sind zwei Offieiere vom deutschen Generalstabe eingetroffen, um den Verhandlungen des Prozesses Bazaine beizuwohnen. Die Anwesenheit derselben ist der französischen Regierung officiell angezeigt und Seitens der deutschen dabei geltend gemacht worden, daß sie ein Interesse habe, genaue Kenntniß von den Einzelheiten eines Prozesses zu nehmen, in welchem wiederholt von deutschen Truppen und ihren Führern die Rede sein werde.
Trianon. In der heutigen Sitzung des Kriegsgerichtes wurde zu dem Verhör über den Verkehr Bazaine's mit dem Kaiser Napoleon, Mac Mahon u. A. geschritten. Bazaine recht⸗ fertigt sein Verhalten, indem er eine Depesche des preußischen Gesandten in Konstantinopel ver⸗ liest, die ihm zur Kenntniß gekommen sei und welche besagt, daß die Preußen in keinem Fall auf Paris marschiren würden. Bazaine sagt, daß er von mehreren wichtigen Ordres nicht in Kenntniß gesetzt worden sei; über die Resultate der Schlacht vom 18. August schlecht unterrichtet, habe er dem Kaiser ungenaue Nachrichten gegeben. Die so wichtige Depesche vom 23. August habe er erst am 30. August über Verdun erhalten. Der Präsident erklärt, daß er die Zeugen kon- tradiktorisch vernehmen werde. f 5
Großbritannien. London. Die libe⸗ ralen Journale billigen die Antwort des Kaisers Wilhelm auf den Brief des Papstes und drücken die Sympathien des protestantischen England für Deutschland in seinem Kampf gegen die päpstlichen Prätensionen aus. Die„Times“ sagt bei Be⸗ sprechung des päpstlichen Briefes, man könne sich nicht leicht einen Brief denken, welcher unter der Maske der christlichen Liebe so viele unerträgliche Beleidigungen enthalte. Die Stellung Englands Rom gegenüber gleiche derjenigen Deutschlands. Das Rom, welches Deutschland beunruhige und mit Zerstückelung bedrohe, sei dasselbe Rom, welches mit jeder Art von Aufsässigkeit in Eng ⸗ land fraternistre. 3
Amerika. New⸗Nork. Bei dem Sturm, welcher im August an den nördlichen Küsten des atlantischen Meeres wülhete, haben, nach jetzt be⸗ endeten Ermittelungen, 1122 Schiffbräche statt⸗ gefunden. 600 Personen kamen ums Leben und 9000 Häuser wurden zerstört. Die Interessen der Schiffer find schwer geschädigt. g
— Die Baumwolle hat bedeutend von Dürre und Insekten gelitten. Besonders ist dies der Fall in Arkansas und Tennessee. Ein bedeutenderer Flächenraum ist mit Winterweizen bestellt worden. Mais hat durch Frost etwas gelitten.*
In Cuba sollen bedeutende Kämpfe gefunden haben. 5
Havanna. Ein furchtbarer Sturm drach am 10. Abends über uns herein. Die See
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wälzte sich über die Schiffe, welche den Hafen War
verließen. Der Leuchtthurm und die Telegraphen⸗ leiiungen auf der Insel wurden zerstört und mehrere Schiffe an's Land getrieben. 9
Mexiko. Der Orkan, welcher neulich im
Golf tobte, hat den amerikanischen Dampfer 9


