Förderung der Untersuchungs ⸗Objecte überlassen sei. Nicht um Beschaffung von Material, um Klarstellung der dunklen Angelegenheit durch An⸗ schuldigung oder Reinigung handle es sich. Würden die gewünschten Garantien gegeben, so wäre er⸗ reicht, was er, Redner, erstrebe, dem die Sache über die Form gehe. Sein Material sei erheblich gewachsen. Redner erwähnte mehrere Zuschriften, deren Verfasser bereit seien, über das System Strousberg vor der Commission Aussagen zu machen. Redner produecirte ferner einen Brief, worin der Geheimerath Wagener die Nachsuchung der Con⸗ cession zugibt; ferner Reverse von Actienzeichnungen zur pommerischen Centralbahn, welche urkundlich einer Vorspiegelung falscher Thatsachen gleich käme. Ministerpräsident Graf Roon erklärte: Die Frage, ob die Regierung dem Antrage Laskers zustimme, sei erledigt. Jetzt sei die Frage, ob das Haus der Botschaft zustimme, oder ob die Botschaft in Geltung bleiben solle neben einer parlamentarischen Untersuchungs⸗Commission. In diesem Falle könnte die Regierung an derselben nicht participiren. Ueber die Instruction für die Commissäre könne eine Controverse nicht entstehen. Die Mitwirkung jedes Commissions Mitgliedes müsse unbeschränkt sein. Die Regierung könne Niemanden die Priorität in dem Interesse an der obschwebenden Angelegenheit zugesteben. Die Regierung habe ein vorzugs weises Interesse daran, vorhandene Uebelstände aufzu⸗ decken. Die Besorgniß vor einer Majoristrung der Landtagsmitglieder sei unbegründet, da die Regierung durch die Wahl ihrer Mitglieder Garantie dagegen geben werde. Der Beschluß der Regie⸗ rung bezüglich der Ernennung der Mitglieder liege noch nicht vor. Die Instruction für die Com- mission werde den Mitgliedern innerhalb der Com- missionszwecke vollste Freiheit gewähren. Auf weiteres, von dem Vorredner vorgebrachtes Material gehe er nicht ein. Bezüglich der neulichen Rede Laskers sei für seinen Amtskreis das Nöthige ge⸗ schehen. Das Weitere sei Sache der Commission. Im vorliegenden Falle sei die Captivirung der Versammlung durch die Rede eines Mannes, der von seiner Sache durchdrungen war, ganz natür- lich; er appellire aber an die Gerechtigkeit des Hauses. Man solle Niemand ungehört verdammen, nicht aburtheilen allein nach einem, selbst nahezu überzeugenden Vortrag. Er bitte, nur kein Urtheil abzugeben, bever die Acten spruchreif seien; deß⸗ halb wünsche er eine möglichst zahlreiche Zustimmung zur Einsetzung einer Commission nach Maßgabe der königlichen Botschaft. Nach dem Minister- präsidenten sprachen v. Wedell⸗Vehlingsdorf gegen, Reichensperger(Coblenz) für den Lasker'schen An⸗ trag. Der Handelsminister Graf Itzenplitz er⸗ klärte: er danke dem Könige, der ihm gestattete, die Botschaft gegenzuzeichnen und noch im Amte zu bleiben; er wolle nicht feldflüchtig erscheinen mit dem Bewußtsein, seine Pflicht wissentlich verletzt zu haben, wolle treue Unterbeamte nicht im Stiche lassen. Im jetzigen Augenblicke sich zurückzuziehen, wäre unrühmlich. Nachdem der Ministerpräsident dem Abg. Löwe gegenüber noch bervorgehoben, daß nach Ueberzeugung der Regierung die Com- mission so functioniren solle, wie es nach der Natur und den Zwecken der Untersuchung noth- wendig sei, und daß die Wahl und Instruirung der Commissions⸗ Mitglieder die Erfüllung dieser Zwecke unterstützen selle, daß insbesondere neben dem Vorsitzenden die Commissions Mitglieder bei der Fragestellung und Inquirirung mitwirken sollen, erklärte Lasker: daß er in der Zusicherung des
Ministerpräsidenten die gewünschte Garantie er⸗ blicke und somit seinen Antrag zurückziehe. In Gemäßheit der Botschaft wurde darauf fast ein⸗ stimmig beschlossen, zwei Mitglieder des Hauses in die königliche Untersuchungscommission zu wählen.
Kassel. Am 15. d. erfolgte ein Zusammen⸗ stoß eines Güterzugs der Nordbahn mit einer Nangirmaschine im hiesigen Bahnhofe. Führer und Heizer sind schwer verletzt, neun Wagen zer⸗ trümmert.
München. Die Münchener Künstlergenossen⸗ schaft hat in einer dieser Tage abgehaltenen Haupt- versammlung beschlossen, bei der Wiener Weltaus⸗
Von diesem Zugeständniß ist die Betheiligung deutscher Kunst abhängig zu machen, und bei Nichterfüllung mit der Wiener Weltausstellung gleichzeitig eine deutsche Kunstausstellung in München zu veranstalten.
Ausland.
Oesterreich. Uebereinstimmend melden in⸗ spirirte Correspondenten die Anerkennung der spanischen Republik durch das Wiener Cabinet als zweifellos.
Schweiz. Die„Basler Nachr.“ melden: Da das Domrapitel die Wahl eines Bisthums⸗ verwesers ablehnt, beschloß die Diöcesanconferenz in Solothurn, die Wahl von sich aus vorzu⸗ nehmen und hat den Vorort Solothurn ersucht, eine geeignete Persönlichkeit in Vorschlag zu bringen und die Conferenz sodann baldmöglichst wieder einzuberufen. Die Conferenz erkennt den Stand- punkt des Domcapitels nicht an und erklärt, daß eine weitere Renitenz den Fortbestand des Dom; capitels in Frage stellen könne. Die definitive Entscheidung hierüber wird bis zum Eingehen des Wahlvorschlages verschoben. Bezüglich des vom Bischofe an den Bundesrath ergriffenen Recurses soll ein Gegen Memorial erfolgen. Die Grund lagen des neuen Bisthums vertrages wurden vor- gelegt und principiell durchberathen.
Großbritannien. Die Königin hat, einer Mittheilung der„Times“ zufolge, dem Dr. Hessel ihre Sympathie und ihr Bedauern über die ihm zu Theil gewordene Behandlung ausdrücken lassen.
— Dem deutschen Pastor Dr. Hessel wurde auf dem deutschen General-Consulate im Beisein des deutschen General-Consuls, Legationsrath von Wilke, des Herrn von Franzius, Attachs's des deutschen Consulats, des Pastors Dr. Cappel, des Herrn von Ernsthausen und mehrerer anderen Herren, das Ehrengeschenk, welches beschafft wurde, um ihn so viel als möglich für den unglücklichen Irrthum, dessen Opfer er wurde, zu entschädigen, feierlich überreicht. Die von dem deutschen Comite und dem„Daily-Telegraph“ gesammelten Fonds belaufen sich zusammen auf nahezu 1200 Lstr. Dr. Hessel bat unter den glühendsten Ausdrücken des Dankes, man möge ihm gestatten, 1000 Thlr. von dem Gelde nebst dem silbernen Pokal, der einen Theil des Ehrengeschenkes bildet, und die Inschrift:„Dem Dr. Gottfried Hessel; ein Zeichen englischer Sympathie und Achtung. London den 30. Januar 1873“ trägt, seinem tiefbekümmerten Vater, der in der Nähe von Kreuznach Pastor ist, zu senden, und den Rest zu Gunsten seiner Gattin anzulegen. Dr. Hessel nimmt nach Brasilien eine Menge, die Theilnahme aller Klassen der eng⸗ lischen Bevölkerung ausdrückenden Briefe mit. Unter denselben befinden sich meyr als 20 von dem Clerus Großbritanniens. Der deutsche Bot⸗ schafter, Graf Bernstorff, war durch Unpäßlichkeit verhindert, der Ueberreichung des Ehrengeschenkes beizuwohnen.
Spanien. Der Senat ernannze einen aus 20 Mitgliedern bestehenden Ausschuß. Malcampo und Topete boten Zorilla im Namen Serrano's die Unterstützung des Letztern zur Aufrechterhaltung der Ordnung an. Zorilla erwiderte, er werde das Präsidentschaftspalais verlassen und nach dem Auslande abreisen.
— Der erste Aet der neuen Regierung war die Begnadigung der Verurtheilten, welche in Barcelona hingerichtet werden sollten. Castelar wird eine Denkschrift an die fremden Regierungen richten, worin die von der spanischen Regierung zu befolgende äußere Politik besprochen wird. Wie verlautet, wird die Regierung für die Einführung einer allgemeinen Volksbewaffnung bemüht sein.
— Die nordamerikanische Union erkannte be⸗ reits durch ihren Gesandten, General Sickles, die Regierung der spanischen Republik an.
Portugal. Der König Amadeo ist mit Gemahlin in Lissabon eingetroffen.
C. Friedberg. Dem Jahresbericht! 1871/72 der „deutschen Gesellschaft zur Reltung Schiff⸗ brüchiger“ eninehmen wir folgende Schilderung: Gleich
stellung Raum und Licht wie Frankreich zu fordern.
im Beginne des Jahres 1871 trat die Station Langeoge in Thätigkeit. Am 10. Januar Morgens verließen 2
lich den Tod vor Augen. wurden ihre Hülferufe am Festlande gehört, aber es war auch die höchste Zeit, denn sie wurden unaufhaltsam hinaus in die See geirieben. Im Nu wurde eine Jolle, sowie das Rettungsboot„Frauenlob“ von Neuharrlingers⸗ siel zu Wasser gelassen und nach dem man sich mit dem Nothwendigsten für die Verunglückten versehen, ging es sest durch das schwere Treibeis. Der Kapitän, dessen Frau und der Koch wurden bald aufgefunden und in das rettende Boot gehoben. Von denselben ward mitgetheilt, daß noch 2 Personen auf einer Scholle in die See hinaus getrieben seien, und sofort ging das Rettungsboot weiter, um auch diese zu retten, was auch glücklich gelang. Den halb Erstarrten wurde auf der Station Neuharrlingssiel die freundlichste Aufnahme und beste Pflege zu Theil.“— Die„deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ besteht seit 6 Jahren; ibrer überaus segensreichen Thätig⸗ keit ist die Gründung von 66 Rettungsstationen(30 an der Nordsee, 36 an der Osisee) die sich auf 16 Küsten⸗ vereine vertheilt, zu danken. 521 Personen, 252 in der Nordsee und 269 in der Ost⸗ see gerettet. Die Gesammtzahl der Mitglieder betrug 1871/72 20998, die der Beiträge Thlr. 21933. 2. 1. Soll die Gesellschaft ihre edle Aufgabe, Schiffbrüchige vor dem sicheren Untergange zu bewahren, den Verkust von Menschenleben an unseren Küsten stetig zu mindern in wachsendem Maße erfüllen, so kana sie dieses nur mit Unterstützung der Bewohner aller Theile des deutschen Reiches. Größere Betheiligung durch regelmäßige Jahres⸗ beiträge ist ebenso erwünscht wie nothwendig, besonders nach den Verwüstungen, welche die Sturmfluth im No⸗ vember v. J. an einem großen Theile der deutschen Ostsee⸗ Küsten hervorgerufen hal.— Aus unserer Stadt gehören 15 Mitglieder der Gesellschaft an; diese Zahl ist sehr gering und es bedarf hoffentlich nur dieser Aufforderung, um sie bald zu verdoppeln. Mitglieder⸗Karten werden durch Herrn Advocaten Trapp IV. hier ausgegeben; derselbe erhebt auch den jährlichen Beitrag von 15 Sgr.
Gießen. Am 14. d. Nachmittags brach ein 7jähriger Realschüler beim Ueberschreiten der momentan 5 Fuß liefen Wieseck an der Gasfabrik ein und gerieth unter das Eis. Der Bäckergeselle Curlin(bei Bäcker Lenz) holte den
und brachte ihn glücklich ans Land.
Frankfurt. Bei der hiesigen Königlichen Bankfiliale ist abermals eine vortreffliche Imitation Preußischer 5⸗Thaler⸗Cassenanweisungen angehalten worden.
Michelstadt. Am 13. d. fand hier in der Kirche eine seltene Feierlichkeit statt. Es war die gleichzeitige
Bürgermeisters Hieronimus.
Aus der Pfalz. Während des Jahres 1872 sind in der Pfalz 401 Wildschweine erlegt worden; für jedes Stück zahlt die Regierung 5 fl. Schußgeld. Trotzdem ist der Stand des Schwarzwildes noch immer übermäßig stark und es klagen die Landwirthe sehr über den Schaden, den es anrichtet.
Boston. Am 10. November v. J., als das Feuer in Boston wüthete, langte dort der von Worcester, Massa⸗ chuselts, abgesandte Specialzug mit Löschmannschaften und Dampfspritzen in 45 Minuten an. Da die Entfernung dieses Punkles von Boston 44 Meilen beträgt, so macht dies eine Geschwindigkeit von 58½ Meilen per Stunde oder fast eine Meile per Minute aus, eine der größlen Geschwindigkeiten, die je auf Eisenbahnen erreicht werden. Es ist wahrscheinlich, daß auf dieser Fahrt manche Strecken sogar mit bedeutend größerer Geschwindigkeit zurückgelegt wurden. Nur auf ganz geraden Strecken erreicht man öfters auf den Eisenbahnen ersten Ranges eine Geschwindig⸗ keit von 60 Meilen per Stunde. Anknilpfend bieran geben wir nachstebend eine Tabelle der interessanlesten Geschwindig⸗ keit nach den neuesten Ermittelungen: In einer Sekunde
legen zurück in Meiern(das Meter 3.2700 engl. Fuß odet etwas über eine Yard):
Mittlerer Fußgängerrrr 1.0 Mäßiger Wiss 8 33
Schnelles Segelschifll!äů 3,6 Trabendes Pferrr dd 1 3,8 Gutes Dampfschiff e 5.0 Eisenbahnschnellzug im Mittel 6 Kräftig geworfener Stein 17,0
Sicht im Wenla g
Seit 1866— 71 wurden
Hochzeit von drei Schwestern, Töchter des verstorbenen 1
Schnellster Reiter 26.0 Adler im Flu 30,0 Oran ii 38.0 Schall in der Luft 1 330,0 Büchsen kugel 400,0 12pfündige Kanonenkugel 750.0 Aetoliihen und Sternschnuppen... 30600005 Elektricilät(nach Fizeau) bis 177 722,000 . 318,300,000
» Dies ist nahezu die Bahngeschwindigkeit der Erde. 10 N 0
1
das Ut Einubr —
Jungen mit eigener Lebensgefahr unter dem Eise hervor 4
. .


