Ausland.
Schweiz. Bern. Der academische Senat in Zürich protestirt beim Bundesrathe und bei der russischen Regierung gegen die Auslassuugen der„Petersburger Zeitung“ anläßlich der Ab⸗ berufung der studirenden Russinnen von der dortigen
ochschule. *. Sämmtliche in Zürich studirende Russinnen, mit Ausnahme von zweien, gehen vorläufig nicht nach Rußland zurück, sondern nach anderen nicht schweizerischen Universitäten..
Frankreich. Paris. Bismarcks Wort über sein indirectes Veto bei der Papstwahl wird hier als eine offene Kundgebung zu Gunsten des Cardinals Hohenlohe ausgelegt und erregt in monarchistischen Kreisen Aergerniß.
— Der oberste Handelsrath hat sich einstimmig für die Aufhebung der Flaggen und der Roh⸗
offsteuer entschisden. i
b lgien, Birüssel, 12. Juni. Der Senat sprach sich mit 36 gegen 4 Stimmen für die Beibehaltung eines Bevollmächtigten beim Vatican aus. Der Ministerpräsident Malou machte den Senatoren von der Rechten bemerk⸗ lich, daß sie im belgischen, nicht im römischen Senat sprächen, und bedauerte ihre Angriffe auf Italien.
Großbritannien. London. Kaiserin Eugenie reiste am 12. Inni über Ostende nach Arenenberg ab.
Spanien. Madrid. In der Cortessitzung vom 13. Juni wurde Nicolaus Salmeron mit 176 gegen 74 Stimmen, welche auf Figueras fielen, zum Präsidenten gewählt. Die Regierung legte ein Programm bor, wonach sie die Trennung zwischen Staat und Kirche, die Reorganisation der Armee, die Abschaffung der Sclaverei und andere sociale Reformen beabsichtigt.
Rußland. Petersburg. Der„Russische Invalide“ meldet: Am 11. Mai war der russische Vortrab des Expeditionscorps am Amur Darja angelangt. Die in einer Zahl von 3500 Mann dort stehenden Chiwesen wurden geschlagen. Am 14. Mai rückte General Kaufmann in der Richtung von Schurachan weiter.
— Das amtliche Blattt bemerkt bezüglich der Verhandlungen über den deutsch⸗russischen Handels⸗ vertrag, daß dieselben sich auf die Tarife nicht erstrecken.
— General Werewkin hat am 20. Mai Kun⸗ grad besetzt, nachdem die Chivanesen geflohen waren, und setzt seinen Marsch nach Chodjeli und Kunia-Urgendsch fort. Die Aralsee-Flottille mußte wegen flachen Wasserstandes vor Kungrad liegen bleiben.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. An dem Stipendium, welches anläßlich des Regierungs⸗Jubiläums des Großherzogs seitens der Gemeinden gestiflet wurde, haben sich verschiedene Land⸗ gemeinden nicht betheiligt. In einer am 11. d. M. in Frankfurt deßfalls abgehaltenen Versammlung beschloß man daher, diese Gemeinden auch von den Wohlthaten dieses Instituts auszuschließen.
Bad⸗ Nauheim. Zur Feier des 25jährigen Regie⸗ tungs⸗Jubiläums unseres Großherzogs sollen dahier fol⸗ gende Festlichkeiten statifinden. Dienstag den 17. Juni, 6% Uhr Morgens Böllerschüsse von dem Johannisberg. 7—8 Uhr Morgenconcert an den Trinkquellen. 11½ bis 12½ Uhr Promenadenconcert in der Parkstraße, ausge⸗ fübrt durch die Homburger Militärmusik. 4— 7 Uhr Concert auf der Terrasse des Kurhauses. 9 Uhr Abends Fackelzug durch die verschiedenen Vereine Nauheims. Fest⸗ rede und Gesang auf der Terrasse des Kurhauses. Illu⸗ mination der Stabt. Gondelfahrt auf dem Teich in mit Lampions geschmückten Kähnen; bengalische Beleuchtung des Teiches. Musikaufführungen auf der Insel durch die Kur⸗Kapelle. 18. Juni, Nachmittags 3 Uhr, Ausflug nach Schwalheim in Begleitung der Kur-Kapelle.
E. Bad⸗Nauheim. Dem biesigen praklischen Arzt, Dr. Bode jun., ist von Sr. Königl. Hoheit dem Groß⸗ herzog der Titel„Medicinalrath“ verliehen worden.
Ruppertsburg. Eben swird in Hessen fleißig an der Aufstellang der neuen Besoldungs noten ber Schulstellen gearbeilet. Erfreulich ist es, berichten zu können, daß die belbeiligten Vorstände mancher Gemeinden eine wirkliche Besserstellung ihrer Lehrer beabsichtigen und nicht eine bloße Erhöhung der Besoldung auf dem Papier. So haben die Vorstände der Gemeinde Ruppertsburg, die mit dem Lehrergebalte verbundenen Fruchtbesoldungstheile zu einem billigen Preise berechnet und zwar à Mltr. Korn (180 Pfd.) zu sieben Gulden und das Mlir. Gerste zu sechs Gulden. In gleicher Weise ist es in Villingen geschehen.
Nodheim v. d. H. Am 9. Juni fand hier die Versammlung des land wirthschafkllichen Wander⸗ kränzchens für Rodheim und Umgegend statt, und man discutirte die drei Fragen: 1) Welches ist der vortheilbaf⸗ jeste Pflug bei den verschiedenen Bestellungen, 2) wie sind ältere Obibäume zu behandeln, und 3) wie und wann soll das Heu bereitet werden? Eine ganz besonders lebhafte Discussion brachte ein Antrag des Herrn Lehrer Backes, welcher die zweite Frage durch einen gelungenen Vortrag eingeleitet hatte, hervor, dahin gehend, daß man ein Ge⸗ such einreichen möchte, um zu erreichen, daß die Vertilgung der sog. Mistel polizeilich geboten würde. Von vielen Seiten wünschte man dagegen zuerst den Weg der Be⸗ lehrung zu versuchen, und Herr Backes zog seinen Antrag mit der Bemerkung zurück, daß es ihn freuen sollte, wenn der Weg der Belehrung zum gewünschten Ziele führe, daß er aber, wenn derselbe nichts helfen würde, im nächsten Jahre seinen Antrag wieder erneuern werde, da er es für durchaus nicht in der Ordnung halte, daß durch pure Nachlässigkeit einzelner Bauern diese Schmarotzerpflanze weitere Verbreitung finden könne.
Holzheim bei Lich. Ein am 12. d., Nachmittags 5 Uhr, von Westen heranziehendes schweres Wetter hat unseren lechzenden Fluren einen durchweichenden Regen gebracht, dagegen durch einen denden Bligzstrahl eine achtbate Famttte des Dorfs in Todesgefahr versetzt. Der Blitz schlug in das neben dem Pfarrhaus gelegene Haus des Schneiders Joh. Zeiß VII. Die ganze Giebelseite wurde zertrümmert, aus den Balken Stücke von Manns⸗ dicke und Länge losgerissen, 4 Fenster zerschlagen, eine am Fenster stehende Tasse durchlöchert, ebenso ein in der Nähe liegendes Heftchen, die Fensterrahmen versengt, die Wand⸗ bekleidung und vieles Fachwerk herunter- und burchge⸗ schlagen. Das Ehepaar Zeiß, einige Enkelkinder und der von Rockenberg zu Besuch anwesende, von hier gebürtige Peter Bingel wurden zu Boden geworfen, die Frau an der Hand, das älteste Enkelkind am ganzen Körper, der Besuch am stärksten im Rücken und an dem einen Arm verletzt resp. momentan gelähmt und Bingel mit dem Stuhl, worauf er, an die Wand gelehnt, saß, einen Fuß weit in die Stube gerückt. Die in der Mitte der Stube an der Wiege des kleinen Kindes sitzende Schwiegertochter blieb mit ihren beiden kleinsten Kindern völlig unversehrt, war jedoch gleichfalls kurze Zeit betäubt. Zwei in der Nähe der Thüre sitzende, aus einem anderen Hause zu Besuch anwesende Enkel waren gleichfalls nur betäubt.
Offenbach. Ein 15jähriges Bürschchen, das hier in der Lehre steyt, wollte sich am 11. Juni im Main er⸗ tränken, wurde aber von dem in der Nähe befindlichen Schiffer Eichhorn wahrgenommen und unter Beihülfe einiger anderen Personen gerettet.
Alsfeld. Am verflossenen Samstag fand im Gast⸗ hause zur Krone dabier eine von hiesigen Bürgern ver⸗ anstaltete, erhebende Abschiedsfeier statt zu Ehren des seit⸗ herigen Realschuldirectors Schäfer, der sich während seines mehr als zwölfjährigen Aufenthaltes in unserer Mitte die allgemeinste Hochachtung und in allen von ihm betretenen Kreisen zahlreiche Freunde erworben hat, welche ihm für immer ein treues Andenken bewahren werden. Sein Scheiden von hier wird aber nicht blos in Freundschasts⸗ kreisen als ein schwerer Verlust empfunden, sondern weit über diese Grenzen hinaus von allen Interessenten und Freunden der hiesigen Realschule. Dieselben verehren in ihm den Mann, unter bessen geschickter Leitung die junge aufstrebende Anstalt sich nach allen Richtungen hin fort⸗ entwickelte und zu hoher Blüthe gedieh, so daß ihr Name mit Achtung neben ihren älteren Schwestern im Lande ge⸗ nannt wird.
a Allerlei.
Würzburg. Ein interessanter Prozeß entspinnt sich hier demnächst. Ein Gasthofbesitzer, der vier Wochen ab⸗ wesend war und dessen Weine und Mobilien inzwischen verkauft wurden, ist plötzlich zurückgekehrt, behauptet, nur seine Schwester nach Amerika begleitet zu haben und sol⸗ vent zu sein, und will Klage gegen alle Jene anstrengen, die ihm sein Eigenthum verkaufen und sein Geschäft schließen ließen. Ob er damit durchdringt, darüber sind die Meinungen verschieden. 0
Landwirthschaftliches. Der richtigste Zeitpunkt der Futtererndte.
E. Mehrere von verschiedenen Forschern angestellte Ver⸗ suche haben nachgewiesen, daß der Gehalt der Futterpflanzen an stickstoffhaltigen(eiweißartigen) Nährstoffen, sowie an leicht verdaulichen stickstofffreien Nährstoffen je nach der Vegetatlons⸗Periode der Pflanzen sich verschieden hoch dar⸗ stellt. In der jüngern Pflanze sind höhere Prozente der ge⸗ nannten Nährstoffe enthalten als in der ältern. Dieser Umstand ist von größter Bedeutung für die Wahl der Erndtezeit. Wird ein Futterfeld früh avgemäht, etwa vor der Blüthe, so erhält man ein kleineres Quantum Futter, als wenn die Erndte später, etwa zur Zeit der beginnenden Reife, der Samen: bildung geschieyt. Der Nährstoff gehalt, resp. die Nährktast des kleineren Erndtequantums kann aber so erheblich viel größer als in der späser gewonnenen, aus ältern Pflanzen bestehenden Erndte sein, daß die geringere Masse jüngern Futters doch denselben Nähreffect hervorbringt, als die größere Masse ältern Futters. In solchem Falle wird man also bei früherer Erndte eine eben so werthvolle, wenn auch der Menge nach geringere Erndte erhalten und dazu dasjenige Futter, welches von der Zeit des Ab mähens an bis zur Zeit der sonst geschehenen spätern Erndte nachwächst, als Ueberschuß gewinnen.
Um zur Lösung dieser praktisch so sehr wichtigen Frage einen Beitrag zu gewinnen, wurden im vorigen Sommer geeignete Versuche angestellt.
zellen eines gleichmäßig beschaffenen, gleich mäßig gedüng ten und mit Roihklee bestandenen Feldes wurden zu ver schiedenen Zeispunkten abgemäht und zwar:
Drei gleich große, dicht neben einander liegende—
Parzelle 1 unmittelbar vor Beginn der Blüthe, „ II in voller Blüthe, 1 1 „ III gegen Ende der Blüthe.
Parzelle 1 wurde am 22. Mai, Parzelle II 0 13. Juni, Parzelle III am 1. Juli geschnitten. Obglei
Parzelle III erheblich mehr Erndtegewicht an Drockensub⸗
stanz als Parzelle II, diese wieber erheblich meyr als Par,
zelle I geliefert hat, ist doch die Erndte an stickstoffhaltigen Nährstoffen von allen 3 Parzellen eine nahezu gleiche 9— wesen, weil der Gehalt an Stickstoff mit der Zunahme der Vegetationsdauer bedeutend abgenommen hat. wirr Vom 22. Mai bis zum 1. Juli also in 39 Tagen sind nur 0,75 Pfund sickstoffhaͤltiger Nährstoffe zug wachsen, dagegen hat der Gehalt an Rohfaser(schwerver, daulicher siickstofffreier Substanz) auf Kosten des Gehalte an stickstofffreien Nährstoffen mit der Vegetationsdauer en bd ressen heblich zugenommen, so daß am 1. Juli doppelt so viel“ Rohfäser als am 22. Mai geerndtet wurde. Den größten“ Nährwerih von allen 3 Erndten scheint das am 13. Jun, 9 unmittelbar vor Beginn der Blüthe gewonnene Heu u besitzen, denn man erhält zu dieser Zeit eine Futtermenge Oschäflepl bie mehr werth ist, als das 17 Tage später gewonnen. Same wenn auch größere Futterquamum. Man erhält ferne!“ noch das, was auf der abgemähten Fläche während det 17 Tage nachwächst, als Ueberschuß bei dem folgenden Schnitt. Aber noch erheblicher stellt sich der Vortheil einn frühern Endte heraus, wenn man den Umstand berüc 97 sichligt, daß mit zunehmender Vegetationsdauer die Ven treffe daulichkeit der Nährstoffe geringer wird. Die Nährstost junger Pflanzen sind verdaulicher, werden vollkommene vom Thier ausgenutzt, als die der ältern Pflanzen. Vun Da 300 Theilen der Nährstoffe wurden verdaut: us vorste von kurz vor der Blüthe gemähtem Kleeheu 216, ud Mon von gegen Ende der Blüthe„„ Hur 168 Theile. Die Verdaulichkeit der Robfaser nimmt mit der ele werd fortschreitenden Entwickelung der Pflanzen sehr bedeutend. Kenntn ab, und kann bis zur Unverdaulichkeit herabsinken. gedruckte Aus Vorstehendem geht zut Genüge hervor, daß(h ich spezi richtiger ist, die Futterpflanzen: Klee, Wiesengras, Erbsen 0 Wicken u. s. w. während der Blüthe als nach den An vollendeten Blüthe zu mähen, resp. zu füttern. lb 8! - 1) Dit D. Frankfurt a. M., 14. Juni.—(Börsenwoch nete vom 7. bis 13. Juni.) Die Börse befand sich im Lauß 2 Di der vergangenen Weche in meist unbehaglicher Stimmung. Er Kaum hatte sie sich über die Affaire Waikersbeim, dt 39 D. Verluste der Ereditanstalt durch das Falliment dieses Haus 5 Di und die Defraudation Pokorny's etwas beruhigt, so wirkh 4) Di die Insolvenz der Wiener Wechslerbank abermals un A
günstig auf das Geschäft ein. derholte starke Nückgänge, namentlich Creditaklien. Dil wenig vortheilhafte Meinung für dieses Effect wurde durch
die Manöver der Berliner Contremine, welche es fortgee
setzt auch an den solgenden Tagen an der e ehen auftegender Nachrichten über die Wiener Situation nich fehlen ließ, nicht wenig geschwächt. Das Mißtrauen gegen Bankwerthe im Allgemeinen kam durch zahlreiche Ver) kaufsordres zum Ausdruck, welche bei Schluß der Woch eine bedeutende Deroute herbeiführten, in welcher naß Staatsfonds und Prioritäten relativ behauptet blieben Der flüssige Geldstand blieb ohne Einfluß auf die Börst⸗ die in matter Hallung die Woche beschließt. Für dg Medioliquidalion sind die Aussichten günstig, da di Speculation nicht mit Engagements überbürdet und Geld zu mäßigen Zinsraten bis jetzt leicht erhältlich ist. Van den Speculationspapieren unterlagen Creditactien dem erheblichsten Schwankungen. Am Samslag 292 gingen sie bis heute, nach 271 auf 261 herab, um heute Aben mit 265½½ zu schließen. Staatsbahn und Lom barden hielten sich relativ fest. Erstere gingen von 348 auf 338%
Letztere von 197 auf 191¼½ herab. Das Plus der letze wöchentlichen Staatsbahneinnahme wird auf fl. 115, 00%
Oesterr. Bahnen litten unter der allgemeinem
Niaunge
aisseströmung und anderen nachtheiligen Umständen, diet
mit ihrer finanziellen Situation in Zusammenhang siehem Nur Giselabahn schließen mit fl. 4. besser, alle an berin
matter. Deutsche Bahnen bielten sich ziemlich sest. Fl Prioritäten herrschte diese Woche wenig Animo und fim Auch der Anlagemarf
Privatpublikums sil Deuische und ametikanische Gattungen preishaltend, übriga de
dieselben durchgängig niedriger. war durch die Lustlosigkeit des
matter. Loospapiere zeigten sich beliebt, vorzugsweis kleine Sorten. Wie wir schon oben erwähnten, waren 050
Aklienwerthe erlitten wiege
1 reffe.
, sosort sidung d
Hare ssen i Na Zusamme
Coursverluste der Bankwerthe bedeutend, da durch die zahl⸗
reichen Verkaufsordres aus Süddeutschland das Angebol vorherrschend war. Berliner und Frankfurter Bankoereim verloren 15— 160%; andere sanken ebenfalls mehr oben weniger. Behauptet blieben Deuische Effeclenbank un Deulsche Creditbank. Oesterr. Nationalbank wichen um
38 fl.— Von amerikanischen Prioritäten sind Osweg g
50% matter, wegen Schwierigketten in Betreff der Coupon
zahlung und der ungeklärten Finanzlage der Bahn. Wechsel
sämmilich matter. Von Sorten Napoleons ½ kr. billiget⸗
———
Modellircarton:
Wiener Weltausstellung,
48 kr.
Vorräthig del Carl Bindernagel in Friedberg
und Bad⸗Nauheim.


