der Charente inférieure gewählt wurde, erzielte eine Majorität von ungefähr 3000 Stimmen.
— Die Permanenzeommission trat am 10. d. unter dem Vorsitze des Herrn Buffet in Versailles zusammen; es fehlten nur 2 Mitglieder: Herzog von Larochefoucauld und Herr von Montaignac. Im Namen der Regierung waren die Minister von Goulard und Fourton erschienen.
— Nach dem bis jetzt bekannten Resultat über die stattgehabten Ersatzwahlen ist die Wahl der republikanischen und radikalen Candidaten in Lyon, Blois und Limoges, gesichert. In der Charente inférieure hat der bonapart. Candidat die Majorität. — Die Regierung hat bereits die constitutiven Gesetze über einen Senat(von 250 Mitgliedern) und die Uebertragung der Staatsgewalt nach Auf⸗ lösuug der Kammer fertig. Ueber die Wahlreform für die Volkskammer(von 500 Mitgliedern) schweben noch die Unterhandlungen. Man hat bei allen Präfecten über die Stimmung im Lande in Bezug auf die Art der Wahlen angefragt.
— Aus der kurzen Besprechung, welche die Conservativen der Permanenzeommission nach der Sitzung dieses Ausschusses mit einer Anzahl ihrer Freunde gepflogen haben und die in der That nur kurze Zeit gewährt hat, vernimmt man noch Folgendes: Man beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage, ob man die Regierung gleich in einer der ersten Sitzungen der Kammer über die innere Politik interpelliren oder lieber die Vorlage eines Gesetzentwurfes oder sonst einen Zwischenfall ab- warten solle, um von der Regierung Erklärungen zu verlangen. Daß solche Erklärungen unerläßlich, darüber war man allerseits einig.
Schweden. Stockholm. Die feierliche Krönung des Königs und der Königin hat am 12. d. M. in der Storkyrka stattgefunden. Der König legte den Weg vom Schlosse nach der Kirche, welche in ihrem festlichen Schmucke einen prachtvollen Anblick gewährte, trotz heftigen Regens zu Fuß zurück; die Königin bediente sich eines Wagens. Eine unabsehbare Menschenmenge war versammelt und begrüßte das königliche Paar mit enthusiastischen Kundgebungen und endlosen Jubel⸗ rufen. Die Specialgesandten der auswärtigen Mächte, die übrigen hier beglaubigten Mitglieder des diplomatischen Corps, die Mitglieder des Reichstages und die hohen Würdenträger wohnten der Ceremonie bei.
Spanien. Madrid. Nach den bisher be⸗ kannten Wahlresultaten des ersten Wahltages sind 138 Föderalisten, 9 Radikale, 2 Conservative, ein Alphonsist und ein unitarischer Republikaner gewählt worden. Die Wahl von etwa 350 Föderalisten und 40 Oppositionsabgeordneten aller Parteien wird allgemein als Gesammtresultat der Wahlen erwartet.
— Hier wurde eine carlistische Verschwörung entdeckt. Die vorgenommenen Haussuchungen führten zur Verhaftung von drei der Theilnahme an der Verschwörung verdächtigen Personen.— Sagasta hat Madrid verlassen.
— Die Regierung hat zur Bekämpfung der Carlistenbanden in den nördlichen Provinzen eine Truppenverstärkung von 6000 Mann abgehen lassen; für die Wahlen zur constituirenden Nationalver⸗ sammlung wurde die strengste Unparteilichkeit und die Beobachtung der vollständigsten Wahlfreiheit sowohl den Wählern als den Wahlcandidaten gegenüber allen Behörden eingeschärft. 5
Italien. Rom. Wegen des Verbots eines Meetings, welches die vollständige Aufhebung der religibsen Körperschaften verlangen wollte, fanden Demonstrationen statt. Die Demonstranten wurden durch die bewaffnete Macht verhindert, gegen den Quirinal zu ziehen. f
— Der König verlangte einen detaillirten Bericht über die Tumulte, welche wegen des Klostergesetzes stattfanden. Die Regierung hat energische Maßregeln ergriffen, um jeden Versuch einer Ruhestörung zu unterdrücken. Auch wurden noch Verhaftungen vorgenommen. Die verhafteten Individuen gehören dem Arbeiterstande an.— Die Kammer setzte des Abends die Berathung über das Klostergesetz fort. Nach der Sitzung demonstrirten einige vor der Kammer versammelte Individuen gegen mehrere Deputirte.
theil.
— Pius IX. darf keine Deputation mehr empfangen, keine Audienzen mehr geben, für ihn ist absolute Ruhe und Zurückgezogenheit Lebens⸗ bedingung, er darf das Bett nicht mehr verlassen. Ein Telegramm meldet sogar, daß der Eintritt in den Vatican Niemand mehr gestattet ist, weil höchst wichtige Cardinalberathungen stattfinden.
Griechenland. Athen. Es ist die Auf⸗ hebung sämmtlicher griechischen Gesandtschaften im Auslande beschlossen worden; nur die Gesandt⸗ schaft in Konstantinopel bleibt auch ferner bestehen.
Amerika. Philadelphia. Die Krisis zu Louisiana ist zu Ende. Das Einschreiten der Truppen veranlaßte die M'Eneryiten, ihren Wider- stand aufzugeben. Zu Martinsville werden die
Waffen abgeliefert, und die Polizei ist überallß
Meister geblieben.
l. Bad⸗Nauheim Es dürfte gewiß den Lesern Ihres geschätzten Blattes nicht unwillkommen sein über die neu dahier bastehende Kurtäxe etwas Näheres zu vernehmen. Für die Bewohner Nauheims und der Umgegend werden Kurkarten für das Kalenderjahr zum Preise von 6 Mark = 2 Thlr. ausgegeben. Diesen Kurkarten werden so viel Beikarten beigegeben, als die Familie Angehörige zählt und zwar werden Ehegatten, minderjährige Söhne und zum Haushalt zählende unverheirathete Töchter mit zur Familie gerechnet. Diese Kur- und Beikarten berechtigen zum Besuche des Kurhauses, insbesondere der Lese- und Gesellschaftszimmer, der regelmäßigen Concerte des Kur⸗ Orchesters und der Bälle. Sodann werden auch noch Tageskarten im Preise von 18 kr. ausgegeben. Von allen Abgaben befreit ist dagegen der Besuch der Restaurationslocalitäten und der Besuch der im Freien stattfindenden Concerte. Am 11. d. wurde zum ersten Male im Freien concertirt und zwar von 5—7 Uhr. Wie wir vernehmen, soll dies bei schönem Wetter jetzt immer geschehen.
Zur Statistik der landwirthschaftlichen Vereine im Großherzogthum Hessen.
An der Förderung und Pflege der hessischen Landwirthschaft haben die seit dem Jahre 1831 im Großherzogthum bestehenden landwirthschaft⸗ lichen Vereine einen nicht zu unterschätzenden An⸗ Der von ihnen ausströmenden Anregung und Belehrung, ihrem unausgesetzt auf Verbesserung und Vervollkommnung des landwirthschaftlichen Betriebes gerichteten Bestreben ist die hohe Stufe, auf welcher sich unsere vaterländische Landwirth⸗ schaft befindet, mit zu verdanken. Die Zwecke dieser Vereine werden aber um so vollständiger erreicht, ihre Thätigkeit wird um so ersprießlicher und fruchtbringender, je ausgedehnter die Theil nahme an denselben, je größer die Zahl ihrer Mitglieder und insbesondere derjenigen ist, welche die nöthige Begabung und die Eigenschaft besitzen, sich den Interessen der Landwirthschaft nutzbar zu machen. Die letztere, d. h. die in den Vereinen gewirkt habende und denselben noch innewohnende geistige Kraft ist in Zahlen nicht darstellbar; dagegen glauben wir ersichtlich machen zu sollen, in welchem Umfang sich die Mitgliederzahl im Laufe der Zeiten bewegt und wie sie namentlich in den letzten Jahrzehnten in höchst erfreulicher Weise zu⸗ genommen hat.
Der jeweilige Stand der Mitglieder in den drei Provinzen und im Großherzogthum repräsen⸗ tirt sich wie folgt:
Jahr. Starken⸗ Ober⸗ Rhein- Groß⸗ burg. hessen. hessen. herzogthum. 1832 619 334 370 1323 1835 600 606 445 1651 1840 581 615 439 1635 1845 650 807 454 1911 1850 445 482 304 1231 1855 497 687 286 1470 1860 713 797 421 1931 1865 1392 951 630 2973 1870 1552 1040 780 3372 1872 1507 1078 786 3371
Betrachtet man die relative Zahl der Ver— mehrung der Provinzialvereine, so behauptet der— jenige von Oberhessen mit 223 Prozent den ersten Rang, ihm zunächst folgt Starkenburg mit 143 und dann Rheinhessen mit 113 Prozent. Für das Großherzogthum beziffert sich die Zunahme auf 155 Prozent. Wird die Betheiligung an den Vereinen, wie sie sich in 1872 doeumentirt, mit den bezüglichen Einwohnerzahlen in Relation ge⸗
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setzt, so kommt 1 Mitglied in Starkenburg auf
232, in Oberhessen auf 235, in Rheinhessen auf
318 und im Großherzogthum auf 253 Einwohner. Nach beiden Richtungen ergibt sich also für Rhein⸗ hessen die ungünstigste Verhältnißzahl; es blieb sowohl hinsichtlich dem Anwachsen seiner Mitglieder, wie nach dem Grade der Betheiligung seiner Be⸗ wohner an dem landwirthschaftlichen Vereinswesen hinter den beiden anderen Provinzen erheblich zurück. Ein Umstand, der um so auffallender er⸗ scheinen muß, als die Vermögens- und Exwerbs⸗ verbältnisse hier viel günstiger und seinen Bewohnern und Landwirthen ein minder empfänglicher Sinn für Förderung gemeinnütziger Zwecke gewiß nicht vindicirt werden kann.
Wenn nun auch, wie nachgewiesen, die Mit⸗ gliederzahl der Vereine seit 1831 eine sehr be⸗ deutende Steigerung erfahren hat, so ergibt doch ein Vergleich mit anderen Ländern, daß das Groß⸗ herzogthum eine hervorragende Stelle in dieser Hinsicht nicht gerade einnimmt, daß vielmehr die Theilnahme an den Bestrebungen der landwirth⸗ schaftlichen Vereine anderwärts eine ausgedehntere ist. In Preußen kam schon im Jahre 1869 bei 105,729 Mitgliedern ein solches auf 227 Ein- wohner. In den mit unseren Cultur⸗ und sonstigen Zuständen eher vergleichbaren Provinzen dieses Landes stellt sich die Durchschnittszahl noch viel günstiger, indem in Hessen⸗Nassau auf 230, in Schleswig⸗Holstein auf 200, in der Rheinprovinz auf 146, in Westphalen auf 120, in Hannover auf 100 und in Hohenzollern schon auf 40 Be⸗ wohner ein Mitglied entfällt. Herabgedrückt wird die durchschnittliche Zahl des Landes durch die Provinzen Posen, Pommern und Preußen, in welchen 1 Mitglied erst auf 700, 640 und 600 Bewohner trifft. Im Königreich Sachsen zählte man 1865 bei ca. 15,000 Mitgliedern ein solches auf 160 Bewohner. In Bayern mit 25,821 Mit⸗ gliedern zu Ende 1868 1 Mitglied auf 186 Be⸗ wohner. Noch viel günstiger gestaltet sich dieses Verhältniß in Baden, wo bei einer Mitglieder- zahl von 23,321 zu Anfang des Jahres 1871 ein Mitglied auf 107 Bewohner kommt. Wenn hierauf auch zum Theil die Höhe der an die landw. Vereine zu leistenden Beiträge von Ein⸗ fluß ist, die sich unserer Kenntniß entzieht, so möchte doch eine fortgesetzte von den landw. Organen ꝛc, ausgehende Aneiferung und Auf⸗ klärung der kleineren Landwirthe den hessischen Vereinen noch gar manches Mitglied zuführen können und wenn endlich ein großer Theil der Mitglieder aus Beamten, Geistlichen und Privaten besteht, welche lediglich des allgemeinen Interesses wegen den Vereinen angehören, so dürften doch auch in diesen Kreisen noch manche Männer zu gewinnen sein, welche ein Herz für die gute Sache haben und in dem Bewußtsein, die Landwirth⸗ schaft— einen der wichtigsten Zweige des öffent⸗ lichen Wohles— mitgefördert zu haben, ihre schönste Belohnung finden.
D. Frankfurt a. M., 13. Mai. Die kolossale Deroute des Wiener Platzes wirkt in ihren Consequenzen wahrhaft vernichtend auf den Börsenverkehr ein. Was in den letzten Tagen hier schon als eine Panik betrachtet wurde, darf jetzt nur als eine starke Baisse angesehen werden, gegen die heutige Panik. Alles brängt sich zum Verkauf und scheint fast jedes Vertrauen in die gegen⸗ wärtige Situation geschwunden zu sein!! Der Sturm wirkte selbstverständlich wieder am Verheerendsten auf Speculationseffecten und Bankactien, welche durchgängig bedeutende Courseinbußen erlitten, aber auch Bahnpapiere und Anlagefonds wurden in ihrem Coursstand erschüttert. Das Privatpublikum ist indeß nicht genug zu warnen, seinen Besitz an reellen Werthen nicht zu verschleudern,
da die gegenwärtige Krisis lediglich den Character einer
Speculationskrisis hat, zu welcher weder politische Ver⸗ hältnisse, noch die Lage des Geldmarktes, sondern nur die tolle Ueberspeculation Veranlassung gegeben haben. Wer nicht verkaufen muß, ist thöricht gegenwärtig zu den niederen Coursen loszuschlagen. Das Ende der Krisis ist vorab nicht abzusehen, da die weitere Entwickelung der Dinge in Wien, trotz aller Palliativmittel, sich vorläufig noch aller Berechnung entzieht. Unser Platz hat sich bis jetzt, wenn auch Verluste unvermeidlich waren, Dank seiner conservativen Richtung, noch durchaus widerstands⸗ kräftig gezeigt. Für Medio ist Geld zwar theuer, aber nicht fehlend. Von Speculationseffecten schlossen Credit⸗ aclien gestern 323½ heute 296, nach 300298302 294; Staatsbahn blieben gestern 345½ und noliten
heute 331, nach 330 und 328; Lombarden schlossen
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