gehen. Bereits ist der Auditor des 11. Armee⸗ corps eingetroffen, welcher vom Kaiser beordert wurde, die Untersuchungs⸗ Verhandlungen zu führen. Der Angeklagte soll seiner Schuld geständig sein, wie auch ein an den Bankier B. J. Schiff in Meiningen gerichteter Brief ausweist. In diesem bedauert v. Engel, daß er durch sein Verschulden Hrn. Schiff um die dargeliehene Summe gebracht habe, und stellt gleichzeitig das Zeugniß aus, Schiff habe ihn stels auf das Reellste bedient und rechtlich gehandelt. Die Untersuchung wird manches Interessante bringen. Ob Solches aber in das Publikum dringen wird, ist zweifelhaft. München. Der Lieutenant J. Ruf vom 1. bayerischen Infanterie⸗Regiment, welcher einem Soldaten beim Exercieren einen Hieb mit der
flachen Klinge versetzt hatte und deßhalb vom
Militärgericht wegen Mißhandlung eines Unter⸗ gebenen in Concurrenz mit dem Vergehen des rechtswidrigen Gebrauches der Waffe zu einer Festungsstrafe von 6 Wochen und 2 Tagen ver- urtheilt worden war, hat gegen dieses Urtheil die Nichtigkeits⸗Beschwerde ergriffen. Das Militär- gericht verwarf diese Beschwerde, erkannte aber zugleich an, daß die Verurtheilung nicht nach Art. 149 des Neichsmilitär⸗Strafgesetzbuches hätte erfolgen sollen, sondern nach anderen Artikeln, welche schwerere Strafen festsetzen.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Weninger hat das Finanz⸗Portefeuille nachträglich abgelehnt; gleichwohl hat der Kaiser die angebotene Demisston Szlavp's in dem stattgehabten Ministerrath nicht angenommen.
Pest. Der Ministerpräsident theilte auf eine im Unterhause an ihn gerichtete Interpellation be⸗ treffs des Standes der Ministerkrisis mit, daß er die Demission zweier Minister unterbreitet habe, welche jedoch von dem Kaiser nicht angenommen worden sei. Er hoffe in der nächsten Sitzung be⸗ stimmte Erklärungen abgeben zu können.
Schweiz. Bern. Die Pariser Conferenz der Staaten der Münz⸗ Convention von 1865 für die Berathung der Annahme der Goldwährung ist bis zum 8. Januar n. J. verschoben worden. In Delsberg wurde der Kirchenrath neuerdings verhaftet. Die dort domicilirenden Milizen wurden auf Piquet gestellt.
Frankreich. Paris. Einer Nachricht des „Ordre“ zufolge ist der Papst sehr schwach und ernstlich die Rede von dem Zusammentritt eines Conclaves.
— Einer Meldung der„Agence Havas“ zu⸗ folge hat General Loma am 8. December Irun, Fuenterrabia und Behobia besetzt. Dieselbe er⸗ fährt ferner, Präsident Grant habe die Demission des amerikanischen Gesandten in Madrid, Generals Sickles, zurückgewiesen
Versailles. Die Nationalversammlung ge- nehmigte in ihrer Si zung am 8. December das Budget des Justizministeriums und begann die Discusston über das Budget des Ministeriums des Aeußern. Bei Gelegenheit desselben wurde Seitens der Regierung mitgetheilt, daß ein Gelbbuch in 14 Tagen zur Vertheilung gelangen soll.
Trianon, 7. Dez. Prozeß Bazaine. Der Vertheidiger des Marschalls, Advokat Lachaud, hat heute sein Plaidoyer begonnen. Derselbe führt aus, daß Bazaine seiner Pflicht nachgekommen sei. Morgen wird die Vertheidigungsrede fortgesetzt werden. Man glaubt, daß das Urtheil am Mitt⸗ woch gefällt werden wird.
— 8. Dec., Abends. Prozeß Bazaine, Lachaud setzt seine Plaidoyer fort. Von dem 4. September sprechend, sagt derselbe: Die Geschichte werde sagen, es hätten sich Leute gefunden, die da dachten, daß es an der Invafion nicht genug sei, daß man den Schmerz eines Aufstandes hinzufügen müsse. Von den Unterhandlungen Bazaine's mit dem Feinde sprechend, führt Lachaud aus, daß ein General, der in gewöhnlichen Zeiten so handelte, allerdings schuldig sein würde, Bazaine sich jedoch in Metz nicht in gewöhnlichen Verhältnissen be⸗ funden habe. Die Regierung von Tours habe sehr wohl gewußt, daß ein Widerstand bis zum
Aeußersten unmöglich sei. meint Lachaud: Sein heißer Patriotismus hoffte auf Erfolg, und dies wird seine Entschuldigung vor der Geschichte sein, eine andere wird es für
Betreff's Gambetta's
ihn nicht geben. fortgesetzt.
roßbritannien. London. Von der Westküste Afrikas wird gemeldet, daß die Atschantis ihren Rückzug fortsetzen. General Wolseley, der am Fieber erkrankt ist, befindet sich in der Besse⸗ rung, indessen liegen viele Offiziere an derselben Krankheit darnieder.
— Die„Daily News“ will wissen, daß der Unionsgesandte in Madrid, General Sickles, seine Entlassung gegeben hat.
Spanien. Cartagena. Die alten spanischen Seehelden des fünfzehnten Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie das jammervolle Verhalten der Regierungsflotte vor Cartagena sehen könnten. Dieselbe hat sich bei Beginn des Bom⸗ bardements vor den paar Schiffen der Insurgenten nach Alicante in meilenweite Entfernung vom Feinde in Sicherheit gebracht, so daß ein communistisches Schiff, der„Darro“ täglich Raubzüge unternimmt und Alles in den Hafen schleppt, was ihm von Proviant, Vieh, Geld u. s. w. in den Wurf kommt.
Italien. Rom. Die„Ital. Nachrichten“ melden: Pio Nono ist seit einigen Tagen sehr leidend geworden und die Cardinäle, welche ihm Gesellschaft leisten, weil er auf Anrathen seiner Aerzte das Zimmer hüten muß, finden, daß seine Gemüthsstimmung zusehends trauriger wird. Als die Lehrer der Schule della Pase kürzlich eine Audienz bei ihm hatten, empfahl er ihnen, alle müßliche Klugheit und Vorsicht zu beobachten, damit sich die italienische Regierung nicht veran⸗ laßt sehe, ihre Schulen zu schließen. Ein unga⸗ rischer Bischof erfreute ihn dieser Tatze zu ge⸗ legener Stunde mit Ueberbringung von 14,000 fl. als Peterspfennig.
Rußland. Petersburg. Der„Reichs- Anzeiger“ veröffentlicht das Recrutirungs⸗Manifest für 1874, wonach im gesammten Rußland und Polen die Aushebung nach dem gewöhnlichen Maßstabe 6 Recruten von 1000 Einwohnern, stattfindet.
— Der„Russische Invalide“ meldet: Bei dem Diner im Winter⸗Palais am 9. Dec. brachte der Kaiser einen Toast auf das Wohl der Ritter des St. Georgen Ordens aus. Der Feldmarschall v. Manteuffel erwiderte im Namen des deutschen Kaisers und der deutschen Armee mit einem Toast auf das Wohl des Kaisers Alexander II.
Amerika. New- Nork. Die Auslieferung des„Virginius“ und der acht Ucberlebenden von dessen Mannschaft soll, wie aus Regierungskreisen verlautet, innerhalb zehn Tagen mit Bestimmtheit zu erwarten sein.
— Der Marineminister Robeson hat vom Congreß 5 Millionen Doll. verlangt, um die Marine wieder in guten Stand zu setzen. Das Repräsentantenhaus hat die Amnestie-Bill an⸗ genommen, einen Antrag auf Bewilligung der Rechte von Kriegführenden an die aufständischen Cubaner, nachdem sich die Regierung dagegen ausgesprochen, verworfen. Hinsichtlich des„Vir⸗ ginius“ herrscht noch immer Ungewißheit; man zweifelt, ob Cuba ihn ausliefern wird.
— Auf die Anerbietungen mehrerer Personen, sich als Freiwillige in der Armee einreihen zu lassen, erwiderte General Sherman, er glaube nicht, daß es zum Kriege kommen werde; der Krieg werde übrigens von der Regierung nicht gewünscht.
Aus Stadt und Land.
Darmstadt. Der viel Aufsehen erregende Prozeß welchen Graf Eberhard von Erbach-Erbach gegen den Kaufmann Walter von hier wegen Versuchs der Erpressung eingeklagt, sollte im 6. d. M. vor dem hiesigen Hofgericht als Berufsinstanz verhandelt werden. Der als Zeuge ge⸗ ladene Graf war wiederum nicht erschienen, wohl aber traf ein Telegramm ein, wonach er sich damit entschuldigt, daß er den Zug versäumt habe. 5 Antrag des Beschul⸗ digten wurde die Verhandlung unker diesen Umstäuden vertagt und da der Gerichtshof das persönliche Erscheinen des Grafen für geboten erachtete, die abermalige Ladung
Das Plaidoyer wird morgen
desselben verfügt, auch wegen ungenügend entschuldigten Ausbleibens auf 3 fl. Geldbuße, ferner Tragung sämmt⸗
licher Kosten, die durch sein Nichterscheinen erwachsen, er⸗ kannt. Diesem Erkenntniß wird der Graf wohl Folge leisten, widrigenfalls seine gefängliche Vorführung zu ge⸗ wärtigen ist.
Mainz. Die in hiesigen Blättern enthaltene, Notiz, daß am Samstag ein Passagier bei Gustavsburg aus dem Zug gefallen sei, ist dahin zu berichtigen, daß der betreffende Passagier aus dem im vollen Fahren begriffenen, von Mainz um 11 Uhr 50 Minuten nach Frankfurt gehenden Zug herausgesprungen ist, um nach seiner eigenen Aussage verschiedene im Wartesaale zu Mainz zurückge⸗ lassene Gegenstände von Werth zu holen. Derselbe brach bei dem Abspringen einen Arm und ist am Kopf beschädigt. Glücklicherweise sind die Verletzungen nicht lebensgefährlich, wie die erste Nachricht lautete. Nachträglich erfährt der Mainzer Anzeiger, daß der Verunglückte eine zweideutige Persönlichkeit, wahrscheinlich ein Industrie⸗Ritter ist, der vielleicht seine besonderen Gründe gehabt haben mag, aus dem Waggon zu springen. Die Polizei hat sich bereits mit ihm beschäftigt und so viel schon herausbekommen, daß die mit ihm reisende Dame, welche sich für seine Frau ausgab, dies nicht ist.
Oppenheim. Wie kürzlich verschiedene Blätter mit⸗ theilten, hat der deutsche Kaiser durch das Reichskanzler⸗ amt die Kostenüberschläge zu einer gründlichen Restauration der Katharinenkirche von dem Baucomite verlangen lassen; im Zusammenhang damit, dürste wohl eine dieser Tage stattgehabte Besichtigung der Kirche durch einen hoheren preußischen Offizier, der in Begleitung eines Herrn in Civil und des Küsters mehrere Stunden darin weilte, stehen. Der Offizier machte eifrig Notizen über die Grab⸗ denkmäler und bemühie sich die Inschriften derselben zu entziffern, wobei er häufig das Bedauern ausdrückte, daß einer solchen Fundgrube für Wissenschaft und Kunst bis jetzt an hoher Stelle so wenig Aufmerksamkeit zugewendet worden wäre. Der Begleiter, der dem Anscheine nach ein Architekt war, legte sichtlich mehr Gewicht auf den schönen
Baustyl und sprach, nachdem er von allen Seiten eine
kleine Skizze genommen hatte, die Abficht aus, das Aeußere und das Innere der Katharinenkirche demnächst photo⸗ graphiren zu lassen.— Mit gleich großem Interesse be⸗ sichtigten die Herren die Ruine„Landskron“.
Allerlei.
Frankfurt. Dieser Tage Abends wurde in der Gartenstraße an der Bolongaro'schen Liegenschaft ein junger Mann von drei andern überfallen und zu Boden ge⸗ schlagen. Einer der Wegelagerer zog schließlich ein Messer und stieß es dem Opfer in die Brust, so daß dieses laut⸗ los und tödtlich getroffen zusammensank, worauf die Thäter, welche bereits ermittelt sein sollen, entflohen. Der Ver⸗ wundete wurde von einigen in der Nachbarschaft wohnen⸗ den Personen in ein Haus getragen und von da in's hl. Geist⸗Hospital geschafft.
Frankfurt. Am Dienstag Nachmittag wurde auf freiem Felde in der Nähe der Brönner'schen Fabrik ein junger Mann mit einer Schußwunde in der Brust todt aufgefunden. Es liegt hier, den angestellten Ermittelungen zufolge, ein Selbstmord, Familienzwistigkeiten halber, vor. Befremdend war es daher, daß anfänglich die Pistole, mit der die That ausgeführt war, nicht aufgefunden werden konnte; diese ist nun aber auch, etwa 15 Schritte von der Stelle, wo die Leiche aufgefunden wurde, entdeckt worden.
Frankfurt. Am 8. December fand im Saale der Harmonie die zweite Frauenversammlung statt. Ueber 500 hatten sich dazu eingefunden, welche den vom Comite ausgearbeiteten Statutenentwurf annahmen. Nach dem §. 1 ist es Zweck des Frankfurter Frauenverbandes, die willkürlichen Preissteigerungen der nothwendigen Lebens⸗ mittel zu beschränken und billigere Marklpreise zu erzielen. Zur Leitung des Vereins ist ein aus 25 Personen be⸗ stehender Vorstand berufen, welcher aus sich noch einen aus 9 Mitgliedern bestehenden engeren Ausschuß wählt. Jedes durch seine Unterschrift verpflichtete Mitglied hat sich den durch den Vorstand festgesetzten Marktpreisen zu unterwerfen. Die letzteren werden in der Nähe des Marktes jedesmal bekannt gemacht. Allmonatlich leistet jedes Mitglied zur Bestreitung der unvermeidlichen Kosten einen freiwilligen Beitrag. Der hierauf gewählte Vor⸗ stand begann am 9. d. seine Thätigkeit. Als Markt⸗ preis für das Pfund Butter wurde 36 kr. und für ein Ei 2 kr. festgesetzt. Gleichzeitig richtete die Vorsitzende die Bitte an fämmtliche Hausfrauen Frank⸗ furts, so weit sie nicht selbst zum Einkaufen auf den Markt gehen, ihre Dienstboten dahin zu instruiren, kein e höheren Preise zu geben.
Barmen. Am 4. December wurde ein auf dem Rott wohnender Fabrikarbeiter, welcher vor einigen Wochen von einem tollen Hunde gebissen worden, von der Toll⸗ wuth befallen. Die schreckliche Krankheit erreichte sehr bald den höchsten Grad, in Folge bessen der Unglückliche die ganze Nacht, von allen Kleidungsstücken entblößt, unter fortwährendem Heulen und Schreien auf der Straße und im Hause umherlief und alle ihm zu Gesicht kom⸗ menden Gegenstände zu zerstören suchte. Erst am andern Morgen gelang es mehreren Polizeibeamten, denselben
festzunehmen und per Oroschke in das städtische Kranken-
haus zu schaffen. Nach Aussage der hinzugerufenen Aerzte ist keine Aussicht auf Genesung vorhanden.
Durlach. Dieser Tage gewann ein hiesiger junger Offizier eine Wette von 100 Thaler, indem er den etwa eine Stunde betragenden Weg von hier bis nach Karls⸗ ruhe an das Durlacher Thor in 40 Minuten einmal zu Fuß, einmal zu Wagen und einmal zu Pferd zurücklegte. Er brauchte 25 Minuten zu Fuß, 6 Minuten zu Pferd und die übrige Zeit der 40 Minuten weniger 16 Sekunden zum Fahren.
9—
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