das Gesetz, dem Antrag Schröder's gemäß, dem sich Dernburg anschließt, an den Ausschuß zuräck⸗ derwiesen.
— 7. Nov. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer kam die Rückäußerung der ersten Kammer bezüglich der Kreis-, Städte- und Landgemeinde⸗ Ordnung zur Verhandlung. Der Ausschuß hat in einzelnen weniger wichtigen Differenzpunkten nach zugeben beantragt, in den wichtigeren Punkten hält er an den früher gefaßten Beschlüssen fest, so zur Kreis⸗Ordnung daß die Kreise nur ducch „Gesetz“ geändert werden können, daß die Standes- herren nicht eo ipso Mitglieder des Kreis ⸗Aus⸗ schusses sein sollen ꝛc., ferner zur Städte Ordnung, daß die Wählbarkeit zum Stadtverordneten in keiner Weise von einem Census, die Ertheilung des Ebrenbürger⸗Rechts nicht von der Genehmigung des Ministeriums abbängig sein ꝛc.; endlich zur Landgemeinde Ordnung, daß der Bürgermeister dirert von den Stimmberechtigten gewählt werden soll 1c. Aus den Verhandlungen heben wir ber- vor, daß das gesammte Haus fast regelmäßig und oft ohne Debatte den Ausschuß⸗ Anträgen beitritt. Die erste erwähnenswerthe Differenz tritt bei Art. 45 der„Kreis⸗Orduung“ ein, wo Abg. Ellenberger den Geistlichen die Mitgliedschaft im Kreis ⸗Ausschuß, jedoch vergeblich, zu sichern sucht. Bei der Städte Ordnung befürwortet Ministerial⸗ Director v. Starck die Annahme des Beschlusses der ersten Kammer, wonach die Hälfte der Stadtverordneten aus dem höchllbesteuerten Viertheil der Wählbaren gewählt werden soll. Abg. Heinzerling, der diesem Vorschlag schon bei der ersten Abstimmung beigetreten ist, spricht für die Annahme und bittet um Mittheilung, wie weit das Viertel im Steuer Capital herunterreiche. Ministerial⸗Director v. Starck gibt dieselbe. Die Annabme wird jedoch schließlich abgelehnt, da die Beschränkung doch ziemlich einflußlos sei und ein Odium auf die Kammer lade. Bei der Land- gemeinde Ordnung entspinnt sich über die Frage, ob die Kammer, abweichend von ihrem früheren
Beschlusse, im Einklaug mit der ersten Kammer
die directe Wahl durch den Gemeinderath an- nehmen woll, eine theilweise sehr lebhafte Debatte. Ministerial⸗ Director v. Starck hält an letzterer fest, ebenso Buff, Goldmann, Edinger und Oechsner, die beiden Letzteren, weil die directe Wahl nicht auch bei den Städten angenommen sei. Metz und Dernburg sind, wie früher, für directe Wahl, ebenso Ramspeck(Bürgermeister), der bei der vorigen Abstimmung verhindert war, ferner Ellen⸗ berger, Wadsack, List und Habicht; die Abgg. Schröder, Welcker, Schuchard, Heinzerling, Stüber, Küchler, die früher für indirette Wahl gestimmt haben, erklären sich frtzt im Interesse des Zustande⸗ kommens des Gesetzes, da insbesondere die Majorität für die indirccte Wahl nicht vorbanden sei, bezw. aus näher entwickelten Gründen für directe Wahl. Dumont betont, daß er das einzige Ausschuß⸗ Mitglied gewesen, welches ursprünglich die directe Wahl des Bürgermeisters in den Städten und in den Landgemeinden befürwortet habe, und daß er, trotzdem bei den Städten der indirecte Wahl ⸗ modus angenommen worden sei, jetzt bei den Landgemeinden für die directe Wahl stimmen werde. Berichtergatter Küchler bemerkt, daß Abg Dumont das die Wahlrecht nur auf der ver⸗ krüppelten Grundlage des Ortsbürger⸗Rechts ge- wollt habe. Die Schluß ⸗Abstimmung ergibt 44 Stimmen gegen 4 für directe Wahl. Bei der Schluß Abstimmung über die drei Gesetze-ergibt sich jedesmal einstimmige Annahme.
L Post⸗ Persoualnachrichten. Angenommen wurden: Georg Heinrich Schanz von Schlierbach und Adam Leibfried von Unter-Hambach als Post⸗ Gehülfen, der Gemeinde ⸗Einnehmer Weinberger in Stockhausen bei Herbstein und der Stadt⸗Post⸗ bote Stubaus in Wallertbeim als Postagenten, der Militär⸗Anwärter Streckhard als Stadt- Post⸗ bote in Mainz, Jacob Schmidt in Butzbach, der Privat-Postunterbeamte Holz in Fürth i. O. und der Postillon Hedrich in Lauterbach als Land- briefträger; der Realschul: Abiturient und Post⸗ gebülse Haͤubach wurde in die Kategorie der
Posteleoen übernommen. Versetzt sind: der Post.
sekretär Fröbe von Cassel nach Mainz, der Post⸗ sekretär Cronenberg ven Worms nach Heppenheim, der Postpracticant Hüttenlocher von Cannstadt nach Mainz, der Postamts⸗Assistent Wiesner von Darmstadt nach Breslau, der Postschaffger Röder von Darmstadt nach Mainz, der Briefträger Rei⸗ mund von Darmstadt nach Gießen und der Brief ⸗ träger Arras von Darmstadt nach Bingen; der Landbriefträger Hilpisch ist freiwillig aus dem Postdienst ausgeschieden.
Berlin. Der Reichskanzler hat bei dem Bundesrat) beantragt, der von der amerikanischen Regierung ergangenen Einladung zur Theiln ahme an der im Jahre 1876 in Philadelphia beabsich⸗ tigten Ausstellung von Kunst⸗ und Industrie⸗Er⸗
zeugnissen und Produkten des Land- und Bergbaues
Folge zu leisten, sowie der Einsetzung einer be⸗ sonderen Ausstellungs Commission, desgleichen der Bestellung eines Bevollmächtigten der Commission in Philadelphia, zuzustimmen.
— Auf die Anfrage eines Stettiner Hand— lungshauses beim Reicskanzleramt über die Sicher- heit deutscher Schiffe in spanischen Gewässern ist von diesem mitgetheilt,„daß in spanischen Ge. wässern zwar Schiffe Sr. Majestät Marine zum Schutze deutscher Interessen stationirt sind, für die Sicherheit einzelner Handlungs⸗Unternehmungen indeß selbstverständlich keine Gewähr zugesagt werden kann.“;
— Dem in den letzten Tagen aufgetretenen Gerücht von der Existenz eines zweiten Briefes Pius IX. an den Kaiser wird in unterrichteten Kreisen nicht widersprochen. Wenn dies Schreiben nicht gleichfalls der Oeffentlichkeit übergeben wird, so ist, wie die„D. N.“ schreiben, der Grund dafür nicht sowohl in Rücksichten der Courtoisie, mie man vermeint, sondern hauptsächlich darin zu suchen, daß der Inhalt des Schreibens ledig lich private Beziehungen behandelt, welche aus⸗ schließlich die Person des Kaisers berühren und mit den politischen Dingen fast gänzlich außer Verbindung stehen. Man legt dem Ganzen so wenig irgend welche Bedeutung bei, daß eine nochmalige Eiwiederung des Kaisers kaum er folgen dürfte.
— Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ hört, daß in Folge der in den letzten Tagen dee October er folgten Verhaftungen von deutschen Staatsange hörigen in Cartagena und der Wegnahme deutschen Eigenthums auf dem durch ein Jasurgentenschiff gekaperten spanischen Schiff„Estremadura“ die deutsche Gesandtschaft in Mabrid ermächtigt wurde, das deutsche Geschwader zu den erforderlichen Maß. regeln zu requiriren. Nachdem dasselbe am 3. d. vor Cartagena angekommen war, zeigte der Ver ⸗ weser des deutschen Consulats die Freilassung der Gefangenen an. Ueber die Erledigung der Eigen⸗ thumsfrage liegt noch keine Nachricht vor.
Löwenberg(in Schlesien). Das„Löwen berger Kreisblatt“ bringt folgende Bekanntmachung des hiesigen Landrathsamtes:„Nachdem der Herr Fürstbischof von Breslau am 25. October c. dem Herrn Oberpräsidenten unter Bezugnahme auf den §. 2 des Gesetzes vom 11. Mai d. J. die Mit theilung hat zugehen lassen, daß nach dem Tode des Pfirrers Tilgner in Lähn Gefahr im Verzuge obwaltete und für die Verwaltung der Pfarrei gesorgt werden müßte, da ferner der Herr Ober⸗ präsident kein Bedenken trägt, die Gefahr im Ver⸗ zuge anzuerkennen, so ist die Uebertragung der Pfarr-Administration auf den Kreis-Vicar Nickisch von nun an als gültig anzusehen.“ Die Be⸗ rufung auf die Maigesetze von Seiten des Fürst⸗ bischofs ist, wie die„Schles, Zig.“ meint, ein erfreuliches Zeichen. f
München. Der deutsche Kaiser ließ Döllinger unläßlich dessen 50jährigen Piofissor-Jubiläums durch den hitsigen Gesandten den rothen Aoler⸗ orden zweiter Classe mit Stern überreichen.
Ausland.
Oesterreich Ungarn. Wien. Das Herrenheus nahm in seiner Sitzung vem 6. Nov. einen Antrag auf Beantwortung der Thronrede durch eine Adresse an und wöbhlte eine Adreß⸗ Commission. Ferner wurde eine politische, eine juristische und eins finanzielle Commisston gewählt.
dem Vorwand, dieselben seien bei der Enit N
Fabriken ein.
Frankreich. Paris. Es geht das Gerücht,
es solle gerichtliche Verfolgung gegen Barodet und
Boysset bei der Kammer beantragt werden, unter
Geschichte von Autun betheiligt.
Versailles. Nationalgersammlung. der stattgehabten Präsidentenwahl am 6. Nopbr. wurde Buffet mit 384 don 393 abgegebenen
Stimmen zum Präsidenten gewählt. er Rest hatte sich der Abstimmung enthalten. Zu Vice⸗
präsidenten wurden Martel, Benoist d' Azy, Goulard und Chabaud la Tour erwählt, die früheren Secretäre wurden wiedergewäblt. Die Bureaux wählten ihre Präsidenten und Secretäre. In neun Bureaux fielen diese Sitze Mitgliedern der Rechten, in sechs Mitgliedern dec Linken zu. Leon Say
wünscht die Regierung über Nichtberufung der
Wahlcollegien in denjenigen Bezirken, deren Ver⸗
tretung erledigt ist, zu interpelliren und wird hierzu
der nächste Donnerstag festgesetzt.
— In der Nationalversammlung am 7. d. dankt Buffet für seine Ernennung zum Präsiventen, empfiehlt, seine Autorität sorgfältig zu achten, damit die Deputirten mit Ruhe die großen Inte- ressen des Landes verhandeln und diesem alle Bürgschaften der Ordnung, deren es bebürfe, sichern könnten. Er betont die Nothwendigkeit, Ausfwallungen der Leidenschaft, selbst wenn sie auf dem edelsten Beweggrund beruhten, zu unterdrücken und empfiehlt allseitige Folgsamkeit, indem er die Hoffnung ausspricht, daß Alle die nothwendigen Opfer im Hinblick auf das Wohl Frankreichs bringen würden Von Marcel Barthe wird der Antrag gestellt, das Gesetz vom Jahre 1849, wo⸗ nach die erledigten Deputirtensize binnen zwei Monaten zu besetzen sind, wieder in Kraft treten zu lassen. N ee
— In der Nationalversammlung fand am 7. d. die Wahl der Mitglieder für die Com⸗ missision statt, welche mit der Prüfung des An⸗ trages Changarnier betraut werden soll. Die Wahl fiel bisher auf 7 Mitglieder der Rechten und 5 der Linken. Drei Bureaux haben ihre Wahl auf den 8. vertagt und dürfte dieselbe vor⸗
(aussichtlich zu Gunsten von Candidaten der Linken
ausfallen. f 102
Belgien. Brüssel. Pariser Privat⸗Nach⸗ richten zufolge ist die Stimmung in den Regie⸗ rungekreisen gedrückt; statt der erbofften bedeutenderen
Majorität befürchtet man wachsenden Widerstand
det öffentlichen Meinung. Mac Mahon droht mit Rücktritt. f Spanien. Miranda. Einer Depesche der Municipalität von Miranda zufolge haben die Carlisten einen großen Sieg erfochten, General Noriones wäre verwundet und gefangen, Primo de Rirèra im Kampfe geblieben, zahlreiche Ge⸗ fangene wären in die Hände der Carlisten ge⸗ fallen, darunter 35 Offiziere und 150 Mann Cavalerie. a Amerika. Newyork. Von allen Seiten gehen Nachrichten über neue Schließungen von In den noch offenen Fabriken werden die Löhne reducirl. 5
Aus Stadt und Land.
Bad⸗Nauheim. Am vorigen Montig Abend fand in dem Saale des Hözel Iburg dabier die Generalver⸗ sammlung des Kur- und Verschönerungs⸗ Vereins slatt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung und gab in seinet Einleitung ein klates und von den zahlreich ver⸗ zaammelien Mitgliedern mit großem Beifalle aufgenommenes Bud der Thätigkeit des Vorstandee, worauf die Verlesung des Rechenschafisverichtes erfolgte. Der sehr deiallliit ab⸗ gefaßte Bericht zeugte von dem erfreulichen Wik en, von welchem wer nur hervorheben wollen: die ergriff ne Ini⸗ inive um die schönen, die Terrasse schmückenden Lor beer⸗ bäume, wolche sonst jedenfalls für di selbe auf immer verloten gcwesen wären, anzukaufen; die Fertigstellung der
n 2000 Exemplaren erschienenen Broschüre über das Bad
in französischer Sprache mit sechs sehr guten Ansichten der Haup punkte deslelben, die burch die Aerzte nach Holl„Belgien, Rußland ꝛc., wozu das Abr; ssene Material bereits e ist, zum Versandt kommen werden; die Veränstaltung des so beisällig aufgenommenen Con⸗ tert's in der Mitte der Saison, bei weichem auch Frled⸗
berger Kräfte miwülkten, wodurch nicht allein den Kur⸗ 1 gästen ein Kunsigenuß mehr gebolen werden konnte, sondern
weiches auch der Kasse des Vereins, die nur zum allgemeinen Besten verwendet wird, eine Netio⸗ Einnahme von fl. 250 brachte.— Wügschens werih
aum 6 res R Reichs leuet
des 5 von 1 eiste lassen befant
piäscnti im Köz


