Genehmigung vor. Nähere Bestimmung: Das Sti⸗ pendium kann bis zu drei Jahren, aber nicht länger, vertheilt werden. Antheil an dieser Stif⸗ tung haben nur die Gemeinden, welche Beiträge dazu geleislet haben.“ 0
— Vor wenigen Tagen hat die Regierung in der zweiten Kammer die Mittheilung gemacht, daß Seitens des Finanzministeriums eine Bergordnung
für Hessen in Ausarbeitung begriffen sei. Veran⸗ lassung zu dieser Mittheilung gab eine Interpel- lation der Abgg. Buff und Oncken. Der erstge⸗ nannte Abgeordnete begründete die Interpellation mit dem Hinweis, daß der Bergbou in dem im Jahre 1866 an Preußen abgetretenen Hinterlande einen besonderen Aufschwung, namentlich seit der Zeit genommen habe, da man die preußische Berg⸗ Gesetzgebung und dadurch Rechtssicherheit dort eingeführt. Auch in Oberhessen sei der Bergbau im Zunehmen, weßhalb eine Bergordnung, die sich wohl an die preußische Gesetzgebung anzuschließen habe, geboten sei. Ministerialdirector v. Starck er⸗ widerte in obigem Sinne mit dem Anfügen, daß die preußische Gesetzgebung die Grundlage bilden werde.
— Die Frage, ob der Besuch eines Seminars als Bedingung der Anstellung der Volksschullehrer ohne Weiteres beizubehalten, oder ob mindestens für besondere Fälle Ausnahmen zu gestatten seien, ist schon vielfach ventilirt worden und wird auch in der Kürze in der zweiten Kammer zum Aus- trag gelangen. Wie wir aus dem Bericht des Gesetzgebungs ⸗Ausschusses ersehen, hat dieser letz⸗ tere, im Einverständniß mit der Regierung, der Kammer die Bestimmung vorgeschlagen, daß unter besonderen Umständen mit Genehmigung der obersten Schulbehörde der Prüfung auch solche Aspiranten sich unterzieben dürfen, welche nicht in den Seminarien unterrichtet worden sind, sondern sich in anderer Weise für den Schuldienst ausgebildet haben. Bei Gelegenheit der Beratbung des betreffenden Ar- tikels hat die Majorität des Ausschusses zugleich den Zusatz beantragt, daß bei der Prüfung der Lehrer die betreffenden Kirchen- und Religions- Gemeinschaften durch Beauftragte vertreten sein sollen, welche die Candidaten hinsichtlich ihrer Be⸗ fähigung zur Ertheilung des Religions-Unterrichts prüfen.
Berlin. Der Bundesrath hat das Münz- gesetz definitis angenommen. Wie der„M. Z.“ gemeldet wird, stimmte der sächsische Bevollmäch'⸗ tigte gegen das Gesetz, weil dasselbe keine ge⸗— nügende Garantie für die durch Einziehung des Staatspapiergeldes berührten finanziellen Interessen Sachsens biete.
Ems. Der Kaiser Wilhelm ist am 4. zur Kur eingetroffen und wurde am Bahnhof durch den russischen Kaiser begrüßt. Letzterer wird noch bis zum 9. hier verweilen.
Eisenach. Der Berlin⸗-Frankfurter Nacht schnellzug ist nahe bei Fröttstedt am 5. d. ent; gleist. Nach genauen Mittheilungen wurden, außer vielen Verwundungen, zwei Beamte und eine Dame getödtet.
Fulda. Die Commissarien, welche sich im Auftrage des Oberpräsidenten in den Besitz des verweigerten Materials bezüglich des Priester⸗ Seminars setzen wollten und abschlägig beschieden wurden, sind zurückgereist. Die Entziehung der staatlichen Anerkennung des Seminars ist bevorstehend.
Ausland.
Schweiz. Bern. Die Regierung des Can tons Tessin hat die Ausweisung von zwei fremden Priestern sowie zugleich beschlossen, daß mit dem Ablauf der Bewilligung des Aufenthalte für fremde Geistliche das Placet für ihre geistlichen Func⸗ tionen erloschen ist. Endlich bat die Regierung die Versammlungen und religiösen Uebungen des Piusvereins an Festtagen verboten.
— Die Zäricher Regierung hat das Gesuch um Einräumung eines Lokals für die Abhaltung des römisch⸗katholischen Gottesdienstes abgewiersen, weil das Verlassen der seither innegehabten Kirche angeblich aus dem Grunde, daß dieselbe durch den vom Statthalter erlaubten altkatholischen Gottesdienst profanirt sei, sich als krasseste In⸗ toleranz charakterisire.
Genf. Der große Rath von Genf hat be⸗ schlossen, daß der Staat bei der Bischofswahl mitzuwirken hat. 5
Frankreich. Versailles. Man versichert, daß 300 Deputirte eine Erklärung zu unterzeichnen beschlossen haben, welche fordert, daß der Regierung das Recht der Ernennung der Maires wiederge— geben werden solle. In Folge dieses Vorgehens würde das vollständige Municipalgesetz durch die Nationalversammlung vor ihrer Vertagung votirt werden.
— Die Subcommission zur Prüfung des Kriegs- budgets schlug im Einverständniß mit dem Kriegs- minister eine Reduction des Keiegsbudgets um 20 Millionen vor. Die Budgeteommission hat noch nicht Beschluß gefaßt. Man glaubt, daß die Reductionen angenommen werden. Dieselben be— treffen die Verpflegung und Bekleidung.
Großbritannien. London. Im Unter- hause erklärte Unterstaatssecretär Enfield am 4. d. auf Anfrage Miall's, daß England und Frank⸗ reich behufs Herbeiführung eines beiderseitig be⸗ friedigenden Handelsvertrags unterhandelten.— Das Börsen⸗Comite beschloß, den Coupon der spanischen Staatsschuld nicht zu detachiren, bevor nicht der Einlösungstag officiell bekannt gemacht sei.— Fürst Poniatowski ist gestorben.
— Der Schah von Persien empsing am 4. d. den Baron Reuter. In einer längeren Unter- redung über die in Persien auszuführenden ge— meinnützigen Unternehmungen versicherte der Schah, wie es ihn glücklich mache, in Reuter einen För⸗ derer seiner Pläne gefunden zu haben, er würde demselben bei der Verwirklichung dieser Pläne vollen Beistand und Schutz gewähren.
Spanien. Madrid. Nach einer Corres⸗ pondenz der„Times“ vom 2. d. herrschte dahier bis zu jenem Tage vollständige Ruhe; jedoch glaubt der Correspondent, daß bei der Erbitterung der sich feindlich gegenüberstehenden Parteien, ein Zusammenstoß jeden Augenblick erfolgen kann.
Italien. Rom. Die in Fulda versammelt gewesenen Bischöse hatten dem Papste eine Ab- schrift des in Berlin überreichten Collectivproto⸗ kolls übersandt und hat derselbe in einem an den Erzbischof von Köln gerichteteten Schreiben geant⸗ wortet und darin erklärt, er setze das größte Ver⸗ trauen in die deutschen Bischöfe, welche alle Rechtt der Kirche zu wahren wissen würden. N
Rußland. Petersburg. Ein officielles Telegramm meldet: Der entflohene Khan von Khiwa ist zurückgekehrt und hat sich dem General Kaufmang auf Gnade und Ungnade ergeben, mit ihm seine sämmtlichen Minister und Hauptrath⸗ geber. Der Khan wird durch eine Ehrenwache überwacht.
Persien. Teheran. Englische Ingenieure vollendeten die Aufnahme des Plans für dit ersten 50 Meilen(von T heran nach Kasvin) der pro- jectirten Bagnstlecke von Teheran nach Rescht.
Amerika. Washington. Eine Procla⸗ mation des Präsidenten Grant kündigt eine allge⸗ meine Weltausstellung in Philadelphia für das Jahr 1876 an.
Aus Stadt und Land.
Friedberg Es gereicht uns immer zum Vergnügen, wenn wir unseren Lesern eiwas von hiesigem Gewerbe fleiße miuheilen können und wie deiselbe sich nach und nach Geliung nach außen verichafft, gegenüber der schon öfter gebörten Maüinung, als könne in Friedberg ein ge— werbliches Eiabussement nicht gedeihen, obgleich die Ge⸗ schäfte der Herren Trapp& Münch, Roßbach ꝛc. ꝛc. schon linge das Gegentheil vewiesen vaben. So ging lem In⸗ haber der cheinischen Fabrik Seibert dahier Seitens der deusschen Generala sentur der Wiener Ausnellung für eine ausgestellien Präparate ein Anerkennungsschreiben zu des J ibalis, daß er sicher auf eine Auszeichnung rechnen könne.
* Friedberg. Am 5. Juli tagte die General⸗ versamm ung der Overbessischen Gesellschaft für Natur- und Hei kunde in den Räumen des Holel Trapp. Die Versammlung, obgleich auf präcis 12 Uor ausgeschrieben, begann ee si nach 1 Uhr und war im Ganzen schwach besucht. Außer Gießener und Friedberger Herren waren nur wenise anw send. Herr Professor Hofmann von Gießen eröffnete die Versammlung. Nach Erledigung der gewöhnlichen Form lien wurde zu den Vorträgen über⸗ gegangen. Herr Dr. Ulo ib von Bad-Nauheim zeigte zu⸗ nächst, ein sehr seltenes Gebilde von Holz, das aus einem
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Löffel durch Einwirkung verschiedener Stoffe in einem Fasse in der chemischen Fabrik von Merk in Darmstadt entstanden war. Bei oberflächlicher Betrachtung war das
Holz unkenntlich und mußte für irgend einen Pilz ge⸗ 1
halten werden. Sodann sprach Herr Professor Schneider über Entstehung, Bildung und Beschaffenheit der Feder. Herr Professor Buchner verbreitete sich über die Wichtig⸗
keit der Photographie für die Anthropologie und suchte
dies an einer reichen und sehr interessanten Sammlung von Photographien aller lebenden Menschenracen zu er⸗
läutern. Herr Professor Schmidt glaubte dem nicht bei-“
stimmen zu können. Die Genauigkeit einer Photographie hänge von sehr vielen Zufälligkeiten ab, was dadurch bewiesen werde, daß der beste Photograph mitunter ein schlechtes Bild mache. Dem geschickten Maler und Zeichner sei es möglich neben großer Genauigkeit noch gewichtige Momente durch seinen Stift in die Zeichnung zu über⸗ tragen. Herr Professor Streng sprach über das Auf⸗ finden einiger neuen Mineralien in Oberhessen, wie das des Ardennit ꝛc. und ging dann über zu dem seiner Zeit in diesen Blättern mitgetheilten Auffinden eines Vulkans bei Fauerbach. Nach seinen Untersuchungen und Beobach⸗ tungen, bemerkte der Herr Redner, müsse die Mittheilung als eine irrthümliche bezeichnet werden; der vermeintliche Vulkan sei weiter nichts, wie ein stark verwitterter Basalt. Herr Professor Köhler sprach gleichfalls über einen Vulkan über die— Brustwarze, insbesondere über abnorme Bildungen und deren Heilungen. Zum Schlusse machte Herr Professor Hofmann einige Mittheilungen über neuere Beobachtungen und Untersuchungen bezüglich der Diphtheritis. Leider können wir wegen Mangel an Raum auf das Mitgetheilte nicht näher eingehen. Nur soviel sei bemerkt, daß nach der Ansicht des Herrn Redners es keinem Zweifel unterliegen kann, daß sich Diphtheritis durch Uebertragung verbreiten könne. Der Pilz vermehre sich durch Thellung und komme es bei seiner Uebertragung sehr auf das Medium an, in welchem er sich befinde. Wie der Hesenpilz hier Bier, dort Branntwein erzeuge, so könne dieser Pilz auch Ursache der verschiedensten Krank; heiten sein, wie Gelenk-Rheumatismus ꝛc. Die Ver⸗ sammlung folgte mit der größten Aufmerksamkeit dem sehr interessanten Vortrage und war nur zu bedauern, daß derselbe wegen vorgerückter Zeit abgebrochen werden mußte. Nach Tisch begab sich die Versammlung nach Bad⸗Nauheim. Die nächste Generalversammlung soll in Büdingen abgehalten werden. 7
Bad⸗Nauheim. Folgende Mittheilungen dürften Ihre Leser in Friedberg und Umgegend interessiren: Die Morgen ⸗Concerte der Kurkapelle finden jeden Morgen von 7—8 Uhr an den Quellen statt. Die Nachmittags- und Abend ⸗Concerte werden auf der Terrasse, bei ungünstiger Witterung im großen Saale des Kurhauses abgehalten und zwar Sonntag, Montag, Mittwoch von 4—5½½ Uhr Nachmittags, Dienstag und Freitag von 5—7 Uhr Nach⸗ mittags, Donnerstag von 7—9 Uhr Abends und Samstag von 5—6 Uhr Nachmittags. Donnerstag den 10. Juli Nachmittags ist Kinderball, Dienstag und Freitag Abends Theater und Samstag Ball. Zu letzterem ist der Zutritt im Gesellschaftsanzug gestattet und nur bei den Reunions Balltoilette nöthig. Letztere können auch nur gegen Vor⸗ zeigung der betreffenden Reunions⸗Karten oder Kurkarten J. Classe besucht werden. Karten sind an der Kasse des neuen Kurhauses zu haben.
Gießen. Wäyrend der Sitzungsperiode des Schwur⸗ gerichts vom III. Quartal l. J. hat der Schwurgerichts⸗ bof dieser Provinz folgende Erkenntnisse erlassen: Am 2. Juli gegen Johannes Schreiner von Petterweil, wegen Uckundenfälschung, auf 3 Wochen Gefängniß. Denselben gegen Heinrich Linker V. von Breungeshain, wegen gleichen Vergebens, bezüglich dessen die Geschworenen jedoch ein „Nichtschuldig“ erklärten, auf Freisprechung. Am 3. Juli gegen Johannes Lang von Weitershain, wegen schweren und einfachen Diebstahls, auf Zuchthaus von 2 Jahren und 6 Monaten, sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren. Am 3. Juli gegen Jocob Böcher von Eschenrod, wegen versuchten Todtschlags, auf Zuchthaus von 4 Jahren, sowie Ab⸗ erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jabren. 8 Darmstadt. Am 4. Juli verschied dahier Herr Pro- sessor Dr. Kaup, Direktor des Naturalien-Cabinets, in Folge einer Erkältung im Alter von 70 Jahren. Ein Mann von unläugbaren wissenschaftlichen Verdiensten, dessen vielseiligen Beziehungen mit dem Auslande unser, Cabinet so manche schätzenswerthe Bereicherung verdankt, von beiderem Charakler und liebenswürdig jovialem Humor, war er als Mensch und Beamter gleich boch geachtet und wird in den Kreisen seiner zahlreichen Freunde schmerzlich vermißt werden. Ehre seinem Andenken!
Allerlei.
Frankfurt. Von einer Anzahl nahmhafter Freunde des Taunus wurden ron ihren Reisen in die Schweiz verschledene Specis Alpenpflanzen mitgebracht und zur Cultur im Taunus angepflanzt. 0
Frankfurt. Als die Nachricht bekannt wurde, daß die Maurer am Canalbau die Arbeit eingestellt, meldeten sich so viele andere, daß auch nicht einen einzigen Augen- blick der Weiterbau unterbrochen wurde. 1
Kassel, 5. Juli. Von einem Mitreisenden erfährt die„Hess. Morgenzeitung“ folgendes Nähere über das Eisenbahnunglück bei Fröttstedt: Ein Zug von etwa 70 Achsen, mit zwei Maschinen bespannt, entgleiste auf einem hohen Damme und zwar gerade an einer Stelle, wo eine Brücke in demselben gebaut ist. Die erste Ma“ schine gelangte glücklich über dieselbe und konnte daher die
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