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— Der Kaiser begibt sich nach Weimar zur dann versprochen werde, wenn dem nationalen, in
Begrüßung des neuvermählten erbgroß herzoglichen Ehepaars. Von Weimar geht der Kaiser zu den verschiedenen Truppen Manövern und gedenkt am 12. in Hannover einzutreffen.
— Agenten, namentlich englischer Dampfer⸗ linien, verbreiten in Deutschland die Nachricht, daß in Boston in Folge der zwei bedeutenden Feuersbrünste, welche diese Stadt betroffen haben, nicht nur eine große Nachfrage nach Arbeitern entstanden, sondern auch der Tagelohn auf fünf bis sechs Dollars gestiegen sei. Beide Angaben sind falsch und nur gemacht, um die Einnahme jener Dampsschifffahrts⸗Gesellschaften durch An⸗ lockung deutscher Auswanderer zu erhöhen. Der Minister des Innern und der Handelsminister warnen daher durch gemeinsame Verfügung das Publikum, und die Polizeibehörden sind angewiesen, gegen die Verbreiter jener Nachrichten einzuschreiten.
Kassel. Zu der am 3. Septbr. eröffneten 27. Jahresversammlung des Gustav⸗Adolph⸗Vereins sind ungefähr 180 auswärtige Theilnehmer ein- getroffen.
— Nach authentischer Mittheilung ist Pfarrer Gerlach in Obergeiß bereits von dem Peotest gegen das Gesammt-Consistorium zurückgetreten und hat seine Unterwerfung angezeigt.
Posen. Die„Ostdeutsche Zeitung“ meldet als ganz bestimmt, daß der Erzbischof Ledochowskg eine Anzahl Kleriker zur Ausbildung auf die Universität Würzburg schicken werde. Zur Ueber- wachung derselben sei der bisherige Regens des geistlichen Seminars, Likowski, ausersehen. b
Leipzig. Wegen Theilnahme an den in jüngster Zeit hier vorgekommenen bekannten Nacht⸗ excessen sind innerhalb der Zeit vom 23. bis 29. August 274 Personen verhaftet worden, und zwar durch Polizeimannschaften 88, durch Militär 136, gemeinschaftlich 50. Davon wurden 147 entlassen, weil ihnen weder Widersetzlichkeit, noch Theilnahme am Auflaufe, noch eine sonstige mit Strafe bedrohte Handlung nachzuweisen war. Die übrigen 127 Personen wurden in Haft behalten, und zwar wegen Aufruhr und Diebstahls 6, wegen Aufruhr 15, wegen Landfriedenbruchs 1, wegen Aufloufs 44, wegen Ungehorsams 60, wegen Widersetzung 1. Von diesen sind wiederum 69 Personen der königlichen Stagtsanwaltschaft, be- ziehentlich dem königlichen Gerichtsamte im Be⸗ zirksgerichte überwiesen, die verbleibenden 58 aber polizeilich bestraft worden.
Kaiserslautern. Hr. Dominicus Duren, in Folge bitterer Erfahrungen aus dem Jesuiten- orden ausgetreten, wird den altkatholischen Geist⸗ lichen durch Uebernahme der Seelsorge in Westrich unterstützen.
Straßburg. Zwei Straßburger Kaufleute und zwei Eisenbahnbeamte von Straßburg und resp. Avricourt wurden vorigen Sonntag in Lune⸗ ville ohne jede Provocation von wüthenden Volks- massen lebensgefährlich bedroht und verfolgt. Einer der Kaufleute wurde am Auge schwer verletzt, nur mit Mühe gelang es französischen Offizieren, die Bedrohten zu reiten.— Am 4. Septbr. wurde das neue Theater mit Figaro's Hochzeit eröffnet. Das Haus war ausverkauft.
Ausland.
Schweiz. Bern. Ein Aufruf des Cen- tralcomitees der liberalen Katholiken⸗Vereine in deutscher, französischer und italienischer Sprache fordert die liberalen schweizer Katholiken Namens der altkatholischen Delegirten⸗Versammlung vom 31. August zu zahlreicher Theilnahme an der Constanzer Altkatholiken⸗Versammlung auf.— Der österreichische Kriegsminister, welcher der Zusammen⸗ ziehung der eidgenössischen Truppen beiwohnt, wurde am 1. Sept. von dem Bundes ⸗Präsidenten empfangen.
Frankreich. Paris. Ein hervorragendes Mitglied des Ministeriums soll in einer Privat- Unterredung geäußert haben, daß im Schooße des Ministeriums wenig Hoffnung auf die Restauration Heinrich's V. vorhanden sei, da die Beibehaltung der Tricolore als eine politische Nothwendigkeit betrachtet und der Monarchie Dauerhaftigkeit nur
den Kammern ausgesprochenen Willen keine Fesseln angelegt würden. Im Ganzen halte die monarch⸗ ische Majorität an der Tricolore und den con- stitutionellen Garantien fest.— Alle Journale besprechen den Besuch des Königs von Italien in Wien und Berlin und erkennen dessen politische Bedeutung an. ö
— Die„Agence Havas““ meldet, daß die Bestallung des Marquis d'Harcourt zum Bot- schafler in Wien vollzogen sei. Derselbe soll schon Mitte dieses Monats nach Wien abreisen. Die Creditive für Decazes als Botschafter am Londoner Hofe würden in einer am Sonnabend oder kommenden Mittwoch stattfindenden Sitzung des Ministerraihs ausgefertigt werden. 8
— Wie die„Liberté“ meloet, begibt sich der Artilleriehauptmann Brunet vom Generalstabe des Kriegsministeriums nach Berlin, mit dem Auf⸗ trage, einen Theil des französischen Kriegsmaterials, welches in dem letzten Kriege von den Deutschen erbeutet worden war, zurückzukaufen. g
Belgien. Brüssel. Am 1. Sept. hat ein Eisenbahnunfall auf der luxemburgischen Bahn bei Grupont stattgefunden, wobei acht Passagiere getödtet und 15 verwundet wurden.
Großbritannien. London. Nach einer Meldung von Cartagena haben die englischen Panzerschiffe„Triumph“ und„Swiftsure“ die Insurgentenschiffe„Almansa“ und„Vittoria“ ohne Widerstand der Insurgenten nach Gibraltar ge⸗ bracht.
Spanien. Madrid. Die neuesten Tele- gramme der„Agence Havas“ melden unterm 1. d.: „General Bregua ist in Logrono eingetroffen. Nachdem derselbe eine Unterredung mit Espartero gehabt, wird er gegen die Carlisten vorrücken. Sechstausend Carlisten sind in Segorbe,(westlich von Castellon de la Plana, südlich von Teruel im Königreich Valencia) eingerückt und marschiren gegen Teruel.
Italien. Rom. Der Kronprinz Humbert wird, wie verlautet, während der Abwesenheit des Königs die Regentschaft führen.
Türkei. Konstantinopel. Auf Befehl des Sultans ist der Großcordon des Osmanie— Ordens mit dem Stern in Diamanten an den Fürsten Bismarck übersandt worden.
Aus Stadt und Land.
— d. Friedberg. Nach den in allen Theilen Deutsch— lands getroffenen Vorbereitungen zur Feier des Jahres- tages der Schlacht von Sedan läßt sich mit ziem⸗ licher Sicherheit schließen, daß dieser Tag, der 2. Sept., zum National⸗Gedenktag an die glorreichen Thaten unserer Heere in dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 sowohl, als auch zum Gedenktag an die kräftige Wieder— geburt Deutschlands vom Volke freiwillig erkoren worden ist, obgleich es immer noch nicht an Stimmen fehlt, die dem Tag des Friedensschlusses, dem 10. Mai, den Vorzug geben möchten. Auch hier war ein Comité zusammen⸗ getreten, um für den 2. September, ähnlich wie in den 2 vochergehenden Jahren, eine zweckentsprechende Feier vorzubereiten. War dieselbe seither nur eine partielle, so gestaltete sie sich in diesem Jahre zu einer ganz allgemeinen und zwar namentlich dadurch, daß zum Mitielpunkle der ganzen Feier ein Jugendfest ausersehen wurde. So ge— staltete sich die diesjährige Sedanfeier gemäß den 3 Tages⸗ zeiten, Vormittag, Nachmittag und Abend, zu einer drei⸗ fachen. Der Vormittag war der kirchlichen Feier gewidmet.
um ½10 Uhr wurde in der Stadikirche ein Festgottes⸗
dienst abgehalten, wobei Herr Pfarrer Köhler in ein⸗ gehender fesselnder Rede der Versammlung die Bedeutung eines National-⸗Gedenktages vorführte und zugleich zeigte, wie man einen solchen Gedenktag feiern solle. Den zweiten Theil der Feier bildete das Jugendsest, welches den ganzen Nachmittag von 2 bis ½7 Uhr in Anspruch nahm. Um ½3 setzte sich der Festzug, aus der gesammten hie⸗ sigen Schuljugend beiderlei Geschlechts(circa 900) be⸗ stehend, geführt von den Lehrern der betreffenden Anstalten und den sie unterstützenden Zöglingen des hiesigen Schul⸗ lehrer⸗Seminars, in Bewegung, begleitet auf beiden Seilen von den hiesigen beiden Feuerwehren, welche freiwallig die Auftechthaltung der Ordnung während des Zuges und auf dem Fesiplatze übernommen hatten. Der Zug be⸗ wegte sich von der Taubstummen⸗-⸗Anstalt durch die äußerst reich geflaggte Sladt, durch die Burg und die Vorstadt auf den Festplatz(Seewiese), wo nach Absingung des Liedes:„Preis dem Vater“, der Präsident des Jugend⸗ festes, Herr Realschuldirector Möller eine des Momentes würdige An prache hielt und mit einem Hoch auf Deutsch⸗ land schloß. Hierauf trug die Schuljugend unter der Direction des Herrn Lehrer Störger die„Wacht am Rhein“ vor, worauf sich die einzelnen Abtheilungen unter Leitung ihrer Lehrer an die voraus bestimmten Plätze
begaben. 5 e in richtiger Folge mit einander ab, so daß fortwährend
ein recht reges Leben und Treiben auf dem
kund gab. Bei Beginn der größeren Pause wurden an alle Schüler durch Comité mitglieder und Lehrer Bretzeln ver⸗ theilt, die sich die Kinder dann auch trefflich schmecken ließen. Nur schade, daß nicht besser für Getränke gesorgt war, da viele Kinder wirklich empfindlichen Durst leiden mußten. Ein Vorwurf trifft jedoch das Jugendfestcomité in dieser Beziehung durchaus nicht, da dasselbe auch nach dieser Seite hin seine Schuldigkeit gethan, allein die hiesigen Wirthe waren, wie wir hörten, gerade nicht auf ihren Vortheil bedacht. Sonst verlief das Fest, begünstigt von heiterem Himmel, in der schönsten Weise und wenn auch Einzelnes zu wünschen übrig blieb, so darf doch das Ganze als wohl gelungen betrachtet werden. Das Jugendfestcomite hal sich bei seiner mühevollen Arbeit gewiß den Dank der hiesigen Schuljugend und derer Eltern in hohem Grade verdient, möge er ihm auch zu Theil werden! Um 6 Uhr wurde ein geordneter Rückzug bis zur„Freiheit“ ange⸗ treten und mit dem Liede:„Heil unserm Fürsten, Heil!“ das Jugendfest beenden. Der dritte Theil des Festes, das Festbankelt, begann um ½8 Uhr im Simon'schen Saale, doch war Berichterstatter bei dieser Feier nicht zugegen, weßhalb er nicht in der Lage ist, hierüber weitere Mit⸗ theilungen zu machen.—
bei welchem Herr Professor Diegel die Festrede, die alle Herzen ergriff und die in einem Toast auf den Kaiser gipfelte, hielt, in schönster Weise verlief. Reden, Gesänge. Musikvorträge wechselten mit einander ab und so schloß das- Fest in einer des Tages würdigen Weise. D. Red.
Friedberg. Die in Nr. 101 d. Bl. gebrachte Mit⸗ theilung, daß dieser Tage auch hier, nach dem Vorgange anderer Städte, eine Razzia auf verfälschte Milch abgehalten worden sei, bedarf einer Berichtigung und zwar dahin, daß es hierzu des Vorganges anderer Städte nicht bedurste, indem ein Galaktometer, wie der in Nr. 100 beschriebene, jetzt erst in Gießen eingeführte, bereits seit vier Jahren in Friedberg in Gebrauch und seitdem wieder⸗ holt, zuletzt am 7. August d. J. zur Untersuchung der zum Veckaufe gebrachten Milch angewendet worden ist. Auch ist die bei letzterer Gelegenheit confiscirte Milch nicht auf die Gasse, sondern wie schon öfter, so auch diesesmal, an arme Leute, in's Versorgungehaus und Hospital ver⸗ theilt worden.
Bad- Nauheim. Auf der Wiener Weltausstellung wurden die sämmilichen hess. Aussteller in Gruppe I. Berg⸗ bau und Hüttenwesen prämiirt. Es erhielten: 1) Die Großh. Saline Bad⸗Nauheim und 2) Die Großh. Saline Theodorshall für die in einer Collectiv-Ausstellung ver⸗ einigten Salzsiede-Producte das Anerkennungs-Diplom. 3) Der Mittelrheinische geologische Verein in Darmstadt und die zu einer Collectiv-Ausstellung vereinigten inlän⸗ dischen Bergwerksproducte, die Forschrittsmedaille. An der letzteren Ausstellung, welche von Hrn. Bergmeister Tecklen⸗ burg in Bad⸗Nauheim arrangirt wurde, sind betheiligt: Gebrüder Buderus zu Main-Weser-Hütte bei Lollar mit Roheisenz L. Fr. Buderus zu Münster mit Braunkohlen; A. Bünger& Co. zu Gießen mit Eisensteinen; E. W. Fernie zu Gießen mit Braunstein; die Friedberger Bergbau⸗ Gesellschaft mit Eisenerzen; Gebrüder Gienanth zu Hochstein mit Eisenerzen; Großh. Braunkohlengrube„Ludwigshoff⸗ nung“ mit Braunkohlen; L. Chr. Rübsamen in Gießen mit Eisen- und Braunsteinen; das Großh. Braunkohlen⸗ werk'zu Salzhausen mit Braunkohlen; die Fürstlich Solms⸗ Braunfels'schen Braunkohlenwerke Weckesheim, Dorn⸗Assen⸗ heim und Wölfersheim mit Braunkohlen; das Gräflich Rödelheim'sche Braunkohlenwerk zu Ossenheim mit Braun⸗ kohlen; J. A. Waldschmidt zu Wetzlar mit Brauneisenstein von Queckborn und Vetterfeld und Braunkoblen von Bettenhausen bei Nidda; Dr. Mitscherlich in Daraistadt mit Eisensteinen, Feldspath und Formsand. 4) Der Großh. Bergmeister Tecklenburg in Bad⸗Nauheim erhielt die Me⸗ daille für Muarbeiter, für die Zusammenstellung der oben bemerkten Collectiv-Ausstellung von Bergwerks Producten.
Bad ⸗ Nauheim. Nächsten Sonntag wird die be⸗
rühmte Capelle des 115. Regiments unter Leitung des Capellmeisters, Herrn Musikdirector Adam, auf der Ter⸗ rasse am neuen Kurhause ein großes Concert geben, zu welchem der Eintrin für Herren auf 18 kr. und für Damen auf 12 kr. festgesetzt ist. Jeder, der die wellberühmten Leistungen dieser tüchtigen Capelle kennt, wird das Concert mit Freuden begrüßen. In den beiden jüngsten Concerten dieser Capelle auf hiesigem Platze hatte sich dieselbe eines sehr lebhaften Betfalls zu erfreuen. Besondets günstig wurden die Solovorträge des Solepistonisten Herrn Rammelt aufbenommen. Derselbe wird sich gewiß auch diesmal wieder hören lassen und erlauben wir uns daher den Wunsch auszusprechen, derselbe möge neben dem„alten
Dessauer“ auch das vou Herrn Adam selbst componirte
Stück:„die schöne Berlinerin“, zum Vortrag bringen,. Bad⸗ Nauheim. Bei Hausverwalter Jath am hiesigen Landgerichte steht in dessen Garten ein Apfelbaum und ein 2 Jahre alter Weinstock mit 42 reifen Trauben in voller Blüthe; auch in hiesigem Park sind mehrere Kastanien⸗ bäume, welche dieses Jahr zum zweitenmal blühen.
K. Butzbach. Auch hier begingen wie, wie in an⸗ deren Städten eine sehr schön und würdevoll verlaufene Sedanfeier. Die Stadt prangte in reichstem Fahnen⸗ schmucke. Am Vormitlage waren die Schüler versammelt und legten ihnen die Lehrer die hohe Bedeutung des Tages in anschaulicher Weise recht an's Herz. Nachmit⸗ tags zog die gesammte Schuljugend auf Melchior's Felsen⸗ keller und Abends fand ein Fackelzug nach dem Nath⸗
hause statt, woselbst Herr Pfarrer Engelbach in
schwungvoller beredter Weise über die Bedeutung des
Turnübungen, Spiele und Gesänge wechselten
Im Anschluß hieran bemerken wir, daß das Bankett


