Ausgabe 
6.2.1873
 
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Zustand unhaltbar geworden ist.

Der Nunttus Agnozzt überreichte dem Bundesrathe ein päpstliches Sendschreiben vom 16. Januar, welches dem Monsignore Mermillod in Anbetracht der Nöthen der christlichen Sache im Canton Genf dessen christliche Verwaltung und Jurisdiction als apostolischem Vicar mit den Rechten eines ordentlichen Landesbischofs übergibt.

Frankreich. DerCourrier de Paris entnimmt einem Briefe aus London, welcher an⸗ geblich von einer Person herrühre, die in Chisle⸗ hurst wohl Bescheid wisse, Folgendes:Ueber die letzte Leidenszeit des Kaisers Napoleon verlautet manche düstere Einzelheit. Der Kaiser hatte mit gewaltigen körperlichen Schmerzen zu kämpfen; aber er hätte es vorgezogen, sie zu ertragen, als sich der mehr als zweifelhaften Operation zu unter⸗ ziehen. Er war persönlich ganz gegen die Letztere; die Kaiserin Eugenie rieth dazu. Sie hoffte da⸗ von den Erfolg, daß ihr Gemahl bald fähig sein würde, an dem bereits zweimal projectirten Landungs; versuch an der französischen Küste sich zu bethei⸗ ligen. Sie kam daher auf den Gedanken der Operation mit der ihr eigenen Hartnäckigkeit zurück, der gegenüber die Widerstandskraft Napoleons auch in früheren Zeiten immer schwächer zu werden pflegte. Sie hat ihn zu der Operation getrieben, wie sie ihn in den mexikanischen und dann in den deutschen Krieg gedrängt hatte. Seine letzte Weigerung, sich der Operation zu unterwerfen, soll sie mit dem erbarmungslosen Ausspruch ge⸗ brochen haben:Vous étes un lache. So war Eugenie bis zu der Todesstunde das böse Princip des Kaisers. Mit ihrer bigotten Gesinnung ver⸗ trug sich wobl eine gewisse Frivolität, die Laune eines echten Matador. Nun ist das Stiergefecht zu Ende.

Nach demAvenir national würde Remusat in der Nationalversammlung demnächst Enthüllungen über die Minister des Kaiserreichs machen, aus denen hervorgehe, daß Gramont und einige andere nicht nur Documente mitgenommen hätten, sondern daßdie Sache viel bedenklicher wäre, als man bisher geglaubt hat.

DasAvenir national meldet:Außer dem Lager von Avor, welches in Kurzem voll⸗ ständig eingerichtet sein wird, und dem von Chalons,

an dessen Instandsetzung rüstig gearbeitet wird,

beabsichtigt der Kriegsminisler, noch zwei andere

ausgedehnte Lager in der Umgebung von Mar-

seille und von Lyon zu errichten. Der Kriegs⸗ minister trifft außerdem seine Anstalten, daß Frankreich nächsten April vier große Armeen von 100 110,000 Mann zum Mindesten zur Ver⸗ fügung habe. Sie würden Ost⸗, West⸗ und Süd⸗ Armee des Centrums heißen. Jede würde aus drei Corps bestehen und jedes Corps aus drei Divisionen Infanterie und einer Division Cavalerie.

Großbritannien.Reuter's Office meldet: Der italienische Gesandte in Athen hat die Be⸗ ziehungen zu dem griechischen Minister des Aeußern wegen unpassend erachteter Stellen in einem Briefe des Letzteren über die Laurion⸗Affaire abgebrochen. (Siehe dagegen Italien.)

Aus Londen wird berichtet: DerMurillo, von dem es nunmehr feststeht, daß er den Unter- gang derNordfleeth herbeigeführt hat, gehört einer regeimäßigen Dampferlinie an, die den Ver⸗ kehr zwischen der Themse und Lissabon, Gibraltar, Cadiz und Sevilla vermittelt. Fünf Dampfer ge⸗ hören zu der Linie und sie besuchen ab und zu auch andere europäische Häfen, wie in diesem Falle derMurillo in Antwerpen gewesen war. Der Capitän desMurillo erhielt, als er in Lissabon einlief, Depeschen, daß er, wenn er bei dem Zu sammenstoße im Canal betheiligt gewesen, sich sofort nach Cadiz begeben soll. Der Dampfer ist durch den Zusammenstoß wenig oder gar nicht beschädigt worden, und so hat der Capitän nicht einmal die Entschuldigung, daß durch die Colliston sein Schiff so sehr gelitten und seine Mannschaft in solche Verwirrung gerathen sei, daß an ein Hülfebringen nicht hätte gedacht werden können. Der Commandant des Schiffes, das auch die spanische Flagge führt, ist ein Spanier, und der

aus der tiessten Ueberzeugung, daß der bisherige] spanischen Regierung wird es wohl oblie 15 müssen,

für die Rechte der Menschlichkeit einzulteten und die nöthige Achtung für die Sitten und Gebräuche zu erzwingen, die bei allen Nationen seit Jahr- hunderten bei See- Unfällen hergebracht sind. Es handelt sich nicht blos um den Schadenersatz, den die Besitzer des niedergebohrten Schiffes und der Ladung zu beanspruchen haben. Es handelt sich um die Unglücklichen, die keine Genugthuung mehr ins Leben zurückruft, es handelt sich um die Wittwen und Waisen, die ihre Erhalter und einzige Habe auf Erden dazu verloren haben. Der Capikän desMurillo heißt Felipe Berrute, der erste Offizier Manuel Herrerg Palacios. Für die vom Untergang derNordfleeth Geretteten sind hler 5228 L. gesammelt.

Ein furchtbarer Sturm hat an der ganzen Küste geherrscht. Der DampferClan Alpine scheiterte bei Falmouth. Nur der Steuermann wurde gerettet. Bei Runcorn strandete das Schiff Saras und vier Schiffsleute ertrayken. Bei Torquay sind schwimmende Schiffstrümmer ge⸗ funden und man glaubt, daß mehrere Schiffe ge⸗ scheitert sind. Auch viele kleine Boote wurden beschädigt. Bei dem Sturme stieß der französische DampferPereire mit dem deutschen Barkschiffe Laura aus Stettin zusammen, dessen Mann- schaft vom ersterem aufgenommen und nach Holy⸗ head gebracht wurde. DerPereixe versuchte auch das Schiff zu retten und nahm dasselbe in's Schlepptau, welches jedoch riß.

Italien. DieAgenzia Stefani erklärt die Nachricht, daß der italienische Gesandte in Athen die Beziehungen zu dem griechischen Mi⸗ nister des Aeußern abgebrochen habe, für unrichtig; der Gesandte habe nur die Instruction erhalten, sich bis zur Lösung der Laurion-Frage in dem officiellen Verkehr eine große Reserve aufzuerlegen.

DieVoce della Verita versichert wieder⸗ holt, daß der Papst kein Beileids⸗Telegramm nach Chislehurst gesendet hat.

DeumOsservatore Romano zufolge, ist die Nachricht, daß Don Carlos in Rom ange- kommen sei und mehrere Stunden daselbst verweilt habe, unbegründet. a

Rußland. DasJournal de St. Peters⸗ bourg meldet die Beendigung der vor drei Jahren begonnenen Verhandlungen Rußlands mit Eng⸗ land über die central- asialische Frage, wobei es sich um die Feststellung einer Grenze und die von beiden Seiten zu beobachtende Handlungsweise gehandelt habe. Die Unterhandlungen haben dem genannten Organ zufolge zu einer vollständig befriedigenden Uebereinstimmung geführt. Die russische Politik in Centralasien sowohl wie in Europa so nur auf Erhaltung und Sicherung des Friedens gerichtet, wie solches die eigenen Interessen Rußlands vorschrieben.

Amerika. Aus Oregon flüchten viele Familien, da die Feindseligkeiten der Indianer fortdauern und Metzeleien befürchtet werden. Truppenverstärkungen sind dahin abgegangen.

Frankfurt. Das Unternehmen des hiesigen Schlitt⸗ schuhclubs, an der Main⸗Neckar⸗Brücke auf der ehemaligen Grindbrunnenwiese eine Eisbahn anzulegen, erwies sich als nicht ausführbar; denn die auf die in Aussicht ge⸗ nommene Fläche gepumpten 12,984 Ohm Mainwasser versanken spurlos in die Erde.

Frankfurt. Am Samstag erlebte die Stadt das ungewohnte Schauspiel, daß ähnlich, wie mit Kartoffeln, die Bauern mit Wagen voll Eis umherzogen. Dle Ver⸗ käufer, meist aus dem Vogelsberg, hatten gehört, in Frank⸗ furt bezahle man den Center Eis mit fl.; sie fanden sich aber sehr enitäuscht und luden ihr Eis schließlich noch für 9 kr. ab.

Mainz. Vorige Woche stürzte ein aus Oberhessen gebürtiger Rekrute des 117. Regiments beim Turnen so unglücklich auf den Kopf, daß er des Abends an den Folgen des Sturzes starb.

Mainz. Am Samstag Abend ereignete sich beim Gießen eines größeren Stücks Eisen, deren schon viele ähnliche vorher gegossen waren, ein bedauernswerther Unfall. Durch einen unglücklichen Zufall drang das flüssige Eisen in den inneren Theil der Form bewirkte dadurch eine solch heftige Expansion der eingeschlossenen Luft, daß ein Theil des flüssigen Eisens aus der Form heraus auf die umstehenden Arbeiter geschleudert wurde,

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Straßburg. Vor einigen Abenden ist. 1 Bahnhof ein Sack mit etwa 1½¼ Millionen

Diebstahls stark verdächtig. Die Betriebscommisston Elsaß⸗Lothringer Eisenbahn setzt eins Belohnun 1 5000 Fres. Renten auf die Entdeckung des ODlebs.

Wien. Unglaubliches wied von einem unglückli Mädchen⸗Paar berichtet, das unter dem Namen:Die köpfige Nachtigall, in Fa und bemnächst Berlin Concerfe gibt. Die beiden zufaͤm menge

Mulattinen sollen zwei ganz von einander unabhängige Körper sein, sie besitzen kein einziges Organ gemeinschaff⸗ lich und ihre Trennung von einander wäre um so leichter und gefahrloser, als sie bloß durch ein Stück fremden Fleisches, welches mau durch eine chirurgische Operation mit ihren beiderseitigen Körpern verband, aneinander ge⸗

Banknoten entwendet worden. Ei E schwundener Wagesteter bed ape ureaus es

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fesselt sind. Um die Möglichkeit der Vollsührung einer

so haarsträubenden Operation zu begreifen, muß man be⸗ denken, daß 10 beiden Mulattenmädchen Sclavinnen waren und daß bei den großen Sclavenhaltern im süd⸗ lichen Theile von Amerik! das Leben der Schwarzen sehr billig war. Zum Behuf der Operation war es nöihig ein Negeirkind, zu töbien, ein Stück frisches Fleisch aus demselben herauszuschneiden und jedem der beiden mit einander zu verbindenden Kinder eine allerdings lebensge⸗ fährliche Wunde beizubringen, in deren jede ein Ende des frischen Fleischstückes gepfropft wurbe. Das ist un⸗ zweifelhaft die Entstehungsgeschichte derwelk figen Nachtigall, die jetzt zum Gegenstand einer gets nnsüchligen Speculation gemacht wird; denn es ist begteiflich, daß die unglücklichen Geschöpfe nur sehr wenig oder gar nichts von dem reichen Erkrage bekommen, welchen die Neugierd

der Bevölkerungen der größten und gebildetsten Stäb

ihnen darbringk, und daß dieselben blos dazu dienen,

ihren Führer zu bereichern.. Wien. Ueber die Beförderung der für die Wiener

Weltausstellung bestimmten Gegenstände ist noch anzu⸗ führen, daß die Versicherung derselben gegen die Gefahreg des Transportes von der Empfangsstelle bis in den Ausstellungsraum aus Staatsfonds übernommen wird.

Die Versicherung gegen Feuersgefahr während der Dauer

der Ausstellung wird von Reichswegen bewirkt. Der

Absender hat zu diesem Zwecke seinen Ausstellungsgegen⸗ ständen eine Werthdeklaration beizufügen. Ohne' diese wird eine Versicherung nicht veranstaltet. Die Aus⸗ stellungsgüter werden als Durchgangsgut zollfrei nach Wien in die Ausstellungsräume befördert, Denjenigen Ausstellern welche ohne Vermittelung der einzurichtenden Empfangs stellen ihre Erzeugnisse zur Ausstellung einsenden wollen, bleibt überlassen, auf Grund ihrer Legitimation den betreffenden Eisenbahn-Verwaltungen und Behörden gegenüber die bewilligten Tarifermäßigungen, den zoll⸗ freien Durchgang bis zur Ausstellung und die Zulassung in den Ausstellungsräumen zu erwirken! Legere erfolgt nur dann, wenn die Colli mit der vorgeschriebenen Sig⸗ natur und Adresse versehen sind und sogleich dem Fracht⸗ briefe die Legitimation beigefügt ist. Die Kisten, Tonnen, Säcke oder sonst für die Versendung der Aus⸗ stellungs-Gegenstände gebrauchten Verpackungen, Um⸗ hüllungen oder Einsätze, ingleichen das Verpackungs⸗ material, als Papier, Matten, Heede u. s. w. werden auf öffentliche Kosten aus den Ausstellungsräumen weg⸗ geschafft, während der Dauer der Ausstellung verwahrt und nach, dem Schlusse derselben dahin zurückgeschafft werden. i Von der französischen Grenze. Die Zahl der Wildschweine und Wölfe in den östlichen Departe⸗ ments von Frankreich ist so groß, daß man zu den energisch⸗ sten Maßregeln schreiten mußte, um ihren Verheerungen einigermaßen zu steuern. Eine Ordre des Präsecten des Doubs⸗Departements befiehlt allen Wolfsjägern und über⸗ haupt allen Forstbeamten, underzüglich in allen Theilen des Departements Treibjagden zu veranstalten. Eine gleiche

Maßregel war schon vorher von dem Präfecten der Haue

Saone angeordnet worden. Bis 1. Januar wurden erlegt

77 Wölfe, Wölfinnen und junge Wölfe; 729 Wildschweine

jeden Alters 581 Füchse und junge Füchse. Die Total⸗ summe des erlegten Wildes beträgt 1387 Stück; hierzu kommt noch eine fast gleiche Anzahl ber bei Privatjagden erlegten Wildschweine und Füchse. Trotz dieser Metzele unter dem Wild ist das Departement Haute⸗Saone imme noch buchstäblich von Wildschweinen und Wölfen Über füllt; die Jagd auf diese Thiere wird übrigens mi wahrer Wuth betrieben. f 21 4 1 Aus Hongkong berichtet ein Schreiben über einen Kampf, der zwischen chinesischen Seeräubern und dem französischen Kriegs⸗Dampf⸗AbisoBourayne statk⸗ gefunden. DemBourayne, der von Saigun abgefandt worden war, um den anamilischen Mandarinen die Artikel des Vertrags ins Gebächtniß zurückzurufen, den sie mit Frankreich abgeschlossen, begegnete Anfangs Novesnber in einer gewissen Entfernung von Hue fünf Dschunken von verdächtigem Aussehen. Jede derselben war mit 20 Kanonen bewaffnet. Man erkannte bald, daß man es mit chienesischen Seeräubern zu thun hatte. Ein heftiger, lang anhaltender Kampf entspann sich; die Piraten, die wußten, welches

Schicksal sie erwarte, vertheidigten sich mit größter Hatt⸗

näckigkeit. Zuletzt wurden aber die Dschunten zum Rück⸗

zug gezwungen. Zweien derselben gelang es, eine in der 1 Nähe gelegene kleine Insel zu gewinnen, wohin sich ein Viele ertranken jedoch,

Theil ihrer Mannschast reitete. und die beiben Dschunken selbst wurden genommen und verbrannt. Die drei anderen Oschunken konnten nicht

schnell genug die Flucht ergreifen, und von den 300 Cbinesen

in Folge dessen sich 12 Mann verbrannten, meist jedoch nur leicht und wurden Augen oder sonstige edlere* theile glücklicherweise nicht beschädigt,

und Anamften, die sich auf denselben befand, gelang es

keinem Einzigen, zu enlkommen. Der Kampf dauerte bis 5 zum letzien Augenblick; die Dschunken wurden in Grund

sr