sich ein Vorschlag der Mainzer Einquartierungs⸗ Commission der Berücksichtigung empfehlen, der dahin geht, daß bei bloßer Quartierleistung für alle Truppen, ob mobil oder immobil, den Quar- tierträgern im Sommer 2 Sgr., im Winter 3 Sgr. per Tag und per Mann, für subalterne Offiziere im Sommer 10 Sgr., im Winter 14 Sgr., da⸗ gegen für Stabsoffiziere das Doppelte vergütet werden möchte. Für Verpflegung könnte man den Satz für Mannschaften auf 10 Sgr. und für Offiziere auf den doppelten Betrag feststellen.“
— Der Abg. Allmann hat in Bezug auf das Eisenbahngesetz vom 14. August 1867 wohl den weitgehendsten Antrag gestellt, und zwar dahin: „die Staatsregierung zu ersuchen, das Gesetz vom 14. August 1867 nicht nur für die Zukunft auf⸗ zuheben, sondern außerdem noch: 1) ein Dritttheil des in Folge dieses Gesetzes den einzelnen be⸗ treffenden Gemeinden des Großherzogthums zur Last liegenden Gesammtbetrages auf die Staats⸗ kasse zu übernehmen; 2) mit allen Kräften dahin zu wirken, daß die betreffenden Bauunternehmer, welche bis jetzt aus der Anwendung dieses Gesetzes Nutzen gezogen haben, von der Zahlung eines Dritttheils ihrer Forderungen durch die einzelnen Gemeinden abstehen, so daß dann den betreffenden Gemeinden nur ein Dritttheil des Betrages zur Last bliebe.“
Aus Oberhessen. Wie man der„Fr. Ztg.“ meldet, ist, vorzüglich auf Betreiben des Bischofs von Mainz, aus den Mitteln des„Boni⸗ faciusvereins“ in Büdingen eine katholische Missions⸗ station errichtet worden. Soweit die Mittel aus- reichen, sollen weitere Missionsstationen noch an mehreren Orten im Volgelsberge errichtet werden.
Berlin, 30. Jan. Sitzung des Abgeord— netenhauses. Zur ersten Berathung der Artikel 15 und 18 der Verfassung sind 12 Redner gegen und 10 Redner für die Declaration eingeschrieben. Gegen die Vorlage sprachen Glaser, Reichensperger (Olpe), v. Mallinckrodt abwechselnd mit Virchow und Ripell, welche sich für die Vorlage erklärten; dann ergriff der Referent Dr. Gneist das Wort zu einer Rede, welche mit großem Beifall aufge⸗ nommen wurde. Hierauf wurde die erste Be⸗ rathung geschlossen.
— 31. Jan. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der Artikel 15 und 18 der Ver⸗ fassung. Windhorst(Meppen) sprach gegen die Vorlage. Durch seine Aeußerung, das Haus apportire diese von der Regierung ihm zugehende Vorlage, zog er sich den Ordensruf zu. Nachdem sodann Petri für die Verlage gesprochen, erklärte der Cultusminister, daß die Regierung eine Aende⸗ rung der Verfassung als eine absolut nothwendige Folge der kirchlichen Gesetzvorlagen ursprünglich nicht anerkannt habe, daß sie aber jetzt die Com ⸗ missionsanträge acceptire. Die Regierung weise aber das Amendement Weicke, welche das Grenz⸗ gebiet zwischen Kirche und Staat ungeregelt lasse, zurück, ebenso die Amendements Eberhardt und Bahlmann als bedenklich unklar. Gegen fortgesetzt angedrohte Unbotmäßigkeit der Kirchenfürsten gegen die Strafgesetze, wobei der Cultusminister auf Beispiele aus früheren Zeiten, dann auf den Bischof von Ermland hinwies und den neuesten Protest des Bischofs von Paderborn verlas, bleibe dem Staate nichts übrig, als die gesetzliche Fest⸗ stellung und die Ausübung seines Rechts. Hierauf wurde die Discussion geschlossen. Der Referent Gneist schloß sein Resumé unter dem Beifalle des Hauses mit den Worten: Geben Sie dem Kaiser, was des Kaisers ist! Die Amendements wurden sämmtlich abgelehnt. Die Anträge der Commission zu Artikel 15 wurden in namentlicher Abstimmung mit 262 gegen 179 Stimmen angenommen. Da⸗ gegen stimmten das Centrum und ein Theil der Rechten und die Abgeordneten Duncker und Kerst. Ein Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt Es begann die Diecussion über die Vorlage, bezw. des Artikeis 18; und es sprachen noch Duncker und Reichensperger(Coblenz). Dann wurde der Schluß der Discussion angenommen. Die Amende⸗ ments Duncker und Bahlmann wurden entsprechend den Anträgen des Unterstaatssecretärs Achenbach
abgelehnt und sodann der Artikel 18 in der von der Commission beantragten Fassung durch nament⸗ liche Abstimmung mit 255 gegen 114 Stimmen angenommen, hierauf auch der ganze Gesetzentwurf genehmigt.
— Die Zeitungen melden die Genehmigung der Eisenbahnlinie Berlin- Wetzlar durch die Eisenbahn⸗Commission.
— Wie die„Schles. Zig.“ mittheilt, soll die Wahl des Socialdemokraten Bebel mit einer sehr starken Majorität hier in Berlin einen starken Eindruck in Regierungskreisen gemacht haben, und es wäre wohl möglich, daß dadurch Fluß in die etwas in's Stocken gerathenen Verhandlungen über die sociale Frage käme, welche bekanntlich im No; vember zwischen preußischen und österreichischen Bevollmächtigten geführt wurden.
— Von sieben Frauen, welche behufs Ein⸗ tritts in den Beamtendienst auf der Anhalter Eisenbahn in Berlin zum Examen zugelassen worden, hat, wie die„D. St.⸗Ztg.“ meldet, keine einzige die Prüfung bestanden.
Hamburg. Ein Telegramm der„Börsen⸗ halle“ aus London meldet, daß der vermeintlich gesunkene Dampfer, welcher den„Nordfleeth“ an- rannte, der„Maurillo“ ist und unbeschädigt in Lissabon eintraf.
Dresden. Die Nachricht von dem Tode der Kaiserin Charlotte von Mexico bewahrheitet sich nicht; das Gerücht scheint auf einer Ver wechselung mit der Kaiserin⸗Mutter von Brasilien zu beruhen.
— Einem Prager Telegramm des„Dresd. Journals“ zufolge, besetzte eine Militärabtheilung die Umgebung von Prag, um den wegen des Ver— bots der am 2. d. auf dem Ziskafelde beabsich⸗ tigten Meetings befürchteten Ruhestörungen vor⸗ zubeugen.
Ausland.
Frankreich. Der„Evenement“ bringt den Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen einen 15jährigen Taugenichts, der beschuldigt war, unter der Führung eines preußischen Artillerie-Lieute⸗ nants„Schoin“ längere Zeit mit den deutschen Truppen umhergezogen zu sein, den Deutschen als Spion und dem Lieutenant„Schoin“ nebenhin zu Zwecken eines schändlichen persönlichen Um⸗ ganges gedient zu haben. Nach Aussage des „Evenements“ sind beide Beschuldigungen erwiesen worden, und hat der Regierungs-Commissär de Garros„seinem schönen Plaidoyer mit Wärme“ die Worte beigefügt:„Eine einzige Genugthuung ist mir in diesem Prozeß zu Theil geworden; es ist die, die tiefe Unsittlichkeit unserer Feinde eon⸗ statiren zu können, unserer Feinde, welche gewisse Leute als Vorbilder der Tugend hinzustellen ge⸗ wagt haben! Und die, welche den jungen Menschen so schändlicher Weise benutzten, waren preußische Offiziere, Offiziere, die ein Kind mit jenem scheuß⸗ lichen Verbrechen besudelten, welches das alte französische Gesetz mit dem Feuertode bestrafte! Das sind fürwahr dieselben Menschen, welche Ba⸗ zeilles verbrannt, die Frauen geschändet, die Ein⸗ wohner in den Flammen haben umkommen lassen. Wie die„K. Ztg.“ hört, hat Graf Arnim sofort, nachdem ihm diese Nummer des„Evenements“ zu Gesicht gekommen war, an den Minister des Aus- wärtigen die Anfrage gerichtet, ob jene Worte, welche das„Evenement“ mittheilt, wirklich von einem französischen Regierungscommissär gesprochen
seien. Die Antwort und das Weitere bleiben abzuwarten. Großbritannien. Die„Times“ enthält
einen Artikel über die Zukunft Frankreichs, der bei dem sonst so reservirten Tone dieses Blattes großes Aufsehen erregt. Die„Times“ stellt näm⸗ lich in ihrer vorschauenden Betrachtung der Zukunft Frankreichs ein durchaus ungünstiges Prognosticon und kommt zu dem Schlusse, daß nach vielen ge⸗ waltsamen Bewegungen der Imperialismus wieder ans Ruder kommen werde. 5
— Die amerikanische Convertirungs- Anleihe im Betrage von 300 Millionen wird am 4. d. in London, Amerika und auf dem Lande emittirt. Rothschild besorgt die gesammte continentale Emission. Die Einzahlung geschieht mittelst 2.20 Bonds oder
durch Baarzahlung; eingezahlt werden 10 bei der Anmeldung; der Rest am 1. Juni.
— Mehrere Fabriken in Birmingham sol Bestellungen auf Gewehre, insgesammt auf zy Millionen Stück von einer auswärtigen Regieruß erhalten haben, wie man sagt, von Deutschlaß Die Constructjon der Waffe wird geheim gehe n
Amerika. Die neue Anleihe im Bete von 300 Millionen wird am 4. Februar glei“ zeitig in Europa und Amerika zur Subsceriptis aufgelegt, deren Schluß am 6. Februar stattfinds—
„ Friedberg. Die in Mailand bestehende A demia- flsico- medico- statistica, deren Zweck es ift, Wissenschaften zu befördern und die Wohlthäter der Men zu ehren“, hat in ihrer Sitzung vom 16. Januar d. den Director der hiesigen Taubstummen⸗Anstalt Her Dr. Matthias, den langjährigen Herausgeber Organs der deutschen Taubstummen⸗ und Blinden⸗Anstalg als tapferen Vertheidiger der deutschen(Lautsprat Methode im Taubstummen⸗Unterricht“ einstimmig z Mitglied ernannt. g 1
b. Friedberg den 26. Januar. Heute fand in 9 Saale„Zu den drei Schwertern“ die Generalversammlu
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des Consumvereins für Friedberg und Umgegend fi
Dieselbe hatte alle Ursache mit der Geschäftsführung( gen Lal Vorstandes zufrieden zu sein, was sich auch durch die ei weile stimmige Wiederwahl desselben aufs glänzendste maß Pane
festirte. Sämmtliche, von dem Vorstande vorgeschlagen die Geschäftsführung erleichternden und vereinfachen! Abänderungen der Statuten fanden die Genehmigung Versammlung und dürfte dem Verein, welcher gegenwät 140 Mitglieder zählt, bei seiner bekannten Tendenz, M Mitgliedern bei billigstem Preise nur gute Waare zu uf schaffen, eine immer größere Theilnahme in Stadt u Land in Aussicht zu stellen sein. Wie wir hören, so 9. derselbe für das laufende Jahr 24 Tausend Zentner Ste Fiermi kohlen erster Qualität von der renommirtesten Zeche ei bringt. tractlich übernommen und wird es nunmehr Aufgabe 9 d d Vereinsmitglieder sein, ihren Bedarf in den nächsten Tage Aud d bei dem Director, Herrn Kreisassessor Haas, anzumel bi bunch
Herr Generalsecretär v. Langsdorff von Darmstadt, de 0 0 die Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt hatte, spiiß Mücks⸗ seine Anerkennung darüber aus, daß das hiesige Laf Wirt
wirthschaftliche Casino mit der Gründung des Consun 0 vereins vorgegangen sei, wodurch den Mitgliedern auß fur d matertelle Vortheile geboten würden. Für das laufe öhun
Jahr müsse er den Herrn Landwirthen besonders den Re 85 zug von Kleesamen auf genossenschaftlichem Wege empfehlan
da derselbe theils durch Beimengung älteren, nicht meh ehre keimfähigen Samens, theils durch Hopfenkleesamen, 1 enst durch gefärbte Kieselsteinchen, welche dem Kleesamen täusche eam ähnlich seien und welche in einer Fabrik in Hamburg“ 0 Großen fabricirt würden, verfälscht werde. Durch 0 Versuchsstation zu Tharand sei constatirt worden, daß h dein 40 und mehr Procent des Samens oft nicht keimfeh ß sei und dadurch der billigste Same oft der kheuerste weil ni
Bei der großen Nachfrage in diesem Jahre sei deßhalb d 10 Bezug von Kleesamen nur auf genossenschastlichem W Lam anzurathen, wobei man Garantie für Keimfähigkeit k don Samens beanspruchen und auch erhalten könne. lasen dem Ankauf des Luzern⸗Kleesamens sei besonders na 2 darauf zu achten, daß man denselben frei von Kleese lw erhalte.— Möchten dies die Herren Landwirthe in ih perde eigenen Interesse wohl bedenken und sich zum genoss, schaftlichen Bezug ihres Bedarfs an Kleesamen dase 01 0 entschließen. Fer W. Friedberg. Am 29., 30. und 31. Januar d. 1 wurden von den Einwohnern der Nachbargemeinden aß Hege 320 bespannten Wagen, welche die hiesige Brückenwan Aale passirten, 8500 Ceniner Eis für die hiesigen Bierbraue! schun und Restaurateure geliefert; außerdem wurden noch ci 0 2000 Centner, welche nicht gewogen wurden, in hies d Stadt eingebracht. Der höchste Preis betrug pr. Ceniiß fich 15 Kreuzer, der niedrigste 6 Kreuzer. s Hof Gießen. Mit den amerikanischen Speckseiten sn Caf unsere Händler nicht glücklich. Die Polizei hat wiche en 23 Stücke Fleisch, in denen Trichinen gefunden worde U sind, zerstören und vergraben lassen. In einem Lad ruht, fanden sich nämlich 22 Stücke im Gewichte von ohr Fand gefähr 150 Pfund, und in einem andern Laden fan du sich ein Stück von 60 Pfund, alles voller Triching Welches Unheil hätte es gegeben, wenn diese aus Amessef ann eingeführte Waare verspeist worden wäre? en In Hanau wurde in der Nacht vom 28. 608 an 29. Januar ein verwegener Diebstahl verübt. Der D ein ist durch ein Kellerloch Nachts eingestiegen, schlich sich dab dab in die Wohnung, öffnete ein Pult und entwendete daral ö das vorgefundene Geld sammt Sparbüchse. Der hiesge won Polizei gelang es am Tage darauf, den Dieb in] Er Person eines Schneidergesellen festzunehmen, da er eb lab vollständig neu ausstaffirt die Reise nach Amerika an 01 treten wollte. 5 5 11050 Darmstadt. Hier befindet sich ein Hochstapler fz sicherem Gewahrsam, der unlängst mit der Main⸗Nechar sedo bahn eingetroffen, Gelegenheit fand, seinen eigenen Kosse Au
bei Seite zu schaffen und alsdann auf Schabenersatz 45 drängen so frech war. Doch die Polizei, welche nich 40 Gutes witterte, behielt den Industriellen im Auge un 15505 war so glücklich, nach kurzer Zeit den Nachweis liefern a0 können, daß der angeblich Bestohlene die fraglichen Effecte ede
wohlerhalten in einer Reisetasche verpackt in seinem B sosol sitz halle. vid Darmstadt. Die Wiener Neue Freie Presse vors
28. Jan. bringt unter der Ueberschrift:„Verhaftung eine“
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