Ausgabe 
2.10.1873
 
Einzelbild herunterladen

geleistet worden ist.

Betreffend: Die geschehenen Lieferungen und Leistungen für das Militär, wofür Zahlung nicht

Friedberg am 29. September 1873.

Das Gr. Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeistereien und den Gr. Polizei⸗Commissär in Wickstadt.

Wir sehen der sofortigen Vorlage über in vorgeschriebener Weise entgegen.

die

geschehenen Lieferungen und Leistungen für Militär wofür Zahlung nicht geleistet worden ist,

Ter a pl p.

Deutsches Reich. Darmstadt. Die außerordentliche Landes- synode erledigte in ihrer zwölften Sitzung am 26. Sept. die§§. 102 bis 115 und den§. 84 des Verfassungsentwurfs, erstere der Regel nach in Gemäßzheit der Ausschußanträge, letzteren unter Zugrundlegung einer von dem Abg. Küchler vor⸗ geschlagenen Formulirung.

Der Bericht des Finanzausschusses der ersten Kammer über das Einnahme Budget tritt den Beschlüssen der zweiten Kammer in der Haupt- sache überall bei und differirt wesentlich nur in folgenden Punkten: 1) Bezüglich der Bade⸗Anstalt Salzhausen, wo er dem Beschlusse der zweiten Kammer, aus den geringen Ueberschüssen einen Kurfonds zu bilden, nicht beizutreten beantragt, weil der Beschluß voraüssichtlich eines reellen In⸗ halts entbehre; 2) bezüglich des Antrags der ersten Kammer auf Erhöhung der Hundesteuer findet eine Minorität ein solches Ersuchen, wenig⸗ stens was die ländliche Bevölkerung betreffe, nicht genügend motivirt; 3) bezüglich der beabsichtigten Steuerresorm wid die Majorität die Zyziehung der Actien-Gesellschaften zur Einkommensteuer nicht besonders markirt wissen; 4) bezüglich der Wein steuer tritt der Ausschuß nur in seiner Majorität auf die Seite der zweiten Kammer. In der Moti⸗ virung des beantragten Beitritts zu den Beschlüssen der zweiten Kammer zeigen sich freilich mehrfach erhebliche Verschiedenheiten.

Die Landessynode verwarf am 30. Sept. mit 35 gegen 17 Stimmen die Pfarrwahl durch die Gemeinde und entschied sich für die Aufrecht⸗ haltung des Status quo. Die nächste Synode soll das Gesetz über die Mitwirkung der Gemeinde bei der Pfarrwahl vereinbaren.

Die außerordentliche Landessynode wird die zweite Lesung des Verfassungsentwurfs der evangelischen Kirche bereits Mittwoch den 8. Oet. beginnen und dürfte hierzu mindestens eine Woche Zeit beanspruchen. In dem Bericht des Finanz⸗ ausschusses der ersten Kammer findet sich ein Passus, wonach deutlich erhellt, daß man dort die feste Hoffnung hegt, daß der Neubau unseres Hof⸗ theaters im nächsten Frühjahr beginnen wird.

Gießen. An Stelle des verstorbenen Pro- fessors Stahl(Bruder des bekannten weiland ber⸗ liner Prosessors) hat, wie wir vernehmen, Prof. Dr. Etienne Laspeyre(früher in Dorpat, jetzt in Karlsruhe) den Lehrstuhl für Staatswissenschaften an unscrer Hochschule übernommen. Es ist somit gelungen, auch für den letzten der vier Lehrstühle, die bei Anfang des Semesters noch unbesetzt waren, eine ausgezeichnete Kraft zu gewinnen. Neu ein- getreten sind bereits Keim(aus Zürich) für Theo⸗ logie, Wendt(aus Rostock) für Pandecten, Bratu⸗ scheck(aus Berlin) für Philosophie. Ueberdies ist für die zweite Lehrstelle der Forstwissenschaft, die bisher mit dem Amte des hiesigen Oberförsters verbunden zu werden pflegte, jetzt zum ersten Mal ein außetordentlicher Professor der Forstwissenschaft in der Person des Dr. Lorey(aus Darmstadt) ernannt worden.

Mainz. Die große Conservenfabrik für die deutsche Armee wird am 1. Jan. eröffnet werden.

Sie soll Fleisch und vegetabilische Kost für 500,000 Mann liefern. Berlin. Der Cultus minister soll jetzt die

Mittel zur Verfügung gestellt haben, um die Schulstellen auf dem Lande sämmtlich auf min- destens 200, resp. 250 Thlr. zu bringen. Dieser Normal- Etat richtet sich nach der Anzahl der zu unterrichtenden Kinder, und in ihm ist eine Extra⸗ vergütung von mindestens 25 Thlr. für etwaigen Klrchendienst nicht mit eingerechnet.

Im Kriegsministerium ist man mit der Ausarbeitung eines neuen Mobilmachungsplants

Posen. DiePosener Ztg. meldet: Das Oberpräsidium bestimmte auf Anordnung des Cultusministers, daß die Polizeibehörden der Pro vinz Posen überall, wo Geistliche gegen die Kirchen⸗ gesetze eingesetzt seien, Kirchenbuch und Kirchen⸗ siegel mit Beschlag belegen und an die Regierung ausliefern sollen, welche auf Antrag der Inte- ressenten Kirchenzeugnisse aus dem Kirchenbuch er⸗ theilen wird. Wie dieOstd. Ztg. meldet, soll gegen den Erzbischof die Temporalien⸗Sperre ein- geleitet sein.

Olpe. Am 26. Sept. Nachts wurde von unbekannter Hand das sog.schwarze Brett am Marktplatz, an welchem die amtlichen Anzeigen der Oeffentlichkeit übergeben werden, mittelst einer Pa- trone in die Luft gesprengt. Die Splitter lagen des Morgens weit umher. An demschwarzen Brett war nämlich Tags vorher der Gemeinde durch den Landrath kund gegeben worden, daß der vom Bischof von Paderborn für Olpe ernannte neue katgolische Pfarrer wegen Mangel der gesetz⸗ i nisse⸗ fungiren dürfe. Von den

ar de chlag abgerissen Borden. Heilbronn. In den letzten Tagen ist bier kein Cholerafall mehr vorgekommen und werden bei dem fortwährend günstigen Stande keine wei⸗ teren Bulletins erscheinen.

Ausland.

Großbritannien. London. Die eng lische FregatteNiobe zwang die Stadt Oma in Honduras, deren Einwohner englische Unter- thanen geplündert, gemißhandelt und gefangen hatten, durch ein Bombardement, die Gefangenen wieder freizugeben und den Beschädigten Genug thuung zu gewähren.

Spanien. Madrid. Die Insurgenten⸗ schiffe eröffneten am 27. Sept. Morgens 6 Uhr das Feuer auf Alicante, nachdem die Comman danten der fremden Kriegsschiffe sich für die Nicht. intervention entschieden hatten. Das Bombardement dauerte gegen 7 Stunden. Die Stadt, welche 500 Geschosse, darunter Petroleumbomben, erhielt, vettheidigte sich energisch und litt schwer. Viele Häuser wurden zerstört. Nach 12 Uhr wurden die Schiffe durch das Feuer zum Rückzuge ge⸗ zwungen. Der Rumpf desMendez Nunez und das Verdeck derNumancia wurden mehrfach getroffen und beide Schiffe, besonders ersteres, er⸗ heblich beschädigt. Die der Regierung restituirten FiegattenVittoria undAlmansa sollen nach vollendeter Ausrüstung, wahrscheinlich in den nächsten Tagen, nach Cartagena gehen.

Die Carlisten haben in der Provinz Va⸗ lencia große Excesse begangen, sie haben die Stations- gebäude verbrannt und die Waggons, und haben die Eisenbahn ohne jede strategische Nothwendigkeit zerstört. Die Hauptanstifter sind fanatische Priester, erklärte Feinde der Civilisation. Die Bürger von Valenesa haben Specialzüge verlangt, um die Carlisten zu verfolgen. Sie haben sie eingeholt und vollständig geschlagen, auch 114 Gefangene gemacht. Die Carlisten, welche in der Ebene hart näckig verfolgt wurden, wurden gezwungen in die Berge zu fliehen. General Mariones ergreift von Norden kräftig die Offensive. Nachdem es ihm gelungen ist, die carlistischen Streitkräfte zu theilen durch seine Bewegung auf Tolosa, operirt er jetzt im Innern Navarra's im Verein mit den Streit⸗ kräften des General Primo Rivera.

Perpignan. Der Transport zur Verprovian⸗ tirung Berga's ist dort eingetroffen. Die Be- deckung unter Brigadier Cagras hatte unterwegs zwei glückliche Treffen zwischen Gironella und Casernas mit den Carlisten.

Cartagena. General Parsiron ist mit Truppen zur Verstärkung des Belagerungscorps, von Car tagena abgegangen. Mehrere carlistische Banden

beschäftigt, dessen Bestimmungen in vielen Punkten von den bisherigen Grundsätzen abweichen.

wurden geschlagen. Don Carlos befindet sich

bezeichnet wird. 5 a Kempff, hatte kürzlich Geschöfte auf dem hiesigen Stadt⸗

dem Gerichtslocal.

gleichfalls mit der Antwort: abgefertigt worden sein. der Justiz-Minister),besteht eine Verordnung, der zu

gewöhnlichen Geschäftstage

Italien. Turin. Der König Victor Emanuel ist am 29. Sept. früh 2 Uhr hier ein⸗ getroffen. Derselbe wurde auf den Bahnstationen, die er passirte, enthusiastisch und vielfach mit der italienischen, österreichischen und deutschen Volks- hymne empfangen. Hier hatten sich der Herzog Amadeus von Aosta, der Prinz von Carignan, die Behörden und trotz der frühen Stunde ein zahlreiches Publikum zur Begrüßung eingefunden, welche eine sehr lebhafte war.

Amerika. Newyork. Es herrscht am Platze Vertrauen und gute Hoffnung. Die von der Regierung getroffenen Maßregeln werden durch aus gebilligt. Auch in Chicago, wo drei Banken ihre Zahlungen wieder aufgenommen haben, kehrt das Vertrauen zurück. Die Handelskammer von Charleston hat die Regierung gebeten, bei ihr 500,000 Dollars zu deponiren, um die Ausfuhr der Baumwollenernte zu erleichtern.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Adressen an die 1. Kammer sind aus Rheinhessen weiter abgegangen: von Albig, Alzey, Becht⸗ oldsheim, Beiselheim, Dorndürkheim, Eichloch, Flonheim, Heimersheim, Heppenheim, Hochheim, Horrweiler, Ober flörspeim, Vendersheim. Aus Oberhessen, wo die Be⸗ wegung noch nicht so recht in Fluß kommen will, hat der Gemeinderath zu Gießen in seiner letzten Sitzung die Ab⸗ sendung einer Adresse beschlossen. ö

H Södel. Man ist hier mit dem Einernten der Kartoffeln so weit zu Ende gekommen und ist das Ernte⸗ Resuliat als einsehr gutes zu bezeichnen. Die Chardon⸗ Kartoffel, welche vorherrschend angepflanzt worden war, lieferte pro Normal- Morgen durchschnitilich 70 Säcke 55 Malter. Auch wurde in diesem Jahre eine Kartoffel, welche derfrühen amerikanischen Rosenkartoffel(Early rose.) sehr ähnlich sieht nur mehr rund und blaßrosa und später reif als diese, wahrscheinlich diespäte ameri⸗ kanische Rosenkartoffel(Late rose.) dahier kultivirt. Der Ertrag war ein über alles Erwarten sehr günstiger. Auf ½ Normal⸗Morgen wurden 20 Säcke 15 Malter, durch⸗ schniitlich sehr dicke Knollen, worunter viele von 1, ja sogar Pfund Schwere, geerntet. Dieselbe ist sehr reich an Stärkemehl und eine rorzügliche Speife⸗Kaxtoffel. Bei diesem Kullur⸗Versuche hat sich so recht gezeigt, wie nothwendig es ist, von Zeit zu Zeit andere, fremde und gerade amerikanische Kartoffeln anzubauen. Sodann wurde noch ein keiner Versuch mit derRiesen-Marmont ge⸗ macht; 2 Pfund Saatkartoffeln lieferten 38 Pfund Ernte⸗ Quanlum, meistens Kartoffeln miitlerer Größe; also keine Riesen. Dem Anscheine nach hat dieselbe einen geringen Stärkemehlgehalt und ist demnach ihr Anbau für die hie⸗ sige Gegend nicht zu empfehlen.

Gießen. Der hiesige Bürger, Schneider S., welcher dieser Tage, wie wir bereits gemeldet, von einem Officier aus Anlaß eines Wortwechsels einen furchtbaren Säbelhieb über den Kopf erhielt, ist seinen Wunden erlegen. Der Officier ist ein zum hier garnisonirenden Regiment com⸗ mandirter Preuße.

Darmstadt. Seit vergangenen Sonntag ficht man auf dem Exercierplatze einen jener Knabenktiege aus, welche leider oft von traurigen Folgen begleiket sind. Auf der einen Seite kämpft die goldene Jugend der Vichhof⸗, Hinkels⸗ und Pankratiusgasse, auf der andern die Bessunger Knaben⸗Bevölkerung. Am 28. Sept. standen sich auf deiden Seilen einige Hundert Jungen gegenüber. Es wäre nicht viel dagegen zu erinnern, wenn man sich bei diesen kindischen Händeln auf den Kampf mit Stock und dem Feldsteine beschränkte, leider haben aber die Jungen auch zu dem Schießgewehre gegriffen. Gegen drei Uhr konnte man ein förmliches Rottenseuer mitansehen und wurden in der That zwei Jungen, der eine durch einen Schrotschuß, der andere durch eine matte Kugel nicht unerheblich verwundet. Darmstadt. DasFrankfurter Journal schreibt.

In juristischen Kreisen erzählt man sich folgende ergötzliche'

Geschichte, die uns von verschiedenen Seilen als wahr Der Director des Justizministeriums,

gericht. Zu einer Zeit, um welche die vorschriftsmäßigen Butkeaustunden begonnen haben sollten, begab er sich nach Er fand den Gerichtsdiener, der den ihm Undekannten mit den Worten abfertigen wollte! Heute ist kein Amts lag, kommen Sie ein anderes Mal.

Hr. Kempff ließ sich aber nicht irre machen und fragte, ob keiner der Richter anwesend sei, er babe eine eilige

Angelegenheit zu erledigen. Man bezeichnete ihm den Assessor X. Als er diesem seine Sache vortrug, soll er Heule ist kein Amtstag, So viel ich weiß(erwiderte

Folge besonders dringende Geschäfte auch an einem der erledigt werden können.

gegenwärtig in Estella.

wurde ihm erwidert.

Lassen Sie mich in Ruhe, ich habe genug zu thun! Nun, wenn Sie keine Zeit haben,

erer