Stadt beneiden könnte. Alter und Jugend, Herren und
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Schauspiel beehrten auch die Großherzoglichen Herrschaften mit ihrer Gegenwart, die nach dem Dorbeimarsch der Fackel⸗ träger eine Rundfahrt durch die in ein Lichtmeer getauchte Stadt unternommen hatten. So sehr die in ihrer Kllge⸗ meinheit und Gleichmäßigkeit überwältigende Beleuchtung zu längerem Verweilen in den Straßen der Stadt einlud, die überwiegende Mehrzahl der Festteilnehmer trieb es doch hinauf in die große Festhalle, wo sich bald alle Gäste bei Bier und Wein zwanglos vereinigten. Ein marhiger, durch Fan⸗ faren eingeleiteter Gruß des Rektors unterbrach nur für kurze Seit das tausendstimmige Gesumme der unablässig hereinströmenden Scharen. Die mit den einfachsten Mitteln doch so wirkungsvoll geschmückte Halle erwies sich als ein überaus glücklicher Festraum, um den uns manche größere
Damen bunt gemischt, alle gaben sich der Feststimmung, der Freude des Wiedersehens hin. War auch der Schluß des Susammenseins offiziell auf 12 Uhr angesetzt, so wagen wir doch zu vermuten, daß der Seiger der Uhr schon erheblich weiter vorgeschritten war, als der letzte Gast die hohe Frei⸗ treppe zur Stadt hinabstieg.
9 Mitteilungen.
Dias Auditorium 13, in dem am Montag und Diens⸗ tag der Empfangs⸗ und Wohnungsausschuß tätig war, wird von Mittwoch an für die übrigen Festtage als Schreib⸗ zimmer dienen, in dem die auswärtigen Damen und Herren
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ihre Korrespondenzen erledigen können. Postkarten, Brief⸗ papier und Briefumschläge mit besonderem auf das Fest bezüglichem Aufdruck liegen auf. In nächster Nähe des Schreibzimmers befindet sich vom Donnerstag, 1. August, an, ein Postzimmer mit Telephon, dessen Benützung den Festgästen für den Stadtverkehr umsonst zur Verfügung steht. Das Schreibzimmer ist geöffnet Mittwoch 2½—7 Uhr, Don⸗ nerstag und Freitag 9—1 und 2½—7 Uhr, Samstag 9—12 Uhr; das Postzimmer Donnerstag und Freitag 9—1 und 2½—7 Uhr, Samstag 9— 12 Uhr.
In der Festhalle ist eine Poststelle eingerichtet, die am 30. Juli von 8 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends, am 31. Juli und 2. August von 8 Uhr vorm. bis 12 Uhr nachts geöffnet sein wird.
In den Tagen des Universitäts⸗Jubiläums wird die Universitäts⸗Bibliothek eine Ausstellung von Büchern, Hand⸗ schriften, Autographen und Bildern veranstalten, die sich auf die Geschichte der Universität und des studentischen Lebens an der Cudoviciana beziehen. Die Kusstellung wird am Mittwoch von 3—4 Uhr nachmittags, Donnerstag, Freitag und Samstag von 8½ bis 9½ Uhr vormittags, Sonntag und Montag von 12—1 Uhr mittags geöffnet sein. Auch die Lesesäle sind zu diesen Stunden zugänglich. Im übrigen bleibt die Bibliothek am Mittwoch, dem 31. Juli, nach⸗ mittags, sowie am Donnerstag, dem 1., bis Samstag, dem 3. August für die Benutzung geschlossen.
Die Besucher der Festvorstellung im Stadttheater werden gebeten, frühzeitig zu kommen, damit beim Erscheinen der Großherzoglichen Herrschaften alle Festteilnehmer ihre Plätze eingenommen haben.
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Nachstehendes Gedicht ist uns von dem zweitältesten lebenden Schüler der Ludoviciana, dem im Jahre 1836 immatrikulierten Forstmeister i. P. Alexander Neidhardt in Jugenheim freundlichst eingesandt worden, es legt von der
wunderbaren Geistesfrische seines greisen Verfassers nicht minder glänzendes Zeugnis ab wie von der innigen Der⸗ bindung der humanistischen und realistischen Studien im Hessenlande.
CANTUS SAECULARIS SPECIALIS VRORUM VIRIDIUM.
(Mel.: Gaudeamus igitur.)
1 4. Laudo, quod S Artis lege instructus, Cultus qui est olim parum In concilium Musarum
Tandem est inductus.
Alma mater genetrix Sive nutrix rerum Omnium quae propagare Aptae sunt et commendare Quid bonum atque verum.
55 At Silvanus summus est Opum conservator, Auctor arvorum ubertatis, Et humoris quantum satis Dives irrigator.
Triplex Centenaria Dives in honore,
Te salutant omnes grate,
Quos in dulci iuventate Excoluisti amore!
ilvanus nunc
5 Lucus sacer— aperis Mihi omnipotentem 5 Vim, qua vox Naturae ad astr Corda februans per aspra Sursum trahat mentem.
8. Alma mater! immemor Numquam simus, quod tu Indiam nunc in aestuosam In Britanniam nebulosam Nune, quae caruit motu,
3. ö 6. 9. Praeter cunctos Virides Silva tempestatis vim Quo sit res silvatica Tibi addicti sunto: Frangit atque canis Recte elucidanda,
Venatores omnes isti, Tum scholares, quos fecisti Prima tu in mundo.
10. In Columbiae quoque nunc Silvas caesas nondum Misisti Hassiae in terra natos Instructores graduatos Ultra magnum Pontum!
Nabiem lenit et momenta Leonina turbulenta Pretium augentia panis!
Quibus talis disciplina Fuit prorsus peregrina Et ignota planta.
11. Alma mater— tibi sit Gloria sempiterna Pergas crescere et- ut nomen Giessen faustum fiat omen— Floreas semper verna! 0 l„A. Neidhardt, rei saltuariae praefeetus et interpres omnium librorum praeclarissimi poetae Byron.
Druck der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗
und Steindruckerei. R. Cange, Gießen.


