Ausgabe 
30.9.1913
 
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Sie 1

würbe ich es tief bebauern, wenn weiter die Absicht verfolgten, diese Gedichte zu veröffentlichen, und dem Verleger, der Ihnen dazu verhülse, würde ich die ewige Seligkeit an den Hals wünschen. a

Wenn Sie meinen Rat hören we en, so ist es der: Lernen Sie weiter, lesen Sie gute Prosa und gute Gedichte, nicht in der Absicht, den Dichtern ihre Geheimnisse abzulauschen, sondern nur in dem Streben, die Schönheiten ihrer Werke zu entdecken. Steckt in Ihnen ein Künstler, so werden diese guten Dichtungen Ihre Kräfte wecken und Ihnen immer als Vorbild vor Augen stehen. Aber glauben Sie mir: es ist sehr schwer, als Autodidakt, das heißt, als Mensch ohne schulmäßige Ausbildung, ein schaffender Künstler zu werden, die deutsche Arbeiterbewegung hat bisher noch keinen hervor⸗ gebracht, den man einen wahren Künstler nennen könnte. Bis dahin aber legen Sie diese Gedichte in einen Winkel Ihres Schrankes oder Tisches und meinen Brief dazu in 10 Jahren werden beides mit andern Augen ansehen.

Aus unserer Sammelmappe.

Eine Anstalt zur Assenzucht. Die wichtigsten Arten der großen menschenähnlichen Affen sind bereits recht selten geworden. Ein Schimpanse gehört schon zu den größten Kostbarkeiten der Zoolo gischen Gärten, sodaß der Triumph des Berliner Zoologischen Gar⸗ ten, der seineMissie 10 Jahre lang am Leben und bei Gesundheit hat erhalten können, nicht nur ein Rekord der Tierpflege, sondern auch eine erhebliche Ersparnis für die Anstalt bedeutet. Ein leben der Orangutan ist aber noch weit seltener und scheinbar auch noch schwerer zu halten, und ein Gorilla ist in lebendem Zustand über⸗ haupt nur ganz ausnahmsweise und vorübergehend gezeigt worden. Das erklärt sich nicht nur aus der Schwierigkeit, dieser Tiere hab haft zu werden, sondern auch aus der Abnahme ihres Vorkommens. Man nimmt an, daß diese Affenarten noch im 20. Jahrhundert gänzlich aussterben werden. Das wäre aber ein großer und un⸗ ersetzlicher Verlust, nicht etwa für die Naturwissenschaft, sondern auch für die Medizin. Das Experiment ist auch für die Erforschung der Krankheiten und ihrer Bekämpfung immer wichtiger geworden. Da es sich nun trotz der Bereitwilligkeit mancher Aerzte, ihr eige nes Leben daran zu wagen, doch nur ausnahmsweise am Menschen selbst ausführen läßt, so ist es von größter Wichtigkeit, zu diesem Zweck Tiere zu haben und zu benutzen, deren anatomische und phystologische Beschassenheit der des Menschen möglichst ähnlich ist. Die meisten Tierversuche werden an Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen, außerdem an Hunden vorgenommen, aber es versteht sich von selbst, daß aus dem Ergehen und Verhalten dieser Tiere doch keine weitgehenden Schlüsse auf das Verhalten des menschlichen Körpers unter der gleichen Behandlung gezogen werden können. Mit Rücksicht auf die Aufklärung von Krankheiten, unter denen der Mensch leidet, entweder überhaupt nicht, oder in abweichender Art zugänglich sind. Aus diesem Grunde bleiben die menschenähnlichen Assen das ideale Material für das experimentelle Studium von Krankheiten, und die zunehmende Seltenheit und Kostspieligkeit dieser Tiere wird als erhebliches Hemmnis empfunden. Es ist daher jetzt der Vorschlag gemacht worden, auf einer der kanarischen Inselu eine Zuchtanstalt für derartige Affen zu begründen. Sie könnten vom afrikanischen Festlande leicht und schnell dorthin ge⸗ schafft werden und würden dort ein ihnen völlig zusagendes Klima finden. Es würde auch nicht schwer sein und keine großen Kosten verursachen, ihnen dort ein Schußzgebiet einzuräumen, innerhalb dessen sie eine völlige Freiheit der Bewegung genießen, und sich auch auf eine Fortpflanzung einlassen würden. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß das Studium an den menschenähnlichen Afsen noch viel wichtige Ausschlüsse verspricht. Auch die experimentelle Pfsycho⸗ logie erwartet davon noch manches bedeutsame Ergebnis zur Auf klärung der Entwicklung des Intellekts, der Sprache, der Ausdrucks⸗ bewegungen, des Farbensinns, des Zahlenverständnisses usw. die zahlreichen und tiesen biologischen Fragen, die mit der Er⸗ forschung der Affen verknüpft sind, braucht nur hingedeutet zu werden. Für die medizinischen Wissenschaft haben sie bereits Großes geleistet. Ist doch nur mit ihrer Hilse die fundamentale Frage ge⸗ löst worden, od die Rindertuberkulose auf den Menschen übertrag⸗ bar ist oder nicht. Durch Fütterung und Einspritzung mit dem Bazillus dieser Krankheit ist dasselbe Leiden an Affen hervorge⸗ bracht worden, während die Uebertragung der menschlichen Tuber⸗ kulose auf Tier bereits feststand ikow insbesondere hat sich mit dem Nachweis von iten beschäftigt, die nur dem Menschen und dem menschenähnlich kein anderes Tier angreifen. Die beträchtlich und wenn sie 2

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so wird biese nur durch Gewinnung von Affenserum durch sein. Danach erscheint die Begründung der Zuchtanssalk menschenähnliche Affen als eine sehr bedeutsame Forderung. Ertältang bei Pflanzen. Im Zeitalter der abnorm kühlen ge mer mutet diese Ueberschrift wie ein zeitgemäßer Scherz on. 1 aber dennoch voller Ernst der neueren Pflanzenforschung, die dat die oft äangezweifelten Behauptungen gärtnerischer Praxis be Mancher alte Gärtner hat steif und sest die Ansicht verfochten, k der und jene hängende und welkende Trieb bei seinen Warmba pfleglingen einfach eine Erkältung sei, hervorgerufen durch das vorsichtige Oeffnen eines Fensters. Und wenn er dafür a wurde, mag er sich nun mit der wissenschaftlichen Abhandlung in! Berichten der Deutscheu botauischen Gesellschaft trösten, in der em M. Moebius folgende merkwürdige Tatsachen erzählt: Eine Reihe allbekannter Kalt- und Warmhauspflanzen, ter auch die überall gepflegten Schiefblätter(Begonien) und Tr cautien verwelken ganz oder leilweise, wenn man sie bei g. licher Sommertemperatur auch nur eine Minute lang einer d ratur von 514 Grad Celsius Kälte aussetzt. 1 Moebius steht nicht an, dies als Erkältung zu bezeichnen und auf irgendwelche innere Reizzustände zurückzuführen, da es bel ke Kürze der Kälteeinwirkung vollkommen ausgeschlossen ist, daß der Tod auf die durch Erfrieren übliche Weise eingetreten sei. ein Blatt oder eine Blüte erfriert, so geschieht dies nämlich du Zerreißung ihres inneren Gefüges, indem das in ihren Zellber sieinen stets vorhandere Wasser sich in Eis verwandelt und die Zen häute zerreißt. Dazu bedarf es aber Stunden und Tage. 8 Die Erklärung der Schiefblätter hat ihre Ursache also nicht u äußeren Schädigungen des Pflanzenkörpers, sondern in noch u. schaubaren verwickelten inneren Getriebe des Pflanzenlebens sie findet ihr Gegenstück darin, daß tropische Gewächse, z. B.

Orchideen, oft rettungslos dem Tode verfallen sind, wenn man ö unvorsichtigerweise der Temperatur eines kühlen Frühlt aussetzt, an dem tausende Blatt- und Blütenknospen heimischer wächse aus der Winterstarre zu neuem Leben erwachen. Was

einen Tod, ist eben auch in der Pflanzenwelt dem anderen 1

als Zeichen dessen, daß ein und dasselbe Band der Lebensgesetze d Menschen und die scheinbar von ihm so weltenweit verschiebe Pflanzen umschlingt. 1 Die Gebirge des Mondes. Beim Blick durch das Fernrohr schen

wir die Oberfläche des Mondes von einer außerordentlichen Mens runder oder ovaler Flecken übersät, deren erhöhte Ränder in el N haftem Glanze erstrahlen. Diese rundlichen Flecken sind die soger 0 N

Mondkrater. Zwischen zahllosen Kraterkegeln, in den Ebenen Tälern, bemerken wir seltsame Unebenheiten, niedrige, Kämme, überhaupt eine Rauheit der Obersläue, wie sie unsere ker kaum irgendwo darbietet. Um so den Boden aufzuwühlen, 0 zweisellos Erschütterungen von unerhörter Gewalt notwen Außer einigen großen, ebenen Flächen, die mit Unrecht alsMeere bezeichnet werden, zeigt die Mondoberfläche überall diesen geb rauhen Charakter. Die allgemeinste Form der Berge ist, wie win in denMußestunden(Stuttgart) lesen, die einer an der Spitz: ausgehöhlten Erhöhung, eines ungeheuren Ringwalles oder 5 dessen Mitte häufig noch von einer Kuppe oder Bergspitze elnge nens, men wird. Bei ihrem Anblick drängt sich uns sosort die Frage auf.: sind diese Krater alle Vulkanschlunde, wie wir sie auf der Erze kennen? Ihre gewaltigen Ausdehnungen machen das nicht glaub' haft. Während der Krater des Vesuvs nur eine Breite von Meter, der des Piks von Teneriffa gar nur eine solche von 150 Meter erreicht, messen gewisse Mondkraterkessel 180, ja sogar 280 Kilomeser; im Durchmesser. Wir müssen uns die Entstehung dieser ungehenres! Ringwälle vielmehr so eutstanden denken, daß die Wondoberslächt! unter dem Druck der inneren Kräfte des Gestirns blasenformit emporgehoben wurde, dann die Mitte der Schwulste einstürzte m! einen stufenförmigen Ring senkrechter Wälle zurückließ. Außer wegen ihrer großen Ausdehnung erregen die Unebenhelten 154 wegen etwas anderem unsere Verwunderung, nämlich wegen ihrer im Vergleich zur Größe des Mondes riesenhaften Höhen. Von des tausend Mondbergen, deren Höhen man gemessen hat, übersteigen sechs die Höhe von 6000 Meter und etwa dreißig den Gtwsel des 481! Meter hohen Montblanc. Act einem Vergleich der höͤchsten 1 der Erde mit denen des Wondes findet man, daß auf dem Monde b Berge im Verhältnis diermal höher sind als auf der Erbe.

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