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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolks zeitung

Nummer 52

Montag, den 31. März 1913

J. Jahrgang

soviel Kraft, als er besitzt“,

„Mein Selbstgeunß“. Von Karl Marx. (Unvecöffentlichtves aus dem Nachlaß.) (Fortsetzung.)

Alle Kollisionen, in die die Menschen durch ihre wirklichen Lebensverhältnisse mit sich oder mit anderen geraten, er⸗ scheinen unserm Schulmeister Sancho als Kollisionen, in die Menschen mit Vorstellungen über das Leben des Menschen geraten, die sie entweder sich selbst in den Kopf gesetzt haben oder sich von Schulmeistern haben in den Kopf setzen lassen. Schlügen sie sich diese aus dem Kopf,„wie glücklich“ könnten „diese armen Wesen leben“, welche„Sprünge“ dürften sie machen, während sie jetzt„nach der Pfeife der Schulmeister und Bärenführer tanzen“ müssen!(p. 435.) Der niedrigste dieser„Bärenführer“ ist Sancho, da er nur sich selbst an der Nase herumgeführt. Hätten z. B. die Menschen sich nicht fast immer und fast überall, in China sowohl wie in Frankreich, in den Kopf gesetzt, daß sie an Uebervölkerung litten, welch einen Ueberfluß an Lebensmitteln würden diese„armen Wesen“ nicht alsbald vorgefunden haben.

Sancho versucht hier seine alte Historie von der Herrschaft des Heiligen in der Welt wieder anzubringen unter dem Vor⸗ wande einer Abhandlung über Möglichkeit und Wirklichkeit. Möglich heißt ihm nämlich alles, was sich ein Schulmeister von mir in den Kopf setzt, wo Sancho dann leicht beweisen kann, daß diese Möglichkeit keine andere Wirklichkeit hat, als in seinem Kopfe.— Seine feierliche Behauptung, daß„sich der folgenreichste Mißverstand von Jahrtausenden hinter dem Wort möglich versteckt hielt“(p. 441), beweist hinlänglich, wie unmöglich es ihm ist, die Folgen seines reichlichen Miß⸗ verstandes von Jahrtausenden hinter Worten zu verstecken.

Diese Abhandlung über„Zusammenfallen von Möglich⸗ keit und Wirklichkeit“(p. 439), von dem, was die Menschen das Vermögen haben zu sein und von dem, was sie sind, welche in so guter Harmonie steht mit seinen bisherigen zudring⸗ lichen Ermahnungen, man solle sein Vermögen wirken lassen usw., führt ihn indeß noch auf einige Abschweifungen über die materialistische Umstandstheorie, die wir sogleich näher würdigen werden Vorher noch ein Beispiel seiner ideologischen Verdrehung. P. 428 identifiziert er die Frage „wie man das Leben erwerben könne“ mit der Frage, wie man das wahre Ich(oder auch„Leben“) in sich herzustellen“ habe. Nach derselben pagina hört das„Bangen ums Leben“ mit seiner neuen Moralphilosophie auf und das„Vertun“ desselben beginnt. Die wundertätige Kraft dieser seiner an⸗ geblich neuen Moralphilosophie spricht unser Salomo „sprechender“ noch in folgendem Sprüchlein aus:„Sieh dich als mächtiger an, als wofür man dich ausgibt, so hast du mehr Macht; sieh dich als mehr an, so hast du mehr.“ P. 483. Siehe oben im„Verein“ Sanchos Manier, Eigentum zu erwerben.—

Nun zu seiner Umstandstheorie.

»Einen Beruf hat der Mensch nicht, aber er hat Kräfte, die sich äußern, wo sie sind, weil ihr Sein ja einzig in ihrer Aeußerung besteht, und so wenig untätig verharren können, als das Leben... Es gebraucht jeder in jedem Augenblick (verwertet Euch, ahmt den Tapfern nach, werde jeder von Euch ein allmächtiges Ich“ usw., ging oben die Rede Sanchos). Die Kräfte lassen sich allerdings schärfen und vervielfältigen, besonders durch

man ihre Anwendung vermißt, da kann man auch ihrer Ab⸗ Man kann aus einem Steine Feuer aber ohne den Schlag kommt keines heraus; in

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das Gebot, sie zu gebrauchen, Kraft ist nur ein einfacheres Wort für Kraftäußerung, p. 436. Der„mit sich einige Egoismus“, der seine Kräfte oder Vermögen ganz nach Belieben wirken oder nicht wirken läßt, und das jus utendi et abutendi auf sie appliziert, purzelt hier plötzlich und unerwartet zusammen. Die Kräfte wirken hier auf einmal selbständig, ohne sich um das„Belieben“ Sanchos zu kümmern, sobald sie vorhanden ist, wenn man ihre Aeußerung vermißt. Was dadurch berichtigt wird, daß die Kraft eines Anstoßes bedarf, um sich zu äußern. Wie aber Sancho entscheiden will, ob bei mangelnder Kraft⸗ äußerung der Anstoß oder die Kraft fehlt, erfahren wir nicht. Dagegen belehrt uns unser einziger Naturforscher, daß „man aus einem Steine Feuer schlagen kann“, ein Beispiel, das, wie immer bei Sancho, gar nicht unglücklicher gewählt werden konnte. Sancho glaubt als schlichter Dorfschulmeister, daß, wenn er Feuer schlägt, dies aus dem Stein kommt, wo es bisher verborgen lag. Jeder Quartaner wird ihm sagen können, daß bei dieser in allen zivilisierten Ländern längst vergessenen Methode des Feuermachens durch die Reibung von Stahl und Stein Partikelchen vom Stahl, nicht vom Stein abgelöst werden, die durch eben dieselbe Reibung in Glühhitze geraten; daß also„das Feuer“, das für Sancho nicht ein unter gewissen Hitzegraden stattfindendes Verhältnis ge⸗ wisser Körper zu gewissen andern Körpern, speziell dem Sauerstoff, sondern ein selbständiges Ding, ein„Element“, eine fixe Idee,„das Heilige“ ist— daß dies Feuer weder aus dem Stein noch aus dem Stahl kommt. Sancho hätte ebensogut sagen können: man kann aus Chlor gebleichte Lein⸗ wand machen, aber wenn der Anstoß fehlt, nämlich die unge⸗ bleichte Leinwand, so„kommt keine heraus“.— Bei dieser Gelegenheit wollen wir zu Sanchos„Selbstgenuß“ ein frühe⸗ res Faktum der„einzigen“ Naturwissenschaft registrieren. In der Ode vom Verbrechen hieß es:

„Grollt es nicht in fernen Donnern

Und siehst du nicht, wie der Himmel

Ahnungsvoll schweigt und sich trübt?“ (P. 319 des Buchs.)

Es donnert und der Himmel schweigt. Sanchos weiß also von einem andern Ort, wo es donnert, als am Himmel — Sancho bemerkt ferner das Schweigen des Himmels durch seinen Gesichtssinn, ein Kunststück, das ihm niemand nachmacht. Oder aber, Sancho hört das Donnern und sieht das Schweigen, wo beides gleichzeitig geschehen kann. — Wir sahen, wie Sancho beim„Spuk“ die Berge an„Geist der Erhabenheit“ repräsentieren ließ. Hier präsentiert ihm der schcbeigende Himmel den Geist der Ahnung.

Man sieht übrigens nicht ein, warum Sancho hier so sehr gegen„das Gebot, seine Kräfte zu gebrauchen“, eifert. Dies Gebiet kann ja möglicherweise der fehlende„Anstoß“ sein, ein„Anstoß“, der zwar bei einem Stein seine Wirkung ver⸗ fehlt, dessen Wirklichkeit Sancho indeß bei jedem exerzieren⸗ den Bataillon beobachten kann. Daß das„Gebot“ selbst für seine geringen Kräfte ein„Anstoß“ ist, geht ohnehin daraus hervor, daß es für ihn ein„Stein des Anstoßes“ ist. Das

feindlichen Widerstand oder freundlichen Beistand; aber wo

Bewußtsein ist auch eine Kroft, die sich nach der Doktrin, die

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