einigen der Hände vor dem Essen(besonders bei Erd- beitern), Vermeidung zu hastigen Essens, zu heißer Speisen, kalter Getränke, Achtung auf regelmäßige Stuhlentleerung, chtung auf die Beschaffenheit der Zähne(zum Zwecke guter erdauung), Schutzverband der Frauen nicht nur zur Zeit er Monatsblutung, sondern bei jeder Erkrankung der Ge— hlechtsorgane, Aufgeben der Kleiderschleppen, Vermeidung er Einschleppung von Straßen- und Kellerschmutz in die gohnung, Vorsicht beim Verkehr mit Haustieren, Ver⸗ eidung von Alkoholmißbrauch und andres. Der Krebs ist eilbar, wenn er frühzeitig als örtliches Leiden erkannt ist; teilbar aber nur durch direkte Entfernung, also durch eine Operation. Kein inneres Medikament, keine Kräuterkur, eine Naturheilmethode, kein homöopathisches Mittel, keine galtwasserkur, kein Heilserum kann die allgemeine Aus- reitung des Krebses verhindern. Wo durch irgendeine kur— guscherische Maßnahme angeblich ein Krebs geheilt worden st, da ist es überhaupt kein Krebs gewesen. Am häufigsten befällt der Krebs die Verdauungsorgane. Von allen Er- mankungen des Darmkanals an Krebs ist der des Mastdarms er häufigste. Lang andauernde Schlingbeschwerden, Gefühl es Steckenbleibens der Nahrung in der Gegend der Herz— krube erfordern eingehende Untersuchung der Speiseröhre, pentuell mit der Sonde. Verhärtungen, Knoten⸗, Bläschen ⸗, Jeschwürbildung an der Zunge, den Lippen, der innern Wangenwand, die unter entsprechenden Maßnahmen nicht
nach kurzer Zeit verschwinden, sind verdächtig. Insbesondere
uchtet ihr Raucher, ihr Tabakkauer auf weiß glänzende Fleck⸗ hen auf der Zunge, auf der innern Wangenwand. Der Anterleibskrebs bei Frauen beginnt schleichend mit Unregel— mäßigkeit der Ausscheidung und ist in seinem Beginn oft mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Der im Beginn erkannte Gebärmutterkrebs ist sicher heilbar durch einen verhältnis— tnäßig ungefährlichen Eingriff. Etwa 24000 Frauen sterben in Beutschland jährlich an Krebs, weil sie zu spät zur Er⸗ benntnis, und wohl alle könnten gerettet werden, wenn sie zeitig ärztlichen Rat einholten. 87 Prozent der Frauen, die em Krebs erkrankt, versäumen noch in Deutschland die zu chrer Hilfe nötige Zeit. Etwa 40 Prozent der Gebärmutter— krebse werden jetzt schon durch die operative Entfernung dauernd geheilt. Veränderungen an alten Narben, woher sie Zuch stammen mögen, sind verdächtig. Mißachtet auch nicht länger bestehende Schmerzen beim Sprechen und Schlucken, blutigen Auswurf beim Husten, lange bestehende Heiserkeit. Keine der vorher geschilderten Krankheitserscheinungen er⸗ weist sicher eine bösartige Erkrankung. Oft werden von Patienten die Krankheitserscheinungen vollkommen falsch aufgefaßt, beurteilt und geschildert. Deshalb soll kein Laie aus seinen eigenen Beobachtungen den Krebs erkennen wollen. Oft wird es sich nur um eine gutartige Erkrankung handeln; aber solche Krankheitserscheinungen sollen ihn stets ver- anlassen, sachverständigen ärztlichen Rat einzuholen. Also Frauen und Männer, achtet mehr auf körperliche Veränderungen, gebet auf die Gleichgültigkeit, wartet nicht erst, bis erheblichere Beschwerden euch zum Einholen sach— werständiger Beurteilung zwingen. Die Vorsorge, die Acht⸗ samkeit ist das beste Mittel zur Verhütung des Krebssiech⸗ tums, das euch und eure Angehörigen noch heute so viele N Opfer kostet. Nicht unnötige Krebsangst soll euch bei jedem Leiden befallen, das sei ferne, aber öffnet Augen und N Empfinden für euer und eurer Nächsten körperliches Wohl un Kampfe gegen die schwere Volkskrankheit, deren beste Be. kämpfungsart in der Verhütung besteht. Und wem das Schicksal dies schwere Leiden zufügt, dem sei der Trost, daß ärztliche Kunst und Wissenschaft auch auf diesem Gebiet un⸗ geahnte Erfolge zeitigt, wenn frühzeitige Erkennung und frühzeitige Beseitigung ermöglicht worden. Je frühzeitiger 135 Operotion, desto seltener der Rückfall!
N N ö N
8 An einen„Dichter“. Wir erhalten, so ist im„Grundstein“ zu lesen, sehr häufig Ge⸗
enn nicht die Einsender ihre dichterischen Gaben ganz bedeutend
warum denn die Einsender nicht zuerst einmal dle deutsche Sprache richtig lernen und sich in der guten deutschen Prosa Üben, ehe sie den Pegasus besteigen. Daneben erhalten wir auch manche Gedichte, die ein achtenswertes Talent verraten, die aber doch die Druckerschwärze noch nicht vertragen. Die Einsender solcher Gedichte werden manch⸗ mal nicht verstehen, warum wir die Veröffentlichung ablehnen, und es geht nicht an, ihnen das jedesmal des langen und breiten mitzu⸗ teilen. Kürzlich wandte sich nun ein proletarischer Dichter an unsern Kollegen A. Winnig mit der Bitte, ihm doch bei der Herausgabe seiner Gedichte behilflich zu sein. Er teilte mit, er habe sich schon an die Vorwärtsbuchhandlung in Berlin gewandt, die ihm erwidert habe, seine Gedichte seien für eine selbständige Schrift zu kurz. Eine andere Buchhandlung brauchte eine andere Ausrede; aber die Wahrheit über seine Gedichte sagte ihm niemand. Kollege Winnig gab ihm nun die nachfolgende Antwort, die wir mit Winnigs Er⸗ laubnis abdrucken, weil sie auch für viele unserer Verbandsdichter
beherzigenswert ist: Werter Genosse!
5 Sie haben mir Ihre Gedichte zugesandt und mich ersucht, Ihnen einen guten Rat zu erteilen, wie Sie ste am besten verwerten und unter das Volk bringen könnten. Ich könnte mir nun auch die Sache ebenso bequem machen, wie die Genossen in Berlin oder in O. und Sie mit irgendeinem wohlfeilen Einwand abfertigen, könnte sagen, das Ganze sei zu kurz, um als selbständige Schrift erscheinen zu können, oder die Druckkosten würden zu hoch werden und was der⸗ gleichen billige formale Einwände mehr wären. Das alles könnte ich Ihnen schreiben und hätte die Akte damit erledigt. Aber ich will mir gern die Mühe machen, Ihnen auseinanderzusetzen, warum die Gedichte nicht veröffentlicht werden können, und will Ihnen mit allem Freimut sagen, was die Gedichte wert sind, selbst auf die Ge⸗ fahr hin, daß Sie mir darum grollen und Ihre Achtung entziehen. Wenn Sie aber ein verständiger Mensch sind, werden Sie mir, wenn auch nicht gleich, so doch aber später einmal danken, daß ich Ihnen ehrlich die Wahrheit gesagt habe. Und diese Wahrheit ist für Sie recht bitter; ich spreche aus Erfahrung; denn auch ich habe sie hin⸗ nehmen und aus ihr lernen müssen. Ihre Gedichte dürfen nicht gedruckt werden, wenn man sich nicht gegen den heiligen Geist der Dichtkunst versündigen will. Wenn ich mit Ihnen sprechen könnte, so würde ich Ihnen Strophe für Strophe zergliedern und Ihnen die Mängel zeigen; da ich aber auf die schriftliche Verstän⸗ digung angewiesen bin, so will ich mich auf einige Verse beschränken und die wählen, die die klarsten Mängel aufweisen. Da heißt es gleich im ersten Vers in der zweiten Zeile: „Was tun die Glocken künden so feierlich und hehr?“
Was tun sie künden? So spricht man nicht einmal, noch viel weniger darf man so dichten. Man sagt: Was künden sie. Tun und künden sind zwei Zeitwörter, man darf aber nur eins für denselben Begriff anwenden; wer es anders hält, zeigt damit, daß er die Sprache noch nicht einmal für die Prosa beherrscht, und da⸗ rum nicht berufen ist, den edlern Reim zu handhaben. Dann ve gleichen Sie die zwei ersten Zeilen der fünften Strophe:
„Beherzte Männer stellten sich mutig in die Reih'n,
Pro gloria et patria soll uns're Losung sein.“
Abgesehen davon, daß es nicht unsre, sondern die Losung jener beherzten Männer von Anno 13 sein sollte, horchen Sie einmal auf den Klang der beiden Zeilen: fühlen Sie nicht, daß die zweite Zeile einen Fuß, oder deutlicher: eine Silbe zuviel hat? Fühlen Sie es, dann ist es gut, fühlen Sie es nicht, dann schöpfen Sie daraus die Gewißheit, daß Sie kein Dichter sind und nie einer werden können, weil Ihnen das Gefühl für den Rhythmus fehlt. Haben Sie aber dies Gefühl, so werden Sie sicherlich auch fühlen, welche Silbe zu⸗ viel ist, nämlich die Silbe a in dem Wort patria. Solcher Verstöße gegen die rhythmischen Gesetze begehen Sie sehr viel; suchen Sie selbst nach weitern. Dann fallen Sie aber auch von einem Versmaß ins andre. Während die fünfte Strophe zum Beispiel auf 13 Silben geht, stellen Sie die sechste auf 15. Das darf man doch nicht! Wohl darf man in einem Gedicht aus einem Versmaß ins andre über⸗ gehen; aber dann muß das aus innern Gründen geschehen und künst⸗ lerisch gerechtfertigt sein. Wollen Sie ein schönes Beispiel dafür haben, wie man das Versmaß wechseln darf, so lesen Sie„Die
locke“ von Schiller, die überhaupt ein gutes Schulgedicht ist. Je weiter ich nun in das Gedicht eindringe, je barbarischer erscheint mir die Absicht, so etwas drucken zu lassen. Lesen Sie doch bloß einmal die zwei ersten Verse auf der zweiten Seite: der zweite Vers könnte ja geradezu in der Jobsiade stehen, so lächerlich platt und naiv ist er. Dann weiter die Zeile:
„Was die hundert Jahre ergeben, das kommt an die Reihe jetzt“.
So dürfen die Bänkelsänger auf den Jahrmärkten singen; wollen Sie als komische Figur gelten? Sie wollen natürlich als ein furchtbar ernster Ankläger dastehen. Nun noch ein Beispiel, das Ihnen zeigen soll, daß auch die 13 Silben allein noch nicht genügen, um wenigstens äußerlich richtig zu gehen:,
„Auf das Volk wurde geschossen, als ob's eine Bestie wär“.
Hier muß man dem Sprachgebrauch zuwider die zweite Silbe im Worte„wurde“ unnatürlich betonen; kein Dichter, der auf Kunst hält, tut so etwas.
Nun mögen Sie denken, solche formale Verstöße gegen Kunst⸗ regeln schadeten doch nicht, der Inhalt sei doch gut und die Ten⸗ denz sei doch lobenswert. Aber ist die andere Meinung nicht viel richtiger, daß unsre gute Sache um ihrer selbst willen auch nur in künstlerisch einwandfreier Form verherrlicht werden darf? Müssen wir nicht schlechte und lächerliche Formen von uns weisen, um nicht
ö ö ee Nicht selten wimmeln schon die Begleitschreiben von
N g dichte von Berufskollegen, von denen viele nicht eingesandt würden, 0 lüfzischen und orthographischen Fehlern, lo daß man sich fragt,
bie hohe Sache darunter leiden zu lassen z Aus bielem Grun
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