Ausgabe 
28.10.1913
 
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haben. Dann stellen sie die Welt vor die sertige Tatsache und sagen mit amerikanischer Einfachheit: Da ist eine neue Sache.

Sehen wir uns die neue Sache einmal näher an. Wir müssen uns zu diesem Zwecke nach Baltimore begeben und dort in die Johns Hopkins Medical School hen In dieser Anstalt wird schon sei langen bewußt und mit an. crikau Untersuchungen ist William

seine

Jahren

Leiter der 1 n ** izin jener Hochschule, Dr.

ind Arbeit räumen sitzen

stiere dienen in der Hauptsache Eidechsen, Frösche Mäuse un 5 Ratt⸗ en. Bei den Untersuchung Tierchen mit großer Vorsicht in ein Glasgefäß voll flüssiger Luft gebracht, in dem es sehr schnell gefriert und starr wird. Damit es beim Einfrieren aber leinen Schaden nimmt, erhält es durch ein Röhrchen, das durch den Deckel des Glasgesäßes geführt wird, kleine Mengen Sauerstoff zugeleitet, bis es vollständig gefroren ist. Vor Beginn des Versuches muß auch erst das Herz des Tierchens genau auf seine Lebenskraft untersucht werden, denn je nach der Stärke dieser Herztätigkeit richtet es sich, wie lange das Leben in dem Körper in gefrorenem Zustande erhalten werden Das Gefrieren selbst nimmt die wenigste Zeit in Anspruch. Dann wird nach Entfernung des Sauer⸗ stoffröhrchen Deckel geschlossen, ein Schildchen mit den nötigen Angaben auf das Gefäß geklebt, und der kleineLeichnam in den Schrank gestellt. Kein Laie zweifelt beim Anblick dieser Gläser daran, daß er es hier mit Tierleichen zu tun hat; deun die Körper sind vollständig 53 nehmen wochenlang keine Nahrung und kein Wasser zu sich, atmen keine Kohlensäure aus, geben überhaupt kein Lebenszeichen von sich. Es sind allem Anschein nach Tiermumien. Um uns vom Gegenteil zu überzeugen, nimmt jetzt der Forscher ein Glasgesäß aus einem Schrank, in dem ein Frosch in stüssiger Luft schwimmt. Aus den Angaben des Schildchens ersehen wir, daß das Tierchen sich schon seit 6 Wochen in diesem Zustan de befindet. Der Frosch wird jetzt vorsichtig aus der flüssigen Luft genommen. Er ist völlig steif und leblos. Wird der Versuch gelingen dder nicht? Wir warten einige Minuten in atemloser Spannung, und schon schielt mancher halb enttäuscht den Gelehrten an. Aber was ist das? Ein Quaken. Unzweifelhaft, der Frosch hat einen Laut ausgestoßen, und nun schllttelt er sich, blinzelt mit den Augen, und jetzt hüpft er davon, in behäbigen Sprüngen quer über⸗den Tisch. Vom Tode erstanden

8 Der

Der 8 weiß, daß es nichts 8

im Eis einfrieren und beim Auftauen doch wieder leben. Kälte der flüssigen Luft ist doch viel größer, als sie die Winter in unseren Teichen aushalten müssen. sich natürlich besonders gut zu solchen Unt am ehesten greifbare Ergebnisse liesern. Aber es sind doch auch schon an anderen Tieren erfolgreiche Versuche vorgenommen wor den. So wurden eine Anzahl Hühnereier gerade in dem Augenblick in flüssige Luft gelegt, in dem die kleinen Küken ausschlüpfen woll ten. Erst nach Wochen nahm man dann die Eier wieder aus der Kälte, zerbrach sie und erweckte die Kücken durch elektrische und chemische Reizungen wiedr zum Leben. Sie lebten zwar nur wenige Stunden lang lebten, und das ist für den Anfang doch die Hauptsache.

Frösche Aber die Frösche im Kaltblüter eignen ersuchungen. Sie werden

aber sie Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß uns glaubhaften Quelle, aus der das Material denken kommen. Wie uns Versuche gezeigt haben, ten bei der ühlung auf die tiese Kälte der flüssigen Luft eine schalenförmige Erstarrung und Absonderung statt. Sie nruß auch beim Tierkörper eintreten und innere Zerreißungen zur Folge haben, die ein Weiterleben nach dem Auftauen und Er wärmen erscheinen ssen. Vorläufig lüften die Amerikaner den Schleier noch nicht, der diese Geheimnisse verbirgt, und die e rg werden in der 9 Hopkins Medical School rastlos fortgesetzt. Die praktische Wissenschaft hat ja aus der leben⸗ rhaltenden Eigenschaft der Kälte auch schon eine Nutzanwendung gezogen rsolgreiche Versuche angestellt, lebendes Gewebe, tage⸗ und wech bent aufzubewahren und sstrachtrurgische Zwecke bereit⸗ zuhalten. Irgendwelche Prophezefungen für die Zukunft auf Grund der Bersuche an der amerikanischen Hochschule machen zu wollen, ist, wie überall, so auch hier gefährlich. Vor allem ist es Unfug, wenn der Gedanke an das Gefrierenlassen von Menschen in den Bereich ernsthafter Erörterungen gezogen wird. Vom vom Kücken bis zum Menschen gähnt doch noch eine zu gewaltige Kluft. Wir wollen zufrieden sein, wenn die Aufbewahrung leben⸗ den Gewebes in der medizinischen Praxis allgemein durchgeführt werden kann;: denn das bedeutet für die Menschheit geheuren Fortschritt.

trotz der stammt, manche Be⸗

g findet an Früch plötzlichen Ab!

ausgeschlossen

Frosch und

schon einen un⸗

Aus unserer Sammelmappe. Ein Einwirkung des Schwefels auf das Pflanzen

Schon seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts weiß man,

3 Schwefel auf das Pflanzenwachstum fördernd einwirkt.

lich handelte es sich dabei bisher mehr um gelegentliche Bey tungen, und nicht um streng wissenschaftliche Untersuchungen.

in den letzten Jahren sind Forscher dem Problem wissenschaftlich N Leibe gegangen. Nach den neuesten Untersuchungen wirkt der Schwefel einmal auf die Bakterien des Bodens, und dann seine Umsetzung in Schweselsäure. Ganz aufgeklärt ist die Fr freilich noch nicht und die Untersuchungen dauern noch an. essant sind die Ergebnisse, die Paul Lichtt in Bern bei Wachs versuchen mit Hafer erzielt hat. Ohne hier auf die rein wife schaftlichen Einzelheiten der Versuchsreihe einzugehen sei mitgetell daß die Gegenwart von Schwefel bei drei von fünf verschieten Düngungsarten eine unzweifelhaft günstige Wirkung gezeitigt hat. Bei den übrigen beiden Düngungen kann man eine Beeinfluss noch nicht bestinmmt nachweisen. Am stärksten war die Jörder es Ertrags durch Schwefel bei kalifreier Düngung, hier kamen a ein Versuchsgefäß bei Abwesenheit von Schwefel 78,3 Gre Körner und Stroh, bei Gegenwart von Schwesel aber 105,8 Gr also ein Mehrertrag von 27,5 Gramm. An der Erhöhung des trages war vor allem sreilich das Stroh beteiligt.

Volkshochschulen in Finnland. Weit bekannt sind die dänsscht Volkshochschulen, denen dieses Land neben dem Genossenschaftswe seine Wiederauserstehung verdankt. Auch von den schwedsschen Volkshochschulen hörten wir schon. Daß auch Finnland, jenes n- glückliche, unter dem zaristischen Terrorismus schmachtende und de so mutig um seine geistige und politische Befreiung kämpfende ke Kulturland im Norden seine hohen Schulen für arme Bauern Arbeiter hat, war bisher weniger bekannt. In den Dokumenten des Fortschritts finden wir eine Schilderung des Charakters der seitherigen Erfolge der Bewegung, die uns Achtung abzwin

Die erste finische Volkshochschule wurde 1889 in der kleinen Stadt Borga gegründet, der 8 2 weitere in Esbo und Kron folgten. Gegenwärtig gibt es 41 Volkshochschulen in Finnlan darunter 14 mit schwedischer* 27 mit finnischer Sprache,

40 von diesen Schulen werden 1664 Schüller unterrichtet oder

pro Schule. In den schwedischen Schulen haben 85 Prozent Schüler höhere Kenntnisse, in den finnischen 9 Prozent. In dei schwedischen sind 609 Prozent Söhne und Töchter von Bauern, Rest von nicht besitzenden Käthnern oder Landarbeitern, in den finnischen 73 Prozent.

Im allgemeinen hat die sinnische Volkshochschule ihre 5 regungen aus Dänemark erhalten, von den Gru. tvigschen deen, 9 die von Ludwig Schröder und Paul la Com in der erwel Volkshochschule in Askow entwickelt wurden. Man beschästigt o in diesen Schulen besonders viel mit Literatur: die Grundtvigschen 1 Dichtungen werden gelesen, die nordischen Götter⸗ und Heldensagen, 15 die nationalen Gedichte Runebergs usw. Es ist selbstwerständlich, daß bei einem national unterdrückten Volke das nationale Problem eine große Rolle spielt. Aber auch Naturwissenschaften werden ge trieben, Mathematik, Physik. Daneben wird das in der Vo f Gelernte: Schreiben, Lesen repetiert. Endlich werden den Schiller

auch praktische Kenntnisse übermittelt, in der Buchführung, dem Aufsetzen von Kontrakten, in der Tischlerel, für Mädchen im Weben, Nähen und Kochen usw. Seit einigen Jahren wird Wert

gelegt, den Schülern etwas landwirtschaftlich⸗theoretische un- bildung zu geben.

Ein Kursus dauerte Monate: vom 1. November bis 1. Mal. Die Schüler haben ein Durchschnittsalter von 1820 Jahre. Jast alle Schulen sind Internate, d. h. die Schüler wohnen und gemeinsam mit den Lehrern im Institute. same Gesellschaften, Ausflüge usw. statt. akademisch gebildet. Bis vor einiger Zeit. die Schulen dur die Opferwilligkeit einzelner Mitbürger und Landgemeinden er⸗ halten. Schon oft hatte der Landtag die Regierung um Bereit stellung finnischer Staatsgelder für die Schulen ersucht. Es wurde aber stets nur ganz wenig bewilligt und erst seit dem. Systemwechsel im Jahre 1905 wurde ein Staats zuschuß gewährt, der die Existenz der Schulen sichert. Es ist aber sehr zweifelhaft,* auf die Dauer wird erhalten bleiben.

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