nd Produktionsgenossenschaft„Vo rruit“. Sie gibt zunächst— er einem riesigen Wandgemälde von N. Sibiriak, das den wirt⸗ baftlichen Kampf und dessen Beseitigung durch den Sozialismus arstellt— eine plastische Wiedergabe ihrer ganzen Anlagen, so gie sie in Gent liegen, wobei sich zeigt, daß die ganze Stadt damit 1 eflüllt ist, sodaß der„Vorruit“ mit Recht von einem„sozialistischen bent“ sprechen kann. Außerdem zeigt er, was er herstellt und was i verkauft. Da findet sich nun alles Notwendige: Kleider, Schuh⸗ garen, Lebensmittel, Möbel usw., jeder Bedarf des Arbeiters, alles 1 guter Herstellung und von sauberstem Aussehen. Das ganze gacht einen sehr guten Eindruck und illustriert trefflich die Bedeu⸗ 1 ung der Konsum⸗ und Produktionsgenossenschaften für den Ar⸗ 1 eiter.
N Die folgenden Abteilungen— soweit sie in diesem Zusammen⸗ unge betrachtet werden sollen— unterscheiden sich von den vorher⸗ gehenden sowohl durch ihren anderen Charakter, wie ihren geringe⸗ en Umfang. Als erste verdienen davon genannt zu werden die ommunalen Prunkgebäude der vier belgischen Hauptstädte Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Gent. Alle vier sind auf einem Platze ver⸗ nigt und zwar so, daß sie mit ihrem winkligen Bau ein Quadrat umschließen; und jedes einzelne ist die Nachbildung eines berühm⸗ en Gebäudes der betreffenden Stadt. Sie enthalten in mehreren großen Parterre⸗Räumen allerlei Interessantes aus der Geschichte und dem gegenwärtigen Leben der vier Städte. So zeigt das Genter Gebäude einen Audienzsaal aus dem Mittelalter, sowie eine Huldigung vor einem Königskind; außerdem Karten, graphische Tabellen und sonstige Darstellungen von seiner Wasserversorgung, N einen Wohnungsbauten usw. Das Lütticher Gebäude enthält nur mehrere altertümliche Zimmer. Die große Hasenstadt Antwerpen befaßt sich natürlich in der Hauptsache damit, über Schiffstypen, ihre Hafenanlagen, Stauwerke usw. zu unterrichten, wobei sie in mehre— ben Modellen die ganze Stadt mit ihren gewaltigen Häfen vorführt. Die eigentliche belgische Hauptstadt endlich, Brüssel, gibt sich bezeich— genderweise ganz sozial, wenn sie auch das Altertum nicht vergißt. Sie sveist vor allem etwas recht Bemerkenswertes auf: in plastischer Darstellung an Beispiel und Gegenbeispiel zu zeigen: wie die Bauern, Bäcker, Fleischer usw. mit den Nahrungsmitteln, die sie verkaufen, umgehen sollen und wie nicht. Das ist nun in aller kraßheit dargestellt, dürfte aber kaum übertrieben sein. Solche Darstellungen sollten nur überall gebracht werden! Weiterhin ist ein ganzer Saal mit Ergebnissen über Untersuchungen von Nah⸗ krungsmitteln vorhanden.
Sonst ist noch zu erwähnen, daß eine besondere Abteilung ganz dem kommunalen Leben belgischer Städte gewidmet ist— meist Modelle, Pläne usw.—, daß die Stadt Gent noch einmal allein eine Abteilung bestreitet zu dem Zweck, um über ihre Haushaltung⸗ und Fortbildungsschule berichten zu können, was durch allerlei Schllerarbeiten geschieht: und daß schließlich die Armee selbst unter. die Aussteller gegangen ist mit einem umfangreichen Arsenal von Wassen, die die ganze Mordtechnik von heute gut illustrieren.
Die Ansteckungsfähigkeit des Syphilis. Die Ansichten über die Ansteckungsfähigkeit der gefürch⸗ teten Krankheit sind in Aerztekreisen noch längst nicht geklärt. so herrscht z. B. durchaus getrennte Meinung darüber, ob das Blut der Syphilitiker, die Milch luetischer Frauen, die beide bei der mikroskopischen Untersuchung gewöhnlich keine Spirochageta pollida(die Erreger der Syphilis) aufweisen, ansteckungsfähig sind. Zur Aufklärung dieser Fragen wer⸗ den viel die Forschungen beitragen, die Geh. Rat Prof. Dr. Uhlenhuth in Gemeinschaft mit Dr. Mulzer vorge— nommen hat, und über deren Ergebnis der Erstgenannte in der Umschau berichtet. 5 AZBaunächst ist durch die Versuche zweifelsfrei die Ueber⸗ hagbarkeit der Syphilis auf Kaninchen, die hier wie⸗ derum als Versuchsobjekte dienen mußten, festgestellt. Seit⸗ dem 1903 Roux und Metschnikoff die Empfänglichkeit des Affen für die menschliche Lues nachgewiesen hatten, war man im allgemeinen der Ansicht, daß diese dem Menschen nahe verwandten Tiere auch die einzigen seien, in denen sich die Spirochaeten fortzüchten ließen. Die beiden obenge— nannten Forscher haben demgegenüber den„erfolg“ reichen
Syphilisbazillen gewissermaßen erst für es zurechtgezücktet werden. Die beiden Aerzte übertrugen spirochaetenhaltege Flüssigkeit aus menschlichen syphilisischen Geschwüren in die Hoden der Tiere, schnitten dann die erkrankten Stellen heraus und übertrugen sie wieder auf neue Tiere usw. Bei dieser Wanderung durch die Kaninchenkörper gewann der Bazillus ständig an Giftigkeit: die Zahl der Impfresultate stieg von 8—25 auf 75—100 Prozent, die Inkubationsdauer verkürzte sich von 8—12 auf 4—6 Wochen. Auch die Schwere der Erkrankungen nahm zu. Es zeigte sich, daß nicht nur an den Impfstellen, sondern auch im Gesamtorganismus die charakteristischen Veränderungen der Syphilis auftraten. Noch mehr war das der Fall bei der Einführung des Giftes in die Blutbahn. Besonders junge, 2—3 Wochen alte Tiere zeigten nach 6—170 Wochen eine Abnahme der Freßlust, Geschwüre an den Nasenöffnungen, den Geschlechts⸗ teilen, den Augenlidrändern, Haarausfall, Entzündung der Bindehaut und Entzündung und Trübung der Hornhaut des Auges. Diese Krankheitserscheinungen heilten entweder ab oder sie führten nach einiger Zeit genau wie beim Menschen zu Rückfällen an bestimmten Körperteilen.
Endlich das wichtigste Ergebnis! Die beiden Forscher spritzten Blut, Blutserum, Samenflüssigkeit, Milch, Urin, Speichel, Schweiß syphilitischer Menschen in die Hoden von Kaninchen und konnten dabei in 83 Prozent aller Fälle eine Ansteckung feststellen. Die obengenannte Frage ist demnach im positiven Sinne beantwortet. Allerdings war die Er- krankung geringer, als bei den künstlich herangezüchteten Virus. Die Ansteckung erfolgte auch dann, wenn der Kranke zur Zeit der Entnahme der Flüssigkeit keine Krankheits- symptome zeigte, also nur latent syphilitisch war. Auch für die Rückenmarksflüssigkeit und die Milch von Frauen, die ein syphilitisches Kind geboren hatten, ohne jemals selbst An⸗ zeichen der Krankheit gegeben zu haben, konnte die An⸗ steckungsfähigkeit festgestellt werden. Auch wenn in der Milch keine Bazillen gefunden werden konnten, wiesen die durch sie erzeugten Hodengeschwüre der Kaninchen ungeheure Mengen von Spirochaeten auf, eine Tatsache, die direkt das Problem der Urzeugung in die Debatte wirft. Jedenfalls müssen die hier gefundenen Resultate zu besonderer Vorsicht bei dem Engagement von Ammen ermahnen.
Aber auch sonst lassen sie die Ansteckungsfähigkeit der Syphilitiker in einem neuen, recht bedenklichen Lichte er⸗ scheinen. Größte Vorsicht im Umgang mit solchen Personen, sobald man Kenntnis von ihrem Leiden hat, ist demnach am Platze. Uebrigens haben die beiden Aerzte auch interessante Untersuchungen über die Heilfähigkeit von Atéxyl, und atoxylsaurem Quecksilber an den Versuchstieren gemacht, die für die Syphilisbehandlung manchen neuen Fingerzeig geben dürften.
Gefrorenes Leben.
Von Dr. A. Lanick.
Die Wissenschaft ist auf dem besten Wege, uns das Staunen überhaupt abzugewöhnen. Ihre Entdeckungen, Fortschritte und Untersuchungen führen zu niegeahnten Ergebnissen. Und was das Beängstigende dabei ist, sie jagen sich, man möchte sagen, von Tag zu Tag. Greift man ein einzelnes Beispiel heraus, die Wunder der Radioaktivität oder die erstaunlichen Erfolge bei der künstlichen Ei⸗ weißherstellung oder die genialen Forschungen unserer Biologen: man könnte in jedem einzelnen Falle in Begeisterung geraten, daß man Zeitgenosse solcher Großtaten des menschlichen Geistes sein darf. Aber der Ueberfluß stumpft ab. Wir sind mit der Zeit daran gewöhnt worden, heute Dinge als selbstverständlich hinzu⸗ nehmen, die gestern noch für unmöglich galten. Wer wird sich da noch wundern, wenn es jetzt sogar gelungen ist, das Leben gefrieren zu lassen, es aufzubewahren und später nach Bedarf wieder zur Tätigkeit zu erwecken? Es mußte ja schließlich soweit kommen.
Dieser neueste Triumph der medizinischen Wissenschaft ist in Amerika errungen worden. Die Amerikaner haben sich eine neue Art zu arbeiten angewöhnt. Nicht mehr mit Reklame und lautem Geschrei, so daß man verfucht ist, von amerikanischem Schwindel zu
5 geführt, daß das Kaninchen sogar ein für die
Philis bejonders empfängliches Tier ist, nur müssen die]
sprechen. Sie arbeiten im stillen, bis sie wirklich etwas geleistet
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