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dem Alkohol zur Last. Einen noch größeren Prozentsatz er⸗ gibt die Statistik der Strafanstaltsverwaltungen. Von den 1909 in den preußischen Zuchthäusern eingelieferten

männlichen Gefangenen waren 26,6 Prozent bei Begehung der Tat betrunken und 15,4 Prozent Ge ewohnheitstrinker.

In Bayern wurde das Verhältnis sogar auf 21,9 Prozent bei

Begehung der Tat Betrunkenen und 28,1 Prozent Gewohn⸗ heitstrinker festgestellt.

Dazu kom die zivilrechtlichen 85 des Säufer⸗ tums. Seit Inkrafttreten des B. G.⸗B., das die Entmün⸗ digung w gen Trunksucht vorsieht, vom 1. Januar 1900 bis 31. Dezember 1910, wurde 10 590 Personen dieses Schicksal zu teil; bei 1324 wurde die Entmündigung wieder aufge hoben. Wie viele Ehen werden durch den Alkohol so zer⸗ rüttet, daß sie auseinanderfallen! Sachsen, das hierüber eine genaue Statistik führt, verzeichnet bei 4,8 Prozent aller Ehescheidu ngen Trunksucht als unmittelbare Ursache. Das ergibt bei einem Satz von nur 4 Prozent für das R zeich auf 15 016 im Jahre 1910 geschiedene Ehen 600 wegen Trunk⸗ sucht geschiedene.

Endlich sei noch die große Rolle erwähnt, die der Alkohol in der Unfallstatistik spielt. Genauere statistische Daten liegen hier nicht vor. Doch hat die Leipziger Orts- krankenkasse in ihrem bekannten Werke festgestellt, daß die Unfallhäufigkeit und die Dauer der Unfallfolgen bei den Alkoholikern viermal so groß sind, als bei der Allgemeinheit. Halten wir uns vor Augen, daß in Deutschland 300 000 bis 400 000 Trunksüchtige existieren, so werden wir begreifen, daß ein sehr großer Teil der 132064 entschädigungspflich⸗ tigen Unfälle und 22 978 tödlichen Unfälle, die beispielsweise im Jahre 1910 festgestellt wurden, dem Alkohol zur Last zu setzen sind.

Ziehen wir das Fazit: Das deutsche Volk gibt jährlich 3505 Millionen Mark für geistige Getränke aus: dreieinhalb- mal so viel für die ganze Arbeiterversicherung. 40 000 Per⸗ sonen bepölkern alljährlich Kranken- und Irrenhäuser, die sich ihr Leiden durch ihre Vorliebe für den Alkohol zugezogen haben. Weitere 34300 sterben, bei denen die Trunksucht die direkte oder indirekte Ursache des Todes war. 53 800 büßen ihre Schwäche hinter Gefängnis: und Zuchthausmauern. Rund 1000 Entmündigungen, 600 geschiedene Ehen stehen weiter alljährlich auf dem Schuldkonto des Unheilbringers. Endlich unzählige Unfälle, die den Betroffenen ihre gesunden Glieder oder gar das Leben kosten. Dazu die ganze Fülle des statistisch nicht erfaßbaren Elends, der Einbuße an In⸗ telligenz, Familienglück, Wohlbehagen, edler Gesinnung usw. Wer würde angesichts dieser Tatsachen nicht bereit sein, den Kampf gegen diesen Erbfeind der Menschheit, der vielleicht ihr größtes Hemmnis bei dem Aufstieg zu besseren, freieren Zuständen bildet, mit aller Kraft aufzunehmen.

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Die Genter Weltausstellung. II. Die belgische Abteilung.

Der Vorrang in bezug auf die Folge bei der näheren Prüfung der einzelnen Abteilungen gebührt zweisellos Belgien: nicht nur deshalb, weil es das die Ausstellung veranstaltende Land selbst ist, sondern auch, weil es durch eben diesen Umstand veranlaßt und begünstig den weitaus größten Raum unter allen ausstellenden Dualen für lich in Anspruch genommen hat. Umfaßt doch seine

Abteilung nicht weniger als 14 besondere Hallen und sonstige Bau⸗ lichkeiten, von e etwa die Hälfte je ebenso groß sein dürfte, wie die der übrigen größten! nämlich Frankreich das frei lich als einzige Ausnahme die Hallen besetzt hat, England und

5 Deutschland.

Aussteller,

Gleich die erste teristischen Seiten. Fülle von Gold

Halle zeigt Belgien von einer seiner charak⸗ Sie bietet dem staunenden Auge eine unendliche uckgegenstände der verschiedensten Ar für die Bourgeoiswohnung, Trink⸗ gefäße usw. umfassen ne riesig große Auswahl von Spitzen für jeden nur mögli lichen zweck, von deren Fülle man gewöhnlich gar keine Ahnung hat, und ch, welchen Reichtum an kunst⸗ vollen Töpfereien das belgische Land hervorbringt, ein Reichtum, der sich nicht zuletzt auf die seinen Formen, die prächtigen Ver⸗

die Schm

und Silbersachen dar, duxusartikel

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zierungen usw. der Gegenstände meist Vasen, Krüge und sonstige Gefäße erstreckt. Daneben tritt hier Belgien mit seiner Teppich⸗ weberei und seiner Kunststickerei hervor, für deren Güte es mit prächtigen Bannern, kunstvollen Gebrauchsgegenständen und dergleichen beredtes Zeugnis ablegt. Sonst ist aus dieser Halle noch bemerkenswert, daß hier schon ein Versuch gemacht wird, der sich in anderen Hallen wiederholt: be⸗ stimmte Produktlonsart direkt von Menschen oder Figuren vor⸗ führen zu lassen. So wird die Herstellung von Handschuhen, künst⸗ lichen Blumen, Spitzen, Teppichen usw., ja sogar das Schleifen von Diamanten, gezeigt. Außerdem hat sich die Haushaltungsschule eines Klosters aufgetan, die junge Mädchen aus dem Volke dabei zeigt, wie sie unter Anleitung und Aussicht barmherziger Schwestern nähen, bügeln, kochen, überhaupt alle Hausarbeiten verrichten.

Die zweite Halle ist ganz der Textilindustrie gewidmet. Da wird zuerst wieder eine ungeheuere Fülle von gewebten Stoffen, Garnen und allem dem anderen gezeigt, was man so gemeinhin zu dieser Industrie rechnet. Dann aber wird hier die Herstellung der Textilwaren sowohl, wie auch deren letzte Verwendung in kostbaren Toiletten vorgeführt, und zwar auf eine Art, die etwas Wunder⸗ bares darstellt. Die Textilsabrikation zunächst kann man sehen bei der Verarbeitung der Baumwolle und des Leinens. Recht efsekt⸗ volle Dioramen mit sehr natürlichen menschlichen Gestalten, Ge⸗ räten, Maschinen usw. begleiten sie von dem Ernten des Roh⸗ materials an, über die verschiedenen Fabrikationsprozesse bis zur Fertigstellung des der Verarbeitung harrenden Tuches. Die Vor⸗ führung der Toiletten dann bietet aber noch Sehenswerteres. Da werden dieBesten der Gesellschaft beiderlei Geschlechts hauptsächlich aber die Damen in allen den vielen Toiletten dar⸗ gestellt, die dem Sprachgebrauch nach zum Leben in diesen Kreisen unentbehrlich sein sollen, vom Negligee an bis zur kostbarsten Robe, vom legeren Rock bis zum eleganten Staatssrack. So sehr das nun auch aufreizend sein kann, so wenig wird man sein Auge ver⸗ schließen können vor der Pracht, den diese Toiletten bieten, vor dem feinen, ja, raffinierten Geschmack, dem sie ihre Entstehung verdanken, und vor dem ungeheuren Kunstfleiß, der sie geschassen hat. Nur wird man auch gleich hinzusetzen müssen, daß so etwas nur fran⸗ zösischer Esprit zu schaffen und zu tragen vermag. Das übrige dleser Halle bietet alles verwöhnten Frauengeschmack zu genügen.

Die dritte Halle weist ein viel bunteres Gepräge auf. Sie ist gefüllt vorerst mit Herstellungsmaschinen und Produkten der Genußmittelbranche. Davon wieder nimmt den meisten Raum die Vier- und Weinbereitung ein, die in unzählig vielen Maschinen und Apparaten, sogar mit einer ganzen Filtrieranlage vertreten ist. Danach folgt die Schokoladefabrikation, die auf sast ebenso umsang⸗ reichem Raum die Herstellung dieser köstlichen Waren teils selbst zeigt durch große Maschinenanlagen teils diese Waren in ver⸗ lockender Auswahl vorlegt. Den Abschluß zu diesem gibt eine Ab⸗ teilung von Bonbons, Cales, Tee, Kassee und Wein. Dann solgt die Industrie der Leucht- und Heizkörper, die vor allem bemerkens⸗ wert hervortritt durch kunstvolle Gasöfen und Kamine, durch Babe⸗ einrichtungen, Kesselanlagen usw. Weiterhin ist das Kunstgewerbe sehr gut vertreten: es zeigt an einer Anzahl Wohnungseinrich⸗ tungen, wie sehr es nach neuen Ausdrucksmitteln strebt, nur daß uns Deutsche diese Formen etwas sonderlich anmuten. Bemerkens⸗

wert ist noch eine Abteilung der Sportvereine, die zwar nichts vorweisen können, die aber

weiter wie ihre Preise, damit zeigen,

Diplome usw. eine wie große Achtung sie genießen. bildet etwas noch Charakteristischeres für Belgien: kirchlicher in diesem Falle klerikaler Kunst. ihrer ganzen Mannigfaltigkeit, dienstlichen Räumen, mit Geräten und Schmuckstlcken der verschie⸗ densten Art aus Metall, Glas, Holz, Stoff usw., Kirchenportal ist ausgestellt. Natürlich weist alles den ole, schon lange zur Schablone gewordenen Charakter auf.

Die vierte Halle zeigt sich noch bunter als die dritte. In ur machen die verschiedenartigsten Maschinen des Buchbrndgenes den Anfang, von denen namentlich die für das Reproduktionsver⸗ sahren interessieren.

Den Schluß

Sie zeigt sich in

von medizinischen Apparaten, von Musikapparaten usw., die reichhaltig ist, eine von Automobilen und Kutschen, von g möbeln und was dergleichen Dinge mehr sind, die natürlich nicht alle aufgeführt werden können. Uns interessiert in dieser

vor allem eius: eine Ausstellung der berühmten Genter K

das, was sonst noch dazu gehört, um einem

eine Ausstellung

Wandbekleidungen, kirchlichen

nämlich mit vollständigen gottes⸗

ja, sogar ein

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Nach ihnen folgt eine Ausstellung der Lütticher Waffenfabrikation, hauptsächlich durch Schußwaffen vertreten; eine

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