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einzutreten, ergriff die Polizei die sozialdemokratische Organi⸗
zu ihrer Vernichtung boten, solange trat. Damit wird nun freilich nicht etwa die alte Jeremiade Konfliktszeit dem Fortschritt in den Rücken gefallen und
Aufstand der fortschrittlichen Bourgeoisie scheiterte ausschließlich an seiner eigenen Jämmerlichkeit. Das
besonnene sozialistische Propaganda als furchtbare Umsturz⸗ genügte plötzlich nicht einmal die Vereinsverordnung von 1850
ließ, und man brauchte ein Ausnahmegesetz, um die staats⸗ gefährliche Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei zu unter⸗
lich“. Erst als J B. von Schweitzer und der Allgemeine Deutsche Arbeiter⸗Verein aus ihrer Opposition gegen die Fortschrittspartei dazu übergingen, in einer gemeinsamen Sache politischer Freiheit für die rebellierende Bourgeoisie
sation und ihr Parteiblatt beim Genick.
Mit anderen Worten: es liegt hier das polizeiliche Be⸗ enntnis vor, daß die Regierung in der Tat die sozialistische Tätigkeit begünstigte, obwohl sich ihr gesetzliche Handhaben sie in der Konfliktszeit gegen die Fortschrittspartei wirkte, daß sie aber in demselben Augenblick die Schlinge zuzog, als die Sozialdemokratie, wenn auch nur vorübergehend, auf die Seite der Fortschrittspartei
der Liberalen gerechtfertigt, daß die Sozialdemokratie in der im Kampf gegen das Junkertum so ihn geschädigt habe; denn der gegen Bismarck
andere aber steht nunmehr fest, daß Regierung und Polizei in den ersten Jahren die eigentliche sozialistische Propaganda be— günstigt hat und sie für durchaus besonnen und gesetzlich hielt, solange man nämlich glaubte, die sozialistische Arbeiter— bewegung zur Niederwerfung der liberalen Bourgeoisie be— nutzen zu können.
Ein Jahrzehnt später erscheint dann diese gesetzliche und
gefahr, die mit Gewalt niedergeschlagen werden muß. Jetzt
mehr, die man bis 1865 doch sogar stillschweigens übertreten
drücken. Wir erkennen auch hier durch das unzweideutige Ge⸗ ständnis der Polizeiverwaltung, daß die Attentate von 1878 nicht die Ursache, sondern nur der nichtnutzige Vorwand des Sozialistengesetzes gewesen sind. Wir lernen aus diesem Be— richt die polizeiliche Ergänzung zur Politik Bismarcks kennen. Bismarck bedurfte des Sozialistengesetzes, um durch den roten Schrecken die Liberalen zu unterdrücken und die Umkehr der Wirtschaftspolitik zu ermöglichen. Die Polizei aber wollte längst die sozialistische Bewegung als solche abwürgen, und da die alte preußische Vereinsverordnung nicht die gesetzlichen Handhaben bot, mußte eben ungesetzlich vorgegangen werden, und um die Ungesetzlichkeit zu decken, forderte die Polizei das Ausnahmegesetz— längst vor den Attentaten!
Ein unbekannter Brief Ferdinand Lassalles. Ein historisches Aktenstück zur Erinnerung an die Gründung : des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Ferdinand Lassalle hatte den Organisationsentwurf zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins auch an den ihm aus der rheinischen Arbeiterbewegung von 1848 und ganz besonders aus dem Kölner Kommunistenprozesse von 1852 her bekannten Zigarrenarbeiter Peter Gerhard Roeser in Mülheim am Rhein gesandt. Roeser hatte dann den Entwurf mit Kölner und Solinger alten Freunden einer Beratung unterzogen, wobei sie zu der Ueberzeugung ge— langten, daß die Leitung nicht in die Hand eines allzu mächtigen Präsidenten gelegt werden dürfte, weil dieses nicht allein undemokratisch, sondern auch für die Entwicklung des Vereins unpraktisch sei und sehr bald zu Entzweiungen führen müsse. Wenn Lassalle überhaupt nicht selbst das Ruder führen könne, werde er ganz sicher in den Verein nicht ein⸗ treten. Roeser kannte Lassalle durch und durch und wurde daher beauftragt, ihm brieflich über die gepflogenen Be⸗ ratungen unumwundene Mitteilung zu machen, was auch geschah. Lassalle, der den Einfluß des alten Kämpfers und Märtyrers der Arbeitersache zu würdigen wußte, ant⸗ wortete ihm ausführlich in folgenden Worten: „Lieber Roeser, auf Ihre Zuschrift dienen zur Antwort, 1. daß die Statuten nicht von mir verfaßt sind, sondern hier vom Oberbürgermeister Ziegler, ich sie vor dem Drucke zwar genehmigt, hier und da abgeändert und vorläufig gebilligt habe, aber selbst am 23. manche Aenderung noch beantragen werde;
ist. Sonst wird der Verein sofort von Bourgois überflutet und ez ist ein Bourgois⸗Verein unter dem Namen eines Arbeitervereius. Dies muß durchaus vermieden werden, sonst unterbleibt der Ver⸗ ein besser ganz. Es gibt aber nicht leicht ein anderes Mitte“L es 2 vermeiden, denn objektiv festsetzen: wer Arbeiter ist und wer N wäre sehr schwierig und könnte überdies wieder sehr tüchtige Ele⸗ mente ausschließen.(Vielleicht kann man eine Klasse außerordent— licher Mitglieder, ohne Stimmrecht, anlegen. Aber in bezug auf die ordentlichen muß es immer bei der Bestimmung bleiben.) Da⸗ rüber bin ich sowohl wie Rodbertus ganz fest entschlossen. Sonst arbeiten wir nur den Gegnern in die Hände.
3. Die Dauer des Präsidiums betrachte ich als offene Frage ebensogut 5, wie 4 oder 3 Jahre. Obschon ich nicht glaube, daß man zu 3 Fahren leicht einen sehr tüchtigen Mann finden wird. Denn es ist natürlich, daß der Erste die meiste Qual hat, um die ganze Sache einzurichten und es denkt nicht jeder so, daß er sich ab⸗ 1 9 85 um alle Resultate davon seinen Nachfolgern zu über⸗ assen.
4. Wer auch Präsident sei, die Präsidialgewalt muß so diktato⸗ risch als möglich organisiert sein. Sonst ist nichts vorwärts zu bringen. Die individuelle Vielschwätzerei wollen wir den Bour⸗ gois überlassen. Wenn der Arbeiter, und zwar sogar alte und gute Arbeiter wie Sie noch nicht so weit ist, dies einzusehen und zu begreifen, daß seine Angelegenheiten nur durch energische Diktalur vorwärts gebracht werden können, dann ist's noch zu früh.
5. Sie würden erstaunlich irren, wenn Sie glaubten, daß ich mich danach sehnte, Präsident des Vereins zu werden. Wenn ich die Wahl annehme, so würde ich glauben, den Arbeitern das aller⸗ größte Opfer zu bringen, ein noch größeres sogar, als ich ihnen jetzt dadurch gebracht habe, daß ich das wütige Schreien und Be⸗ schimpfen der ganzen deutschen Presse auf mich genommen habe. Ich bin vielmehr noch keineswegs entschlossen, wenn ich gewählt werde, anzunehmen, gedenke das vielmehr von der Zahl der Ar⸗ beiter abhängen zu lassen. Ist diese nicht beträchtlich, so kann ich der Sache der Arbeiter viel besser auf andere Weise nützen, als durch die Annahme des Präsidiums, durch welche meine ganze Zeit okkupiert und jeder wissenschaftlichen Tätigkeit fast entzogen wird
Wenn aber auch die Zahl beträchtlich geuug ist, um mich zur Annahme zu bestimmen, so würde ich es doch nur dann tun, wenn die Entscheidung, ob einer Arbeiter ist oder nicht, wo dies streitig wird, in meiner Hand liegt, die Wahl auf mindestens 3 Jahre ge⸗ schieht und die Befugnisse so diktorial als möglich sind.
Wenn nicht, kann ich Euch weit mehr in anderer Weise nützen
Dies zur Antwort mit bestem Gruß, eiligst
Berlin, 12. 5. 63. F. Lassalle.“
Roeser war im Rechte, als er sich gegen das in der Person eines allmächtigen Präsidenten verkörperte Regiment aus⸗ sprach, was sehr bald, namentlich nach dem Tode Lassalles, als es an einer Persönlichkeit im Sinne des großen Agitators mangelte, in die Erscheinung trat. Erst die demokratische Organisatoin, die später geschaffen wurde und geschaffen wer⸗ den mußte, in der alle Kräfte sich mit⸗ und nebeneinander
geltend machen können, hat die deutsche Sozialdemokratie vor ferneren größeren Spaltungen bewahrt und ihre Entwicklung immer mehr gesteigert.
Die Bedürfnislssigleit.
„Ihr deutschen Arbeiter seid merkwürdige Leute! Vor franzö⸗ sischen und englischen Arbeitern, da müßte man plädieren, wie man ihrer traurigen Lage abhelfen könne, euch aber muß man vorher noch beweisen, daß ihr in einer traurigen Lage seid. Solange ihr noch ein Stück schlechte Wurst habt und ein Glas Vier, merkt ihr das gar nicht und wißt gar nicht, daß euchetwas fehlt. Das kommt aber von eurer verdammten Bebürfnislosig⸗ E
Lassalle auf dem Arbeitertag in Frank⸗
furt a. M. am 17. Mai 1863. Aus den politischen Aussätzen 1863—64. ist das größte Unglück für ein Volk? Wenn es keine Bedürfnisse hat. Denn diese sind der Stachel seiner Ent⸗ wicklung und Kultur. Darum ist der neapolitanische Lazarone so weit zurück in der Kultur, weil er keine Bedürfnisse hat, weil er zu⸗ frieden sich ausstreckt und in der Sonne sich wärmt, wenn er eine Handvoll Makkaroni erworben. Warum ist der russische Kosak so weit zurück in der Kultur? Weil er Talglichte frißt und froh ist, wenn er sich in schlechtem Fusel berauscht. Möglichst viel Be⸗ dürfnisse haben, aber sie auf ehrliche und anständige Weise befriedigen— das ist die Tugend der heutigen, der nationalökonomischen Zeit!
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Bei den politischen Kämpfen handelt es sich vor allem darum, die
Welches
2. daß der Punkt: Präsident und Vorstand müssen entscheiden Lönnen, wer Arbeiter ist im Sinne des Vereins, absolut notwendig
Indifferenten zu gew innen und zu erbittern, möglichst


