wicklung und den Stand des modernen Eisenbahnwesens. Ein modernes Dorf(village moderne) zeigt die halbwegs muster⸗ giltige Anlage einer Kleinstadt, ohne jedoch etwas Neues zu bieten. Eine größere Abteilung(Quartiere la vielle Flandre) bietet einen interessanten Ausschnitt Alt Ein Cinéma ver⸗
de AI
Flanderns.
quschaul icht die döhe der Entwicklung kinematographischer Dar⸗ stellungen. Ganz selbstverständlich fehlt der Weltausstellung auch
nicht der obligate Vergullgungspark, der allerdings völlig getrennt von den Ausstellungsgebänden liegt. Reichlich schreiende Schilder laden zum Besuch der„Attraktions“ ein, den man natürlich ohne irgendwelche Gefahr getrost unterlassen kann, wenn man nicht das „Palais des Floralies“ das mitten im Vergnügungspark liegt, be⸗ suchen will. In diesem Palast zeigt Gent einen Teil seines un⸗ erreichten Gewerbes. Gent ist, was wir schon betonten, die Stadt der Blumenzucht. Die Genter Orchideen haben Weltruf. Auf einem Flächen raum von 20600 Quadratmetern(der vierte Teil ent⸗ fällt auf Treibhäuser) sind die seltensten und schönsten Blumen und Pflanzen der ganzen Welt ausgestellt. Die Pracht dieser Blumen ist in der Tat fast überwältigend. Die Blumenausstellung läßt dunkel ahnen, welch gewaltige Summen in allen Ländern alljährlich für solchen Blumenschmuck verschwendet werden.
Von belanglosen Nebensächlichkeiten abgesehen dürfte damit das wesentliche der Genter Weltausstellung besprochen sein. Die Genter Weltausstellung ist im übrigen natsrlich nicht frei von all den üblen Begleiterscheinungen, die solche Veranstaltungen auszeichnen. Die Spekulationswut hat auch in Gent toll gewlltet. Man hat einen neuen Bahnhof gebaut, durch den die Grundstückspreise in bisher nicht aufgeschlossener Gegend eine fabelhafte Höhe erreicht haben, die die sichere Gewähr für einen gewaltigen Rlickschlag in sich schließen. Wenn die Veranstalter das Fazit ziehen, so werden sie sicherlich etliche Millionen zulegen müssen. Andererseits hat die Ausstellung natürlich nicht nur viele Menschen, sondern auch reich⸗ lich Geld nach Gent gebracht. Belgien selbst entwickelt sich allmählich zu dem Lande der Weltausstellungen. Innerhalb 8 Jahren hat es drei Weltausstellungen gehabt. Die letzten drei Jahre boten derer zwei, Brlissel und Gent. Und schon rüsten Antwerpen und Lüttich zu Vorarbeiten für neue Ausstellungen. Das wird auf die Dauer etwas zu reichlich, zumal die Vergangenheit des Guten schon zuviel getan hat. Der Wert dieser Veranstaltungen wird immer zweisel⸗ hafter, die Ausstellungsparaden selbst etwas Schreckliches. Außer⸗ dem llegt in ihnen zum Teil eine unnötige finanzielle Belastung der Aussteller bezw. der Industrie. Es wurde auch in Gent kaum etwas Neues geboten. Die Ausstellungen sind in ihrer raschen Folge nicht mehr als eine Repetition. Wer Brüssel sah, hätte sich Gent schenken können und wer in Gent war, wird wahrscheinlich nichts versäumen, wenn er den Ausstellungen zu Lülttich und Antwerpen fern bleibt. Auf der Höhe der Industrie⸗Ausstellung von 1002 in Düsseldorf hat sich Gent auch keineswegs bewegt.
Eine Reise nach Gent wird man unternommen haben. Neben Gent bietet Belgien soviel des Sehens werten und Interessanten an Städten und Kunstwerken, daß eine solche Reise bei den bequemen und billigen Eisenbahnverhältnissen, die auch dem Minderbemittelten möglich ist, immer eine angenehme und bildende Abwechselung bedeutet. Auch die gewaltige Industrie Belgiens und seine Arbeiterbewegung bieten dem modernen Ar⸗ beiter Gelegenheit, seinen Gesichtskreis zu erweitern. Und schließ⸗ lich zeigen die Weltausstellungen in konzentrierter Form alle mög⸗ lichen kulturellen Errungenschaften und Annehmlichkeiten Lebens. Beides zwingt Vergleiche auf und beides zeigt dem Arbeiter zugleich, wie gering sein Anteil an den Kulturgsftern dieser Welt ist. So wird ihn denn das Gesehene anspornen eingedenk zu sein, welch große Aufgabe ihm zu erfüllen noch bevorsteht.
deshalb doch nicht
dieses
Aus unserer Sammelmappe.
Zu dem wichtigen Problem von Anpassung und Auslese hat Dr. Kammerer einen interessanten Beitrag durch feine Jorschungen Über die Veränderung der Hautfarbe von Salamandern
unter dem Einfluß der Umgebung geliefert. Die alte Lamarkksche Aufsfassung, daß sich die Organismen durch Anpassung an die Um⸗ gebung verändern, war seinerzeit sast völlig verdrängt worden durch die Darwinsche, die besagt, daß diese Veränderung durch natürliche Auslese zustande kommt, indem Tiere, die infolge irgend einer körperlichen Besonderheit besser an ihre Umgebung angepaßt sind als andere, erhalten bleiben, und so ihre Eigenschaften auf ihre Nachkommen vererben können.
Zweifellos ist diese Erklärung, die neuerdings durch die Mutationstheorie von de Vries ergänzt wurde, in den weitaus meisten Fällen die richtige. Daß indessen auch wirkliche Anpassungs⸗ veränderungen vorkommen, haben die Experimente Kammerers er⸗ wiesen, über die er in der Umschau berichtet. K. hielt schwarz und
gelb gefleckte Salamander einmal auf schwarzem und einmal an gelbem Boden und konnte beobachten, daß auf dem gelben Boden die gelben Flecke im Laufe der Jahre sich stark vergrößerten, während sie auf dem schwarzen fast völlig verschwanden. Daß es sich dabel um keine Schutzanpassung nach Art der beim Chamäleon ung einigen Fischen vorkommenden handelt, welche Tiere binnen wenigen Minuten ihre Farbe ändern, liegt auf der Hand. Denn dlese An⸗ passung ist eben nur eine vorlbergehende, die dadurch zustande kommt, daß die die betreffenden Farbkörner enthaltenen Zellen sich unter dem Einfluß der Umgebung zufammenziehen oder ausdehnen,
während beim Salamander die Umfärbung dauerhaft ist und wirk⸗
lich auf einer Zunahme der betreffenden Jarblörner beruht. Ebenso
muß die Vermutung ausscheiden, daß es sich nur um Lichtwirkungen
handelt, sonst müßte reines Weiß z. B. eine noch viel stärkerg Wirkung haben als Gelb; tatsächlich blieben unter seiner Wirkung, ebenso unter der aller anderen Farben, die Flecken der Tiere voll kommen unverändert.
Dagegen konnte K. allerdings noch eine Einwirkung der Feuchtigkeit seststellen. Auf feuchtem Boden nämlich bildeten sich auch im schwarzen Bereich allmählich kleine Punktflecken, während umgekehrt die auf trockenem Boden gehaltenen Tlere inmitten der großen gelben Flecke schwarze Pünktchen, die also dle gelbe Farbe verdüsterten, bekamen. Dabel zeigte sich der Unter⸗ schied, daß die Wirkung der Farbe von der Vermittlung durch daß Auge abhing: geblendete Tiere zeigten keine Reaktion, während die Wirkung der Feuchtigkeit auch ohne Augen zustande kam.
Weitere Beobachtungen brachten nun eine Erklärung der inter⸗ essauten Erscheinungen, die bewiesen, daß dieser langsame und dauerhafte Farbwechsel in seiner Entstehung nicht so grundsätzlich von dem oben erwähnten rascheren und vorllbergehenden ver⸗ schieden ist, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte. Bei den jungen Salamandern nämlich konnte K. beobachten, wie die von gelbem Lichte getrossenen, mit gelbem Farbstoff gefüllten Zellen sich ausdehnten, während die schwarzen sich zusammenzogen. dunkler Unterlage trat der entgegengesetzte Vorgang ein. Dle länger ausgedehnten Zellen aber zersielen rascher als die zusammen⸗ gezogenen, d. h. sie spalteten und verdoppelten sich. Blieb also die Wirkung der einen Farbe eine dauernde, so zerfielen und ver⸗ mehrten sich immer wieder die Zellen einer Farbe und diese ge⸗ wannen dadurch an Ausdehnung gegenüber der anderen. Do setzte
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sich der plötzliche Bewegungssarbwechsel in einen dauernden Ges
staltungsfarbwechsel Die Wirkung der Feuchtigkeit endlich findet ihre Erklärung in der Tatsache, daß unter sonst gleichen Be⸗ dingungen die gelbe Farbe wasserreicher ist. Kammerer hält es für mehr als wahrscheinlic, sogenannten Deckfarben, wie sie beim Löwen, der Gazelle, dem Eisbär, dem Hasen usw. anzutreffen sind, auf gleichem Wege ente standen sind wie bei seinen Versuchssalamandern. Millionen. Wir leben im Zeitalter der Millionen. Gehirn muß mit ganz anderen, viel größeren Zahlen rechnen alt in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden. In der Wissen⸗ schaft ist es vor allem klar, wie sehr z. B. in Astronomie daß Jern⸗ rohr den Schatz des menschlichen Geistes an Millionen- sa Millsar⸗ denwerten bereichert hat. Der Weg von uns bis zur Sonne betrigt 150 Milltonen Kilometer. Eine Kanonenkugel, die mit 600 Meier Geschwindigkeit in der Sekunde aus dem Geschützrohr saust, wilde erst in mehr als 48 Jahren die Sonne erreichen! Bis zum aller⸗ nächsten Fixsterne aber, die den Nachthimmel der Erde zu Tausen⸗ den und Abertausenden zieren, sind es 30 Billionen Kilometer. Die Geschlitztugel flöge an 10 Millionen Jahre! Der Lichtstrahl ist das unbegreiflich Schnellste, das wir kennen. In jeder Sekunde blitht er 300 000 Kilometer weit durch den Raum. Von der Sonne gur Erde braucht er etwa n 8 Minuten, zu jenem„nächsten“ Fixstern aber 4% Jahre! Nur wenn wir die Entfernungen der Sterne nach der „Lichtzeit“ bemessen, ist es uns Jahren auszudrücken. Der glänzende Stern Sirius ist 8,0„Licht⸗ jahre“ von uns entsernt, der Polarstern 40,8 Lichtjahre, und der milde Schimmer von jenen Willlonen schwächster Sterne, die die ⸗Milchstraße“ bilden, der heute in unser Auge gelangt, hat eine Reise im Weltraum von Tausenden von Jahren hinter sich, a
um.
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daß viele der
Unser
möglich, ihren Abstand von uns in


