Ausgabe 
25.11.1913
 
Einzelbild herunterladen

ds der daß auf

E

keine mechanische Wirksamkeit, sind auch als Sauerstoff- und Kohlensäurebildner zu bedeutungslos.

Sogar als Stickstoffbildner bereiteten sie den Boden⸗

chern eine Ueberraschung. Die Vorgänge im Labo⸗ ratorium verliefen anders als in der freien Natur. Der Stick⸗ stoffumsatz im natürlichen Boden war viel kräftiger als in der Retorte, mit der man alle natürlichen Vorgänge im Boden nachahmen zu können glaubte. Es war also nachgerade recht fühlbar geworden, daß man irgendein wichtiges Glied in der Kette der Vodenvorgänge noch nicht kannte.

Dieses fehlende Kettenglied scheint nun durch die Ar- beiten im Biologischen Institut München entdeckt zu sein, über die dessen Leiter R. H. Francs soeben in einem lang⸗ jährige Untersuchungen und Versuche zusammenfassenden größeren Werk berichtet.

Francs bezeichnet darin dieses fehlende Bindeglied als Edaphon(die im Erdboden hausende Lebewelt) und versteht darunter etwa 120 verschiedene Formen von Tieren und

den, Pflanzen, die er in allgemeiner Verbreitung in allen Acker⸗ sih böden, in Wald⸗ und Wiesenerde, in Gärten, sogar in Blumen. rd. topferde in ganz Europa von den Tiefebenen bis zu den Lat, Grenzen des Pflanzenlebens in den Alpen gefunden hat. io. Es sind darunter, als die drei Hauptgruppen: die Wurzel 1 füßler, die Spalt⸗ und die Kieselalgen. Alles mikroskopisch bb kleine pflanzliche und tierische. Lebewesen, die teils unmitktel⸗ ae N bar die in der Bodenluft befindlichen Gase verarbeiten und f Sguerstoff produzieren, teils durch ihre Atmung Kohlensäur 12 abgeben, vor allem aber, soweit sie tierisch leben, Stickstoff il Ffubstanz verzehren, mit ihrem Körper aber auch den Boden deen mit Stickstoff anreichern und ihn, angesichts dessen, daß meist of ein hundert, oft aber mehrere hundert von ihnen auf einen Millimeter gehen, in die allerfeinsten Körnchen zerlösen, aber chen guch, weil sie alle(auch die Pflanzen!) beweglich sind, un 0 unterbrochen auf das feinste durchpflügen. a Das Edaphon entspricht also den Anforderungen der 004 Krümelbildung, der feinsten Lösung, Durchlüftung und des Stickstoffwechsels, die man bisher nicht befriedigend erklären ngen lonnte. Und da diese merkwürdigen Erdlebewesen, zu denen fel sich auch noch allerlei interessante winzige Rädertiere, Bär haut 0 tierchen und Fadenwürmer sowie auch unterirdisch lebende den Erdpilze gesellen, in so großer Anzahl finden, daß Francs fan angibt, es lebten in gutem Ackerboden 50 000100 000 im och N Kubikzentimeter Erde, im Waldhumus sogar bis 150 000 im lite 1 gleichen halben Fingerhut Erde, so bewahrheitet sich auch hier de 0 wieder der alte Spruch, daß die Natur ihren kleinsten Ge⸗ 1 schöpfen durch die Zahl das vielfach ersetze, was ihnen an e Kraft des einzelnen abgeht. an 5 Man wird zugeben müssen, daß solche lebendige Massen n n im Erdboden dessen chemische und physikalische Eigenschaften Sb auf das nachhaltigste beeinflussen müssen. Und daß von ihnen 115 die Fruchtbarkeit der Aecker wirklich in hervorragendem Maße abhängt, geht aus den Versuchen im Münchener In

1 1% b,

ten, 0 9 gell, 0 men die 9 1 dn ll.

stitut hervor, die zeigten, daß Düngung die Menge des Eda phons vermehrt, wie sich überhaupt ergab, daß diese an sich schon sehr interessante und überaus merkwürdige unter⸗ irdische Tier⸗ und Pflanzenwelt in dem Maße reichlicher vor handen und besser entwickelt sei, als der Boden fruchtbar ist. g Eine Unmenge der wichtigsten und forstlandwirtschaft lichen, aber auch geologischen und sonst wissenschaftlichen Fragen scheint durch diese Untersuchungen angeregt oder besseren Lösungen nahe gebracht zu werden und die Hoffnung erwacht, daß dem wissenschaftlichen Fortschritt hier auch bald braktische Vorteile nachfolgen werden, die eine bessere Boden rente und dadurch erleichterte Volksernährung zur Folge haben. Denn in letzter Hinsicht ist es trotz aller industriellen

0 Fortschritte doch die Fruchtbarkeit der Länder, auf denen alle

Kultur beruht.

3

Arbeiten aus dem Biologise

R. France, Das Edaphon. 1 Verlag der Deutschen

Autitut, München. Nr. 2. Minchen 1913. 8 Gesellschaft. 3 n

Die Genter Weltausstellung. V

Kanada Die Kongohalle. Schlußbetrachtung.

Besondere Erwähnung verdient schließlich noch die Ausstellung von Kanada. Diese Abteilung ist sicherlich nicht nur als Werbe⸗ ausstellung gedacht, sondern sie ist es auch im wahrsten Sinne des Wortes. Die gewaltige Entwicklung Kanadas wird in der großen Halle durch die verschiedenartigsten Darbietungen trefflich illu⸗ striert. Große Dioramen wechseln mit Bildern ab. Die Produkte des Landes, Getreide und Obst aller Sorten, wird in natura vor⸗ gefiihrt. Tabellen veranschaulichen den großen Aufschwung, den das Land in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Die Bevölke⸗ rung Kanadas, die in den achtziger Jahren etwa 4 Millionen be⸗ trug, ist auf 7% Millionen gestiegen. Die Weizenernte betrug vor 30 Jahren etwa 30 Millionen Kilogramm, im Jahre 1912 stellte ste sich auf zirka 200 Millionen Kilogramm. Der Wert der Aus⸗ fuhr stieg in den letzten 10 Jahren von 400 Millionen Mark auf 1260 Millionen Mark, die Einfuhr in der gleichen Zeit von 480 Millionen Mark auf 2240 Millionen. In dem gleichen Rahmen bewegt sich die Entwicklung der Haferernte, die Förderung von Mineralien, der Ausbau der Eisenbahnen, die Einnahmen der Post und der Staatsbahnen. Das alles demonstrieren übersichtliche 2 sche Darstellungen zeigen andererseits, welch un⸗ die Landwirtschaft in Kanada fähig ist. in dem großen Laude harren noch der Auf⸗ t kann die Ergiebigkeit Kanadas noch in Die Aussteller nennen Land der Zukunft. ist dies unzweifelhaft richtig. Die Kanada⸗ chem Maße, wenn auch nicht aufdringlich,

Auswanderung. Hierzu muß sogar diefrei⸗ heitliche Verfassung des Landes herhalten. Es ist sicher auch hier nicht alles Gold, was glänzt, aber selbst der objektive, kritische Beobachter wird sich der Einsicht nicht verschließen können, daß sich fleißige und erfahrene Kleinbauern mit Erfolg in Kanada werden ansiedeln können.

Natürlich durfte auf der Belgischen Welta Ausstellung nicht fehlen. In demPalai

1

icht 21 11 20 5 nicht zu ahne

In gewissem Sinne Abteilung macht in Propaganda für die

sstellung eine Kongo⸗ Colonial ist eine igreiche Ausstellung des Kongo⸗Staates untergebracht. Auch e Abteilung verdient volles Interesse. An Reichhaltigkeit er⸗ sie die Kanada⸗Ausstellung. In zahlreichen Unterabteilungen den die vielfachen Produkte des Landes gezeigt. Besonders reich

ist die Ausstellung an Dioramen. Hier wird die Gründung einer Farm in der Kupfergegend von Kantangas gezeigt, man sieht große Dampfpf Straßenwalzen in Tätigkeit, Flußtäler werden ein Flußbett verlegt. Ein anderes Diorama zeigt

88

drainiert den Fang afrikanischer Elefanten mit Hilfe von dressierten asiati⸗ schen Elefanten, man sieht eine Viehzuchtfarm auf den Hochebenen Zentral⸗Katangas, einer Gegend, die anscheinend reich an Hochwild ist. Schließlich wird dem Besucher noch ein Krankenhaus und ein Säuglingsheim vorgeführt. Daneben zeigen unzählige Bilder und graphische Darstellungen die Produkte des Landes und die Steige⸗ rung der Produktion. Die Gewinnung des Kautschuk wird demon⸗ striert, weiter Bananenplantagen(von eingeborenen Landwirten bewirtschaftet). Man sieht Kupferbergwerke, Berge von Elefanten⸗ zähnen(um die profitgierigen Händer plastisch dargestellt mit den Eingeborenen feilschen). Ein Panorama zeigt ein sogenanntes Kolossal⸗-Rundgemälde, das einen lebenswarmen Ausschnitt aus dem belgischen Kongoland bildet. Man sieht eine Hasenszene, einen gewaltigen Fluß, auf dem sich riesigen Raddampfer bewegen. Markt eines europäischen Dorfes zeigt buntbewegtes Leben. Ananas und Bananen sind in Bergen aufgetürmt. Auf einem Bahnhof werden die Produkte des Landes durch Schwarze verladen. Auf der anderen Seite jagen die Eingeborenen in einem afrikanischen Ur⸗ wald mancherlei Wild. In einem Negerdorf werden bei monotoner Mufik Volkstänze aufgeführt. Antilopen beleben steile Felsen und Krokodile schleppen sich langsam an dem Flußufer entlang. An einer Waldlichtung unterhandeln weiße Parlamentäre mit einem Negerhäuptling. Im Hintergrund sieht man eine militärische 8 11

1 Station und mit Kanonen dicht besetzte Forts. So sehlen in dem e auch nicht die wichtigstenKulturträger europäischer Koloni⸗

in ihrer geschickten Aufmachung Die vielfachen Produkte sind bea tenswert. Zum Teil scheint das Kongo⸗Land wenigstens besser als jein Ruf. Aber vollständig ist die Ausstellung leider nicht. Zeigt die Kanada⸗Ab teilung die Früchte größtenteils friedlicher Koloni⸗ sation, so darf man nicht vergessen, daß der Weg gewisser kultureller Entwicklung im Kongo⸗Staat über die Leichen der Eingeborenen ging und daß an den europäischen Errungenschaften das Blut der Eingeborenen klebt. Die gedankenlosen Besucher desPalais⸗ Colonial haben wohl kaum eine Ahnung von den Kongo⸗Greueln, die ewig ein Schandfleck für Belgien bleiben werden.: Was die Genter Weltausstellung sonst noch zeigt, das ist mit einigen Worten abgetan. Was dasPalais des beaux Arts(der Palast der sschönen Künste) bietet, verdient keine besondere Beach⸗ tung. Die Skulpturen und Gemälde sieht man bei uns oder in Brüssel und Antwerpen besser. An der Quantität fehlt es nicht, sie ersetzt aber die Qualität nicht. Eine Anzahl anderer Aus⸗ stellungsräume, die wir noch nicht erwähnten, sind meist Verkaufs⸗ stände, in denen zum Teil sehr zweifelhafte Ware feilgeboten wird.

ilung macht

einen guten ind ruck

Eine Eifenbahnhalle zeigt uch in sehr instruktiver Weise die Ent⸗

Der,

r

r