wen der Zar als Staatsgefangenen ins langsam,
Aufenthaltsorte waren:. Staat N Kloster schickte, der wurde mit asiatischer Grausamkeit abet unfehlbar zu Tode gemartert. f ö.
Peter, genannt der Große, begann ein neues Regiment.
Er inder, Holländer und Engländer, die damals einen schwunghaften Handel mit Rußland trieben, und begann mit den asiatischen Zuständen in Rußland aufzuräumen Das brachte die Popen und einen Teil der Bofjaren in Aufruhr, sie zettelten Verschwörungen an, bei denen sie sich der Zarin selber, Endoxia Lopuchin, und ihres Sohnes Alexei als Werkzeug bedienten. Peter warf sie nieder, Eudoxia kam ins Kloster, der Sohn wurde andern Erziehern übergeben, aber er fligte sich nicht. 1718 wurde er wegen Staatsverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. Peter wollte von ihm ein Geständnis erpressen.
stützte sich auf die Aus
Da er auch sonst den Folter⸗ inechten ins Handwerk zu pfuschen pflegte, vollzog er an seinem eigenen Sohne die Folter und knutete ihn dabei zu Tode. 5
Die zweite Fran Peters war Katharina, eine Troßdirne, die der Günstling des Zaren, Menschikow, irgendwo aufgegabelt und zu seiner Geliebten gemacht hatte, bis er sie an den Zaren verkaufen mußte. Dieses Dirnlein war jedensalls ein geniales Krastweib, das den Gewaltmenschen zu zügeln wußte und ihn endlich zwang, sie zu heiraten. Nach seinem Tode bemächtigte sie sich des Thrones und herrschte zufammen mit ihrem früheren Buhlen Menschikow 2 Jahre lang als Katharina J.(1725 bis 1727).
Ihr folgte Peter II., ein Sohn des ermordeten Alexei, der 1730 als 15jähriger Jüngling an den Blattern starb. Mit ihm er⸗ losch das Haus Romanow im Mannesstamm. Die Bojaren mit den Familien Galizin und Dolgoruki brachten nun die Prinzessin Anna, eine Tochter des Idioten Iwan, Peters Bruder, auf den Thron. Sie begann ihre Herrschaft damit, daß sie die Galizins und Dolgorukis nach Sibirien schickte und die Herr⸗ schaft ihtem Buhlen Biron, einem kurländischen Zunker, aus⸗ lieferte. Als sie 1740 starb, machte Bixon ihren Großneffen Iwan zum Zaren, den Sohn Annas, einer Nichte der verstarbenen Zarin und des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig. Da Jwan un⸗ mündig war, übernahm seine Mutter die Regentschaft. Diese Anna versuchte es der Tante nachzumachen: sie schickte Bicon nach Sibirien und wählte sich andre Günstlinge. Es gelang aber nicht, und schon nach einem Jahre wurde sie samt ihrem Manne versagt, ihr Sohn kam ins Kloster. Die Hauptrolle bei dieser Palastrevolte spielte ein französischer Arzt, der Geliebte der Prinzessin Elisabeth, einer Tochter Peters I. und der Katharina. Da Elisabeth geboren war, ehe ihre Mutter die Ehe mit Peter geschlossen, war ein Teil des Hosadels gegen ihre Thronbesteigung. Aber ihcem Leibarzt Lestocg standen reichliche Geldmittel der französischen Regierung zur Ver⸗ fügung; man hoffte in Frankreich, durch den Buhlen die Zarin zu beherrschen und Rußland in den Krieg mit Oesterreich zu verwickeln, mit dem Frankreich damals Fehde hatte. Der Plan mißlang, denn auch diese Zarin verfagte den Geliebten, der ihr den Thron ver schafft, und wählte sich neue Buhlen unter den Russen. Die Tochter der Dirne Katharina schlug nicht aus der Art. Die Zahl ihrer Ge⸗ liebten ist Legion, und diese nennenswert sind Woronzow, Bestuschew, Rasumowsky waren zeitweise die eigentlichen Regenten Rußlands.
Nach ihrem Tode(1702) bestieg den Thron Peter III., ein Sohn der zweiten Tochter Peters I., einer Katharina, die mit dem Herzog von Holstein⸗Gottorp verheiratet war. Aber der neue Zar sollte sich nicht lange seiner Würde erfreuen: schon nach einem halben Jahre wurde er ermordet unter freundlicher Beihilse seiner Gattin Natbarina, einer Prinzessin von Anhalt⸗Zer bst. Peter war ein vollendeter Trottel und Katharina erzählt in ihren Memoiren, daß er, wenn er abends in das Schlafgemach kam, sie zwang, mit ihm Soldaten zu spielen, Regimenter von Zinnsoldaten auszu stellen usw. Sie hielt sich schadlos, indem sie sich mit den Oof kavalieren amüsierte, und diese— die Brüder Orlow und Panin an der Spitze— nahmen den Zaren gefangen, zwangen ihn, abzu⸗ danken, und brachten ihn nach dem Schlosse Ropscha, wo er dann nach ein paar Tagen von den Orlows, dem Fürsten Barfatinsky dem Schauspieler Walkow und einigen andern in bestialischer Weise abgemurkst wurde.
Die Anstisterin des Mordes bestieg als Katharina II. den Thron und regierte bis 1796. War unter Elisabeth der russische Hof ein großes Bordell geworden, so ging es unter Katharina, der nordischen Semiramis, im gleichen Stile sort. In bunter Reihe wechseln die„anerkannten“ Liebhaber der Zarin, das heißt jene, die sich einige Zeit in ihrer Gunst behaupteten. Es war ein ge⸗ naues Zeremoniell eingeführt bei der Wahl dieser Buhlen, wobel sie von einer Vertrauten Katharinas in bezug auf die Leistungs⸗ fähigkeit als Männchen erprobt wurden. Auf Alexei Orlow solgte Potemkin, dann Korsakow, Lanskof, Jermolow, Mamonow, Platon, Subow, Soltikow.
Kathacina hinterlief einen Sohn. Wer sein Vater war, ist bei
dem raschen Verbrauch dieser Dame an Männchen nicht sicher. Aus ihren Memoiren will man schliezen, daß es Soltikow gewesen sei Dieser Sohn bestieg 1790 als Paul 1. den Thron. Er war ein Gamaschenknopf und vollendeter Trottel, sei
0 der Umgebung bis aufs Blut peinigte. 1801 wurde er abgemurkst und zwar, wie heute leststeht. unter Mitwissen und Beihilfe seines Sohnes Alexander J. Die Mörder waren Offiziere unter der Führung von Subow und
igsen, während Alexander dafür gesorgt hatte, daß die Tat sicher gelinge, indem er an etrefsenden die Wache im Schlosse des Zaren durch Leute besetzen ließ, denen er vertrauen konnte. Kennzeichnend f le Zustände ist, daß der Kriegsmi
Benu
Tage Tage
ster
und Gouverneur von Petersburg, Graf Pahlen, zu den Ver⸗ schwörern gehörte. Er hielt die Treuppen bereit und lag auf der Lauer: mißlang der Plan, dann war er entschlossen, die Verschwörer samt Alexander an Paul auszuliefern; da aber der Mord gelang, ließ er die Truppen Alexander huldigen. Auch das gehört
daß Pauls Frau auf die Nachricht vom Morde sich anschickte, Thron zu besteigen. Erst als der Herr Sohn ihr zu verstehen gab, daß sie eine Närrin sei, ernten wolle, wo sie nicht gesät, brach sie in großen Schmerz aus. Auch sie war eine deutsche Prinzessin von Hessen⸗Darmstadt.
Mit den deutschen Prinzessinnen auf dem russischen Thron sst das überhaupt so ein Ding. Als Alexander auf dem Wiener Kongreß für die Erhaltung der deutschen Kleinstaaterei eintrat, motivierte er es damit, daß man die Fürstenhäuser beibehalten müsse, damit die Zaren die Auswahl unter den Töchtern hätten. Worauf Freiherr von Stein in seiner grobkörnigen Manler dem Zaren antwortete:„Ich wußte nicht, daß Mafsestät Deutschland zur Stuterei für Rußland ausersehen haben.“
Alexander I. regierte bis 185. Er scheint die Gewissensbisse zeitlebens nicht losgeworden zu sein; sie trieben ihn in den sinn. Er starb plötzlich, und es steht nicht sest, ob er sich selbst ver⸗ giftet hat oder vergiftet worden ist.
Da er kinderlos blieb, folgte ihm sein Bruder Nikolaus, der finstere Reaktionär, der die Rolle des Gendarmen von Europa spielte. Auch er starb plötzlich, und bei ihm ist es ziemlich sicher, daß ihm das Gift von Leuten seiner Umgebung beigebracht wurde, die schließlich seine Tyrannei nicht mehr ertragen konnten(1855). Auf den Thron kam Alexander II., der als der Zar⸗- Befreier ge⸗
feiert wird, weil er die Leibeigenschaft aufgehoben hat. In Wirk⸗ lichkeit hat er sehr geringen Anteil an diesem Werk. Er war ein
dem Trunk ergebener Schwächling, dem die Furcht vor der revo⸗ lutionären Bewegung schließlich alle Besinnung raubte. Am 1. März 1881 streckte ihn eine Bombe der Revolutionäre nieder. Sein Sohn Alexander III. führte ein Schreckensregiment bis 1894, und ihm folgte der jetzt regierende Nikolaus II. Dieser ist ein Spielball der Hofkamarilla. Seine Neigungen verraten sich darin, daß er sich mit Scharletanen aller Art umgibt und seine besondere Gunst den„schwarzen Hundert“ zuwendet, die seit der Konter⸗ revolution der Schrecken Rußlands sind.
Man sieht— eine feine Familie! Geschwistermord, Gatten⸗ mord, Kindermord, Vatermord bilden die Kette, durch die sich der Zarenthron vom Ende des 17. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts fotterbte. Von einer Familie Romanow kann man freilich nicht sprechen, und das Jubiläum ist purer Schwindel. Abgesehen davon, daß Peter J. zweifellos ein Bankert war, erlosch die Dunastse seden⸗ falls mit Peter II. Man lönnte allenfalls von einer Dunastie Hol⸗ stein⸗Gottorp sprechen, wenn nicht sicher wäre, daß Paul von ber gekrönten Dirne geboren, aber sicher nicht von ihrem angetrauten Gemahl gezeugt war. Die uneheliche Nachkommenschaft Kaths⸗ rinas II. herrscht bis heute.
Aus unserer Sammelmappe.
Der Künstler im kunstgewerblichen Betrieb. Die Frage der Mitarbeit des Künstlers an der gewerblichen Herstellung, in der sich ja die spezifisch kuustgewerbliche Seite der Stofsveredelung ver⸗ körpert, bedarf noch der Klärung. So namentlich hinsichtlich ihrer Einfügung in den Organismus des wirtschaftlichen Betriebes. Die ncuere Entwicklung hat hier— veranlaßt durch eine Reihe von Ersolgen— die völlige arbeitsteilige Loslösung der künstlersschen Arbeit im eigentlichen Sinne von der technischen Ausführung des Gegenstandes im Stoff immer stärker ausgebildet. Nach meinen Beobachtungen scheint es aber, als ob man in dleser Beziehung teilweise wieder einen Schritt rückwärts wird tun müssen, wenn auf die Dauer die Güte der Produktion nicht leiden soll. Völlige Ar⸗ beitsteilung erweist sich als angebracht vor allem in denfenigen Lunstgewerben, bei denen die künstlerische Gestaltung der Haupt- sache nach eine Aufgabe der Rau mm gestaltung ist, also etwa bel Möbeln. Der Künstler tritt hier als Organisator der archltektom⸗ schen Wittel auf, ähnlich, wie für den wirtschaftlichen Organismus der Unternehmer. Aber überall da, wo der künstlerische Nelz eines Gegenstandes in der liebevollen Ausführung der Einzelhellen liegt/ wie bei Schmuck, Schnitzereien, Zilelierarbeiten und ähnlichem, ge⸗ nügt die sozusagen disponlerende Arbeit eines von der techn ischen Ausführung getreunt sitzenden Entwersers nicht. Denn dort ist die hoͤchste qualitative Veredelung gebunden an die von künstlerischen Antrieben geleitete, gleichzeitig aber zur vollendeten technischen Ausführung befähigte Hand. Diese Gedanken sind nicht neu, abet
die Entwicklung zeigt, daß wir da und dort im Begrisse sind, sie zu vergessen.
Johannes Buschmann. 0 Aus dem ersten Märzheft des Kunstwarts und Kulturwartz (dalbmonatschau für Ausbrudiaipur, viertellährlich 40 Mk., Ber- W. Callwen, München).
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