Ausgabe 
25.3.1913
 
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tun, auf Bilder wiedas Licht(soll heißen die Kerze) und auf naturwissenschaftliche Erinnerungen, die entweder auf belletristischen Unsinn, wie daß die PflanzeLuft des Aethers einsaugt, daßdie Singvögel Käfer schlucken oder auf Falsa auslaufen, z. B. daß eine Kerze sich selbst ver · brannte. Dagegen genießen wir hier wieder den ganzen feierlichen Ernst gegendas Heilige, von dem wir hören, daß es in seiner Gestalt alsBeruf-Bestimmung⸗Aufgabe⸗ Ideal den Menschen bisher ihren Selbstgenuß versalzen hat. Ohne im übrigen auf die mehr oder weniger schmutzigen Formen einzugehen, in denen das Selbst imSelbstgenuß mehr als eine Phrase sein kann, müssen wir dem Leser noch- mals die Machinationen Sanchos gegen das Heilige, mit den geringen Modulationen dieses Kapitels, in aller Kürze vor- führen.

Beruf, Vestimmung, Aufgabe, Ideal Kurz zu wiederholen, entweder:

1. die Vorstellung von den revolutionären Aufgaben, die einer unterdrückten Klasse vorgeschrieben sind; oder bloße idealistische Paraphrafen oder auch entsprechender be⸗ wußter Ausdruck der durch die Teilung der Arbeit zu ver⸗ schiedenen Geschäften verselbständigten Betätigungsweisen der Individuen, oder der bewußte Ausdruck der Notwendigkeit, in der Individuen, Klassen, Nationen sich jeden Augenblick befinden, um durch ganz bestimmte Tätigkeit ihre Stellung zu behaupten; oder die in den Gesetzen, der

Existenzbedingungen der herrschenden K die bisherige Entwicklung der Produktion), die von ihren Ideologen mit mehr oder weniger Bewußtsein theoretisch verselbständigt werden, in dem Bewußtsein der einzelnen Individuen dieser Klasse als Beruf usw. sich darstellen können und den Individuen der beherrschten Klasse als Lebensnocm entgegengehalten werden, teils als Beschönigung oder Bewußtsein der Herrschaft, teils als moralisches Mittel derselben. Hier wie überhaupt bei den Ideologen ist zu be⸗ merken, daß sie die Sache notwendig auf den Kopf stellen und ihre Ideologie sowohl für die erzeugende Kraft wie für den Zweck aller gesellschaftlichen Verhältnisse ansehen, während sie nur ihr Ausdtuck und Symptom ist. 5

Von unserem Sancho wissen wir, daß er den unverwüst⸗ lichen Glauben an die Illusionen dieses Ideologen hat. Weil die Menschen sich ja nach ihren verschiedenen Lebensverhält nissen verschiedene Vorstellungen von sich, d. h. dem Menschen, machen, so glaubt Sancho, daß die verschiedenen Vorstellungen die verschiedenen Lebensverhältnisse gemacht und so die Engros-Fabrikanten dieser Vorstellungen, die Ideologen, die

N 0 J 0 Welt beherrscht haben. Vgl. p. 433.

Die Denkenden herrschen in der Welt,der Gedanke beherrscht die Welt,die Pfaffen oder Schulmeistersetzen sich allerlei Zeug in den Kopf,sie denken sich ein Menschen ideal, wonach sich die übrigen richten müssen(p. 442). Sancho kennt sogar ganz genau den Schluß, wonach die Menschen den Schulmeistergrillen unterworfen wurden und in ihrer Dummheit sich selbst unterwarfen:Weil es mir(dem Schul- meister) denkbar ist, ist es den Menschen möglich, weil den Menschen möglich, so sollten sie es sein, so wäre es ihr Beruf; und endlich nur nach diesem Beruf, nur als Be- rufene hat man die Menschen zu nehmen. Und der weitere

sind, um dies

2.

Moral usw. ideal ausgedrückten Klasse(bedingt durch

Schluß? Nicht der Einzelne ist der Mensch, sondern ein Gedanke, ein Ideal ist der Mensch⸗Gattung Mensch⸗ beit.(p. 441.)(Fortsetzung folgt.) Der Völkerkrieg der Fürsten. 1819/15. Von Kurt Eisner. (Schluß des II. Kapitels.) Von der wahren Soldatenehre handelt Arndt im fünsten

er verkündet er den Eidbruch als die wahre Ehre des daten, die ihrem Eide treu bleiben, Höllenstrafen:

Kapitel, und! Soldaten, la er droht den Sol Namen des Christentums e

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daß er es tief und inniglich fühlt: das Land und das Volk sollen unsterblich und ewig sein, aber die Herren und Fürsten mit ihren Türen und Schanden sind vergänglich. Siehe, Gott wird seden Gericht fordern, er wird auch ein strenges Gericht halten über n knechtischen und tierischen Soldaten, der nicht wissen wozu Gott dem Menschen Gewissen und Vernunft in die Brust gelegt hot. Diese Vülesophle des Eidbruchs wurde mitten im Kriege von einem Preußen im Lager des Feindes geschrieben und auf dessen Kosten verbreitet. Man stelle sich vor, daß etwa in einem deutsch⸗ französischen Kriege ein Deutscher eine von den Franzosen be⸗ zahlte Schrift verössentlicht, daß die Deutschen nicht gebunden seten, dem Kaiser den Fahneneid zu halten, sondern vielmehr zu den Franzosen übergehen sollten. Damals galt xussische Ueberläuferei als deutscher Patriotismus und danach handelte Jork. wenn er den faft unverfehrten preußischen Truppenteil, 10000 Mann, zu den Russen überführte, und dadurch erst dem russischen Feind 2 lichte, sich auf preußischem Boden festzusetzen in der bestimmten A sicht, die mit preußisch⸗militärischer Hilfe gewonnene Beute nicht mehr herauszugeben, sondern dauernd dem russischen Reich ein⸗ zuverleiben. Was York für die Russen tat, versuchte Gneisenau zu gleicher Zeit für die Engländer; in den ersten Tagen des Dezember hatte er dem englischen Prinzregenten eine Denkschrift überreicht, in der er ihn aufforderte, in Deutschland zu landen und ein großes Welsen⸗ reich in Norddeutschland unter seiner Herrschaft zu gründen.Der größte Teil Deutschlands, schrieb damals Gueisenau dem Prinz⸗ regenten, und seine schönsten Landschaften gehörten einst diesem Hause.(Das älteste Haus der Welt nannte es Gneisenau). Es ward derselben ungerechterweise beraubt, und es könnte darauf gerechte Ansprüche machen, da die Zeit niemals Handlungen des Unrechts zu heiligen vermag. Das Schicksal hatte die Ungerechtigkeiten der Menschen wieder gut gemacht, und das Guelfische Haus sitzt auf dem ersten Throne der Welt. Aber infolge der für diesen Thron fest⸗ gesetzten Erbfolgeordnung würde dieses Haus sich eines Tages ohne Erbe sehen, da ihm sein väterliches Erbe auf dem Festlande durch einen Usurpator geraubt ist. Im jetzigen Augenblick erblaßt das Gestirn dieses Räubers. Die Zeit ist gekommen, wo Ew. 3 g Hoheit Ihr väterliches Erbe wieder fordern und es durch alle die Länder zwischen den Mündungen der Schelde und der Elbe vom Ufer des Meeres bis ins Herz Deutschlands vermehren kann, welche der Lauf der Revolution ohne rechtmäßigen Herren gelassen hat. Diese Völker würden sich sehr glücklich finden, unter Eurer König⸗ lichen Hoheit zu leben..

Das war eine pätriotische Mitgift, die Gneisenau er stand in steter Verbindung mit Stein in Petersburg, aber auch mit der Berliner Regierung Hardenbergs England und den Welfen für eine Truppenlandung in Deutschland in Aussicht stellte, die man in unseren Tagen der Familienversöhnung zwischen Hohenzollern und Welsen wohl doch nicht als Morgengabe anzubieten wagen würde.

Gneisenau pries in senem Brief die Welsen als das einzige Haus,welches sich nicht durch einen Bund mit dem glücklichen Ver⸗ brecher befleckt, noch sich durch Annahme seiner Orden herabgewilr⸗ digt hat. Das sind große Titel in den Augen aller derer, welche von patriotischem Haß gegen den Usurpator und seine Trabanten beseelt sind.

In der dem Brief beigelegten Denkschrist entwickelt er einen förmlichen Kriegsplan der englischen Landung in Deutschland. In Deutschland müsse der Eutscheidungskrieg geführt werden. Die Landung eröffnet dem Handel wieder seine natürlichen Kanäle, und die Kolonsalwaren können dazu dienen, die ersten Kosten des Feld⸗ zuges zu bestrelten, welche zu Anfang nicht zu entbehren sind. Der Handel mit Deutschland war in der Zeit vor den französtschen Der- boten sehr beträchtlich geworden, da der Geschmack und die Genüsse der deutschen Bevölkerung einen großen Verbrauch der Waren und Fabrikate Englands bewirkt hatten. Die Wiederherstellung des Handels mit Deutschland würde sofort den Wechselkurs zum Vorteil Englands verändern. Als Ziel des Unternehmens bezelchnet Gneisenaudie Zerstörung der Regierung dieses Ungeheuer welches noch gefährlicher durch das Gift, das es ausatmet, als durch seine Klauen ist. Jeder Entwurf, welcher unter dlesem Ziele blelbt, wird vergeblich sein. Wer immer einen gewöhnlichen Krieg gegen diefen Böfewicht führen will, um schließlich mit ihm zu verhandelům

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oder durch einen Frieden in den Formen der gewöhnlichen Diplo⸗ 2 matie zu endigen, wird dobel der Gimpel und das Opfer sein. 5 17 zu Boden werfen, ihn zerstören, ihn und selne Trabanten, das E 9 die Aufgabe, welche sich eine gesunde reine und starke Politik auf?* erlegen muß.* D mit Gneisenan auf den

Die englische Regierung verhandelte Grundlage seiner Denkschrift. Sie fragte, ob die vorgeschlagene Landung in Deutschland auch ohne den Beitritt Preußens und Oesterreichs gelingen könne. Gneisenau bejahte die Frage. 3 Augenblick sei ungewöhnlich, es handle sich darum, einen aus seinem 5 Käfig entkommenen Tiger mit äußerster Austrengung zu verfolgen

Auf Preußen sei nicht zu rechnen:Die Unglücksfälle des 8 1 von Preußen haben ihn furchtsam gemacht. Er wird nahe 1 er ist zum Teil sehr übel umgeben. Sein Land ist durch zwei Rei 9 Festungen mit französischen Garnisonen durchschnitten. Es ist u 3

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wahrscheinlich, daß er sich erkläre, bevor die Wahrscheinlichkeit des Erfolges ihn ermutigt; aber da er sich enge mit Oester ver⸗ bunden hat, und die Geschicke dieser Macht teilen will, so wird er vereint mit ihr handeln.

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Das ist die teutsche hre, daß der brave Krieger dem Könige oder Fürsten, der ihm zu gebieten wagt, für die Frauzosen und ihren Despoten den Degen zu ziehen und gegen die Freihelt und Ehre ihres Landes zu sechten, den Degen im Ang t zerbre Uer nicht den Mut hat, gleich seinen Vätern stolz und sr ben oder freier und stolzer zu vergehen Denn wer 5 0 in der Hand für das Vaterland zu sterben d g der Fürst sein und andern go bieten? Das ist S re, daß der Soldat fühlt: er war ein teutsch sch, ehe er vo schen Königen und Fürster wußte: es war ein teutsches Land, ehe Könige und Fürsten waren;

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In diefer Zelt gerset der Hauptagent der entlischen Belreluns