Ausgabe 
25.2.1913
 
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Das Geheimnis der Flamme.

Von Dr. Erich Schirmeister⸗Berlin.

Unter den vielen Naturphänomen, die uns umgeben, ist dem Laien die Flamme am wenigstens rätselhaft; hier scheint Natur ganz entgeistigt zu sein. Flamme, ein rein chemischer Prozeß, die äußere Erscheinung der Oxndation eines brennbaren Gases oder, anders ausgedriickt, die Verbindung des Gases mit dem Sauerstoff der hinzutretenden Luft. Wie will man dabei noch Geheimnisse uchen? Und doch ist es neuerdings gelungen, mit der sogenannten Oberflächen verbrennung einen Schritt von so großer Tragweite zu tun, daß die Oeffentlichkeit ein Recht hat, hierüber Näheres zu hören.

Jlammenlose Oberflack en verbrennung scheint paradox, denn wo Verbrennung, sollte auch Flamme sein. Um den Fortschritt zu ver⸗ stehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß jedes Gasgemisch zur Verbrennung nur einen ganz gewissen Prozentsatz von Luft bezw. Sauerstoff nötig hat. Ther retisch ist ausgerechnet worden, daß zur vollständigen Verbrennung von einem teil Steinkohlengas fünf Telle Luft nötig find. Jede weitere Luftmenge, die hinzutritt, schadet, indem sie den Verbrennungsprozeß beeinträchtigt.(Bei⸗ splelsweise muß auch die hinzutretende Luft erwärmt werden, wo⸗ durch naturgemäß die Wärmeabgabe der Flamme leidet.) Man hat Wärmeverluste und ganz ungeheuerlich muten die Werte an, bie auf diese Weise der Technik, dem Natlonalvermögen, täglich ver⸗ loren gehen.

Der Bunsenbrenner, einer jener Riesenfortschritte in der Tech⸗ nir, wie sie nur von Zeit zu Zelt dem Genle gelingen, hat durch vorhergehende Mischung des Gafes mit einem Teil der zur Ver- brennung nötigen Luftmenge ein rationelleres Verhältnis zwischen beiden hergestellt, als wie solches bei der einfachen Gasflamme vor- liegt. Seine Flamme ist insolgedessen bedeutend heißer.

Ueber den Bunsenbrenner hinaus ist man lauge Zeit nicht ge⸗ kommen. Man stieß immer auf den Widerspruch, daß, wenn man dem Brennstoff nur die theoretisch zur Verfrennung nötige Luft⸗ menge, welche den größten Oeizeffekt ergeben wilrde, zuflihrt, dann der Verbrennungsprozeß unvolllommen gestaltet wird, indem ein großer Tell des Kohlenstofses als Kohlenoxyd entweicht. Man hat deshalb in der Technik immer wieder mit einem Ueberschuß von Luft bezw. Sauerstoff arbelten miissen, wobei eben dann die schäd liche Abkühlung des Gases entsteht, die den Wärmeeffekt der Jlamme berabsetzt.

Hier nun setzt die flammenlose Oberflächen verbrennung ein, deren Erfindung gleichzeitig mit jener seltenen Duplizität der Er⸗ eignisse dem englischen Prosessor Boue und dem deutschen In⸗ genkeur Schnabel gelang. Bringt man ein poröses, seuerfestes Material, beisplelsweise einen ausgehöhlten Apfel aus Quarz als Mündung auf den Ausgang eines Rohre, in das unter Druck ein in theoretisch richtigem Verhältuls zu einander stehendes Gemisch von Gas und Luft geleitet wird, und zündet man das durch die Poren des Quarztörpers bin durchdringende Gemisch au, so ergibt sich die merkwürdige Erscheinung, daß der Quarzlörper ins Glühen gerät, ohne daß an seiner Oberfläche eine Flamme bemerkbar ist. Die restlose Verbrennung des Luftgemisches erfolgt im Innern des Quarzkörpers, wobei eine außerordentliche Steigerung des Wärme⸗ esseltes erzielt wird. Es ist eine Kleinsakeit, den Quarzkörper, der bel Versuchen, wie sie kürzlich gelegentlich eines Vortrages des Herrn Direktors Blum von der Berlin Anhaltischen Maschinenbau⸗ Aktlengesellschaft(im Berltuer Mezirksvereln Deutscher Ingen teure) überDie flammenlose Oberflächen verbrennung gezeigt wurden, in so helle Weißsalut zu bringen. daß der Glanz eines Glühtörpers belm Gasglühlicht oder der Glanz elner Metallsadenlampe weit dahinter zuriick bleibt

Wenn wir für die Beleuchaungsindustrle hieraus noch ganz Ueber raschendes erleben werden die flammenlose Oberflächen⸗ verbrennung kaun auch bei Niederdruck-Gas, wie es im Stadtgebiet zur Verfügung steht, zur Anwendung gelangen, so liegt der Wert der Erfindung, auf deren lechnische Einzelhelten au dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll, auch noch nach einer anderen Nichtung blu. Es scheint, als ob mit diefer flammenlosen Feuerung das Kesselsystem der Zukunft geschafsen ist.

Führt man nämlich durch elnen Kessel eine Röhre, die mit der Schnabel-Boneschen Feuerungsmasse gefüllt Ist, treibt burch dlese NMebre ein Gasgemisch und zündet dasselbe da, wo es wieder aus⸗ tritt, au, so ergibt sich ebenfalls nur ein Glühen der im Innern der Möhre befindlichen Chamottemasse. mit einer geradezu ver- blüffenden Dlocentwicklung im ersten Teile des Nohres, nach der Eintrittsseite des Gasgemisches zu. Die dort berrscheude Tempe⸗ ratur wird auf e bis 1600 Grad geschabk. Dec enorme Wir kungsgrad eines solchen Schnabel-VBoneschen Dampfkessels zeigt sich darin, daß, während der gewöhnliche Dampfkessel mit einer Dampf⸗ menge pro 1 Quadratmeter Oeigfläche des Kessels zürka 20 bis 40 Lllogramm rechnet, der nene Kessel 145 bis 150 Kilogramm erreicht. ja bis 200 Kilogramm erböht werden kann, d. h., die Leistung ist drelsach und mehr so groß

Jedoch nicht nur die Wöglichtelt ra jellerer Ausuntzung der Kobleuschäge ist wesenklich, vielleicht noch wichtiger ist die übe raus grohe Unpassungssähigkeit des Kessels an Belastungsschwankungen. wie die Möglichteln eines überaus raschen Jubetxiebsetens. Jusolge der ungemein lebhaften sernürtulation iunerhalb des Kessels da die böchste Temperatur nur, wie bereits oben gesagt, am Anfang der Röbre sich defindet und der schnellen Verdampfung. in die Bildung von Kesselsteln außerordentlich gering. Die Gefahr der

herabgebrückt. Beiter fällt ins 2 die einfache und billige Herstellung der Anlage, der geringe Pla

ebedarf, das Fortsallen er Einmduerung, der Schornsteln⸗Aulage. der und Ruß⸗ biddung und die Verringerung des Bedienungspersonals, da der Kessel fast ganz automatisch arbeitet. Man kann wohl sagen, daß dieser Dampfkessel mit Gasseuerung ohne Konkurrenz dasteht; er wird auf die Preisverhältnisse der Energiearten einwirken und sicherlich eine kolossale Verbilligung erwirken. Insbesondere findet er ein weites Anwendungsgebiet, weil auch minderwertige Gase durch ihn nutzbar gemacht werden können. Er tritt deshalb in schärsste Konkurrenz mit den Großgasmaschinen und Dampftur⸗ binen der großen Zechen und Olittenwerke.

Die flammenlose Oberflächenverbrennung wird aber auch für den Jaushalt von aroßer Bedeutung sein. Bei dem oben erwähnten Vortrag wurde ein Diafragma gezeigt, eine quadratische Fläche der Chamottemasse, die durch das Gas ins Glühen gebracht wurde, und eine enorme Oitze abgab. Es scheint, als ob durch die Oberflächen- verbrennung die Frage der Gasheizung, die sich heute bereits als Aushilfsheizung bewährt hat, in ein neues, fruchtbares Gebiet tritt und als ob wir mit einem Schritt die rauchenden OCausschorn⸗ steine los werden könnten, welche heute die Almosphäre der Städte verpesten. Der besondere Wert diefer Gashelzösen ist, daß sie einen äußerst geringen Raum in Anspruch nehmen und sich die Platte nach jeder gewünschten Richtung drehen läßt.

Daß auch Badeösen sich damit konstruieren lassen oder Herd⸗ 5 platten, ergibt sich von selbst und braucht nicht besonders betont zu 1 55 werden. Auch hier wird ein größerer Nugeffekt für dasselbe Geld 3 erzielt, auch hier also eine Verbilligung des Gaspreises lediglich 1 durch den technischen Fortschritt. 3 Da man neuerdings mit dem bekannten Mendgasversahren den 1 Torf für die Landwirtschaft nutzbar macht, so ergibt sich auch fürrr die Landwirtschaft eine aussichtsreiche Perspektive durch Ueber⸗. nahme der Schnabel-Voneschen Dampftessel. 253 Wie wichtig der hier angedeutete Forlschritt ist, dürfte endlich 7 noch die Tatsache illustrieren, daß auch flüssige Brennstosse als 1 Feuerungsmaterial benutzt werden können, gedacht ist blerbei be⸗ 1 sonders an Teeröle. Es dlürste interessieren, daß die Berlin-An⸗ haltische Maschlnenbau-Aktiengesellschaft, welche im Vesigg der in Frage kommenden Patente für Deutschland ist, bereits in Ver⸗ bindung mit der amerikanischen Standard Oil-Companuy steht.

Vom Einfluß der Calciumzufuhr auf die Gesundheit. Von Prof. Emmerlich und Dr. O. Loe w. K. K. Betanntlich hat Merschnikow in sehr verdienstvoller Weise darauf hingewiesen, daß der Konsum von gegohrener Milch(Pogurt) die Gesundheit erhöhe und deshalb das Leben verlängere; denn in Bulgarien, wo der meiste Nogurt ge⸗ trunken wird, gibt es auch im Verhältnis die meisten Hun- dertjährigen. Jener Forscher hat die Theorie aufgestellt, daß unsere gewöhnlichen Darmbakterien Giftstosse produzieren, die die für das Altern chgrakteristischen Vorgänge herbei⸗ führen und daß, wenn diese Bakterien durch die Gärungs⸗ bakterien des Vogurt verdrängt werden, jene Giftstofse (Toxine) nicht mehr in dem Maße produziert werden und infolgedessen auch die für das Altern charakteristischen Vor- gänge verlangsamt und somit das Leben verländert werden könnten. 8

Wen.

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Nun haben aber vor einigen Jahren zwei deutsche Bal- 4 teriologen gezeigt, daß auch bei beträchtlichem Konsum von 5 Nogurt die gewöhulichen Colibalterien des Darmes nicht 3

verdrängt werden können und es muß somit eine andere Erklärung für die günstige Wirkung des Nogurt gesucht wer · den. Diese Erklärung dürfte deshalb nicht schwierig sein, 5 weil eine lebensverlängernde Wirkung auch dei Genuß von unge gohrener Milch beobachtet werden kann, so daß also die speziellen Bakterjen des Vogurt nicht in Betracht kommen. Fragt man hundertjährige Leute, wovon sie hauptsächlich in späteren Jahren sich ernährt haben, so erhält man meistens die Autwort: van Milch. Es wird berichtet, das vor etwa 200 Jahren ein Engländer namens Parr 152 Jahre alt geworden sei und derselbe seit lange nur von Brot und Milch gelebt babe. Det König von England, der sich für den Mann ateresstert batte, lud ihn einmal zur Tafel ein und bei dieser Gelegenheit sprach er den verlockenden Speisen tapfer zu. das war sein Unglück, denn wenige Tage datauf starb er in usolge dieses Gastmahls von Uebermaß an Nahrung. Erst kürzlich wieder wurde von einem 106 Jahre alten Mann, pre Chamel, aus Paris berichtet, der seit seinem 60. Jahre bauptsächlich von Milch gelebt hat. 5 Wodurch zeichnet sich nun die Milch vor vielen andeten Nahrungsmitteln aut? Vergleichen wir eine Mahlzeit aus gleichen Teilen Fleisch und Nartofteln mit Mich, so wäre

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Keffelexploflon wie die Abuntzung wird dadurch auf ein Minsmum

in bezug auf die or ganischen Stoffe wegen dethalnnyp