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Wissenistsacht
Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Volkszeitung
Nummer 47
Dienstag, den 25. Februar 1913
I. Jahrgang
Universitäts⸗Proletarier.
Betrübende Einblicke in die traurige Lage der Prager Studenten eröffnet das soeben veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage von Dr. Wilhelm Winkler. An der ältesten deut⸗ schen Universiät gibt es über 2000 Studenten, davon etwa 800 Techniker, 600 Juristen, 400 Philosophen, 300 Medi⸗ ziner und 50 Theologen(also ungefähr soviel wie an den kleineren Universitäten Deutschlands, nur daß in diesen die Philosophen erheblich zahlreicher find). Die Frage nach dem Beruf des Vaters ergab sogleich, daß der Anteil des Prole⸗ tariats und des unteren Mittelstandes beständig im Wachsen begriffen ist, und so dürfte die Lage der Studenten bald noch trostloser fein. Und trostlos genug ist sie schon jetzt, denn das Monatseinkommen der halben Studentenschaft war niedriger als das vom volkswirtschaftlichen Seminar der⸗ selben Universität festgestellte Existenzminimum von 80 Kronen Girka 68 Mk.), jeder fünfte hatte weniger als 60 Kronen, und 12 hatten nicht einmal 30 Kronen= 25 Mk.! Dabei ist in dieser Monatseinnahme alles eingerechnet: so wohl das, was der„Alte“ schickt, als auch Stipendien und Nebenerwerb. Diesen Nebenerwerb verdienen sie in drei Vierteln der Fälle mit Privatstunden, in einem Fünftel mit wissenschaftlichen Hilfsarbeiten, und in den übrigen Fällen mit freier künstlerischer und journalistischer Tätigkeit, die immerhin noch am meisten einträgt. Und hier zeigt sich en beschämender Mangel an sozialem Sinn: die reichen Söhne der Prager, die zu Haus bei ihren Eltern wohnen und„es garnicht nötig haben“, bringen durch ihre bessere Kenntnis der Verdienstmöglichkeiten in der Stadt und durch schamloses Unterbieten ihre darbenden„Kommilitonen“ um die paar Groschen, die mit Stundengeben zu verdienen sind— um das Geld für Suff und Weiber auszugeben. Denn nur drei Prager geben etwas davon zu Hause ab,— während die sechs am besten(nämlich mit je zirka 100 Kronen) Honorier⸗ ten auch nicht einen Pfennig abgaben, sich im Gegenteil noch bis zu 40 Kronen zuschießen ließen! Zwei dieser Edlen, die außer Wohnung. Nahrung usw. im elterlichen Hause noch über ein Taschengeld von je 120 Kronen verfügten, hatten die Dreistigkeit, noch ein Stipendium von 20 Kronen monat- lich anzunehmen, das sie natürlich auch noch für sich verbrauch ten! Da es in Prag so wenig wie anderwärts ein amtliches Nachhilfe-Vermittlungs⸗Bureau gibt, so werden die Stun⸗ den eben nicht an diejenigen vergeben, die darauf angewiesen sind, sondern an die, die das Geld zum Annoncieren und die nötigen Konnexionen haben! Daher finden die notleidenden „Auswärtigen“ nur halb so oft eine solche Stelle, als die gutgestellten Söhne der Prager! Wenn auch bei der Ver⸗ teilung der Stipendien im allgemeinen die Bedürftigkeit besser berücksichtigt wird, so gehen doch die lohnendsten Stipendien an die Söhne von Staatsbeamten, erst dann kommen die Waisen— und eine Anzahl wird an Gemüts⸗ menschen mit 107 bis 140 Kronen Monatswechsel vergeben — weil es in Prag wie auch anderwärts Stipendien gibt, die nur an Studenten mit bestimmter Konsession, bestimmter Geburtsstadt, bestimmter Semesterzahl, bestimmten Beruf des Vaters usw. usw. verliehen werden— kurz, mit soviel Klauseln, daß sich in manchen Jahren überhaupt niemand darum bewerben kann— was die Arbeit der mit ihrer Ver⸗ waltung betrauten Behörden allerdings wesentlich erleichtert.
Diesen ungenügenden Einkommen entspricht natürlich die Lebenshaltung der Studenten. Es zeigt sich auch hier,
daß der Arme alles verhältnismäßig viel teurer bezahlen muß als der Reiche. Dreifünftel der Studenten bewohnen ein Loch, das den Anforderungen der Hygiene nicht im ge⸗ ringsten entspricht; jeder Siebente hat nicht einmal soviel Bodenfläche, wie das Gesetz über die Ledigenheime verlangt, und jeder Vierte hat ein halbdunkles oder ausgesprochen dunkles Zimmer! Nur jeder dritte bewohnt sein Zimmer allein; mehr als die Hälfte mußten es mit einem, 10 Prozent mit zweien, 3 Prozent sogar mit mehr als zwei Personen teilen! 27 Zimmer sind, abgesehen von solchen mit schlechten Oefen, überhaupt nicht heizbar, 27 haben Ungeziefer, 67 Lärm, 16 schlechten Abort, 22 sind schmutzig und 82 haben andere wenig angenehme Eigentümlichkeiten, so daß jeder siebente Stundent über wenigstens einen dieser Schönheits⸗ fehler zu klagen hat. Dafür geht es einigen wenigen um so besser: diese ruinieren sich freiwillig die Gesundheit, um die etwa vorhandene geistige und körperliche Frische loszuwerden, die ihnen in ihrer Karriere schaden könnte— und die an⸗ deren ruinieren sie sich unfreiwillig, weil sie in den Entwick⸗ lungsjahren bei angestrengtem Studium in gebückter Hal⸗ tung ohne Licht, Luft und Wärme aushalten müssen, so daß sie, wenn sie schließlich das Ziel erreicht haben und die Früchte ihrer Anstrengungen genießen sollen, krank zusammenbrechen. Das ist halt so in dieser vollkommensten aller Welten. Aber die fetten Korpsstudenten unterstützen ihre armen Kameraden nicht einmal aus dem an manchen Universitäten bestehenden allgemeinen Fonds, zu dem jeder einzelne Student zwangs- weise den gleichen Betrag beisteuern muß, sondern verwen⸗ den ihn für Fackelzüge und anderen Repräsentationsschnick⸗ schnack. Und man glaube nur nicht, die geschilderten Zu⸗ stände beständen nur in Prag: auch in Wien und Brünn hat man ähnliches festgestellt, und die für Berlin geplante Um⸗ frage wird auch viel Erbauliches zutage fördern. Kam doch neulich in einer Gerichtsverhandlung zur Sprache, daß ein Berliner Medizinalstudent nur 10 bis 15 Mk. Monatswechsel bekam, weswegen er Betrügereien beging. Hier hat man vor einem Jahr mit großem Lärm ein Wohnungsamt ge⸗ gründet, d. h. man nimmt denen, die eine Wohnung ver⸗ mieten wollen und die es dazu haben, eine Mark pro Zeile an Insertionsgebühren in den Berliner Akademischen Nach⸗ richten ab!(Bei Wiederholung Rabatt.)
Wenn so viele Studenten nicht einmal des Nötigste zum Leben aufbringen, so können sie natürlich keine Bücher kaufen und deshalb müßten wenigstens die Bibliotheken auf der Höhe sein. Müßten. Wieviel ein hohes k. k. Kultus⸗ ministerium für Bibliotheken übrig hat, zeigt folgende Klage eines Innsbrucker Privatdozenten: dort stehe für Bücher⸗ wünsche eines Universitätslehrers der immense Betrag von 4 bis 8 Kronen jährlich zur Verfügung! Was tut nun die k. k. Universitätsbibliothek? Sie sucht jedes neu erschienene Buch zunächst antiquarisch, und wenn es dann antiquarisch auftaut, wird es gewöhnlich nicht mehr gebraucht und man kann die Anschaffung sparen!
Wenn die Universitäts⸗Professoren wirkliche Lehrer wären, würden sie sich ja mehr um das Wohl und Wehe ihrer Studenten bekümmern und energisch verlangen, daß die Re⸗ gierung etwas für sie tut. Aber sie werden sich hüten— am Ende könnte Zar der langersehnte„Hofrat“ oder„Geheim⸗ rat“ ausbleiben. Rabe.
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