lersihn meg, 6 abgelh n ihn deschn. 5 f el bi el get ch un Nlugkehe der Nh ie Nh et. Ny want, f ese dit dg Jen t img x in her k Tua die ah Kohlchh, id Gal Aeit da erung Gulahg en- th der, Nel il, Ma J. Jah rich volk ile
e belt Al E 1 aft
e ae i le
100 10
on bent,
Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung
Nummer 12
Dienstag, den 24. Juni 1913
2. Jahrgang
Stadt und Land in Hessen— ein Zuknuftsproblem.
Die modernen Kulturländer bekommen ihr entscheiden—
des Gepräge durch die Städte. Diese entwickeln sich immer mehr zu den Hauptbrennpunkten des politischen, wirtschaft⸗ lichen und geistigen Lebens. Nirgends ist das so greifbar, wie in den Vereinigten Staaten Nordamerikas, wo sich die Städtebildung in extremster Reinkultur vollzogen hat. In seinen Städte- und Kulturbildern aus Amerika schrieb F. Ratzel schon vor vierzig Jahren:„In den Städten strahlt zu⸗ sammen, verdichtet und beschleunigt sich das Leben eines Volkes, nicht bloß mit dem Erfolge, daß es wirksamer und reicher wird, sondern auch mit dem, daß es deutlicher sein Wesen ausprägt, und dauernde Zeugnisse desselben hinstellt und der Nachwelt übergibt. Sie bringen das größte, beste und eigentümlichste desselben zur vollsten Geltung.“ Nie— mand hat diese Kulturgewalt der großen städtischen Siede— lungen mehr empfunden, als die größte Kulturbewegung des letzten Jahrhunderts, die Sozialdemokratie. Ihre Geschichte ist mit der Geschichte der Städte auf das engste verknüpft, und ihre Hauptstützpunkte, die eigentlichen Voll— werke ihrer Macht und wohl auch die bleibenden Grund— pfeiler ihrer Zukunftsentwicklung, sind die großen Städte und Industriegemeinden. In den scharfen sozialen Wider— sprüchen, die jede Stadtmauer einschließt, bekam der prole— tarische Massengedanke, vor allmm das Gefühl der Massenmacht der Arbeiterklasse, seinen ersten gewaltigen Anstoß. Die in den Städten aufgehäuften Kulturmittel kamen dem Bildunghunger der unterdrückten Klasse ent— gegen und lösten die besten Intelligenzen aus. So haben die großen Städte nicht nur eine wirtschaftliche Mission ersten Ranges zu erfüllen gehabt, sondern auch die neuen sozialen Gedanken mit allen ihren umwälzenden Konsequenzen aus sich heraus geboren. Es ist nur zu natürlich, daß diese Entwicklung, die durch— aus in der Richtung des Kulturfortschritts liegt, einerseits von der Arbeiterschaft als ein unermeßlicher Segen einge— schätzt wird, und andererseits den Reaktionären ein Dorn im Auge ist. Wenn Fürst Bismarck im Erfurter Unionsparla— ment 1850 gegen die großen Städte als die„Herde der Re— volution“ donnerte, die man dem Erdboden gleich machen müsse, so wußte dieser waschechte Junker ganz genau, warum er das tat. Er hatte das instinktive Empfinden, daß die bürgerliche Gesellschaft in dem modernen städtischen Prole⸗ tariat ihre eigenen„Totengräber“ produzierte. Dabei konnte er damals die ungeheure Entwicklung des deutschen Städte— wesens noch gar nicht ahnen. Sie hat sich besonders in den letzten Jahrzehnten in einer Weise vollzogen, die man nicht mehr als normal bezeichnen kann. Die Scheidung der Be— völkerung in Stadt und Land, wie sie uns bei jeder neuen Volkszählung immer schärfer in die Augen fällt; das un— heimliche Emporwuchern einzelner großer Siedelungen auf der einer Seite, die kahle Entblößung des platten Landes auf der anderen sind Zustände, die dem denkenden National— ökonomen als höchst ungesund erscheinen müssen. Das merken allmählich selbst Geister, die kaum in die Elemente volkswirtschaftlichen Wissens eingedrungen sind.
Aber selbst mit dem trüben Oel der bürgerlichen Natio— nalökonomie stehen sie ratlos der starken Abwanderung vom Lande. dem Niedergang der kleinen Landstädte, der Zusam— menpressung unübersehbarer Menschenmassen in schlechtge⸗ auten großen Städten gegenüber. Sie erkennen dämmernd
auch die Umwälzungen, die mit dieser Verschiebung der Be— völkerung eng zusammenhängen. Selbst der Reichskanzler Bethmann-Hollweg hat sich im letzten Oktober im preußischen Abgeordnetenhause zu dieser ungefähren Erkenntnis empor— geschwungen:„Physisch und moralisch, wirtschaftlich und sozial wandeln sich Volkscharakter und Struktur des Volks- körpers um.“ Weil der Kanzler aber nicht volkswirtschaftlich, sondern nur agrarisch zu sehen vermag, blieb dieser naive Denker uns die alten Phrasen von der Verjüngung aus dem Landvolk, von dem ackerbautreibenden Staatsfundament, von der staatserhaltenden Kraft des Agrariertums nicht schuldig, und am Schlusse kam die alte Litanei:„Für den Gesamtstaat erwächst die Aufgabe, der Abwanderung vom Lande und dem Aufsaugungsprozeß, der von den großen Städten ausgeht, mit allen Mitteln ein Paroli zu bieten.“ Dasselbe haben schon hunderte noch Weisere lange vor ihm gesagt. Bei dem Sagen ist es geblieben. Ratlos und hilflos stehen die bürgerlichen Nationalökonomen und Staatsmänner der gewaltigen Differenzierung von Stadt und Land gegenüber, und die haufenweise aufgeschichteten papiernen Rezepte aus der Apotheke ihrer Staatsweisheit fangen nachgerade an zu vergilben.
Ganz anders die Sozialdemokratie, denn sie ist eine Ge— sellschaft logischen Durchdenkens und unerbittlicher Konse— quenz. Bevor wir ihre Stellung zu dem klaffenden Wider— spruch, der in der Formel„Stadt und Land“ enthalten ist, erörtern, wollen wir die Verhältnisse in Hessen einer Be— trachtung unterziehen. Die letzte Volkszählung stellte 13 Millionen Einwohner fest. Davon wohnten in den Städten (hierunter versteht die Reichsstatistik alle Plätze mit minde⸗ stens 2000 Einwohnern, ganz gleich, ob sie Dorf- oder Stadt⸗— verfassung haben) 61 Prozent, auf dem Lande 39 Prozent. Bei Gründung des Reiches betrug der städtische Anteil erst 36 Prozent. In ganz aufallender Weise konzentriert sich diese„Verstädterung“ auf die größeren Städte. In den 5 größten Städten wohnen allein weit über eine Drittelmillion Menschen. Ihr Wachstum ist unaufhaltsam. Dagegen steht die merkwürdige Tatsache, daß, ganz abgesehen von den vielen kleineren Dörfern und Zwergstädtchen, nicht weniger als 8 hessische Kleinstädte allein im letzten Jahrfünft in ihrer Einwohnerzahl zurückgegangen, die meisten stehen geblieben sind. Sie führen ein mühsames, trostloses Dasein. Ihre reichgewordenen Bürger beeilen sich, den heimatlichen Staub von den Füßen zu schütteln und ihre Rente in Wiesbaden, Darmstadt oder Gießen zu verzehren. Bei den Dörfern ist das noch viel schlimmer.
Statt Wachstum und Blühen also hier ein Stagnieren und Absterben! Das ist eine Verschiebung der Kräftever— teilung im Staate, die das platte Land schwer zu büßen hat. Die heimatliche Scholle schreit bei der wachsenden Volks⸗ menge nach intensivster Bearbeitung; die landwirtschaftliche Leutenot nimmt einen bedrohlichen Charakter an und Aus⸗ länder überschwemmen das Land; die organischen Zusam⸗ menhänge der Wirtschaftskraft von Stadt und Land werden völlig verschoben und zerrissen. Hier Arbeitsmangel, dort Arbeitslosigkeit, Preisunterbietung und Ausbeutung der Arbeitskraft. Der Kapitalismus kennt keine Rücksichten und höhere Aufgaben, und weil die Staatsgewalt sein Diener ist und nicht der Diener des gesamten Volkes, steht sie diesen Zuständen mit gefalteten Händen gegenüber. Sie geht auch den treibenden Kräften nicht auf den Grund, die diese unge⸗ sunde Entwicklung verschuldet haben.


