Fen. Es gelang Carrel bekanntlich, das Leben von Gewebskulturen gu verlängern und die Menge des kultivierten Gewebes zu ver⸗ mehren. Prof. Carrel berichtet nunmehr in der Berl. klin. Wochen⸗ schrift über neue Versuche, die in der Absicht gemacht wurden, das Bindegewebe getrennt vom Org in dem Zustand eines dauernden sichtbaren Lebens zu erhalten und die Faktoren, welche das Wachstum der Gewebe regeln, zu studieren und endlich Systeme von ganzen Organen im Zustand tätigen Lebens aufrecht zu er⸗ halten. Früher hatte Prof. Carrel gezeigt, daß Fragmente vom Bindegewebe 2 Monate außerhalb des Organismus leben und sich lebhaft entwickeln können. Diese Untersuchungen wurden zu dem Zwecke sortgesetzt, um zu sehen, ob diese Gewebe imstande sind, sich außerhalb des Organismus, ebenso wie die Mikroben, unbegrenzt zu entwickeln. Carrel gelang es, Zellkolonien, die vor 15 Monate von einem Herzfragment kultiviert worden waren, lebend zu er⸗ halten. Sie wurden in einem Medium kultiviert, das aus zwei Volumen Plasma eines erwachsenen Hahnes und aus einem Volumen Saft eines Hühnerembroys von 8 Tagen besteht. Die Fragmente umgeben sich bald mit einer großen Menge von Zellen, welche ein neues Gewebe bilden. Die große Volumenzunahme des Gewebes zeigt, daß es sich hier nicht um Erscheinungen des Ueberlebens handelt, vielmehr um eine neue Tatsache: um lebende und sich, gleich den Mikroben, unbegrenzt in dem Kulturmedium vermehrende Bindegewebszellen. Auch vom Gewebe von Säugetieren, wie Hund, Katze und Maus, haben zahlreiche Generationen außerhalb des Organismus gelebt. Es wurde auch versucht, menschliche Gewebe im Zustand des Dauerlebens zu erhalten, die Wucherungen der Herzfragmente des Fötus von fünf Monat konnten mehr als 14 Tage lang beobachtet werden, während welcher Zeit die Gewebe 5 bis 6 Passagen durchmachten. Auch glückte es, Zellkulturen von bösartigen Geschwülsten im Zustande des Dauerlebens zu erhalten. Das gülnstigste Medium für ein schnelles Wachstum der Gewebe scheint in einer Mischung von normalen Plasma und Gewebssaft zu be— stehen.
anismus
Für das Studium zahlreicher Probleme war es von Wichtig⸗ keit, ganze Organe im Zustand kräftigen Lebens getrennt vom Organismus aufzubewahren. Da die Gewebe sich unbegrenzt in einem Kulturmedium entwickeln, so ist es wahrscheinlich, daß ganze Organe ebenso in selbständiger Weise würden leben können, wenn man ihnen eine Zirkulatlon normalen Blutes verschaffen könnte. Prof. Carrel versuchte es, eine Technik zu finden, die es gestattet, ein System von Organen im Zustand aktiven Lebens aufzubewahren. Die Methode bestand darin, aseptisch im Zusammenhang die Brust⸗ und Bauchorgane eines Tieres, im allgemeinen einer Katze, zu ent⸗ nehmen und sie unter gewissen Bedingungen bei einer Temperatur von 38 Grad aufzubewahren. Die Mehrzahl der Eingeweide lebte noch kräftig 10—19 Stunden nach dem Tod des Tieres, dessen Teil sie gewesen waren. Prof. Carrel glaubt, daß die verschiedenen Methoden weit entfernt seien, ihre definitive Form erhalten zu haben, sie werden geändert und vervollkommnet werden müssen, aber sie können schon jetzt zum Studium zahlreicher Probleme der Pathologie und Phystologle benutzt werden und die Redaktion der Berl. klin. Wochen⸗ schrist fragt, daß man angesichts dieser Experimente im Zweifel sein kann, ob man mehr die Kühnheit der Idee oder die Virtuosität der Technik bewundern soll.
Keimschädigung durch physikalische und chemische Einflüsse. Die biologische Forschung ist neuerdings bemüht, nachzuweisen, ob und in welcher Weise die Entwicklung tierischer Embryonen durch chem ische und physikaltsche Schädigungen beeinträchtigt werden kann. Eine zusammenfassende Arbeit über die auf diesem Gebiet gemachten Experimente bringt die Umschau in ihrer Nummer vom 29. August.
Aus Froscheiern, deren Entwickelung statt in reinem Wasser, in soschem, dem 0, Prozent Kochsalz zugesetzt war, sich vollzog, schlüpften Larven mit stark geschädigtem Nervenapparat aus. Eln Zusatz von Magneftum chlorid zum Meerwasser ließ aus Fischeiern Larven mit nur einem Cuklopenauge sich entwickeln. Auch B. Embryonen von Hühnern, konnten experk⸗ mentell Mißbildungen erzeugt werden.
bei höheren Tieren, z.
Entwickelungsstörungen können digung des befruchtenden S Biologe Oskar Hertwi 9
aber auch als Jolge einer Schä⸗ amens eintreten. Der Berliner hat Samensäden von Fröschen mit Radium und Wesot horium-⸗ Präparaten bestrahlt und da⸗ bei Störungen in der Entwickelung der mit diesem Samen besruch⸗
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entgegengearbeitet haben. Es gibt daher die FJamiliensorschung nit Anlaß dazu, sich in die Vererbung kampflos zu fügen, sondern 0 wissen Anlagen bewußt entgegenzutreten. muß gelingen. Das Gespenst der Vererbung ist eigentlich eiu! mehr. Wir wissen, daß es uns gelingt, bis zu einem gewissen 0 N 3. B. jeden schlechten Bau der Brust zu korrigieren. Dann wen schwindet die Anlage zur Ansiedlung von Tuberkulose-Bazillen. ln können unsere gesamten Lebensbedingungen umformen, daun wir das Blut in den Stand gesetzt, auch der eingedrungenen 8 Herr zu werden. Bezüglich der Nervenkrankheiten ergibt man f heute noch einem gewissen Fatalismus, der in keiner Wesse ange, bracht ist, ebenso auch bel anderen Krankheiten, wie z. B. Auch hier sind wir imstande, e bedarf nur des guten Willens, nisse nehmen zu wollen, und dann des guten Willens die in die Tat umzusetzen. Das ist allerdings ein langer Weg. 5 faule, bequeme Leute fündigen heute noch schwer an ihren Arge · hörigen. Auf dem Jaulbette der Vererbung lassen sie alles geben. wie es will. Es ist ja äußerst bequem, sich dann auf die Vererbung herauszureden, wenn die Katastrophe da ist.“ 1
schaftliches Unvermögen, der ererbten Anlage zu Krankheiten zu werden. Es ist eben kein leeres Gerede, daß mit der Verbesser seiner wirtschaftlichen Lage
Volkes sich verbessern milssen.
Bestrahlung und je stärker das angewendete Präparat g Derselbe Forscher hat in jüngster Zeit neue Versuche ausg zu ermitteln, ob Konstitutsons veränderungen auch durch de Beeinflussung der Samenfäden hervorgerufen werden kön* Schwierigkeit bestand bei diesen Versuchen darin, chemis Re zien zu finden, die zwar die Konstitution des im Kopfteile des g mas enthaltenen„Idioplasmas“ verändern, ohne doch die 8 keit der Fäden wesentlich zu beeinträchtigen. Solche Substanzen das Chloralhydrat und das salpetersaure Sir nin. Die Samenfäden von Fröschen behlelten in Chlor 90 lösung noch nach 1—2 Stunden ihre Bewegungsfähigkeit. u von ihnen befruchteten Eiern entwickelten sich Kaulquappe kleiner und schwächer als normale Tiere waren und Rückenspalten auswiesen, eine Folge davon, daß die embrpe Nervenrinne sich nicht zur Bildung des Rückenmarks schließt,'on in zwei Hälften getrennt bleibt. Manchmal ergibt sich daraus g eine doppelte Schwanzbildung. Der Amerikaner Charles Stockard endlich hat die des Alkohols auf den Keim experimentell untersucht. Männchen und Weibchen von Meerschweinchen längere Zeit u. Alkoholwirkung und stellte dabei sest, daß sowohl bei väterlic als auch bei mütterlichem Alkoholismus die Jungen schwach degeneriert waren. Häufig trat auch Abart ein. 7 Die gemachten Versuche wersen auch ein Licht auf die g 1 Praxis bekannte Tatsache, daß z. B. Blei- und Tabakarb terium N häufig schwächliche und degenerierte Kinder zur Welt bringen. g N 1
Vererbungs-Aberglaube. Daß dle Eltern die Anlage zu gew
Krankheiten vererben können, ist bekannt. Weniger bekannt, ab ebenfalls Tatsache ist, daß die Kinder die ererbte Krankheit lla durch zweckmäßige Lebensweise überwinden können, und daß, w
in einem Geschlecht diese zweckmäßige Lebensweise sortgesetzt 0 t es aus einem ehemals schwerbelasteten zu einem vollständig gesund werden kann. Ein Irrtum also ist es, zu meinen, daß, weil in ein Jamilie Großeltern und Eltern z. B. an der„Schwindsucht“
storben sind, nunmehr auch die Kinder dieser Krankheit zum y fallen müßten.
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Dieser Irrtum, der nachgerade zu einem allgemeinen N glauben geworden ist, ist selber eine Ursache der großen Verbrelt r jener Seuche, weil er die Familien dazu verführt, keine oder n ganz ungenügende Vorsorge gegen das Uebel zu treffen. Mit R. wendet sich Dr. med. Otto Schär von den Kuranstalten Monte⸗ in seinem bei Holze u. Pahl in Dresden erschienenen mühll e Buche„Im Kampfe um bessere Nerven und größere Leistungssah leit“(Preis 1.75 Mark, gebunden 225 Mark) gegen die U N Bedeutung, die der Vererbung beigelegt wird Er sagt u. a.: „Wir kennen eine große Reihe von Lebens reformen, die f wußter Weise den Jamilienanlagen frühzeitig mit großem
Nahezu jeder Verf
— Anlage entgegenzuwirken. insicht in die besonderen
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Oft ist es natürlich nicht Bequemlichkeitsliebe, sondern
auch die Gesundheitsverhältnisse
teten Eier erzielt, die um so stärker waren, je länger dauernd die


