Auch auf dem Gebiete der Hygiene Leipziger Ausstellung „ das reiche Material ungen zu erwähnen, das Reichsversicherungsamt,
und Sozialfürsorge zeigt sehr viel Interessantes. Hier ist vor für Arbeiterschutz und Arbeiterschutzvor⸗ um dessen Zusammentragung sich beson⸗ die Berufsgenossenschaften, die nlenkassen und die deutschen Gewerkschaften verdient gemacht Un. So werden an einem eigens zu diesem Zwecke errichteten estöckigen Gebäude in natürlicher Größe alle Sicherheitsvor⸗ gen für Bauarbeiter der verschiedensten Art praktisch vorge⸗ t. Arbeiterberufskrankheiten und„Verletzungen, Schutzvor⸗ ingen zur Verhütung von Unglücksfällen, Arbeiterheime und esungsanstalten, sowie andere hier gezeigte Fürsorge⸗Einrich⸗ zen müssen in unserer Zeit des sozialpolitischen Fortschritts des eresses aller Gebildeten gewiß sein. Dem Gebiete der allge⸗ gen Volkshygiene sind zwei besondere Pavillons der Ausstel⸗ 4,„Hygienische Einrichtungen“ und eine„Krankenhaus⸗Ausstel⸗ % gewidmet. Während in dem ersten Pavillon mehr Gegen— de zur Ausstellung gelangt sind, die allgemein zu einer gesund⸗ gemäßen und behaglichen Wohnungseinxichtung gehören, zeigt Krankenhaus⸗Ausstellung in übersichtlichster und klarster Weise mannigfachen äußerlichen ärztlichen Vorkehrungen und Einrich⸗ gen zur Heilung des kranken Menschen— eine musterhafte eeinrichtung mit ungezählten Douchen, eine Krankenhausküche, der von Röntgenuntersuchungen, orthopädische und Röntgen⸗ harate, einen allermodernsten Operationssaal mit seinen muster⸗ tigen Einrichtungen, Gipsmodelle einer rationellen Zahnbe⸗ dlung und vieles andere mehr. Zum Schluß der gute Wunsch, dem freundlichen Leser dieses kurzen Rundganges und dem Mucher der Ausstellung diese letzten Objekte immerdar nur eine Jeressante Kuriosität und niemals Gegenstand persönlicher Be⸗ ntschaft bleiben möchten.
Die Eisenvorräte der Erde.
Unsere ganze technische Kultur ist auf der Verwendung de Eisens aufgebaut. Es ist daher durchaus gerechtfertigt, unn wir uns mit der Frage beschäftigen, wie groß der Vor⸗ t an ausbeutungsmöglichen Eisenerzlagern auf unserem ganeten ist. Prof. Dr. Max Eckert tut dies in einem Auf⸗ as in der Umschau und kommt dabei zu recht tröstlichen usultaten. Zunächst gewährt es ja eine gewisse Beruhigung, 1 erfahren, daß die gesamte Erdkruste etwa zum zwanzigsten Feil aus Eisen besteht. Natürlich ist aber nur ein kleiner
Lil dieser Vorräte technisch gewinnbar. Die exakte Beantwortung der Frage, wie groß die uns Jgänglichen Eisenvorräte der Erde sind, stößt auf nicht un⸗ hebliche Schwierigkeiten. Erstens ändert sich die Möglich⸗ it der Auswertung der Eisenerze mit der Entwicklung der echnik und der Verkehrsmittel ständig, sodaß Erzlager mit Urhältnismäßig niedrigem prozentualem Gehalt an Eisen, de gestern noch als wertlos angesehen wurden, morgen der gusnützung für wert erachtet werden können. Zweitens ist dach noch längst nicht die ganze Erdoberfläche auf das Vor⸗ lundensein von Eisenerzlagern hin untersucht worden. Nur 5 Prozent der wirtschaftlich ausnützbaren Erdoberfläche hat shon eine wirkliche Abschätzung erfahren; bei 10 Prozent lat eine annähernde Abschätzung stattgefunden; für weitere 12 Prozent liegen nur vereinzelte Nachrichten vor und für len Rest von 25 Prozent überhaupt keine. Auf die nicht intersuchte Fläche entfällt in Europa nur ½ der Gesamt⸗ äche, in Amerika ¼, in Australien ½, in Asien 4 und in Ifrika /.
Die wertvollsten Eisenerze, die mit einem Eisengehalt aon über 60 Prozent, finden sich nach unserer gegenwärtigen kenntnis in Europa und hier in erster Linie in Schweden, orner in Rußland(Kaukasus). In Amerika besitzen Neu⸗ nundland, Mexiko und Westindien Eisenerzlager, in Asien Hritisch-Indien, China und Japan. Die übrigen Länder üssen sich mit gehaltärmeren Eisenerzlagerstätten begnügen. Die vorhandenen und abbaubaren Erzlager teilen sich run in solche, die bereits in Abbau begriffen sind und solche, ie erst der Erschließung harren. Die ersteren enthalten etwa 22 408 Tonnen Eisenerze, die 10 192 Mill. Tonnen Sisen ergeben. Der Roheisenverbrauch der Welt hat sich vom Fahre 1800 bis 1910 von 0,8 Tonnen jährlich auf 67 Mill. Tonnen gesteigert, in den letzten 10 Jahren allein auf das mderthalbfache. Nimmt man an, daß sich der Verbrauch so weiter steigert und die hüttentechnischen Verfahren die Leichen wie heute verblieben, so würden diese Vorräte in da 60 Jahren erschöpft sein.
flicherweise existieren aber neben ihnen noch weit
riesenhaftere, die erst der Erschließung harren. Diese Vor⸗ räte enthalten etwa 123 400 Mill, Tonnen Eisenerze, die 53 100 Mill. Tonnen Eisen ergeben. Auf die verschiedenen Erdteile verteilen sich diese Vorräte wie folgt: Im Aoban begriffene Vorräte Ausbeutungmögliche Vorräte in Millionen Roheisen
Erze 41 029 12 085
81 822 69 457 125 viele Tausend 22 404 123 377 53 137 Mit diesen Vorräten läßt sich jedenfalls eine ganze Weile haushalten und bis sie erschöpft sind, werden selbstver⸗ ständlich in den noch ununtersuchten Gebieten der Erde weitere gewaltige Lager entdeckt. Wir brauchen also zunächst noch keine Angst zu haben, daß es der Menschheit in absehbarer Zeit am wichtigsten Roh⸗ material ihrer Technik fehlen wird.
Erze 12 032 9 855 136 125
Roheisen Europa 4 783 Amerika Australien Asien Afrika
Der Völkerkrieg der Fürsten.
Die Kriege 1813/15. Von Kurt Eisner. Drittes Kapitel: Jacobinerspiel und Opfer⸗ legende II.
Die Reihe dieser altpreußischen Ukase begann schon am
22. Februar 1813 mit einer Verordnung über das Aus⸗
weichen des Kriegsdienstes. Am 9. Februar waren
zwar alle Ausnahmen(Exemtionen) vom Militärdienst während des Krieges aufgehoben, befreit aber blieben Personen, die bereits die Bewirtschaftung eines Bürgerhauses führten und Eigentümer waren. Die Folge dieser Verordnung wax, daß Väter vorzeitig ihren Besitz an die Söhne übertrugen, um sie dem Kriegsdienst zu entziehen. Jetzt fand sich der König veranlaßt,„bei den treuesten
Gesinnungen unserer Untertanen und bei der ruhmwürdigsten all⸗
gemeinen Hingebung für das Vaterland, um die einzelnen, wenn⸗
gleich höchst seltenen Beispiele von Schlechtheit, Schwäche oder
Mangel an Gemeinsinn näher zu bezeichnen, zu bestrafen und un⸗
schädlich zu machen, und um dadurch der größten Mehrzahl der
kräftig⸗ und Gutgesinnten den Beweis zu geben, daß das Vaterland ihre Anstrengungen zu würdigen und zu belohnen weiß“— zu ver⸗ ordnen, daß alle solche Uebertragungen des Besitzes von Grund⸗ stücken ungültig seien, sofern sie nach dem 9. Februar verabredet seien, die Väter unter 50 Jahren und gesund, die Söhne aber unter
21 Jahren und von gesunder Leibesbeschaffenheit seien. Wer
fälschlich ein höheres oder geringeres Alter angab oder schwäch⸗
liche Gesundheit vorschützte, sollte, sofern er Bürger war, mit dem
Verlust des Bürgerrechts und des Gewerbescheins
bestraft, sofern es sich um noch nicht Angesessene handelte, lebens⸗
länglich vom Bürgerrecht ausgeschlossen werden; auch sollten der⸗ artige Verbrecher unter Vormundschaft gestellt werden und nie⸗ mals Staats⸗ oder Gemeindeämter bekleiden dürfen.
Dann ging aber diese Verordnung noch weiter und bestimmte kurzweg:
„Verlust des Bürgerrechts, ihrer Aemter, wenn sie in solchen stehen, und der Nationalkokarde soll alle diejenigen Väter oder Vormünder treffen, welche ihren Söhnen oder Pflegebefohlenen geflissentlich den Eintritt in den Kriegsdienst erschweren oder ihnen, wenn sie als Freiwillige dienen wollen, die notwendige Ausrüstung nach dem Maßstabe ihres Vermögens verweigern.“
Das hieß nichts anderes als die Androhung völligen wirtschaft⸗ lichen und gesellschaftlichen Ruins für alle Väter, die ihre Söhne nicht in den Kriegsdienst schickten und ihnen zudem alle Ausrüstung gewährten. Freiwilligkeit, mit dem denkbar härtesten Zwang
gesichert! 8
Derselbe Zwang wurde für die finanziellen Leistungen geübt.
So wurden in der Verordnung vom 5. März 1813, die den Zwangs⸗
kurs der Tresorscheine regelte und Zwangsanleihen bei Kaufleuten,
Kapitalisten und Bankiers verfügte, die äußerst drückenden und
willkürlichen Maßnahmen also eingeschärft:
„Da keine Kraft zu dem wichtigen und erhabenen Zweck, den Wir Uns vorgesetzt haben, für die Sache des Vaterlandes unge⸗ nützt bleiben darf; so soll gegen die Widerspenstigen als Feinde der guten Sache, mit der äußersten Strenge verfahren werden. Derjenigen aber, welche mit ausgezeich⸗ neter Bereitwilligkeit das Verlangte oder mehr leisten, als von ihnen gefordert wird, soll eine ehrenvolle Erwähnung bei Uns und vor den Augen des Volks in den öffentlichen Blättern ge⸗ 2 4 sch t Blut geschrieben war der„königliche Befehl wegen Bestrafung von Verbrechen gegen die Sicherheit der Armee“
vom 17. März 1813: 3 i daß es Verräter an der Sache des
„Nicht weil ich glaube, f Vaterlandes unter meinem Volke oder 1 Deutschland geben


