Ausgabe 
22.7.1913
 
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gipfelten in dem Ausspruch, daß erbärmlich die Arbeiterklasse sei, die ihren Bedrängern nicht die Spitze zu bieten wage. Auch unter den zahlreichen Diskussionsreden erregte beson⸗ ders der Hindeis des Gewerkschaftsführers v. Elm Aufsehen, daß der Moment kommen könne, wo die Arbeiterschaft mit Gut und Blut für ihre Rechte eintreten müsse, und daß es ihre Aufgabe sei, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten. Mit 287 gegen 14 Stimmen nahm der Parteitag eine Reso lution an, wonach es für eine Pflicht der gesamten Arbeiter- klasse erklärt wird, namentlich im Falle eines Anschlages auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht oder das Koalitionsrecht jedes geeignet erscheinende

Mittel zur Abwehr nachdrücklich anzuwenden. Für eines der wirksamsten Kampfmittel, um ein solches politisches Ver-

brechen von der Arbeiterklasse abzuwehren oder um sich ein wichtiges Grundrecht für ihre Befreiung zu erobern, erklärte gegebenen Falles der Parteitag die umfassende Anwendung der Massenarbeitseinstellung.

Es kam dann ein Jahr der Auseinandersetz⸗ ungen zwischen Partei und Gewerkschaft, die auf dem N zu Mannheim 1906 ihren A bschluß fanden. Mit 386 gegen 5 Stimmen fand hier folgende Resolu- 12 Annahme:Der Parteitag bestätigt den Jenaer Par- teitagsbeschluß zum politischen Massenstreik und hält nach der Feststellung, daß der Beschluß des Kölner Gewerkschafts- kongresses nicht in Widerspruch steht mit dem Jenaer Be schluß, allen Streit über den Sinn des Kölner Beschlusses für erledigt. Der Parteitag empfiehlt nochmals besonders nachdrücklich die Beschlüsse zur Nachachtung, die die Stärk ung und Ausbreitung der Parteiorganisation, die die Ver breitung der Parteipresse und den Beitritt der Partei genossen zu den Gewerkschaften und der Gewerkschaftsmit glieder zur Parteiorganisation fordern. Sobald der Par- teivor st and die Notwendigkeit eines politischen Mas- senstreiks für gegeben erachtet, hat er sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften in Verbind ung zu setzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforder lich sind, um die Aktion erfolgreich durchzuführen.

Eine zsßeite Resolution wies auf die Bedeutung der Ge E rkschaften hin und betonte weiter die Notwendigkeit, die gewerkschaftliche Bewegung mit dem Geiste der Sozial- demokratie zu erfüllen.

In erfreulicher Harmonie wirken

seitdem Parteivor

stand und Generalkommission zusammen in allen Fragen, die die die Gesamtinteressen der Arbeiterschaft betreffen. Die

Massenstreiks auf wurden, ließen

kurzen Erörterungen, 915 in der Frage des den Part eitagen 1911 und 1912 gepflogen den hohen Wert solcher einheitlicher Anschauungen erkennen und ohne Jwe auch fortan die 5 Betracht kom⸗ menden Fakto in der scharfen Abwehr aktionärer An⸗ schläge 3 istehen und mit fester Entschlossenhe it auf das eine hohe Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse vom politischen und ökonomischen Joch hinarbeiten.

fel werden

Nichtfachliches von der Leipziger Baufach⸗ Ausstellung.(Schluß)

Aus dem überreichen Gebiete von Wundern der modernen In⸗ nd modernen Erfindungsgeistes, die die Aus⸗ 0 bebe e ten nur gang spärliche hervorgehoben wer⸗ den. Beispiele der b durch den Menschengeist gebändigten und fber⸗ wundenen Natur besonders die Al* ider mit ihren mäch⸗ tigen Wildwasserverbauungen und großen Talsperren von denen übrigens auch Deutschland sehr instruktive Modelle z. B. von der großen Urftalsperre in der Eifel, zur Zeit der größten Europas, beigesteuert hat. Eine elektrisch angetriebene Gesteinsbohrmaschine von Siemens& Halske gibt eine Waung, wie der rastlose Meuschen⸗ geist sich auch durch den steinernen Leib der Gebirge eine Bahn bricht, ein Modell eines von einer österreichischen Firma gebauten Salon⸗ wagens der Canadian⸗Pacisicbahn zeigt, wie bequem der moderne Mensch auf der von dem Eisenbahnin ger tieur geschassenen stählernen Straße auch die fernsten Einöden eren kann. Riesen der Ma⸗ schinen-Industrie sind in den Wasch untergebracht. Zwel Rohölmotore von se 1100 Pfe ken liefern den gesamten Energiebedarf der Ausstellung. die Görlitzer Maschinenbau-Anstalt Aeg. zeigt Jogar einen Sechszylinder-Rohölmotor von 1150 Pferde⸗ kräften in Tätigkeit. Zwei gewal ltige e Fahrt räne an der Decke der großen Halle heben an ihren eleganten Drahttauen Lunderte von ilogrammen mit spi elender Lei chtigkeit an ibren Ort. Wie zum

Schaffen menschlicher Werte hier gewaltige Maschinen 2

so sind auch die raffinierten verderbli Werkzeuge 3 stören von Menschenleben und Menschenwerken zu 1 Längsdurchschnitten ist die komplizierte Zusammensetzung

großen Schrapnells und Granaten sichtbar, die ere das 28 Zentimeter⸗Marinegeschlitz reicht einem normalen Manne bis zur Schulterhöhe hinauf. Auch ein gepanzertes Kriegsauto⸗ mobil(System Ehrhardt) mit Ballon⸗Abwehrkanone ist ausgestellt. hierher gehören auch die Wunder der modernen Eisen⸗ und Stahl⸗ 7 deren Erzeugnisse in der großartigen, ganz aus Eisen⸗

J-Trägern aufgebauten viergeschossigen Pyramide des Deutschen Stahlwerksverbandes, demMonument des Eisens, im Bild und Modell zu sehen sind. Ein im Durchschnitt hier u. a. gezeigtes Brückenkabel aus 7 Einzelkabeln, deren jedes wieder aus mehreren Hundert Stahlkabeln zusammengesetzt ist, kann mit 5 866 000 Kilo⸗ gramm belastet werden, ehe es zu Bruche geht. Viele Bewunderer finden auch die mit minutiöser Genauigkeiten arbeitenden, im Be⸗ triebe gezeigten automatischen Seilbahnen der Leipziger Weltfirma Adolf Bleichert& Co. Hier seien auch die vom Preußischen Mini⸗ sterium für öffentliche Arbeiten ausgestellten komplizierten Vorrich⸗ tungen für die Regelung des Eisenbahnverkehrs, für das Eisenbahn⸗ Signalwesen und Unfallverhütung erwähnt. Einer wunderbaren auf der Ausstellung gezeigten Erfindung, die schon auf das sein⸗ geistige Gebiet hinübergeht, sei noch gedacht, der besonders von der Leipziger Firma Hupfeld in großer Vollendung erzeugten selbst⸗ spielenden Klaviere(Pianola) und Geigen. Im großen Vortrags⸗ saale der Firma horchen täglich Hunderte von musikbegeisterten Hörern auf das künstlerisch vollendete Spiel dieser automatischen Instrumente.

Einen umfangreichen Teil der Ausstellung nehmen natürlich wie schon oben gesagt wurde, die Darstellungen von Bauten 10 allem ein, was mit dem Bauen und Wohnen zusammenhängt. Hier sind vor allem die ungeahnten Fortschritte für jedermann inter⸗ essant, die auf dem Gebiete des Bauwesens durch die Benutzung des Betons gemacht worden sind. Diesen Fortschritten speziell ist das schönste und allein von allen Ausstellungsbauten für die Zukunft zu erhaltende Bauwerk der Ausstellung, die von Professor Kreis⸗ Düsseldorf entworfene und mit einem Auswande von 800 000 Mark aufgeführte Betonhalle, gewidmet. Hier sind die bedeutendsten modernen Bauten in Beton und Eisenbeton in Bildern und Mo⸗ dellen dargestellt. So diese Halle selbst, die Cisenbetonkuppel der Jahrhunderthalle in Breslau, das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, das z. B. 120 000 Kubikmeter Stampf⸗ und Eisenbeton an Material erforderte, die Straßenbrücke über die Jsar bei Grünwald, und viele andere Brückenbauten, Warenhäuser, Bahnhöfe, Flußdämme und andere Nutzbauten zeigen in reichster Fülle die hunderterlel Anwendungsmöglichkeiten und die Vorzüge dieses modernsten Bau⸗ materials, wie ja auch die beiden kühn geschwungenen Brücken auf dem Ausstellungsterrain selbst neben feinen übrigen Bauten prak⸗ tische instruktive Beispiele von dieser neuen Bauart geben. Aber natürlich birgt die Betonhalle noch unedlich mehr des Sehens⸗ werten und Juteressanten, als bloße Bilder und Modelle von Beton⸗ bauten und der Verwendungsarten dieses Materials. Hier und in der angebauten Wissenschaftlichen Abteilung ist unendliches Material zur Kenntnis des modernen Städtebaues untergebracht. Ein be⸗ sonders vollständiges über die Lebensbedingungen, hugienischen und volkswirtschaftlichen Verhältnisse einer Großstadt hat naturgemäß die Stadt Leipzig beigesteuert. Seinem großartigsten und neuesten Bauwerke, seinem Hauptbahnhofe mit den sechs Riesenhallen, dem zur Zeit größten Bahnhose der Welt, ist an anderer Stelle der Ausstellung(im PavillonSachsen) ein ganzes Zimmer gewidmet. Welche Mengen an Material die Gesundung eines Städtewesens verschl ingt, geht z. B. aus der einzigen Zahl hervor, daß zu der täglich zu klärenden Abwässermenge der Stadt Leipzig von 93 000 Kubikmeter Wasser täglich 21 100 Kilogramm Eisen⸗ sulvat gebraucht werden, die allein 8250 Kilogramm reines Eisen enthalten. Einen eigenartigen und ganz modernen Einblick in die Einzelheiten des Städtebaues und die menschlichen Siedelungsver⸗ hältnisse überhaupt geben die erstmalig hier in solcher Reichhalt keit vertretenen Ballonaufnahmen einzelner Städtebilder. Dlese Aufnahmen geben nach den verschiedenen Seiten ganz neue Aus⸗ schlüsse und Fingerzeige. Proben moderner eigenartiger kühner Baubestrebungen bietet auch die elegante Holzbogentechnik der Sporthalle und die aus luftigen Holzstreben gefügte Halle des Werdandibundes. Als Gegensat hierzu sehe man sich die prächtige Ausstellung der Stadt Hildesheim an, die ihre wundervollen alten Holzbauten in zahlreichen schönen Bildern und zum Teil auch in getreuen Modellen vorführt. Von den unzähligen modernen sindungen zum Schutze der Wohnungen gegen Kälte, Wärme Feuchtigkeit und zum Zwecke des Wohnlichermachens kann natürli bier mit Rücksicht auf den Platz nicht geredet werden. Der 2 der Ausstellung wird darunter jedenfalls aber auch vieles ihn In⸗ teressterende finden. Eine besondere Erwähnung an dieser verdient auch die mit der Ausstellung in Verbindung stehende neue Letpziger Gartenvorstadt Marienbrunn, die ein markantes, prak⸗ tisches Beispiel moderner gesunder Wohnungsbestrebungen gibt.

Auf dem Gebiete der Wissenschaft wird dem Beschauer am meisten die Sonderausstellung der Leipziger Universttät mit dem reichen Anschauungsmaterial aus ihren Instituten interessieren⸗ Auf dem Gebiete der Kunst bietet die der Ausstellung angegli und von der Leipziger Künstlerschaft veranstaltete Jahr 2 reiches Anschauungsmaterial von der Kunst der les

Jahre.

modernen