rasende Ehrgeiz eines Eroberers, der diesen Weg wählte? Napo⸗ leon wax nicht nur in dem Sinne der Erbe der großen Revolution, daß er die Zerstörung der feudalen Welt als Erbteil von ihr er⸗ hielt, er übernahm ah le politischen und wirtschaftlichen Probleme von ihr, er war nur der Erbe der von ihr begonnenen, vielmehr ihr aufgezwungenen Kämpfe. Napoleon hatte keine Wahl mehr, als er den Schauplatz der Geschichte betrat; der Weg war ihm vorge⸗ zeichnet, sein Gente stellte ihm nur die Aufgabe, ihn zu gehen, auf ihm vorwärts zu dringen.
Drei Gegner fand er für seine Aufgabe vor: die Klassen— gärung im Innern Frankreichs; er bewältigte sie durch seinen diktatorischen Liberalismus, der Freiheit und Gleichheit allen durch den Staat und das Gesetz sicherte, den Anteil an den sozialen Gütern dem einzelnen zumaß und den Willen der Masse nur in der Gestalt der straff gezügelten und klug geleiteten öfsentlichen Mei⸗ nung übrig ließ. Aber diese so aus dem Feudalismus befreite Nation, die der Ordnung und Gerechtigkeit des gleichen Gesetzes genoß, durfte nicht im Frieden ihre wirtschaftlichen Kräfte entfalten, die kapitalistisch-industriell sich mächtig regten. Gerade diese aus der Revolution erwachsende Konkurrenz der bürgerlichen Wirtschaft hatte England gegen die Revolution aufgerufen. Bedroht in seiner Monopolhecrschaft über die Manufakturen und Industrien, über den Handel und die Meere der Erde, strebte es das aufblühende Reich der Revolution zu zerstören, den Kontinent in den für seine Machtstellung gesahrlosen Zustand des feudalen Ackerbaustaates zu⸗ rückzuwersen, in ihm zu erhalten. So entstand das Bündnis Eng— lands mit den seudalen Kontinental staaten; mit der weltbeherrschenden Flotte Englands verschworen sich die leibeigenen Heere des alten Europa, die Fürsten und der Adel, die von der An- steckung der Revolution für ihre Eristenz zitterten. Englisches Gold mobilisierte bis zum Sturz Napoleons, wie schon vor Napoleon, die reaktionären Mächte gegen den modernen Staat, gegen seine politische und wirtschaftliche Entwicklung.
Das war der furchtbare Dreibund, den Napoleon vorfand. Er hatte keine Wahl der Mittel, alle seine Kriege waren Defensivkriege. Er wollte immer den Frieden. Nicht nur seine Heere, sondern auch sein politisches System waren die Werkzeuge, diesen Frieden zu erzwingen. Und wenn es ihm an Schiffen und an Matrosen sehlte, um England mit kriegerischer Gewalt zu bändigen, und er den Zweck auf dem wirtschaftlichen Umweg der Kontinental— sperre zu erreichen suchte, so hat er auch diese Mittel lediglich in der Verteidigung von der Revolution übernommen; dieser Wirt— schaftskrieg tobte seit Jahrzehnten, wie denn dieselben Zustände, die Napoleon schließlich zu der äußersten Konsequenz der Absperrung des ganzen Kontinents gegen englische Waren nötigte, schon 1800 Fichte zu der Utopie des geschlossenen Handelsstaates veranlaßten, zu der Phantasie der absoluten Handelssperre nach außen und der sogialistischen Selbstproduktion im Innern. Die militärischen und wirtschaftlichen Kriege Napoleons waren kein Mittel, sondern nur eine aufgezwungene Störung seines Systems. Sein wirk⸗ liches Mittel der Eroberung war die Gewinnung der Völker für den bürgerlichen Staat der Rechtsgleichheit und Geburtsfreiheit, die Ent— saltung aller wirtschaftlichen Kräfte, die Losbindung aller mensch— lichen Fähigkeiten, die Förderung aller kulturellen Güter, die Steigerung und Verallgemeinerung von Wissenschaft und Bildung.
Als nächsten und natürlichsten Bundesgenossen in dieser Poli- lik suchte Napoleon Deutschland zu gewinnen. In märchenhaft kurzer Zeit gelang ihm dies Werk, aber ehe noch die überall auf⸗ wachsende Schöpfung zur Ruhe und Stetigkeit gelangen konnte, unterlag Napoleon der Zusammenrottung Englands mit den reak— tionären Mächten des Kontinents. Die un vergänglichen Spuren seiner Tätigkeit jedoch erkennt man am klarsten duran, daß auf dem unmittelbaren Gebiet napoleonischer Herrschaft und napoleonischen Einflusses zuerst wieder das politische Leben aus der Erstickung sich befreite. Die Ueberlegenheit der politischen Kultur im Süden und Westen Deutschlands, die sich noch heute zeigt, wurzelt in der Zeit Napoleons. Hier wurden die ersten Verfassungskämpfe geführt, hier leistete man den zähesten Widerstand gegen die Zerstöcung gewonnener Rechte. Im Geltungsbereich des Code Napoleon, der 110 Westen erst im Jahre 1900 verschwand, mit der ersten Kodi⸗ fikation des bürgerlichen Rechts seit jenen Tagen des Imperators, ist das Bewußtsein staatsbürgerlicher Würde nie ganz erloschen.
Die Zeit des Rheinbundes ist für Deutschland die erste Zeit nationaler Erhebung und nationaler Blüte, wenn anders man denn unter der Nation das Volk verstcht. Im zweiten Teil der Tragödie hat Goethe Fausten die Zlige Napoleons verliehen: das Gleichnis von der Abgewinnung des Bodens aus dem dunklen Meer der Jahrhunderte, das in den Versen auf Napoleon sich findet, wird am Schluß des Faust in szenischer Anschaulichkeit verkörpert. Die meisten Köpfe der Zeit empfanden die Schöpfung Napoleons ähnlich Zum ersten Male konnten die deutschen Gelehrten ihrer gewohnten Begeisterung für die jeweiligen Machthaber aus ehrlichem derzen frönen. und wenn man heute die Huldigungen für Napoleon, die damals die deutschen Professoren stilisterten, als Jeugnisse eines widerwärtigen hündischen Anzantinismus schmäht. lo ist die Wahrheit vielmehr, daß weder vorher noch nachher pro- sessorale Lobsprüche auf Herrscher so begründet und so aufrichtig waren. Es klingt eben doch tiese und echte Bewunderung aus Worten heraus, wie sie der Tacitus der damaligen Zeit, Johannes von Müller, der eben aus den Diensten Friedrich Wilhelms III. in die Jeromes geflüchtet war, bei dem Schluß des ersten Reichstags im Königreich Westfalen sprach: Der. vor dem die Welt schweigt, weil Gott die Welt in seine Lände gegeben, erkannte in Germansen die Vorwache und Brust⸗
wehr von Süd und Best, von den ersten Feber der Europens. Also, für gemeine Politik zu erhaben, gab er
land Festigkeit, gab ihm sein Gesetzbuch, das Muster seiner
die größten Lehrer, und, statt gedemütigter Soldaten,
ehrte Bürger. Aus zwanzig Ländern schuf er ein Reich“ g
„Glückliches Volt, Tage des Ruhms eröffnen sich dir, alter Redlichkeit Sohn. der Geist gemeinsamen Vaterlandes, nat diesem plötzlichen und hoben Schwung in allen Gemütern auf immer vorherrschend wird. Ein König, ein Gesetz, ein und eine Schuld und um nicht auch der gemeinsamen Abstammung ö Schicksale zu erwähnen, ein Jute resse..„ indem für 11 Bedürfnis nicht eine Klasse, Austrengung aller Bürger in Anspruch genommen wird, erschafft sie ein gemeinsames Wesen. Das Sonderbare haben die mitternächtigen Völker, zumal vom germanischen Stamm: so oft in Gottes Nat beschlossen war, ihnen eine neuere Art oder einen höheren Grad von Kultur bringen, so mußte ein Stoß von außen kommen, bei allen Völtern wurde das dermaßen Erworbene ungemein vervollkomm⸗ net.“ Dann heißt es von den neuen Gesetzen:„So neu diese Gesetze scheinen, so alt ist ihr Geist, weil näher der ursprünglichen Einfalt als den Formeln, womit im Lause der Jahrhunderte, in einem fremden, äußerst verdorbenen Reich, die Gesetzgebung der ausge⸗ arteten Römer, durch das sie beherrschende Advokatenvolk, belastet worden war. Würden diese alten Ordnungen in das alte Deutsche Übersetzt..., man würde sich wundern, wie Germanisch es ist. Daher jene Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz... Sie werden in der Verfsassung die Absicht bemerkt haben, geringere Bürger und Menschenklassen emporzuheben. Vom alten Morgenland bis auf unsere Väter kann man es nicht leugnen, war der größte Teil der N Menschen zu Herabwürdigungen verurteilt. Nicht mehr so in unseren Heeren: die Manieren sind nicht mehr, wodurch das Ehrgefühl bei dem Stand unterdrückt wurde, der desselben am meisten bedarf: man wird zum Kopf und Herzen des Soldaten sprechen müssen. Was wird nicht aus dem Heer, an dessen ehrwürdigem Geschäft alle Stände teilnehmen!“ 1
„Als bie gebildete Klasse wohlhabender Bürger sich den Wassen entzog, sahen wir große Staaten, welche mit scheinbar furchtbarer. Macht prangten, dem ersten Angriff des Mannes von Geist und Kraft weichen und in Staub versinken, man verstand, man erkannte sie nicht mehr, und als die tausend Jahre der Entstehung und Re⸗ gierung neuerer Staaten vollendet waren, mitten unter den Ruinen der zusammenstürzenden Welt, erschienen vor den Königen und Völkern der neuen Ordnung der Dinge die wahrhaften Grundsesten von Sicherheit und Macht: Vereinigung und Waffen.“
So hatte der größte Geschichtsschreiber seiner Zeit auch schon bei Eröffnung dieses früheren deutschen Parlaments in einem Brief au seinen Bruder geschrieben:„In dem allem und in den Anstalten 5 ist Keim der gänzlichen Umschaffung, einer ganz neuen Entwicklun des Charakters der Deutschen, und wahrhaftig ebenso möglich, da unter gewissen Umständen alles lebendiger und größer wird, als das Gegenteil. Ich getraue mir nicht vorher zu sagen, ich erkenne Taten Gottes über alle Rechnungen hinaus.“
sondern die
Aus unserer Sammelmappe.
Was wird aus dem Sternenlicht? Von der Energie, die den unzähligen Sonnen des Weltalls entstrahlt, geht der größte Teil in den Weltraum hinein verloren, oder er kommt wenigstens nicht da⸗ durch zur Geltung, daß er auf einen andern Himmelskörper auf⸗ trisst. Nun ist unsere Sonne weder der einzige noch der größte Stern, der sast unermeßliche Mengen von Energie nach allen Seiten in den Raum hinausschleudert, und daher erscheint die Frage durch⸗ aus berechtigt, was aus dieser Energie eigentlich wird. Daß sie nicht verloren geht, müßte man schon aus dem physikalischen Gesetz von der Erhaltung der Krast schließen. Es ist auch undenkbar, daß es geschieht, wenn sie anderseits die ganze Fülle von Bewegungen und Lebenserscheinungen auf der Erdoberfläche erzeugt und unter⸗ hält. Professor Very, der jene wichtige Frage in der Popular Science Monthly erörtert, kommt zu dem Schluß, daß der Aether, der mutmaßlich den Weltraum erfüllt, allein die Fähigkeit besitzt, die Lichtenergie der Sonnen in sich aufzuspeichern. Damit aber wäre das Rätsel nicht gelöst, da dieser Vorgang nicht bis ins Un⸗ endliche weitergehen könnte, und deshalb nimmt Professor Very weiter an, daß diese Aussaugung des Lichtes durch den Aether der eigentliche Born ist, aus dem die Geburt des Stosss hervorgeht. Auf diesem Wege würde aus dem Aether allmählich ein stofflicher Staub gebildet werden, in dem die Keime künftiger Welten zn sehen sind. Vielleicht ist dieser Vorgang der Stoffbildung in der Urwerkstatt der Natur die Umkehr der Stoffzersetzung, wie sie durch die Radiumsorschung an den strahlenden Elementen nachgewiesen worden ist. Damit wäre ein Kreis geschlossen, der in der Tat die ganze stoffliche Welt umfaßt, indem zum erstenmal ein Einblick in das Werden und Vergehen des Stoffs eröffnet wird, Leiber steht diese Erkenntnis noch auf schwachen Füßen, well sie mit der An⸗ nahme des Weltäthers steht und fällt, für dessen Vorhandenseln es sichere Beweise vorläufig nicht gibt. 1 75
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