1 wirkt. Der Arbeiterabstinentenbund(seit 1903) hat gleichfalls der Aufklärung der Jugend besonderes Interesse entgegengebracht. Er einige Kinder⸗ und 1 gegründet und auf der iese Frage speziell behandelt. Auch seiner Tätigkeit sind behördliche Schwierigkeiten bereitet worden, tbenso den in Groß-Berlin bestehenden Elternvereinen, zu deren Aufgabe auch die Aufklärung der Elter hört. Ein Kindergarten mit Kinderhort in Charlottenburg wurde
sten Generalversammlung
verboten. Mustergültig wirkt der
Kinderfreunde, der durch körperliche und geistige Darbietungen in⸗
direkt wie auch direkt durch Aufklärung
bekämpft, wie auch sonst die österreichische Arbeiterbewegung in der Behandlung der Alkoholfrage vorbildlich geworden ist. Seit vorigem Jahr erscheint eine Kinderbeilage des Organs des Arbeiter-
abstinentenbundes Der abstinente Arbe Die Verhandlungen werden sicher
wegung zum Schmerze des Braukapitals und der adligen und fürst⸗ lichen Schnapsbrenner einen mächtigen Anstoß geben.
Der Marxismus und
(Ein Stück Parteigeschichte.) Von P. Kampffmeyer.
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Die Bewegung der„Jungen hinter uns, gleichwohl sind über
Ansichten im Schwange. Eine große Gruppe unserer Partei⸗ genossen steht noch stark unter dem Eindruck der lärmenden
und vielfach persönlich gefärbten K
und Magdeburger Opposition, und von diesem Lärm be— fangen, erkennen sie aus den leidenschaftlichen Darlegungen der Opposition nicht die grundsätzliche Seite dieser radikalen
Bewegung. Die Opposition ist Parteitag wegen eines Berliner
worden, das die Politik der sozialdemokratischen Fraktion in den Jahren 1887 bis 1890 niederdonnerte. Der rollende Donner dieser„Anklagen“ unterscheidet sich nicht wesentlich von dem dröhnenden Gepolter der über die Fraktionspolitik in den Tagen der Dampfer— subventionsvorlage. In den leidenschaftlichen Debatten des Erfurter Parteitages vergaß man sachlich zu untersuchen, welche oppositionelle Gruppe denn eigentlich auf dem von Karl Wildberger verfaßten Berliner Flugblatt stand. Dieses
Flugblatt, von ehrlichster Ueberzen
tisch sehr unklug, sand durchaus nicht die Billigung der ge— samten Opposition. Die Magdeburger Jungen verwarfen es; und der oppositionelle Werner nahm es nicht in Druck. Die
revolutionären Verdammungsurte die Reichstagsfraktion sind vom Antiparlamentariers Wilhelm Li der ja 1869 jedes Parlamentiere
sichtigkeit und jedes Reden im Reichstag für zwecklos erklärte. Wertet man heute die leidenschaftlichen Ausfälle der „Opposition“ gegen die Taktik der Fraktion objektiv und bringt man sie in den engsten Zusammenhang mit den Zeit⸗ ereignissen, so versteht man sehr wohl, weshalb sich die Sozial—
demokratie damals die Oppositior
halten wollte. Sehr fraglich ist es aber, ob gerade der Aus—
schluß der Opposition der michtige Die Opposition rebellierte n
gegen die planmäßige, auf dem Boden der gegebenen Ver— hältnisse rüstig fortschreitende Massenbewegung der Sozial⸗ dmokratie, die damals schon den Blick fest auf die Eroberung
„aller Posten“ richtete. Den„geg
digte aber die Opposition den Krieg in schärfster Form an.
Grundsätzliche Verneinung der b
ökonomischen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, nicht zielklarere Form dieser Verhältnisse, das war der einzige Programmpunkt der opposttionellen Bewegung der Jungen. Von ihr wurde daher alle„Reformerei“ als„kleinbürgerlich“ grundsätzlich verworfen. Nun mußte aber die Sozialdemo— kratie, wollte sie zu politischem Einfluß gelangen, auf dem Boden der„bestehenden Verhältnisse“ ihre Machtorgani- a sationen aufbauen. Das war in den Augen der Jungen ein prinzipieller Verstoß gegen die revolutionären Grund— anschauungen der Sozialdemokratie. Und diese Grund⸗ anschauungen glaubten die Jungen aus den theoretischen
Schriften von Marx und Engels g
Anter dem Ausnahmegesetz hatte der Marxismus in der gbroßstädtischen Arbeiterschaft Den
n über die Alkoholgefahr ge⸗ österreichische Arbeiterverein
den Alkoholgenuß der Kinder
iter. der antialkoholischen Be⸗
die„Jungen“.
liegt jetzt zwei Jahrzehnte sie die widerspruchvollsten
undgebungen der Berliner
vorwiegend vom Erfurter Flugblattes ausgeschlossen
Frankfurter Urteilssprüche
gung eingegeben, aber tak⸗
ile des Flugblattes gegen Standpunkt des einstigen ebknecht niedergeschrieben, n für Verrat und Kurz—
i ziemlich weit vom Leibe
Weg zu diesem Ziele war. nit fanatischer Leidenschaft
ebenen Verhältnissen“ kün⸗
estehenden politischen und
eschöpft zu haben.
geschlagen, und diese erstarkten zusehends, da sie tagtäglich neue Nahrung aus der willkürlichen brutalen Handhabung des Ausnahmegesetzes zogen. Die Vorstellung von der Not- wendigkeit eines gewaltsamen katastrophalen Bruchs mit der bestehenden Gesellschaftsordnung, die sich dem Proletariat aus dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels zu erschließen schien, befestigte sich mehr und mehr in den Massen. Wie eine Utopie gutmütiger aber gedankenloser Sozialreformer mußte fast das Programm einer allmählichen gesetzlichen Sozialisierung und Demokratisierung der Ge⸗ sellschaft erscheinen. Wo die Gesetzlosigkeit eben vom Parlamente in dem Ausnahmegesetz sanktioniert war, konnte die Gesetzlichkeit unten in den Massen nicht triumphieren. Nach der Vernichtung der Arbeiterpresse, nach der Beseitigung der Versammlungs-⸗ und Vereinsfreiheit schien überdies der Parlamentarismus völlig entwurzelt zu sein. Die durch be sondere politische Zeitverhältnisse bedingte Ohnmacht des Parlamentarismus wurde von der revolutionär ⸗-sozialistischen Arbeiterschaft der Großstädte leicht zu einer allgemein gül- tigen Theorie von der Impotenz parlamentarischer Einrich⸗ tungen überhaupt erhoben. Folglich traten in dieser Arbeiter- schaft die Ideen Ferdinand Lassalles stark zurück, die dem Wahlrecht, dem politischen Kampf, dem Parlamentarismus eine überragende Bedeutung für die Emanzipation des Pro- letariats beilegten. Die Zeitverhältnisse ebneten nun dem Marxismus die Bahn, dee in seiner radikalen Form, im Kommunistischen Manifest ein vollkommener Niederschlag der Ideen revolutionärer Proletarier ist, die sich nicht auf dem Wege gesetzlicher, politisch⸗varlamentarischer Machteroberung, sondern auf dem der plötzlichen Gewaltergreifung in den Besitz der politischen Macht setzen wollen. Die soziale Revo⸗ lution ist im Kommunistischen Manifest das„naturnotwen⸗ dige“ Ergebnis der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung: eines die ganze kapitalistische Gesellschaft zersprengenden Widerspruchs zwischen den sich gigantisch entfaltenden Pro- duktivkräften und den eng begrenzten kapitalistischen Eigen⸗ tumsverhältnissen. Diese Eigentumsverhältnisse bannen den Proletarier an die Produktionskosten seiner Arbeitskraft, an seine Unterhalts- und Fortpflanzungskosten fest. Diese Pro⸗ duktionskosten haben sogar die Tendenz, da die Maschine den Arbeiter im wachsenden Maße selbst aus der Produktion ver- drängt, unter das Nivean der Unterhaltskosten zu sinken. Schluß folgt.)
Der Völkerkrieg der Fürsten. 1813/15. Von Kurt Eisner. Zweites Kapitel: Napoleons deutsche Politik. II.
Napoleon hat im wesentlichen die Karte Deutschlands bestimemr, wie sie noch heute ist, wenn man von den preußischen Gebietser⸗ weiterungen absieht. Vor ihm bestand dieses, wie aus den Träumen eines Wahnsinnigen erzeugte heilige römische Reich deutscher Nation, mit seinen 1800 reichsunmittelbaren Ständen, den Kurfürsten⸗ tümern(unter denen ein Königreich, Böhmen), Herzogtümer(nebst dem Erzherzogtum Oesterreich), Pfalzgeafschaften, Landgrafschaften, Markgrafschaften, Fürstentümer, Graf⸗ und Herrschaften, Erzbis⸗ tümern, Bistümern, Abteien, Probsteien, Reichsstädten reichsritter⸗ schaftlichen Gütern und Reichsdörfern. Dieser ganze Wust wurde in wenigen Jahren säkulacisiert und mediatistert. Aus dem ekelhaften Feilschen der dreihundert Landesfürsten um ihre Existenz, um größeren oder minderen Landgewinn und Landverlust erhob 5 klare Gebilde des Rheinbundes mit seinen vierzehn Mitgliedern, daneben noch Oesterreich und das bescheiden über die Elbe zurück⸗ gedrängte Preußen. Wenn jene dreihundert deutschen Landesväter beute ihre Auferstehung in den geborenen Gesetzgebern der Ersten Kammern seiern konnten, so ist das nicht zum wenigsten verschuldet durch die ungeheure, bis zum heutigen Tage nicht ausgeglichene Hemmung, die Napoleons Katastrophe über Deutschland hecaufbe⸗ schwor. Niemals war Europa einem Föderativbunde aller Staaten näher als damals. Es war keine schmeichelnde Ueberschwenglichkeit, wenn am 13. Juli 1805, nach dem Abschluß des Rheinbundsver⸗ trags, Tayllerand an Nopoleon schrieb:„Dieser Vertrag ift der erstaunlichste, den die Welt seit fünfhundert Jahren gesehen hat; er zieht die Auflöfung eines alten Reiches nach sich„ ein anderes, das in dem Genie seines Gründers eine Bürgschaft für seine Dauer besitzt.“
Die vereinigten Staaten von Curo pa, die ver⸗ einigten Staaten der Welt in dem System Napoleons, daß war das Ziel. Zu diesem Ziel schritt Napoleon durch ein Meer von Blut, über welte Leichenäcker, die besät waren mit den in den witt⸗
tschlands starke Wurzeln
schaftlichen Riesenkämpfen vernichteten Existenzen, War es den
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