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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung
fRummer 3
Dienstag, den 22. Npril 1913
2. Jahrgang
Aus einem deutscheu Gelehrtenleben. Zum 40. Todestag Justus Liebigs(18. April). Von H. Falkenfels.
„Es ist wohl niemand an der Universität in auffallende— rer Weise als ich mißhandelt worden. Mit 800 Gulden Besoldung kann man in Gießen nicht leben.. Sie haben mir mit Lächeln versichert, daß die Staatskasse keine Fonds besitzt; ich habe daraus gesehen, daß Sie Kummer und quälende Nahrungssorgen nie gekannt haben... Man gab mir vier leere Wände statt eines Laboratoriums; an eine be— stimmte Summe zur Ausstattung desselben, zur Anschaffung eines Inventariums ist trotz meiner Gesuche nicht gedacht worden. Ich habe Instrumente und Präparate nötig gehabt; ich habe einen Assistenten nötig, der mich selbst 320 Gulden kostet; ziehen Sie beide Ausgaben von meiner Besoldung ab, so bleibt davon nicht so viel übrig, um nur meine Kinder zu kleiden“.
Dieser Brief wurde 1834 geschrieben von dem damaligen
ordentlichen. Universitätsprofessor der Chemie, Justus
Liebig, an den Kanzler der Universität Gießen. Er ist
ein bedeutsames Dokument für die hohe Wertschätzung, die die bürgerliche Gesellschaft den Naturwissenschaften entgegen— brachte, bevor sie eine Ahnung hatte von der enormen Profit— rate, welche ihr diese industriell ausgewertete Naturwissen— schaft in den Schoß zu werfen begann. Zur Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, war Liebig bereits ein weltberühm— ter Mann, zu dem sich Schüler aus aller Herren Länder drängten. Freilich hatten seine Arbeiten vorerst nur wissen— schaftlichen und noch nicht auf das Gewinnkonto der Fabriken übertragbaren Wert und so blieb denn für ihn nur die An— feindung der damals in Hessen herrschenden bigott-ultramon— tanen Klique innerhalb der Regierenden, von seiten der Kollegen aber wütender Brotneid nicht nur wegen des Zu— laufs, den der geniale junge Lehrer fand, sondern vor allem wegen der„skandalösen“ Unbekümmertheit, mit der er alle Geheimnisse der gelehrten Zunft vor den Studenten, sogar vor dem Volke preisgab. Dieser junge Liebig war ein Revo— lutionär in seiner Kaste und hatte etwas ganz Unerhörtes begangen. Er hatte erklärt: Naturwissenschaften könne man nicht vom Katheder herab lehren, sondern nur durch praktische Arbeit mit den Schülern im Laboratorium. Und er hatte die Ueberzeugung in die Tat umgesetzt. Er gab all sein Wissen und Können vor den Studenten wirklich preis; sogar in gemeinverständlichen Aufsätzen und Büchern(in seinen be— rühmten„Chemischen Briefen“; scheute er sich nicht, zum Volk herabzusteigen. Das war in den Augen der ängstlich ihr Wissensprivileg hütenden Gelehrtenkaste damals ein Ver— brechen. Sie wußten ja auch gar viel von den dunkelsten Geheimnissen der Natur, sie hatten auch jeder ihre Ent— deckungen gemacht, aber sie hüteten den Schatz gar wohl und ließen sich nicht so leicht in die Karten schauen. Liebig erzählt selbst von so„wunderbaren“ Entdeckungen seiner Kollegen. In Marburg zeigte ihm z. B. der Professor Wurzer im Ver⸗ trauen eine alke hölzerne Tischlade, die von drei zu drei Monaten Quecksilber erzeugen konnte; auch einen Apparat sah er im Marburger chemiichen Laboratorium, mit dem man Sauerstoff in Stickstoff verwandeln konnte und dessen Haupt⸗ bestandteil ein langer tönerner Pfeifenstiel war. Lliebig war der erste, der die Chemie zu einer Experi⸗— mentalwissenschaft von Wert umgestaltete, seine Unterrichts⸗ art krempelte überhaupt den ganzen Universitätsunterricht
um. Seine Forschungen über die Ernährung der Pflanze gaben der Landwirtschaft die Möglichkeit eines rationellen Betriebes, der gestattete, ungezählte Millionen aus Böden zu, holen, die man längst für altersschwach und ausgebraucht' hielt. Seine Forschungen auf rein chemischem Gebiet ver— schafften Deutschland den bis heute unbestrittenen Vorzug der; Führung in der Chemie uns sie legten den Grundstein zu der, großartigen chemischen Industrie Deutschlands. N
Das sind die drei Großtaten Liebigs, von dem selbst; ganz nüchterne Beurteiler sagten: kein anderer Gelehrter habe der Menschheit ein größeres Vermächtnis hinterlassen.
Und der Dank des Bürgertums, für dessen Geldschrank der Name Liebig so bedeutungsvoll wurde? a
Wie man ihn in Hessen, wo er Gießen weltberühmt, gemacht hatte, schätzte, bezeugt sein eigener Brief. In, München, wohin man ihn auf Empfehlung seines Schülers! Pettenkofer berief, empfing ihn eine kleine Schar von Ver⸗
ehrern und der allgemeine Haß der ultramon⸗
tanen Partei, die ihn mit allen Mitteln wegzuekeln suchte, schon deshalb— weil er nicht gebürtiger Bayer war! Als er sich für seinen Schwiegersohn, den Philosophen! Carrière, der ohnedies als höchstes„Freiheitsideal“ nur für eine etwas freiere„deutsche' Kirche schwärmte, um eine An- stellung in München bemühte, legten die Ultramontanen unter der Führung des Erzbischofs einen förmlichen und! feierlichen Protest dagegen ein.
Die gelehrte Welt verfolgte ihn ob seiner neuen An— schauungen mit giftigen Schmähschriften. Noch neun Jahre, vor seinem Tode bedauert einer seiner Gegner, daß Liebigs Anschauungen„sogar“ in Königsberg und Berlin,„diesen Sitzen der wissenschaftlichen Intelligenz“ Anklang fänden, und der Botaniker Hugo v. Mohl, der als einer der ersten, Gelehrten der Zeit galt, warf ihm öffentlich vor, daß er„un— gebildet“ sei, womit er darauf anspielte, daß Liebig als der Sohn eines einfachen Matcrialwarenhändlers nicht über fünf Klassen des Gymmasiums binausgekommen war.
Erst als die enormen praktischen Nutzungsmöglichkeiten der Liebigschen Entdeckungen offen zutage lagen, wendete sich das Blatt. Der Kapitalismus war freilich in Deutschland noch nicht so weit vorgeschritten, um Liebig auf seine Weise sofort seine Huldigung darzubringen. Das vermochte vorerst nur England. Dort errichtete man die ersten Fabriken um nach Liebigschen Angaben Silberspiegel herzustellen, welche die alten gesundheitsschädlichen mit Quecksilber belegten Spiegel heute völlig verdrängt haben. In England setzte man auch seine landwirtschaftlichen Theorien zuerst in die Praxis um. Er hatte gelehrt, daß die Pflanze nicht von Humus lebt, wie man bis dahin glaubte, sondern von mine— ralischen Stoffen, daß mon dem Boden also solche bieten müsse, um nicht Raubbau zu treiben. Man errichtete dem⸗ gemäß Mineraldünger-Fabriken und schuf in England eine Industrie, die man erst später nach Deutschland verpflanz hat und die heute Milliardenwerte auf dem ganzen Erdenrund herstellt. Auch das Liebigsche Fleischextrakt— seine einzige Erfindung, von der die große Masse der„Gebildeten“ etwas weiß, die aber für sein Lebenswerk ganz nebensächlich ist— wurde und wird noch im Ausland hergestellt.
Als alle diese großen Industrien ihren schweren Goldzins für England trugen, da erwachte dort das Verständnis für den großen Deutschen. Eine Reise nach England, zu der man ihn veranlaßte, entfesselte den Enthusiasmus aller durch ihn
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