mische 55 fahrt sich nur deshalb überhaupt halten kann, weil
die Küstenschiffahrt durch Gesetz als Monopol vorbehalten urde. Später wurden auch noch Zölle auf Vieh, Fleisch und Ge⸗ de eingeführt, um die Landwirte der Union gegen bie„kana⸗ he Konkurrenz“ zu schützen. Doch hat diese Maßregel nur den 'oßen Fleischproduzenten die Monopolisterung des Marktes er⸗ öglicht zum Schaden der einheimischen Konsumenten.
Von den ursprünglichen Nutznießern der industriellen Schutz⸗ le kamen nun diejenigen Industriellen, die mehr auf die Ver⸗ rtung ihrer Fabrikate im Ausland angewiesen sind, allmählich ahinter, daß sie mehr Nachteile als Vorteile vom Schutzzoll haben, 1 die Verteuerung aller für ihre Fabrikation benötigten Stoffe uch ihnen selbst die Herstellung ihrer eigenen Fabrikate erheblich
euert. Für diejenigen Industriellen, die ausschließlich auf den bsatz im Inland angewiesen waren, machte das wenig aus, da sie seberum hinter der Schutzzollmauer ihre eigenen Preise ent⸗ hrechend hochhalten konnten. Anders aber bei dem Absatz im susland. Da wurde die Konkurrenz mit dem billiger produzieren⸗
u Auslande erschwert. So wurden gerade die leistungsfähigsten, f den Absatz im Auslande angewiesenen Industriellen zu Befür⸗ ortern der Aufhebung oder doch Herabfetzung der Schutzzölle. a auch die Ackerbauer und Viehzüchter kein ernstliches Interesse ber Aufrechterhaltung des Hochschutzzolles haben, gewann schließ⸗ ch bei den letzten Wahlen die freihändlerische Strömung die Ober⸗
Mitgewirkt hat bei diesem Umschwung auch die bevorstehende ertigstellung des Panamakanals. Denn die Möglichkeit, ch der Westkliste Siidamerikas auf erheblich verkürztem Wege und deshalb billiger die Waren von der industriellen Ostküste der reinigten Staaten aus verfrachten zu können, regte die ameri⸗ 1 Exporteure mächtig zur Eroberung des entwicklungsreichen arktes in Chile, Bolivia, Peru, Ecuador und Venezuela an. Jetzt berden diese Märkte noch durch europäische Industrieprodukte be⸗ errscht, die Pankees spielen dort nur eine untergeordnete Rolle. ber geplante Beutezug dorthin verspricht den amerikanischen Ex⸗ rteuren aber umso mehr Erfolg, wenn ihnen außer der bevor⸗ chenden Verbilligung der Frachten auch noch eine Verbilligung der Fnheimischen Produktionskosten durch Herabsetzung der Schutzzölle Im eigenen Lande zugute kommt. Die jetzt tatsächlich durchgeführte Herabsetzung der amerikani⸗ Hen Schutzzölle beläuft sich im Durchschnitt auf die Verminderung snes-⸗Wertzolls von 40 Prozent auf etwa 25 Prozent. Die Fleisch⸗ und Viehzölle sollen ganz aufgehoben werden. Das ist zwar noch icht viel, es ist aber doch ein Anfang, der weitere Herabsetzungen ch sich ziehen muß. Es ist nun unausbleiblich, daß dieser handelspolitische Um⸗ wung in den Vereinigten Staaten eine Rlickwirkung auf Europa ben muß, dessen kontinentale Industrieländer ihre industrielle twicklung gleichfalls zwischen Hochschutzzollmauern eingezwängt ben. Müssen sie jetzt schon im Auslande schwer ankämpfen gegen e Konkurrenz des freihändlerischen Englands, so bedroht sie der ebergang der Vereinigten Staaten zum Freihandelsystem mit ner weit überwältigenden Konkurrenz. Die induftrielle Entwick⸗ ung Amerikas, die jetzt erst in dem kaum völlig besiedelten Lande * hren Anfängen steht und dennoch bereits auf das Niveau der (teren Industrieländer gebracht hat, wird noch dadurch begünstigt, aß sie nicht durch solch furchtbar militaristische Lasten bedrückt bird, wie sie die europäischen Länder in gegenseitigem Argwohn gegenseitiger Bedrohung sich aufgehalft haben. Mit der Ent⸗ ilitarisierung Euronas hat es zwar noch gute Wege; aber die Ent⸗ ung der exportfähigen europäischen, besonders der deutschen In⸗ ustrie durch Aufhebung des Schutzzollsyftems wird notwendig, so ald bie Vereinigten Staaten damit vorangegangen sind. Ss wird dem deutschen Schutz zollsystem das Totenglöcklein
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Was der Deuntsche besitzt.
sc. Der Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helferich, hat leser Tage das deutsche Nationalvermögen auf 0 Milliarden Mark geschätzt. Im Jahre 1898 hatte es nach einer Berechnung des Internationalen Volkswirt eine Höhe ve 165,8 Millionen Mark. Der Nationalreichtum Deutsch⸗ ends hat sich also im Laufe von 15 Jahren verdoppelt, ein kihlenmäßiger Beweis für den gewaltigen wirtschaftlichen zufschwung, den das Land in dieser verhältnismäßig kurzen + itspanne genommen hat, ein Aufschwung, der freilich in 1 ster Linie einer kleinen Handvoll Besitzenden zugute gekom⸗ hen ist, während die große Masse der Bevölkerung nach wie die aus Habenichtsen besteht. Und doch wäre das auf den N apf der Bevölkerung fallende Vermögen bei einer gleich- küßigen Verteilung gar nicht so klein. Es hat sich von 1898 beute von 3070 auf 4900 Mark vermehrt. Daß die Stei⸗ ing hier nicht so groß ist, erklärt sich aus dem gleichzeitigen ölkerungswachstum von 84,4 auf 66 Millionen. Die
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heute auf jede Familie ein Vermögen von fast 20 000 Mark, in dem allerdings das öffentliche Vermögen an Eisenbahnen, öffentlichen Gebäuden, Kunstschätzen usw. mit einbegriffen ist.
Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt, daß das Nationalvermögen in England 260 Milliarden und 5800 Mark pro Kopf, in Frankreich 232 Milliarden und 5924 Mark pro Kopf, und in den Vereinigten Staaten 500 Milliarden oder 5500 Mark pro Kopf beträgt. Wenn uns auch alle diese Länder hinsichtlich der Kopfquote noch überragen, so kann uns dabei doch die eine Tatsache trösten, daß dies 1898 noch in weit höherem Maße der Fall war(England hatte damals die doppelte Kopfquote von Deutschland, Frankreich eine um 70 Prozent und die Vereinigten Staaten eine um 60 Prozent höhere), sodaß wir also hoffen dürfen, den Vorsprung unserer wirtschaftlichen Hauptkonkurrenten bald einzuholen.
In einer Studie„Deutschlands Volkswohlstand 1888— 1903“ schätzt Dr. Helferich ferner das deutsche Volksein⸗ kommen auf rund 40 Millarden Mark oder 600 Mark pro Kopf, während es 1896 etwa 21½ Milliarden Mark oder 410 Mark pro Kopf betragen hatte. Wiederum mit 4 multipli⸗ ziert ergibt dies also ein Durchschnittseinkommen pro Familie von gegenwärtig 2400 Mark. Freilich ist hierbei zu berück⸗ sichtigen, daß von den 40 Milliarden nur 25 in den privaten Konsum eingehen, während 7 Milliarden für öffentliche Zwecke verwandt, der Rest von 8 Milliarden aber akkumula⸗ tiert, d. h. zur Erweiterung der Produktion, zur Anlage von Eisenbahnen, Kanälen, Erschließung von Bergwerken usw. verwandt wird. Der in den Privatkonsum übergehende Teil des Gesamteinkommens von 25 Milliarden auf die Bevöl— kerung verteilt, ergibt ein Durchschnittseinkommen pro Kopf von 375 Mark oder pro vierköpfige Familie von 1500 Mark. Das ist nicht gerade viel und wenn der Sozialismus nur eine gleichmäßigere Verteilung des vorhandenen Einkommens be— zweckte, so wäre das Ziel nicht allzu anreizend. Aber wir hoffen ja, daß die sozialistische Produktionsweise zugleich eine gewaltige Steigerung der Produktivität bringen wird. Der gleiche Geldbetrag— einmal vorausgesetzt, daß auch die sozialistische Gesellschaft zunächst noch das Geld als Tausch— mittel beibehalten wird— wird also dann einem weit höheren Quantum an Gebrauchsgütern entsprechen.
Die Genter Weltausstellung. 1
Unser Nachbarstaat Belgien hat uns mit der Genter Weltaus⸗ stellung innerhalb 4 Jahren die zweite derartige Ausstellung de⸗ schert. Daß etwa die Genter Weltausstellung einem dringenden Be⸗ dürsnis entspringt, wird man gerade nicht behaupten können. Vel eher schon wäre es angebracht, zu fragen, ob eine zweite sogenannke Weltausstellung innerhalb solch kurzer Frist, zudem in einem so kleinen Lande, nicht des Guten zu viel ist. Diese Frage ist auch des⸗ balb wohl am Platze, weil der Wert solcher Veranstaltungen lm Laufe der Jahre zum Teil sehr fragwürdig geworden ist. Die Welt⸗ ausstellungen wiederholen sich allzu oft und sie wurden vielfach 100 ohne besonderen Grund oder Anlaß aus irgendwelchen spekulative Griinden vevanstaltet.
Die Genter Weltausstellung nimmt im großen und gauzen it dieser Beziehung keine Sonderstellung ein. Und dennech unter scheidet sie sich von fast allen derartigen außerdeutschen Ausstellungen insofern, als ste in hohem Maße den Besuch deutscher Arbeiter ge funden hat. Namentlich aus den weftlichen Provinzen, aus Rheln⸗ laud, Westfalen, Hannover, aber auch darüber hinaus, haben dle Arbeiter die Genter Weltausstellung verhältnismäßig zahlreich de. sucht. Die geringe Entfernung einmal, die selten billige Acise lichkeit in Belgien(man fährt für wenige Franks fünf Tage la im Abonnement durch ganz Belgien die Kreuz und die Qder) zun andern, die vielseitigen und sehr sehenswerten Schönheiten des bez gischen Landes und seiner Städte zum dritten waren der erklärlich Anlaß, neben dem begreiflichen Wunsch, eine solche Ausstellung eln mal zu fehen. So zogen dem Arbeiter⸗Sänger⸗Sereine, Sruppeg wirtschaftlicher Organisationen u. a. in bisher noch nicht gesehe nam Maße zur Genter Weltausstellung. Unter allen Umständen verdient diese Tatsache als durchaus erfreulich bewertet zu werben. In die Freube über biesen Fortschritt, und ein solcher sind die Neisen un;
weifelhaft, mischt sich nur die betrübende Sahrbeit, daß sol Relsen nicht der Gesamtheit der Arbeiter möglich ind. Der zahl reichere Besuch der deutschen Arbeiter rechtfertigt des weiteren abex
bemilis im Durchschnitt zu 4 Köpfen gerechnet, kommt also
auch eine eingehendere Betrachtung der Weltausstellung.
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