ande interessiert sein: die Massen der Völker aller Parteien 1 lassen sind interesstert am Frieden und der Beschränkung der ergeudenden Kriegsrüstungen. Selbst das Klasseninteresse apitalistenschichten im allgemeinen steht dem nicht entgegen. wird jeden Tag klarer, daß mit den aus allen Volks⸗ rekrutierten Massenheeren weder die politischen noch die stlichen Unterdrückungstendenzen des Klassenstaates auf die verträglich find, während ein kleineres,„auserlesenes“ Heer deuten nach Art der alten Prätorianer, der modernen Pinker⸗
Berufsstreikbrecher und Polizeiagenten, noch lange hinaus alle unreinlichen Aufgaben der inneren Politik brauchbar sein e. Wohl aber dringt in immer weitere, auch bürgerliche
die Erkenntnis von dem wahren Kern des heutigen Militär⸗
8 und seiner Unverträglichkeit mit den Aufgaben des eige⸗
olkes, den Interessen der eigenen Klasse.
Für Barbarenvölker wie Albanesen und Montenegriner hat Krieg keine Schrecken. Ihre Felder sind unfruchtbar, ihre in rasch erneuert. Ja, ein Krieg bietet die fröhliche Aussicht tlichtiges Beutemachen und die blutige Unterhaltung, die den rohen Gemütern entspricht, die rauhen Leiber nicht ermüdet. Wie anders moderne Kulturvölker! Schon die Furcht vor dem Kriege gerstört hier Milliardenwerte. Die hochentwickelte Land⸗ und riewirtschaft, die Abhängigkeit vom Weltmarkt in Versor⸗
und Absatz machen einen Krieg selbst für den Sieger zu einem heuerlichen Unglück. Und trotz des Fortlebens atavistischer ritter⸗ und Raubtierinstinkte in unreifen Gemütern und ihrer
ichen Züchtung in Kriegervereinen und Jugendbünden wächst
mer weiteren Kreisen der Abscheu vor dem Blutvergießen,
mal einem so riesenhaften und dabei aller versöhnenden Züge
Abenteuerlichen und Ritterlichen entbehrenden, wie der
derne, kapitalistisch⸗großindustriell betriebene Krieg es mit sich bringt. Das Ideal des modernen Kriegs: das Niederstrecken
nzer Heere mittels elktrischer, vielleicht Hunderte von Kilometern stenksandter Ströme, das in den Torpedos und den bomben⸗ enden Luftschiffen schon ein Stsick Verwirklichung gefunden hat und in den stromgefüllten Drahtverhauen Port Arthurs seine grau⸗ Vorboten entsandt hat, kann nur Entsetzen, keine Begeisterung ken. Dazu die immer innigeren Verbindungen wirtschaftlicher kultureller Art zwischen den Völkern, das erwachende Selbst⸗ bewußtsein in immer weiteren, bisher nur als blindes Kauonen— r gebrauchten Schichten, die wachsende Erkenntnis von den mählich eigennützigen Untergründen der„patriotischen“ Agi⸗ en der Rüstungskapitalisten und ihrer besoldeten Agenten mit und ohne Uniform. Alles wirkt unaufhaltsam dahin, den Krieg zu ner innerlichen Unmöglichkeit werden zu lassen.
Schon heute ist die Furcht vor den unabsehbaren inneren Wir⸗ kungen eines Kriegs eines der wirksamsten Mittel der Friedens⸗ erhaltung. Wie es anfänat, kann man etwa wissen, nicht aber, wie es weiter⸗ und ausgeht. Die Revolution im besiegten Rußland, der
ankrott mit seinen politischen Folgen im siegreichen Japan, die
achwirkungen des beutsch⸗französischen Krieges in beiden Ländern: eröffnen Aussichten, die bei den heute gründlich geänderten Ver⸗ ltnissen gerade in diesen beiden Kulturstaaten nur zu ahnen, nicht zu berechnen find. Ganz gewiß nicht geeignet, denkende kapita⸗ listische Politiker und Sachwalter der Monarchie, die über das istige Gardeoffiziermaß hinausgewachsen sind, kriegsfreundlich zu umen. So kann es denn nur noch eine Frage der Zeit sein, daß * Staatslenker mit ihren ewig wiederholten Versicherungen ihrer Friedensliebe beim Worte nimmt und ihnen klar macht, daß man, um den Frieden zu sichern, nicht den Krieg rüsten dürse, 15 ern eben die dauernde Friedenserhaltung. Und das dankens⸗ werte Vorgehen der neuen amerikanischen Bundesregierung, die bo lamentarischen Konferenzen und sonstigen Verständigungsaktio⸗ nen zwischen Deutschland und den westlichen Großmächten werden in dieser Richtung immer stärker neben der stets wachsenden prole⸗ 1
5
1 ischen Aktion wirken. Selbst wenn man an die allgemeine plötz⸗ 3 rülstung nicht denken kann, so gibt es heute schon ernste Mittel, die jeden Augenblick durchführbar und wirksam sind: Ausbau des Schiedsgerichts wesens gerade für die großen Streit⸗ und„Ehren“⸗Fragen im Sinne des Wilson-Bryanschen Vorschlags, mit Verpflichtung der Beteiligten, weniastens während der Dauer der Verhandlungen nicht zum letzten Mittel zu greifen. Eine Abrüstungsverständigung in der von Gothein orgeschlagenen Art, bei der nicht die unmögliche gegenseitige ueberwachung der Rüstungen selbst, wohl aber die leicht kontrollier⸗ bare Höhe der Ausgaben auf das geltende und demnächst auf ein ünmer geringeres Maß vereinbart würde— schließlich die immer beltere Ausdehnung der parlamentarischen Kontrolle durch ständige Ueberwachung der auswärtigen Politik wie der Füstungslieferungsgeschäfte mittels parlamentarischer ständiger Ausschüsse. Alles das und manches andere, das sich leicht daraus ergeben würde, wie die Bekämpfung des heute planmäßig von oben beiteten Chauvinismus: der Verzicht auf das von allen betriebene ehrlose Syftem der Spionage, vom Militärattachee und Seneralstabs⸗Abteilungschef bis zum letzten lumpigen Zu⸗ Aus hinab; die Beseitigunz der Kriegsspekulanten durch Ver⸗ staatlichung der Bewaffnungsindustrie und gründliche Ref men im Intenbanturwesen usw. würde den Krieas⸗ banker allmählich den Boden entzieben und schließlich den Ge⸗ banken des wirklichen und dauernden Weltfriedens aus einer Utopie zur Wirklichkeit werden lassen... Eine Riesenarbeit ist noch bis dahin zu leisten. Ungeheuer ist der Interessen am Verbrechen des Krieges und seiner ng. Ungeheuer die Macht des Vorurteils und der auf
seine Schürung bedachten Gewalthaber. Aber der Anfang ist ge⸗ macht. Und gerade die ungeheuerliche Ueberspannung der Lasten, die uns bevorsteht, wird zur raschen Aufrüttelung immer weiterer Massen beitragen. Noch triumphiert Moloch und rüstet sich zu neuen Triumphen. Aber der Wurm sitzt ihm in den Knochen. Die Völker beginnen, über die furchtbaren Opfer, die sie bringen, die entsetzlichen Gefahren, die ihnen drohen, nachzudenken.
Arbeiter als Erfinder.
Vor kurzem entdeckte ein ehemaliger Setzer, der Franzose Moreau, eine Vorrichtung, die das Problem der auto— matischen Stabilität der Flugmaschine lösen soll. Die im Auftrage der militärischen Flugbehörde in Frankreich vor— genommenen Experimente sollen die Sachverständigen von der Bedeutung der Erfindung sofort überzeugt haben. In den Pariser Blättern wurde in diesem Zusammenhang davon gesprochen, wie auffällig es sei, daß ein einfacher Buch— druckereiarbeiter eine so bedeutungsvolle Erfindung machen könne. Die Geschichte der Erfindungen aber zeigt eine ganze Reihe von Beispielen, in denen durch Zufall oder durch glück— liche Beobachtung Arbeiter zu Erfindern wurden oder zu— mindest die ersten Anregungen zu bedeutsamen Erfindungen und Entdeckungen gaben. So geht auch die Seife, wie in der Lettura ausgeführt wird, auf die Entdeckung einer einfachen Wäscherin zurück, einer Frau aus Savona. Die Ueberliefer⸗ ung berichtet, daß sie an Bord eines Schiffes kam, das Olivenöl geladen hatte; während sie die Wäsche den Matrosen wusch, fügte es sich, daß das sodagetränkte Wasser mit der eingeweichten ölgetränkten Wäsche erkaltete und sich dabei mit dem Oel vermengte: und die Seife war erfunden. Und noch seltsamer vollzog sich die Entdeckung des automati⸗ schen Ventils für Dampfmaschinen, geht doch diese Er- findung, die eine der wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiete des Maschinenbetriebes darstellte, auf ein Kind zurück, auf den englischen Knaben Humphry Potter. Er mußte an der Maschine die Hähne für den Dampf- und den Wasserzufluß öffnen und schließen und hörte dabei von der Straße das Scherzen der spielenden Kinder. Die Sehnsucht, mitzu⸗ spielen, brachte ihn dazu, etwas zu sehen, was er vorher nicht beobachtet hatte: er bemerkte, daß die Stellung der Hähne in einem bestimmten Verhältnis zu dem Hebel an der Maschine stand. Wenn das Pendel sich zu bewegen begann, mußte einer der Hähne geöffnet werden, stand das Pendel dann still, so war der Hahn wieder zu schließen. Der Junge kam auf den Gedanken, den Hebel durch eine Schnur mit den Hähnen zu verbinden: und das erste, freilich recht primitive automa- tische Ventil war fertig.
Das Löschpapier verdankt seine Entstehung der Ver— geßlichkeit eines Arbeiters in einer englischen Papierfabrik. Bei der Mischung des Breies, aus dem Papier werden sollte, vergaß der Arbeiter Leim beizusetzen. Der Fabrikbesitzer war außer sich; es zeigte sich aber, daß dieses„mißglückte“ Papier die Fähigkeit besaß, Tinte aufzusaugen, ohne die Schrift zu verwischen. Bald wurde in jener Fabrik in Berkshire nur noch dieses Löschpapier hergestellt und verdrängte den bisher üblichen Streusand.
Die Entdeckung der Blausäure geht auf einen Ber- liner Farbenmischer namens Diesbach zurück. Diesbach kaufte 1710 bei dem Chemiker Dippel kohlensaures Kali, um ein Absud auch Cochenille, Eiweiß und Eisenvitriol zu lösen. Er war nicht wenig erstaunt, als er statt eines Präzipitates ein schönes blaues Pulver erlangte. Er verständigte Dippel, der sich erinnerte, daß das Kali mit Blut, das Dippel zur Herstellung von Tieröl gebraucht hatte, verkalkt war. Die Entdeckung des Kobaltblau, das dann in der venezianischen und holländischen Glasindustrie eine so große Rolle spielte, geht auf den sächsischen Glasarbeiter Christoph Schürer zu⸗ rück, der zufällig mit dem Glase Schneeberger Kobalt ein- schmolz. Auch die Glasätzung ist die Erfindung datt deutschen Arbeiters, eines Glasers aus Nürnberg. Er hatte beobachtet, wie ein Tropfen Scheidewasser, der zufällig auf sein Brillenglas gefallen war, das Glas angriff, und so kam ihm der Gedanke, ob man auf diesem Wege nicht Glas ätzen könne, er malte mit Firnis eine Gestalt auf eine Glasscheige und Pandte dann Scheidewasser an; die Folge war, daß die Gestalt deutlich sichtbar im Glase zurückblieb.


