Ausgabe 
19.8.1913
 
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Die Menschlichkeit hat keinen Kurs an der Vörse. 55Frau, Seite 288.

Es ist der erste und Hauptgrundsatz aller Unterdrücker, die unterdrückten in der Unwissenheit zu erhalten. Stellung.

Die auf dem Autoritätsglauben beruhende Geschichtsauffassung ist in einem ökonomisch unentwickelten und damit zusammenhängend geistig tiefstehenden Gesellschaftszustand entstanden und sie wird heute gelehrt, gepflegt und begünstigt, weil sie eine Existenzbedingung N für die Herrschenden ist. Mit dem Sturz des Autoritätsglaubens auf dem geschichtlichen Gebiet; mit der Anerkennung, daß es die Lebens⸗ und Fortschrittsbedingungen der Menschheit im allgemeinen und jedes einzelnen Volkes im besonderen sind, die auch die politische Entwicklung bedingen, haben die Autoritäten ohne Ausnahme auf⸗ gehört, ist es mit dem Personenkultus zu Ende, das Volk nimmt seine Geschichte selbst in die Hand. B. 1875, Seite 2. *

Klassenherrschaft, geschichtlicher Autoritätsglaube und Religion hängen also eng miteinander zusammen, stehen und fallen mit⸗ einander. B. 1875, Seite 4.

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Keine Religion(besitzt) das Privilegium, der in der Kultur sortschreitenden Menschheit auf die Dauer zu genügen, und für jede (kommt) der Zeitpunkt, wo sie mit den Kulturbedürfnissen der Menschheit in Widerspruch tritt, weil sie selbst ein vorübergehendes Produkt einer bestimmten Kulturperiode ist. M. VI.

Bei dem innigen Zusammenhang der sozialen, politischen und religiösen Institutionen gab und gibt es darum auch keine rein polltische oder religiöse Revolution oder Reformation, alle diese Be⸗ dingungen, ohne Ausnahme, Ursachen.

entsprangen und entspringen sozialen B. 1875, Seite 4.

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Die Formen der Unterdrückung und Ausbeutung haben seit drei Jahrhunderten gewechselt, die Unterdrückung und Ausbeutung selbst ist geblieben. Wohl ist der Bauer des neunzehnten Jahrhunderts kultivierter und zivilisierter geworden als sein Vorfahr aus dem sechzehnten Jahrhundert.. aber relativ, im Vergleich zu der Lage des großen Gutsherrn von heute betrachtet, ist seine soziale Lage kaum eine bessere geworden. B. 1875, Seite 229.

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Alle(bürgerlichen Parteien) fürchten die Aufklärung der Massen wie Gift. Die kleinen Kreise bürgerlicher Aufklärer, die es mit ihrer Arbeit für die Bildung der Massen ehrlich meinen, haben keine Macht und Bedeutung, ihre Existenz bestätigt nur die Regel in dem herrschenden Zustand. Angesichts solcher Verhältnisse bleibt nur eines übrig. Die Organisationen der Arbeiterklasse müssen die Aufklärungsarbeit selbst in die Hand nehmen; sie müssen ausrotten, was die Schulen und die Kirchen der herrschenden Klassen und Gewalten an geistigem Unkraut in die Köpfe der Proletarier ge⸗ pflanzt haben. Das ist keine leichte Arbeit. Aber es ist eine dank⸗ bare Arbeit, weil diese Aufklärungsarbeit dem Sehnen nach menschenwürdiger Stellung und höherer Erkenntnis entspricht und darum gierig von ihnen aufgenommen wird. Ein Lot Wahrheit vernichtet einen ganzen Zentner Dummheit. Daher wird die Wahr⸗ heit von den Herrschenden so gefürchtet und bekämpft. Yv. 1908.

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Dem Eifer, mit dem Staat, Kirche und Gemeinde in denen die besitzenden Klassen noch überall das Heft in der Hand haben für die Festigung ihrer Herrschaftsstellung kämpfen, muß der zehn⸗ sache Eifer der unterdrückten und besitzlosen Klassen für ihre Be⸗ sveiung entgegengesetzt werden. Yo. 1908.

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Die Macht der Bourgeoisie beruht auf ihrem Gelde, auf ihren Millionen und Milliarden, aber die gewaltige Zahl der Köpfe gibt der Arbeiterklasse, sobald sie sich dieses Umstandes bewußt wird, ein Jo gewaltiges Uebergewicht, daß sie die Macht der Bourgeoisie, und

haben sie Zehntausende von Millionen im Kassenschrank, schließlich überwindet. Jena 1906.

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Die große Mehrzahl bildet sich ja allerdings noch heute ein, man könne im Grunde genommen jedem einzelnen Menschen bei⸗ bringen, was man will; man könne die Ideenentwicklung in einem gegebenen Zeitalter und einem gegebenen Volke beliebig beein⸗ flussen. Aber das ist eben nicht möglich. Ich kann nur immer wieder betonen: man denkt nicht, was man will, man denkt, was man muß. Und das Denkenmüssen nach einer bestimmten Richtung ist gegeben durch das Maß von Interessen und Anschauungen, die aus den sozialen Interessen einer bestimmten Schicht oder einer bestimmten Klasse der Gesellschaft sich entwickeln. A. 1897.

Die grundsätzliche Auffassung von der verhältnismäßig ge⸗ ringen Rolle, die die einzelne Persönlichkeit in der Geschichte spielt, unterscheidet uns von den Anarchisten. Att. 1898.

Der Glaube an den übermäßigen Einfluß bedeutender Persön⸗ lichkeiten in einflußreicher Stellung auf den Gang der Geschichte ist durchaus bürgerlicher Herkunft. Att. 1898.

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Wag einer ist, das hat die Gesellschaft aus ihm gemacht. Frau, Seite 407. 8

Die Menschen können alles, was sie wollen; aber um etwas wollen zu können, müssen ste einsehen, daß es notwendig ist, und die Einsicht kommt durch die Not. Die Christen sagen: Not lehrt beten. Wir Sozialisten sagen: Not lehrt denken. A. 1897.

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Eine auf vollkommener demokratischer Gleichheit beruhende Gesellschaft kennt und duldet keine Unterdrückung. Nur die vollste Meinungsfreiheit ermöglicht den ununterbrochenen Fortschritt, der das Lebensprinzip der Gesellschaft ist.Frau, Seite 462,

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Wir brauchen Intelligenzen, je mehr, je lieber. Ha,, 1899.

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Begeistere die Menschheit für ihr Recht als ihre Pflicht, und für ihre Pflicht als ihr Recht!Volkswehr, 1898.

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Ein Quentchen Tatsache ist wirksamer als ein ganzes Pfund Theorie. Ha., 1899,

Vom Gange der Entwicklung.

Immer hinter dem Ofen hocken, bei der Pfeife und dem Glas Vier, das ist ein elendes Gewerbe für einen aufrechten und intelli⸗ genten Mann. Für ihn gehört es sich, selbst einzugreifen und zu arbeiten und zu kämpfen für die höchsten Ziele der Menschheit, die zugleich die höchsten Ziele für ihn und seine Familie sind.

Reichstag 1907. 8

Von dem Augenblick, wo wir ins Leben eintreten, hat die Politik schon eine Einwirkung auf uns insofern, als unseren Eltern vorgeschrieben wird, wie sie uns zu registrieren und zu numerieren haben, und das geht durch das ganze Leben fort bis zum Tode, wo man uns die letzte Ehre erweist. A. 1897.

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Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, von dem Augenblick an, wo er die Fähigkeit eines selbständigen Urteils erlangt, sich um die öffentlichen Angelegenheiten zu kümmern, weil die ganze soziale Existenz, die ganze soziale Entwicklung der einzelnen in höherem Grade von den Einrichtungen und Zuständen abhängt, die der Gesamtheit der Gesellschaft eigen sind, als von seinem eigenen Wissen und eigener Tüchtigkeit, eigenem Können. A. 1897.

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Eine soziale Bewegung, die in allen Kulturländern der Erde fortgesetzt und immer mehr sich ausbreitet, immer weitere Kreise