wissen, was sie wollten, und damit vollzog sich in Bälde eine Wandlung in mir.
Mein Grundsatz ist allezeit im Leben gewesen, sobald ich einen Standpunkt, den ich bisher in einer Frage verfochten hatte, als unhaltbar erkannte, ihn zu ve rlassen und rückhalt⸗ los der neuen gewonnenen Ueberzeugung zu solgen und sie auch öffentlich und nachdrücklich zu vertreten. Im vorliegen- den Falle war es die Haltung der liberalen Wortführer, so⸗ wohl in der Politik, wie insbesondere den Arbeiterfragen gegenüber, die mir das Verlassen des alten Standpunktes und meinen Uebergang ins sozialistische Lager erleichterten. Große Scelenkämpfe hat mich diese Wandlung nicht gekostet, und wenn alte, liebgewordene persönliche 3 dabei geopfert werden mußten, nahm ich dieses als selbstverständ⸗ uche Konsequenz hin. Ich habe, wie ich glaube, allezeit die Sache über die Person gesetzt und mich weder durch Ver- wandtschafts- noch Freundesbande davon abbringen lassen
zu tun, was ich im 9 95 einer von mir vertretenen Sache für unumgänglich hielt
Im vorliegenden Falle hat zweifellos mein Umgang mit Liebknecht meine Mauserung zum Soziolisten beschleunigt. Dieses Verdienst hat er. Aehnlich ist es mit der Behauptung, Liebknecht habe mich zum Marxisten gemacht. Ich habe in jenen Jahren viele sehr gute Vorträge und Reden von ihm gehört. Er sprach über das englische Gewerkvereinswesen, die englischen und französischen Revolutionen, die deutschen Volksbewegungen, über politische Tagesfragen usß. Kam er auf Marx und Lassalle zu sprechen, dann stets polemisch. Längere theoretische Auseinandersetzungen hörte ich meiner
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Erinnerung nach nicht von ihm. Zu privaten Unterwei— fungen hatte aber weder er noch ich Zeit, die Tageskämpfe und was damit zusammenhing, ließen uns zu privaten
theoretischen Erörterungen nicht kommen. Auch war Lieb— knecht nach seiner ganzen Veranlagung weit mehr großz zügiger
Politiker als Theoretiker. Die große Politik war seine Lieb- lingsbeschäftigung.
Ich bin vielmehr, wie fast alle, die damals Sozialist wurden, über Lassalle zu Marx gekommen. Lassalles Schrif—
ten waren in unseren Händen, noch ehe wir eine Schrift von Marx und Engels kannten. Wie ich von Lassalle beeinflußt worden war, zeigt noch deutlich meine erste Broschüre„Un- sere die Ende 1869 erschien. Gegen Ende 1869 fand ich aber auch erst auskömmlich die Zeit und Ruhe, den im Spätsommer 1867 erschienenen ersten Band„ Kapital' von Marr gründlich zu lesen, und zwar im Gefängnis. Fünf früher, he 5 ich versucht, die 1859 erschienene Schrift
Bara“ Ziele
2 Das
0 0 Jahre
ron Marx„Zur politischen Oekonomie“ zu studieren, aber es blieb bei dem Bersuch Ue eberar beit und der Kampf um die Existenz gewährten mir nicht die nötige Muße, die
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schwere Schritt geistig zu verdauen. D„Kommunistische Manifest“ und die anderen Schriften von Marx und Engels wurden aber der Partei erst gegen Ende der sechziger Jahre
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und Anfang der siebziger Jahre bekannt. Die erste Schrift, die mir von Marx in die Hände kam, und die ich mit Genuß las, war seine„Inauguraladresse für die Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation“. Diese Schrift lernte
ich 1865 kennen. ich
Arbeiterassoziation
Ende der Internationalen
bei.
1866 trat
Vebel und die Revolution.
Um die Auffassung Bebels über„Revolution“ zu illu⸗ strieren, führen wir zwei Stellen aus— Verhandlungs- bericht des„Leipziger Hochverrats-Proz an, der vor dem Leipziger Schwurgericht vom 11.20. Mürz 1872 gegen Bebel, Liebknecht und Hepner spielte.
Bezüglich unserer politischen Stellun 9 bekenne ich, wie schon an den vorhergegangenen Tagen, daß ich unter„freien Volksstaat“ die Republik verstehe. Die Anklage folgert nun,
daß, wenn von uns die Republik als Ziel hingestellt wurde, wir auch darüber eint esen sind, die Republik mit Ge⸗
oder in Parteitersammlungen berhandelk worden. Dag haben wir der Zukunft überlassen; wir Wollen abwarten, wie die Dinge gehen und ob allmählich die öffentliche Meinung, die Majorität, sich dafür erklären wird. Ich will aber gar nicht verschweigen, daß nach meiner Ansicht in dem Falle, wenn die Majorität der Bevölkerung sich für die Republik ausspricht, diese Majorität auch das Recht erlangt, der Re⸗ dierung, wenn diese die Republik mit Gewalt verhindern will, Gewalt entgegenzusetzen. Der Staat ist das Volk und wohl ohne Fürst, nicht aber ohne Volk denkbar; die Regierung ist die Dienerin des Volkes. Die Staatsdiener sind aber abzusetzen, wenn sie sich im Konflikt mit den Gewalten befinden, welche die öffentliche Meinung und die Gesetzgebung bestimmen. Wenn daher einem Parla- mente mil Gewalt entgegentreten wird, so ist es Pflicht eines jeden Staatsbürgers, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben.
„Revolutionär“ ist unser Programm allerdings, aber nicht im Sinne der rohen Gewalt, sondern nur insofern, als wir eine gründliche Umgestaltung der öffentlichen Zu⸗ stände und Verhältnisse anstreben.
In Wirklichkeit aber haben wir kein Wort mehr gesagt als der geheime Hofrat und Staatsrechtslehrer Bluntschlii, welcher schreibt:„Die natürliche Voraussetzung der Revo⸗ 7 lution ist der Notzustand des Volkes— Mangel an gesetz⸗ licher Befriedigung der dringend gewordenen Volksbedürf? nisse— dem nur durch die gewaltsame Umgestaltung 4 der Verfassung Hilfe geschafft werden kann“. Und der ein 1 „Recht auf die Revolution“ mit klaren Worten zugibt, wenn 1 wat den Bedürfnissen des Volkes nicht Rechnung getragen wird, was dann als unzweifelhaft nicht angesehen werden darf, 4 dei wenn eine Regierung in dem von uns vorausgesetzten Falle 70 Mtiöf Kundgebungen der Majorität des Volkes durch seine Volks ⸗ at vertretung unbeachtet läßt oder gar 2 Gewalt zu ver⸗ 8 Agung hindern sucht. Er motiviert dieses„Recht auf die Revo? lache lution“ also:„Das Recht der Revolution ist das Recht der Volksnatur, die sich nicht mehr 5 anders zu retten weiß. Wenn die Hoffnung der uh Reform in einem naturkräftigen Volke untergeht, dann bde⸗ 175 ginnt die Verzweiflung der Revolution.“ Herr Bluntschli 5 begnügt sich aber nicht damit, das Recht auf Revolution als c ein vollberechtigtes und natürliches anzuerkennen, er geht 1 noch weiter und erklärt rund heraus:„Die Hauptverschuldung un! ist auf der Seite der legitimen Gewalthaber, welche ihre Autorität mißbrauchen und ihre Pflicht verletzen, nicht auf der Seite der mißregierten Nationen, die einen natürlichen 1 und besseren Rechtszustand fordern.“ 1 6 un
Aus August Bebels Reden und Schristen. 10 Das Denken der Menschen. d6Z
Vorurteilslosigkeit ist das erste Erfordernis für die Erkenntnis der Vahrheit, und rücksichtsloses Aussprechen dessen, was ist und 2
werden muß, führt allein zum Ziel.„Frau“, Seite 8. un
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Meinungsverschiedenheiten wird es immer geben. Was wilrde 0
das für eine langweilige Gesellschaft, wo sie nicht wären. Da wollte 1. ich lieber morgen sterben oder gehe zu den Botokuden, von denen ich doch annehme, daß ich bei ihnen Opposition finden wllrde. 5
Ou. 1808.
0 11
Beherrschen die Interessen der Menschheit nicht auch ihre Ge- 0
danken?— Warum denken denn die bestimmten verschiedenen 1
Schichten der Gesellschaft ganz verschieden? Warum urteilt bie Bourgeoisie, warum urteilt der Handwerkerstand, warum der Arbeiterstand, ein Stand vach dem anderen, die eine über die andere total verschieden? Aus dem einfachen 0 weil ihre Lebensinteressen grundverschieden sind. A. 10. 4
walt einzuführen. Ueber die Art der Einführung der * ch
* Republik ist aber nie, weder vom Ausschusse, noch unter uns


