Bravo.) Man spekuliert auf die Feilheit, man proklamiert die peilheit als das bestimmende Motiv des öffentlichen Lebens in unserm Staate.“

Angesichts der damaligen Lage verweigerte der Kölner Stadt⸗ rat im Jahre 1863 die ihme zum Feste der inneren Vollendung des Domes, weil der König zu demselben eingeladen war. Wegen den Verfassungswirren und weil der König die freiheitlichen Ver⸗ sprechungen seines Vaters vom Jahre 1815 noch immer nicht ein⸗ gelöst hatte, verweigerten die Stadtverordneten der alten Colonia sowohl die Teilnahme an dem Feste der fünfzigjährigen Vereini⸗ gung der Rheinprovinz mit der preußischen Monarchie, wie auch die dazu vom Bürgermeister geforderten 6000 Taler rundweg. waren also direkt gegen den König gerichtete Mani⸗ festationen und dazu kamen die großen Demonstrationen auf den Kölner Abgeordnetenfesten von 1863 und 1864. Bei dem im Jahre 1863 abgehaltenen Feste hielt der„rote Becker“, der spätere Ober⸗ bürgermeister von Köln, eine Rede über die Notwendigkeit politi⸗ scher Demonstrationen, die folgenden bemerkenswerten Wortlaut hatte:

„Es sind heute 20 Jahre, daß von einer sehr hohen Stelle eine Verfügung erlassen wurde, des Inhalts, daß politische De— monstrationen wertlos seien. Die ursprünglichen Anlaßgeber dieser Verfügungen waren Sie, meine Herren von Köln, denn Sie hatte die große Manifestation angeregt, welche sich durch das ganze Land von Trier bis Elberseld richtete gegen die Aus- führung eines Gesetzes, welches sich mit den Sitten und dem Rechtsgefsühl des Voltes nicht vertragen haben würde. Sie, meine Herren von Köln, hatten jenen beispiellosen Festzug ver⸗ anstaltet nach Düsseldorf, um dem rheinischen Provinziallandtag zu danken, daß er jene Vorlage abgelehnt hatte.

Meine Herren! Es ist darüber, ob Ihre politische Demon⸗

stration wetlos gewesen, von der Geschichte geugsam gerichtet worden. Es wird noch kaum jemand sein, der jene Gesetzesvor— lage vom Jahre 1843 heute auch nur noch schätzbares Material nennte. Aber eines ist richtig: eine Wertänderung ist eingetreten.

Es sind die Demonstrationen, die aus freier Regung des Vollsgeistes ungerusen scheinbar, aber in Wirklichkeit nicht un— berufen hervorgehen, zurückgetreten gegen die Art von Demon— strationen, welche die Staatsversassung von den Staatsangehöri⸗ gen geradezu fordert. Seitdem die Nation in der Wahl Abgeordnetenhauses ihre Meinung demonstriert, ist der Wahl⸗ gang ihr höchster politischer Ehrentag geworden. Aber zu diesem Ehrentag, zu unserm Wahlrechte, zu unserer Verfassung wären wie nie gelangt, wenn nicht viel und stark in sogenannter unbe⸗ rufener Weise demonstriert worden wäre. Aber, meine Herren, es ist eben richtig, daß es Zeiten gibt, wo Vergangenes auflebt. und wenn je einer so verzagt sein sollte zu meinen, weil heute vielleicht die Stimme des Abgeordnetenhauses für einen Augen— blick nicht gehört zu werden scheint, darum sei es am gescheite⸗ sten, sich in den Schmollwinkel zu setzen: dann wollen wir ihm sagen, daß der Wert einer Demonstration heute noch derselbe ist, daß, wenn die berufene Demonstration nicht gehört wird, die unberufene wieder in ihr Recht und ihre Wirkung tritt.

Meine Herren von Köln! Ihr Verdienst ist es, diese Sach⸗ lage begrifsen und ihr Folgen gegeben zu haben. Wir alle, ich meine wir Abgeordneten, können darüber nicht zweiselhaft sein, daß unsere Persönlichkeit nicht den Ausschlag gegeben hat bei dem Gange der Verhandlungen im Abgeordnetenhaus. Wir lönnen nicht zweifelhaft sein darüber, daß das, was geschehen ist, weder unser Verdienst noch unsere Schuld ist. Denn sobald ein Volk reif ist für die Konstitution, dann mag der einzeln! Abgeordnete heißen, wie er wolle, dann mag er über einzelnes denten, wie er wolle: es wird stets ein Haus gewählt, dessen Majorität demselben Ministerium gegenüber immer in dieselbe Lage kommt. Sie, meine Herren, haben aus der Uebereinstim— mung, in welcher seder einzelne Abgeordnete mit seinem Wahl- kreis ist, die Summe gezogen und damit demonstriert zweier Provinzen, zwei eng verbundenen und eng verschwisterten Pro⸗ vinzen exnstes Verlangen nach streng verfassungsmäßigem Regiment.“

Es waren dieses allerdings zu einem kleinen Teile Demon— strationen, die bei vollen Schlsseln und Gläsern inszeniert wurden. Wenn jedoch Arbeiter für Arbeitsgelegenheit und damit sstr Brot sur ihre Frauen und Kinder demonstrieren, sowie eine reichsge⸗ letzliche Institution gegen die Abwendung der schlimmsten Folgen der Arbeltslosigkeit befürworten, dann verlangen die Scharfmacher die Anwendung der neuesten Mordinstrumente gegen die Demon⸗ stratoren.

Ja, wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe!

G. Sch.

7 2 Tus

des

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Alls unserer Sammelmappe.

Die älteste Zeichnung des Menschen. Ein kostbares und bisher einzigartiges Zeugnis der Geschichte der Menschheit, das innerhalb der in neuester Zeit durch so aufsehenerregende Funde erschlossenen Kunst der prähistorischen Epoche eine Llicke aus füllt, ist durch die Archäologen Lucken Manet und Jean Pissot ans Licht gebracht wor⸗ den: die älteste zeichnerische Darstellung des

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schen, die wir bis⸗

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her kennen. Die wichtigen Funde der beiden Gelehrten, über bereits kurz berichtet wurde, stammen von einer durch Felsen ur die Jahrtausende hin sorgfältig abgeschlossenen Erdlagerung im Tale

Flusses Ain, von dem Felsen von la Colombièsre. Die pre io ·

des rische Kunst, die sich ja jetzt durch die Höhlenbilder sowie p und zeichnerische Darstellungen in einer so überraschenden Fülle künstlerischen Höhe ossenbart, ließ uns nur in der Wiedergabe! Menschen fast völlig im Stiche. Während die Bisons, Renntiere, Pferde, Mammute usw. zahllos in diesen Kunstwerken der Vo eit erscheinen, trifft man nur selten auf menschliche oder menschenähn⸗ liche Figuren. Während die Tierdarstellungen fein und realisti beobachtet sind, erscheinen die Menschenfiguren in Kopf⸗ und Kö formen oft mit enger Anlehnung an tierische Gestalten, wi den grotesk und karikiert. Die Skulpturen, die fast nur weibliche Körpe 1 darstellen, zeigen eine merkwürdige Vorliebe für übertrieben starle Formen, und jedenfalls lassen uns all diese Darstellungen die so wichtige Frage unbeantwortet, wie wohl diese ältesten Renntser⸗ jäger der„Stufe von Aurignac“ ausgesehen haben mögen, die reits eine so hohe Kultur entwickelt hatten. Die halb tierischen Bestien mit der niedrigen und zurückweichenden Stirn, wie sie ö den Skelettsunden von Neandertal und Chapelle-aux⸗Saints herb traten, konnten unmöglich die direkten Vorfahren dieser bewun⸗ dernswerten Künstler der jüngern Steinzeit sein. Das Rätsel wir nun durch die erste zeichnerische Darstellung des Menschen gelöst, sich in den Erdschichten von la Colombière gefunden. In den Lage⸗ rungen der frühesten Periode des Aurignacien, deren Alter wenigstens 15 000 Jahre geschätzt werden muß, entdeckte man, v graben und gut verwahrt unter dem seinen Sand, eine ganze W stätte eines prähistorischen Künstlers: Stichel der verschiedenf 1 Art, Knochenplättchen von Mammut und Rhinozeros, Scheiben aus Kalkstein, die für eine Zeichnung vorbereitet waren oder ber 16 Zeichnungen enthielten. Unter diesen zahlreich gefundenen Zeich nungen, die fast alle Tierdarstellungen enthalten, ist nun das Ha 5t⸗ stück die Zeichnung eines Menschen, der von dem Typus des Neandef 1 talmenschen völlig verschieden ist und eher an den Schädel 8 Chancelade erinnert, der einer viel spätern Zeit entstammt. Der ziemlich umfangreiche Kopf hat eine runde Stirn, die in et schräger Richtung aufsteigt. Das Kinn erscheint vorspringend 1 5 trägt einen kurzen durch kleine Schrassterungen angedeuteten B Die Nase ist lang und sehr dick; das Auge, das durch zwei krum Striche angedeutet ist, hat einen undefinierbaren Ausdruck; die haarung des Rumpfes ist als sehr stark dargestellt. Auf G n dieser Steinzeichnung kann man annehmen, daß das Mensch geschlecht der jüngeren Steinzeit körperlich beren“s auf einer ho 5 Entwicklungsstuse stand und nicht von den Menschen des Neande 3 i typus abstammt, die vielmehr wahrscheinlich einen vertierten zum Aussterben bestimmten Zweig des Menschengeschlechts stellten.— 1

Die Hebung der Bodenfruchtbarkeit. Die Schädlings bekämpfung im Plantagenbetrieb hat neuerdings zur Entdeckung elnes Mittels geführt, durch das die Fruchtbarkeit der Ackerkrume beträchtlich steigert werden kann. Im Plantagenbetrieb verbrennt man nach der Ernte die pflanzlichen Ueberreste, um die zahlreichen Eier 8 Puppen der Schädlinge vernichten zu lönnen. Aus demselben Grund erhlt man zugleich auch die oberste Schicht des erb- bodens, denn sie ist neben den Pflanzenresten der Träger der e wähnten Schädlingskeimlinge. Man benutzt dabei zum Erhitzen Bodens und zum Verbrennen der Pflanzenreste fahrbare Oesen, ol auch fahrbare Roste, auf denen das Feuer ossen brennt, in das Pflanzenreste geworsen werden, während der Boden durch Be⸗ strahlung von dem niedrig hängenden Rost aus so erhitzt wird, die Eser und Puppen getötet werden. Diese Erhitzung des Be f nun hat, wie die Untersuchungen von Seaver und Clark ergeben haben, zugleich den großen Vorteil, daß sie eine Zersetzung und

wenn man die Erdaufbereitung allein den Einflüssen des N und der Atmosphäre überlassen hätte. Die Erhitzung des Bodens soll freilich 120 Grad Celstus nicht Überschreiten, well bel höherer Glut die Zersetzung zu weit getrieben wird, sodaß der Boden de wieder an Fruchtbarkeit abnimmt.