Ausgabe 
18.2.1913
 
Einzelbild herunterladen

Minderheit aufzuheben. Dann gilt es, die Eigenlumsver⸗ hältnisse derart umzugestalten, daß die Rechtstitel der Aus- beuter verfallen, und die Früchte der gemeinsamen Arbeit zum gemeinmsamen Nutzen aller Arbeiter gereichen. Dann wird der Sozialismus erst vollkommen sein, wenn nicht nur die Arbeit, sondern auch der Genuß auf dem Prinzip der Ge⸗ meinsamkeit beruht, wenn nicht nur die toten Dinge, son⸗ dern auch die Verhältnisse der lebenden Menschen sozialistisch sind

Die Aufhebung des Privateigentums.

Ihr entsetzt euch darüber, daß wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft i st das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder auf⸗ gehoben; es existiert gerade dadurch, daß es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, daß wir ein Eigen- tum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Be⸗ dingung voraussetzt.

Ihr werft uns mit einem Worte vor, daß wir euer Allerdings, das wollen wir.

Marx Engels, Kommunistisches Manisfest.

Eigentum aufheben wollen.

Der Untergang der großen Armee.

Von Kurt Elsner. Fünftes(Schluß)⸗Kapitel. Der Nückzug.

Du anders Element, so stark als furchtbar, Das Unerwlünschtes den Erobrern lehrt! Das eisbeschwingt den Zug der Feinde hemmt, Bis jede Schneeflock' einen Helden tötet. Wie still du mit den scharsen Krallen packtest, zis daß bei jedem Stoße Scharen fielen! Vergebens blickt die Selne entlang der Ufer Nach Tausenden von den zerstreuten Heeren! Umsonst ruft Frankreich zu den Reben wieder Die Jugend schneller fließt ihr Blut, als Wein; Es stockt zum Teil auch in gefrorenen Leschen, In eisigen Mumien, in den Nordens Feldern. Vergebens sucht Italiens Sonnenglut Sie aufzutau'n ihr Strahl erwärmt nicht mehr Was kehrt zurlick von allen den Trophäen? Muir des Eroberers zerbroch'ner Wagen! Auch des Eroberers ungebrochenes Herz! eherne Ze

Buron, Das faltet.

1

Bei mildem Herbstwetter verließen die Truppen Moskau, mit dessen Schätzen sie sich beladen halten, um in die Delmat kostbare Andenken, selbst Reichtümer mitzubringen. Dle Soldaten keuchten unter der Last der Beute. Für Nahrungsmittel hatte man noch am wenigsten gesorgt. Dagegen schleppte man Weln und Branntweln in großen Mengen mit, tausenderlel Gerätschaften, Bilder, Pelze, Teppiche, kostbare Frauenkleider, Seldeustosse und Spitzen, Schmuck waffen, Edelsteine, Gold und Silber. Bald sehen wir, wie die vom Hunger und elsigem Frost erschöpften, in Lumpen wankenden Sol daten sich ihrer Beute entledigen, wie Soldaten Gespeustern gleich am Wege sitzen und vergebens um eln Stsick Brot betteln, für das sie ein gleich großes Stück Silber anbieten Der russische Winter überfällt das Gee In ihm find ganze Truppenteile bis auf den letzten Maun verscholle verschwunden Taufend. kamen in Sümpfen um, verbrannten in Scheunen, wo sie Obdach suchten, versanken und erfroren in Schneemulden, stürzten in

Flüssen zwischen treibende Eisschollen niemand hat semals elne Spur von dliesen Ungezählten wieder gesunden Zu Tode matt lagern sich die Soldaten des Abends um Wachtfener. Die Schelte: brennen berunter. Keiner ist da, der neues Holz lu sie wersen

könnte. Einzelne rücken im beläubten Gesühl unerträglicher Kälte die Beine in die Flammen, sie merken etz nicht, wie die Glieder ver kohlen. In den Stellungen, in denen die Uungtücklichen eluschliesen, erstarren und erfrteren sie. Der Morgen findet sie tot. Aus den Wäldern kommen Ounde; in einigen der Erstarrten flackert noch Leben, das sie aber nicht mehr verteidigen können, und die Hunde

Zurchtbarer noch als Frost und Junger, als Feuer, Seuchen und Hunde sind die Menschen. Die Kosaken umschwirren ste; die Unholde ziehen die Leute nackt aus und lassen sie liegen. Die ruf; sischen Bauern sind zu wahnsinnigem Fanatismus aufgepeltscht. Dle Russen, die mit den Waffen nicht zu siegen verstanden, beherrschten die Tücken des Wortes. Von Unbeginn des Feldzuges wurde in wilden Proklamationen Napoleon als der Antichrist geschildert, der mit dem Heere der Heiden ins hellige Rußland eingedrungen sel, um dem christlichen Volk die Religion zu rauben.All mächtiger Gott!, so hieß es in einer Proklamation des Zaren schon Mitte September,ist Delne Sache, für die wir sechten, nicht die gerecht? Sieh' mit gnädigen Augen herab auf Deine geheiligte Kirche! Sei der Hort und die Stärke Delnes Volkes! Laß es Deine und seine Feinde besiegen! Laß es Deiner Gerechtigkeit strafendes Werk- zeug sein, und, selbst errettet, die Freiheit und Unabhängigkeit der Natlonen und Könige erretten. Die Freihelt und Unabhängigkeit der Nationen vom Zaren gerettet das ist schon der Klang der Freitzeltskriege und der heiligen Alllanz! Jetzt erläßt der Gene⸗ ralissimus der Russen, Kutusow, eine Proklamatlon, in der also die Bestien geweckt werden!,In ungebändigter Wut hat der Jelnd einen Teil des Kreml in die Luft gesprengt, aber durch gang beson⸗ dere Elnwirkung der göttlichen Vorsehung sind die belligen Tempel und die Kathedrale gerettet worden. Laßt uns denn eilen, dlese ruchlosen Feinde zu verfolgen. Wir sehen, wie er berelts in voller Flucht sein Juhrwerk zerstört und notgedrungen sich von den Schätzen trennt, die seine ruchlosen Hände selbst Gottes Altären ent⸗ wendet haben. Bereits verbreiten Hunger und Desertion Verwir⸗ rung vor Napoleon, und hinter ihm erhebt sich das Murren der Truppen gleich drohenden Wogen. Während die Feinde unter diesen schrecklichen Vorbedeutungen abzlehen, erschallt in den Ohren der Russen die Stimme ihres hochherzigen Monarchen.Hört sie, Soldaten! Er rust Euch zu: Löscht die Flammen Moskaus in dem Blute der Räuber! Russen! So laßt uns diesem selerlichen Be- fehle gehorchen. Nussische Krieger, Gott ist mit uns!

Solche Sprache verstehen nicht nur die Kosaken, sondern auch die Bauern. Sle haben ihr Christentum zu verteidigen gegen den Antichrist. und die Bauern wissen, was sie ihrem Christentum schuldig find. Sie binden wehrlose Gefangene an Bäume und schießen nach ihnen wie nach Schügenschelben. Wenn die Soldaten waffenlos um Obdach flehen, werden sie nedergemacht. Die Scheu⸗ nen, in denen sie Zuflucht suchen, werden des Nachts angezündet. Augenzeugen berichten, wie Bauern Dutzende von Soldaten Napo⸗ leons mit den Köpfen um elnen Baumast sestbanden, und wie dann die Bäuerinnen um den gräßlichen Marterpfahl herumtanzten und nach dem Takte eines Volksliedes mit Knüppeln die Schädel zu Brei schlugen. Andere Bauern kausen den Kosaken Gefangene ab, um- hüllen sie mit Stroh und stecken sie in Brand, wohllüstig sich an den Zuckungen ihrer Qual berauschend. Menschlich haben sich in dlesen Zeiten nur die verachteten Tartaren gezeigt, denen die Gefangenen ein dankbares Andenken bewahrten.

Der Hunger treibt die Armee in besinnungslose Raserei. In den Delirien der Erschöpfsung essen die Unglücklichen eiteriges pferdefleisch, das sie aus lebendigen Leilbern herausschnelden. Es ist bezeugt, daß sie auch Menschenfleisch verzehrten. Ein bayerischer Offizter berichtet:Ich sah die greuliche Szene, daß Soldaten am Jeuer Herzen von menschlichen Leichnamen brateten; daß diesss wahr, kann ich verblrgen, und doch schaudre ich ob dleser scheußlichen Nacht. Die Soldaten bestehlen und berauben sich auch gegenseltig. Ein Soldat will einem sterbenden General die Schuhe ausziehen. Der General stöhnt:Aber ich bin ja noch nicht tot. Der Soldat antwortet:Werde warten, Derr General. der Beute, deren sich die Soldaten entledigen mußten, schleppen sie nur noch mörderische Krantheiten mit sich, Brand, Fleck tuphus, Epidemien des Erblindens. In den Lumpen tragen sie un; ausroltbare Scharen von Ungeziefer, das die Körper zersrißt. Die Gepeinigten reißen sich ganze Fetzen Dant vom Lelbe, um sich von den Läusen zu befreien

Die Witterung wechselt jah. Sibirischer Frost schlagt n Tau- welter um. Das erschwert den Uebergang Über dle Flüsse. Auf dem Glatteis, das sich bildet, stürzen die Menschen und die Pferde Hus dem blutenden Maule der Tiere hängen dann wohl rote Eis- zapfen heraus. Die Verzweiflung zeugt massenhaft Selbstmord.

Dennoch, selbst in diesem unfäglichen Elend bes Nückzugs, dessen Wirtlichkelten alle Döllenphantasien überbieten, offenbart sich Oelden⸗ sum und Opfersinn in erschütternden Bildern; solgt die im Jeldrost verwitterte Garde furchtlos und gläubig dem geliebten Laiser, ssegt diese Schar erstarrter Leichname noch über den Felnd, der den Zug den Todes umkreist. Auch auf diesem Rich zug gibt es keine Nieder-

ag

Statt Slant

Die Kälte brach schon iu der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober bereln. Von der ersten Novemberwoche entwirft ein fehr zurück baltender, jede Uebertreibung verweidenber frauzesischer Offizier, Cbambrah, dieses Bild:Schon erlitt die Armer alle Greuel ginet

nagen das lebendige Fleisch von den Ar und Beinen

Hungersnot. Die Zahl der Nachzlügler nahm dergestalt zu, daß dle

1 1

N

* *

3

en

e.

g N N N

f f N 1 f

Irre

rr

I. SEK.

r rn err SFT

eng.., r