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Gnaden! Und war das nicht, von allem gaukelnden Schimmer gelöst, die Sprache des alten Europen vor 1780, der absolutistisch feudal ständischen Welt? Ward nicht bereits der Wiener Kongreß angekündigt und die Karlsbader Beschlüsse? War's nicht ein heiliger Krieg für die Freiheit der Privilegierten, die der Unterdrücker beraubt hatte?
So hätte man mißtrauisch sein können, auch wenn man damals nicht wissen konnte, wie sehr der ursprüngliche Entwurf Steins in der veröffentlichten Proklamation von Kalisch verkümmert war. Stein hatte wenigstens das Ende der deutschen Potentaten wirt⸗ schaftlich ankündigen wollen:„Man wird diejenigen, welche länger als sechs Wochen zaudern(sich den Verbündeten anzuschließen), mit dem Verluste ihrer Staaten bedrohen.“ Aus diesem unzweideutigen Ultimatum wurde in der Proklamation die verwischte Phrase:„Und so fordern sie(die verbündeten Monarchen) dann treues Mitwirken, besonders von jedem deutschen Fürsten, und wollen dabei gern voraussetzen, daß sich keiner finden werde unter ihnen, der, indem er der deutschen Sache abtrünnig sein und bleiben will, sich reif zeige der verdienten Vernichtung durch die Kraft der öffentlichen Meinung und durch die Macht gerechter Waffen.“.
Diese und ähnliche Kundgebungen waren das ganze Jacobiner⸗ tum. Auch sie waren schon zweideutig und verdächtig genug und hätten, ruhig gelesen, erkennen lassen, was für eine Art russisch⸗ preußischer Freiheit erkämpft werden sollte. Indessen, es ist be⸗ greiflich, daß man damals nicht ruhig lesen konnte und wollte.
Weniger begreiflich aber ist es, daß man die anderen preußi⸗ schen Kundgebungen überhörte, die ganz den Stil des alten Preußen hatten, und die überdies keine unverbindlichen schönrednerischen Aufrufe, sondern gesetzlich zwingende Edikte und Verordnungen waren. Denn auch die Freiwilligkeit“ der Freiheitskämpfer ist eine Legende, und zwar die Legende, an die niemand in diesem Jubiläumsjahr zu tasten wagt, obwohl sie durch offen be⸗ reitliegende Urkunden widerlegt wird.
Gewiß, ungezählte Jünglinge haben sich freiwillig dargeboten: aber sie hätten auch kommen müssen, wenn sie nicht gewollt hätten. Und diese echt preußischen Zwangsgesetze— aus den Früh⸗ lingstagen der herrlichen Begeisterung— hätten sie wiederum auf— klären müssen, was von einer russisch-preußischen Freiheit zu er⸗ varten war.
Aus unserer Sammelmappe. Zehn Jahre„Schönheit“.
Karl Vanselow, der verdiente Herausgeber der„Schönheit“, hat soeben den 11. Jahrgang seiner Zeitschrist mit einem textlich und illustratiwv prächtig ausgestatteten Hefte begonnen. Die Tatsache, daß eine Zeitschrift, die ihrer kühnen Idee und des ausgesprochen ästhetischen Charakters wegen immer nur Publikums bestimmt ist, auf 10 Jahre fruchtbarer Arbeit und
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dauernder Erfolge zurückblicken kann, beweist von neuem, wie hoch
für eine Auslese des
die„Schönheit“ über den sonstigen Schöpfungen und Erfindungen unseres nervösen Alltags hervorragt. Es ist wohl heute nicht mehr notwendig, über die Ziele, die Vanselow in seiner Zeitschrift ver⸗ folgt, einen erläuternden Kommentar zu verlauten, denn die„Schön⸗ heit“ hat in den 10 Jahren des Bestehens eindringlich genug für sich selbst gesprochen. Jahrgang dieses viel gerühmten, aber auch bestgescholtenen Blattes zur Hand und über⸗
Man nehme nur einen
zeuge sich von den künstlerischen Werten, die hier für jedermann zu⸗ gänzlich geboten werden. Oder man blättre auch nur in dem ersten Heft des neuen Jahrganges und man wird neben prächtigen Bildern die seinsinnigsten Gedanken finden, wie sie Künstler und Dichter seit langem in dieser Zeitschrift aus zusprechen pflegen. Neben einem eindringlichen Kapitel über die derzeitige Tanzkunst, das uns die be⸗ kannte Jsadora Duncan liest, finden sich nach Form und In⸗ halt vollendete Brautbriese des begabten Karlsruhers Edwin Krutina darinnen. Johannes Marr plaudert interessant und eindringlich über Promenade und Korso, und Lothar Eisen erzählt eine feine, historisch gefärbte Novelle im Stile Bruno Willes und von tiefen gedanklichen Perspektiven durchzogen. Künstlerische Albrecht, Back, Vanselow, Skulpturen
Aktaufnahmen von Wimmer, und Bilder von Breuer, Schult,
Volkmann usw. ergänzen das Heft
Die„Schönheit“ kostet halbjährlich 8.— Mk., für das Ausland 6,50 Mk., inkl. Porto und ist durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag, Werder a. Havel, zu beziehen. Einzelne Bände ge⸗ bunden zum Preise von 12.— Mark. a
„Natur“, Dalbmonatsschrift für alle Natur⸗ freunde. 4. Jahrgang Heft 19. Theod. Thomas Verlag, Leipzig. Jährlich 24 reich illustrierte Hefte und 5 wertvolle Bücher zum Preise von zusammen nur 6.— Mark.
Sehr vielversprechend beginnt diese prächtige Zeitschrift das letzte Quartal ihres vierten Jahrganges. Sie bietet ein inhaltlich reiches und interessantes Heft, in dem jeder Artikel, jeder kleinste Aufsatz uns zum Lesen einladet. Viel Beachtung wird besonderz der Beitrag von Dr. Otto Antonius„Die Zebras und ihre Domesti⸗ kation“ finden, nicht zum wenigsten durch die 8 entzünkenden Bilder,
zeigen.„Vor unseren Augen“, schreibt der Verfasser,„vollzieht sich im dunklen Erdteil ein trauriges Schicksal: die Vernichtung einer ur⸗ alten, eigenartig schönen Tierwelt. Was in Europa, das einst eine ganz ähnliche Fauna beherbergte, im Laufe von Hunderttausenden von Jahren wiederholte Schwankungen des Klimas bewirkten, das hat in Afrika der Kulturmensch in kaum 100 Jahren fertig gebracht: verschwunden sind aus weiten Gebieten die Antilopen und Giraffen, die Elefanten und Nashörner und Büffel. Zu den Großtieren aber, an welchen sich dieses traurige Geschick am raschesten erfüllt, gehören die schönen Verwandten unseres Pferdes. Eine Form, das Quagga (Equus quagga) aus den Ebenen des nördlichen Kaplandes, ist seit elwa 1880 vollständig ausgerottet, mehreren Verwandten steht das gleiche Schicksal unmittelbar bevor“. Das temperamentvolle Ein- treten des Verfassers für den Schutz dieser schönen Tiere muß von jedem, der Freude an der Natur und ihrer Erhaltung hat, aufs Freudigste begrüßt werden. All diesen wird die„Natur“, die ja in leder Weise für den Naturschutz eintritt, ein unentbehrlicher Freund und Berater sein. Da der Bezugspreis der Zeitschrift wirklich ein außerordentlich geringer zu nennen ist, können wir unseren Lesern ein Abonnement nur empfehlen, um so mehr, als sie dadurch Mit⸗ glieder der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft werden, deren mannigfache Vergünstigungen sie ohne jede weitere Verpflich⸗ tung genießen. Anmeldungen können bei der nächsten Buchhand⸗ lung oder der Geschäftsstelle der D. N. G., Leipzig, Königstraße J, aufgegeben werden.
Der Grottenolm. Zu den sonderbarsten Bewohnern unter⸗ irdischer Wasserläufe gehört ohne Zweifel der Grottenolm oder Proteus, über den wir einige interessante Angaben im neuesten deft des Kosmos-Handweisers(Stuttgart) lesen. Diese Amphibie wurde im Jahre 1797 vom Forscher Löwengreif in der Adels⸗ berger Poik entdeckt und gab den Naturforschern manches Rätsel zum Lösen.“
Er gehört zu den Schwanzlurchen, ist also ein entfernter Ver⸗ wandter unseres gewöhnlichen Teichmolches, aber wie verschieden ist er von dem lichtbewohnenden Vetter!
Veränderte Lebensbedingungen haben ihn völlig umgestaltet, und das erste Opfer der Anpassung war der Verzicht auf das Seh⸗ vermögen, das in der gänzlichen Finsternis keinen Zweck hätte; zwar sind die Augen noch vorhanden, doch liegen sie bereits unter der Körperhaut, so daß sie wohl noch einen Lichtreiz empfinden, jedoch kein Bild auf der Netzhaut mehr hervorbringen können. Weiter mußte der Olm auf seine Hautfarbe verzichten: die Dunkel⸗ heit hat ihn entfärbt und seinen Leib fast durchscheinend gemacht. Die Füßchen sind so verkümmert, daß sie die Last des Tieres nicht mehr tragen, nur schwimmend bewegt sich dieser Bürger der Unter⸗ welt, dessen sonderbaren Habitus die stark verästelten rosaroten Kiemenbüschel vervollständigen. Ein langes ungelöstes Nätsel bil⸗ dete die Vermehrungsweise des Grottenolms, bis es endlich der biologischen Station in Wien gelang, diesen Vorgang aufzuhellen. Befinden sich die Tiere in einem Wasser unter einer Temperatur von 15 Grad Celsius, dann bringt das Weibchen normal entwickelte Junge zur Welt, steigt die Wassertemperatur aber über dieses Maß, dann setzt es Eier ab, aus denen fußlose Embryonen aus⸗
nach der illustrierken Seite.
schlüpsen.
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welche diese lustig gestreifte Gesellschaft in lebensvollen Stellungen.


