Dies enthält scheinbar den Widerspruch, daß der Europäer, der in den Tropen wahrlich vom Schwitzen nicht verschont bleibt, bei weitem nicht so immun gegen die genannten Schädlichkeiten ist wie Neger, Indianer oder Südchinesen. Die Lösung des Rätsels liegt darin, daß er eben doch bei weitem im Punkte der Hauttätigkeit picht so leistungssähig ist wie die Einheimischen. Wer jemals mit ben Bewohnern füdlicher Länder in ihrer Heimat verkehrt hat. wurde nur zu bald auf das Nachdrücklichste darauf aufmerksam.
Und so ist denn an einem neuen schlagenden Beispiel die alte Erfahrung vom Wert der Hauttätigkeit auf das gluäzendste, ja in
anz ungeahnter Weise bestätigt. Diese Erfahrungen werden ihre
——— Folgen haben nicht nur bei der Bekämpfung von Bolksseuchen, sondern auch für jeden einzelnen in seiner Lebens⸗ führung. Die Durchlüftung der Haut, die Anregung ihrer Tätig⸗ keit, die Schwitzkur, sei es als Dampfbad oder als„Schweiß der Arbeit“, wird offenbar mit den weiteren Fortschritten der Hygiene viel mehr zur Geltung kommen als jetzt, und der alte Volksglauben: man könne eine Krankheit ausschwitzen, hat durch die Wissenschaft eine gewisse, nicht schlecht begründete Unterlage gefunden. Eine banze Reihe von Volkssitten, so z. B. die Dampfbäder der Russen, die Schwitzkuren der alten Römer und der Türken, erscheinen in biesem Lichte gerechtsertigt, und wenn man die altbewährte„Haus- apotheke“ uralter erprobter Mittelchen durchsieht, wird man ent⸗ becken, daß darin mit besonderer Vorliebe der harmlose„schweiß⸗ treibende“ Tee wiederkehrt, zu dessen wiederherstellender Kraft uns nun auch die Wissenschaft neuerdings Vertrauen zu fassen lehrt.
Aus unstrer Sammelmappe.
Natur, Halbmonatsschrift für alle Natur⸗ Freunde, Organ der Deutschen und Oesterreichischen Naturwissen⸗— schaftlichen Gesellschaft, mit der 5. Beilage„Wunder und Rät⸗ leldes Lebens“ von Dr. N. Rosen. ie Natur beschließt mit dem 24. Heft ihren vierten Jahrgang, der ihr von allen Seiten die höchste Anerkennung eingetragen hat Immer bewußter wird die Natur von Presse und Publikum als die beste, führende Zeitschrift ihrer Art gerühmt. Und in der Tat zeigt das Inhaltsverzeichnis eine derartige Fülle der bedeutendsten Namen aus allen Gebieten der Naturwissenschaft, verheißt einen solchen Reichtum von Bildungs- und Unterhaltungsstoff, daß die anerken— nenden Urteile wohl ihre volle Berechtigung haben dürften.— Was in diesem einen Jahrgange geleistet wurde, mag schon daraus her⸗ vorgehen, daß Zeitschrift und Bücher zusammen 1250 Druckseiten umfassen, auf denen ungefähr 750 Abbildungen Platz gefunden haben. — Hält man hiergegen den Preis von 6.— Mk. jährlich, so muß ohne weiteres zugegeben werden, daß diese Zeitschrift wirklich spott⸗ billig zu nennen ist.
Die diesmalige Buchbeilage vermittelt höchst interessante Ein blicke in die Rätsel- und Wunderwelt der Natur. Bei der klaren
— ei
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und verständlichen Schreibweise des Verfassers ist dieses Buch, wie kaum ein anderes bestimmt, in die weitesten Kreise zu dringen. Das vorzügliche und seltene Abbildungsmaterial wird seinen Teil dazu beitragen, dem Buche den Weg zu bereiten.
Was durch die Gurgel rinnt. In Wien hat der Verein öster⸗ reichischer Alkoholgegner eine sehr lehrreiche Ausstellung veran staltet, über die die Wiener Arbeiterzeitung u. a. berichtet: Das deutsche Reich so erzählt eine Tafel der Ausstellung— gibt 322,9 Millionen Mark für öffentliche Volksschulen aus, 893,7 Millionen für die gesamte Arbe terversicherung, 1504 Millionen für das Heer Aber 3400 Millionen, dreitausendvierhundert Millionen Mark wer⸗
den alljährlich in Deutschland vertrunken! Man vergleiche mit Dieter ungen en Nera: 9 7 1 n 1 77 dieser ungeheuren Verschwendung die Zissern der Reichsschulden; sie
betragen 4985 Millionen Im Trunke steckt die Schuld. Eine andere Tafel zeigt uns das sausende Wien Im Jahre 1904 wurden hier
lionen Wein und
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um 15 Millionen Kronen Brar utwein, um 32
um 76 Millionen Vier vertrunken. Das macht 123 Millionen Kronen aus, gerade die Hälfte des gesamten Wiener Mietzinses für Wohnun⸗ gen und Geschäftsräume. Welche Möglichkeiten einer Lebenssteige rung gehen durch diese wahnwitzige Tr virtschaft unw derbring lich verloren! Man hat sich die Haushal
d tungen von Nürnbe Arbeitern angesehen.
—
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ger Je mehr sie für den Trunk ausgeben, um so schlechtere Wohnungen müssen sie beziehen. Es ist erschreckend, wie groß die Alkoholausgaben im Verhältnis zur Miete und Lebens
Tee
führung sind. Wer trinkt trinkt sich ir
elendesten Wahnunee elendesten Wohnungen
in Munter 1 rend! 1. N
hinein, i Mißwirtschaft und Frendle Man sieht eine Fülle IIe Bren 1* 2
von Bildern, Ziffern reib„ Flugblätte und Wandtafeln. Sie
1 beigen alle die Gefahren und die Schädlichkeit des Alkohols.
r. Die Zapne als Charaktermerkmal. Eln Londoner ohe arzt hat auf dem Zahnärztlichen Kongreß in Newyork inte ressaut
Studien über den Zusammenhang zwischen Zähne und Charakter:
publiziert. Er glaubt, daß die Zähne des Menschen die untrüg lichsten Merkmale für dessen Charaktereigenschaften sesen. Weit
auseinanderstehende Zähne deuten auf stark erotische Veranlagung 1
Vorspringende Kaninchenzähne in Verbindung mit zu rückspringen⸗ dem Kinn finden sich bei wankelmütigen, geizigen und denkschwachen Personen. Sehr weiße, kurze, reiskozpähnliche, gebrechliche Zähne lassen häusig auf eine sich selbst verzehrende, nervöse Natur schlie ßen und sind Begleiterscheinungen eines mißmutigen, jähzornigen Wesens, während mißgeformte, unebene Zähne das siche rste An. zeichen beschränkter Intelligenz bilden. Sehr kurze Zähne mit Über⸗ ragendem Zahnfleisch gelten als Zeichen von Niedrigkeit im Denken und Starrsinn im Handeln. So verraten die Zähne niedriges, grausames, schüchternes, grobes oder sanftes Naturell und leder junge Mann tue gut, die Zähne seiner Braut vor der Verheiratung vom Zahnarzt untersuchen zu lassen, um hierdurch eine Gewahr für ihre guten Charaktereigenschaften zu erhalten.— Die deutschen Zahnärzte stehen diesen Forschungen nüchterner gegenüber. 89 glaubt Dr. Lewinski in Holzminden, daß, wenn die Zähne auch häufig Fingerzeige für die Charakterveranlagung eines Menschen geben können, die Pfsychologie der Zähne doch noch keineswegt wissenschastlich soweit ersorscht sei, daß man sichere Schlußfolge⸗ rungen daraus ziehen könne.
K.K. Neues vom größten Jupitermond. Von den acht Monden des Jupiter, die seit jeher das besondere Interesse unserer Astronomen genießen, hat jetzt der größte, der in der Astronomie als dritter Jupitermond bezeichnet wird, den Forschern elne Ueber⸗ raschung bereitet. Bei seinem Vorübergange vor der Scheibe des Planeten zeigte er im Rohre statt seiner sonstigen kreisrunden Flache eine höckerige Form und zugleich auch eine weiße Kappe am nörd⸗ lichen Pol, ähnlich wie wir sie beim Mars beobachten können. J. Guillaume, der diese Erscheinung zuerst beobachtet hat und darüber in dem Comptes rendus Mitteilung macht, lenkt die Auf⸗ merksamkeit aller Astronomen auf diese seltsame Erscheinung, die zeigt, daß der größte und hellste Jupitermond mit einer Atmosphäre umgeben sein muß, wie sie z. B. der Mond unserer Erde nicht er⸗ kennen läßt. Die Beobachtungen müssen natürlich erst nachgeprüft werden, aber schon jetzt kann man so viel sagen, daß bei Anwesen⸗ heit einer Atmosphäre auf diesem Jupitermond die Wahrscheinlich⸗ keit groß ist, daß er auch Träger organischen Lebens sein wird, daß dort oben eine Welt um den Jupiter kreist, die Pflanzen und Tiere beherbergt. Natürlich wird sosort auch die Frage auftauchen, ob wohl Menschen auf dem dritten Jupitermond leben. Hier sei es vorläufig der Phantasie eines jeden freigestellt, sich eine Welt aus⸗ zumalen, wie er sie sich denkt. Zum Beweis für das Vorhanden⸗ sein von Menschen auf dem dritten Jupitermond gehört doch etwas mehr als der bloße Nachweis einer Atmosphäre und die Kenninis der Oberflächengestaltung. Daß wir aber jemals mehr von so fernen Welten erfahren könnten, müssen wir, wenn wir ehrlich seln wollen, verneinen.
Die künstliche Ernährung und ihre Zutunst. Versuchsbesunde von Abderhalden haben unzweideutig dargetan, daß eine künstliche Ernährung sich mit vollem Erfolge ausführen läßt, wenn an Stelle der unumgänglich notwendigen Nährstofse nur geeignete Gemenge ihrer chemischen Bausteine verwendet werden. So ist es dem Ge⸗ lehrten gelungen, Hunde bei Erhaltung ihres Körpergewichts 74 Tage lang vollständig mit einem Präparat zu ernähren, in dem das Eiweiß durch ein Gemisch von Amidosäuren, die Fette durch ein solches von Glyzerin, Palmitin⸗, Stearin⸗ und Oelsäurt[die Komponenten der Fette) und der Zucker durch Traubenzucker ersetzt waren. Doch so reich und berauschend die Zukunftsträume seis mögen, die durch solche Jorschungsergebnisse ausgelöst werden, so arm und nüchtern ist die Wirklichkeit. Eine Abhandlung im Kosmos⸗ Dandweiser(Stuttgart) über die künstliche Ernährung kommt 38 dem Ergebnis, daß nach der begründeten Auschanung der heutigen Wissenschaft auch nicht die geringste Aus sicht vorhanden iist, daß die Lösung des Problems der Nährstosssynthesen einen Einfluß auf unsere Ernährungsweise gewinnt. Dafür sind die chemischen Ber⸗ sahren noch viel zu kostspielig, da sich beispielsweise heute ein aul Steinkohle hergestelltes künstliches Eiweiß etwa 50 000 mal so hoch im Preise stellt, als das Eiweiß in unserer täglichen natürlichen Nahrung. Und das ist sicher gut so.
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