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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung
Nummer 28
Dienstag, den 14. Oktober 1913
2. Jahrgang
Die Steuerquellen der Gemeinde.
Die Aufgaben der Gemeindeverwaltungen werden immer umfangreicher. Im Zusammenhang damit steigen auch immer mehr die finanziellen Lasten, die durch Steuern aufzubringen sind. Nachdem Reich und Staat unablässig auf der Steuersuche ist, hat das Feld, das den Gemeinden zur Ernte dienen könnte, eine immer größere Einschränkung er— fahren. Die in Deutschland herrschenden Gemeindesteuer— systeme haben daher im Laufe der Zeit eine Umgestaltung erfahren. Mehr und mehr sind die Ertragssteuern in den Vordergrund und Verbrauchs- und ähnliche Steuern in den Hintergrund getreten.
Eine Steuerstatistik, die alle deutschen Gemeinden um— faßt, ist leider noch nicht vorhanden. Nur für die Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern liegen einheitliche Angaben vor. Die hieraus gewonnenen Ergebnisse lassen aber doch eine Uebersicht über das heutige Gemeindesteuerwesen zu, da die betreffenden Gemeinden etwa ein Viertel der gesamten deutschen Bevölkerung umfassen.
Diese Städte, 84 an der Zahl, hatten im Jahre 1911 eine Steuereinnahme von zusammen 591 Millionen Mark. Die Bedeutung dieser Summe läßt sich ermessen, wenn man bedenkt, daß die Gesamteinnahme des Deutschen Reichs an Zöllen im selben Jahre auch nur 638 Millionen Mark be— trug. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet be— trug der Gesamtertrag der Steuern 1907: 33,05 Mk., 1909: 386,27 Mk. und 1911: 38,73 Mk. Das ist in den fünf Jahren eine Erhöhung von 5,68 Mk. pro Kopf der Bevölkerung.
Die wichtigste Steuerquelle ist die Einkommensteuer. Sie brachte im Jahre 1911 allein rund 300 Millionen Mark. Ihre Erträgnisse in den einzelnen Städten sind natürlich sehr verschieden. Von 100 Mk. aller Gemeindesteuern kom— men aus der Einkommensteuer in Dessau 92,94 Mk., Plauen 89,93 Mk., Leipzig 80,10 Mk., Braun⸗ schweig 69,23 Mk., Elberfeld 62,29 Mk., Bielefeld 62,25 Mk. usw., dagegen in Nürnberg nur 26,14 Mk., Fürth 25,80 Mk., Mülhausen i. E. 22,20 Mk., Stra ß⸗ burg 16,83 Mk.
An zweiter Stelle stehen die Steuern vom Grund- und Hausbesitz. Sie brachten insgesamt 170 Millionen Mark. Davon entfallen 139 Millionen Mark auf die Grund- und Gebäudesteuer, 325 Millionen Mark auf die Steuer vom Grundbesitzwechsel und 5 Millionen Mark auf die Wertzu— wachssteuer. Auch hier ist in den einzelnen Städten die Be— teiligung der Steuer vom Grund- und Hausbesitz an der Aufbringung der gesamten Gemeindesteuerlast sehr verschie— den. In Altona bringt sie 53,54 Prozent des Gesamt⸗ ertrags der Gemeindesteuern auf, in Plauen und Zwickau bestand dagegen im Jahre 1911 überhaupt noch keine Gemeinde-Grund⸗ und Gebäudesteuer. Zwischen diesen beiden Extremen bestehen viele Zwischenstufen.
Die Gewerbesteuern brachten 77 Millionen Mark, und zwar die Steuern vom stehenden Gewerbebetrieb einschließ— liech der Warenhaussteuer 75,6 Millionen Mark, die Steuer von Gast⸗ und Schankwirtschaften, die sogen. Betriebssteuer, 1.5 Millionen Mark, die Steuern von Wanderlagern und Wandergewerben 77 000 Mk. Von 100 Mk. Gemeindesteuern entfallen auf die Gewerbesteuer 38,15 Mk. in Kaisers⸗ lautern, 32,92 Mk. in Nürnberg, 31,39 Mark in Stuttgart, dagegen nur 10 Pfg. in Chemnitz und
6 Pfg. in Dresden. artige Steuer.
Die Verbrauchssteuern brachten bei den in Frage kom— menden Städten 20 Millionen Mark. Diese Steuern sind bei vielen Gemeinden überhaupt nicht eingeführt. Die Aufwandsteuer(Hundesteuer, Lustbarkeitssteuer usw.) brachte
Plauen kennt überhaupt keine der—
13 Millionen Mark. Sie schwankt von 4,26 Mk. pro 100 Mk.
Gesamtsteuern in Bonn, bis 19 Pfg. in Offenbach a. M. Die Kapitalrentensteuer, die nur in süddeutschen Städten anzutreffen ist, brachte 6,8 Millionen Mark., die Verkehrs- steuern 2 Millionen Mark. Letztere betragen in Wil- mersdorf 15,84 Mk., Neukölln 14,47 Mk. usw., da⸗ gegen sind sie in Heidelberg, Mainz usw. überhaupt unbekannt. Die Wirtschaftskonzessionssteuern brachten 12 Millionen Mark, die Mietsteuer 677 000 Mk. usw. Die letzt- genannten Steuern sind in vielen Städten überhaupt nicht anzutreffen.
Das gesundeste Steuersystem ist zweifellos das der direkten Einkommensteuer. Es sollte möglichst überall zur einzigen Steuerquelle erhoben werden. Ob die Grund- und Gebäudesteuern den namentlich von den Bodenreformern ihnen beigemessenen hohen Wert haben, ist sehr zu bezweifeln. Die sonstigen Aufwands⸗, Verkehrs- und ähnlichen Steuern sind auf das entschiedenste zu bekämpfen.
Gniseppe Verdi. 1813— 10. Oktober— 1919. Von Mar Denk.
Am 10. Oktober feiert die Welt Giuseppe Verdi, den be⸗ deutendsten italienischen Komponisten des 19. Jahrhunderts. An diesem Tage sind es hundert Jahre, daß Verdi in Roncole, einem kleinen, dem alten Herzogtume Parma zugehörigen Städtchen ge— boren wurde. Sein Vater, ein unbemittelter Wirt, versäumte nicht, der frühzeitig sich bekundenden Begabung des Knaben eine tüchtige Erziehung zu Teil werden zu lassen, und der junge Verdi erhielt zunächst von dem Organisten Provesti einen tüchtigen Unterricht. Dem Können seines Lehrers entwachsen, ging er, unterstützt von wohlhabenden Gönnern und versehen mit den besten Empfehlungen, nach Mailand. Aus heute noch unaufgeklärten Gründen lehnte jedoch das Konservatorium die Aufnahme des jungen Musikus ab, was für ihn zunächst eine bittere Enttäuschung, für sein späteres Fortkommen dagegen insofern eine glückliche Fügung sein mochte, als er in dem Theaterdirigenten Lavigna einen Meister fand, dessen Unterweisung ihn viel mehr förderte als eine nochmalige Schul— fuchserei. Mit 26 Jahren kam Verdi auf die Bühne und errang mit „Oberto“, der 1839 in Mailand aufgeführt wurde, einen Erfolg, der wohl in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben war, daß das unselbständige Werk durch seine Anlehnung an Bellini dem Ge— schmacke des Publikums entgegenkam, der dem Komponisten aber den Auftrag verschaffte, drei weitere Opern zu schreiben. Auf eine furchtbare Weise bewahrte das Schicksal Verdi vor der naheliegenden Gefahr, dem Theaterschlendrian anheimzufallen: innerhalb dreier Monate verlor er sein junges Weib und die zwei Söhne, die sie ihm geschenkt hatte. Daß die komische Oper, die er in dieser Zeit schreiben mußte, ihm eine Niederlage eintrug, erscheint unter solchen Um⸗ ständen fast als Notwendigkeit. Die Frucht der inneren Wandlung, die sich nach dieser Prüfung in Verdi vollzog, war die Oper „Nabucco“(1842), ein Werk voll hohen Ernstes, strenger Herbhei: und wirklicher Größe. Mit einem Schlage war Verdi nun ein be— rühmter Mann geworden und der Erfolg begünstigte treu jede der zehn Opern, die er bis zum Jahre 1849 schrieb. Dieses Jahr be⸗ deutete einen zweiten wichtigen Wendepunkt in Verdis Leben: einerseits hatte die Revolution die allgemeine politische Spannung gelöst, die, wie wir später sehen werden, für unseren Meister von hoher Bedeutung war, andererseits fand Verdi damals in Giuseppina Strapponi, der genialen Darstellerin mancher seiner Bühnenheldinnen, eine Lebensgefährtin, die es vermochte, sein Leben in der Idee der Familie zu zentralisieren. Schon in„Luisa
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