Ausgabe 
14.1.1913
 
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Neben bem Cliquenlampf und der Kortuption ergeben sich daraus sepatatistische Tendenzen, weil die herrschenden Schichten der einzelnen Nationen die Vergebung und Ausbeutung der Konzessionen in ihre eigene Hand bekommen möchten und über⸗ haupt, wenn sie von der Macht der Zentralregierung befreit sind, Herren im eigenen Haufe werden.

Die Abschaffung der Kohlenbergwerke.

Sir William Ramsay, der berühmte Chemiker, der während des verflossenen Jahres von seinem Lehramt zurück- getreten ist, um sich mit noch größerer Energie seinen Ar- beiten zu widmen, scheint an seiner Idee der Gas er zeugung unmittelbar aus den Kohlen lagern festzuhalten und in ihrer Durchführung die wich;

tigste Aufgabe seines Lebensabends zu erblicken. Die Sache wäre freilich bedeutend genug, um auch einen so hervor ragenden Geist für eine Reihe von Jahren ausschließlich zu beschäftigen, denn sie käme auf nichts Geringeres heraus, als auf eine völlige Umwälzung der bisherigen Arten der Kraftlieserung, und wohl auch auf eine böllige Ab- schaffung oder zum mindesten eine große Ein⸗ schränkung des Kohlenbergbaues. Ramsay hat sich bisher niemals von der Seite eines Phantasten gezeigt, und man darf daher annehmen, daß er gute Gründe dafür hat, seine revolutionären Pläne weiter zu verfolgen. Man kann auch hinzufügen, daß vielleicht niemand unter den lebenden Forschern eine größere Erfahrung in der Behandlung von

Gasen besitzt als er. Daß er noch immer keine genaue Be⸗ schreibung des Verfahrens veröffentlicht hat, das er zur Um⸗ wandlung der Koblenlager in Gas anwenden will, erklärt sich

jedenfalls daraus, daß er zunächst einen Versuch in größerem Maßstab für notwendig hält, und er hat auch Verhandlungen mit dem Besider eines Kohlenlagers eingeleitet, vielleicht jetzt don zum Abschluß gebracht, die ihm zur Einrichtung einer ersten bedeutenden Anlage Gelegenheit bieten sollen.

Sein Vorschlag erinnert an die Art der Ausbeutung mancher Salzlager, deren Inhalt nicht in der festen Form des Steinsalzes an die Oberfläche befördert, sondern durch Wasser aufgelöst und dann als Lauge aufgepumpt wird. So will Ramsay die Kohle in ihrer natürlichen unterirdischen Lage zersetzen, das Gas an die Oberfläche bringen und dort sofort in Benutzung nehmen. Damit würden alle Kosten des Abbaues fortfallen, ein großer Teil des Kohlentransports auf Eisenbahnen und Schiffen und viele Kraftanlagen an den Stellen des Verbrauchs. Die Steinkohlenminen würden ge⸗ wissermaßen in ungeheure Destillationsapparate verwandelt werden. Die Dampfmaschinen würden in Zukunft dann nur noch eine bescheidene Rolle spielen, die Gasmotoren dagegen einen ungeheuren Aufschwung nehmen, was wiederum ein gewaltiger Fortschritt wäre, da diese doppelt so viel von der Energie der Kohle in Arbeitskraft umzusetzen vermögen als jene. Der Betrieb elektrischer Generatoren durch die Gas⸗ motoren und die Anlage großartiger Elektrizitätsleitungen würde dann das Uebrige besorgen. Vorläufig wird Ramsay wohl keinem gram sein dürfen, den beim Gedanken an die Folgen dieser Neuerung ein Schwindel ergreift. Es wäre nicht zu viel gesagt, daß wenigstens seit der Einführung der Dampfmasichne die Welt keine größere Umwälzung erfahren hätte. Ramsay selbst dagegen scheint diese Folgen einer ganz trockenen Erwägung zu unterziehen, obgleich der Inhalt der kurzen Sätze, in die er sie zusammenfaßt, aufregend genug ist. Wir stellen diese Sätze in ihrem Lapidarstil hierher: Er⸗ zeugung des elektrischen Stroms für Eisenbahnen und Indu- strie zum Fünftel oder vielleicht zum Zehntel des heutigen Preises; allgemeine Elektristerung der Eisenbahnen und Fabriken; Erleuchtung und Heizung der Häuser zu Finem Bruchteil der jetzigen Kosten: Herabsetzung des Verbrauchs der Brennstoße und damit eine Verlängerung der Ausdauer der Kohler bis in eine ferne Zukunft: fast völlige Unterdrückung sedes 1 Dazu kommt noch, daß nach den Angaben von Ramsay, die sich auf Versuche während der letzten Monate stüten, auch 8 von so geringer Mächtigkeit, daß sie einen Abbau nicht lohnen, nach dem neuen Verfahren terwertbar sein würden.

worräte

Da der Vorgang, durch den Namsay das Gas ge will, in einer Verbrennung der Kohle besteht, so könnte den Einwand erheben, daß dadurch Senkungen det mit vielleicht verhängnisvollen Folgen zu befürchten Die Erfahrungen jedoch, die man an den Salzminen ge hat, sind nicht so beunruhigend, daß eine solche Bes 7 ge genüber den überwältigenden Vorteilen in Betracht om men könnte. Einige Kohlenbergwerke werden wohl aug immer bestehen bleiben, wenigstens vorläufig, solange bei⸗ spielsweise die Schiffahrt größtenteils durch Verb von Kohle besorgt wird. Die Kraftanlagen würden sich 5 wohl ganz in die Nähe der Kohlenlager zusammenziehen, de die Fortleitung des Gases auf größere Entfernungen ur möglich und auch bei Vorräten von Naturgas bereits mehr sach geschehen, aber kostspielig ist. Die Kohlenlager würden in Zukunft eben in ähnlicher Weise ausgenutzt werden, wie jetzt mehr und mehr mit den Wasserkräften geschieht. Sen die Technik die Mittel geliefert hat, den elektrischen Stron unter höherer Spannung und entsprechend geringen lusten sortzuleiten, ist dessen Verteilung über enttermnz! von mehreren 100 Kilometern weder schwierig noch teuer. N Rücksicht auf eine Ersparnis in der Verminderung g Kohlenvorräte der Erde ist namentlich für das Vatersan Namsays von großer Bedeutung. England braucht f Kohlenlager schneller auf als beispielsweise Deutschland, un Namsay selbst rechnet damit, daß Großbritannien seine Roh beim Fortgang des bisherigen Bergbaues in 175 Jahres völlig erschöpft haben dürfte. Selbst wenn man die bier noch nicht in Angriff genommenen und nach ihrem Wert auß ziemlich zweifelhaften Reserven in Anschlag bringt, könne die Frist höchstens auf 250 Jahre verlängert werden. Darig erblickt Ramsay selbstverständlich die Gefahr einer Kata- straphe für sein Vaterland, deren Anzeichen wahrscheinch schon weit früher eintreten würden. kaum ein Ereignis von größerer Bedeutung bringen können als den Nachweis der Durchführbarkeit Vorschläge durch einen Versuch

sollte auch dieser große Gelehrte, wissenschaftlichet

desse n

Ruhm so fest begründet ist, in ähnlicher Weise versagen, wis

es mit Tesla und zum Teil

auch mit Edison der Fall ge⸗ wesen ist?

Aus unserer Sammelmappe.

Alte und neue Gotik. In den Süddeutschen Monatsheften wen den jetzt Familienbriese des Malers Karl Stauffer⸗-Bern des öffentlicht. In einem dieser Briese aus dem Jahre 1880 macht en über alte und nachgeahmte Gotik folgende tressende Bemerkungen; . In Meißen habe ich mir die Albrechtsburg angesehen, der

schönste gotische Profanbau, der mir bekannt ist. Es ist gar s

zu beschreiben; hoch auf dem Berg thronen der alte golische Den und die Burg, Ueberreste grandioser und Zeugen gewaltigen Schafsens längstvergangener Zeiten. immer vor wie die Wunderblume der Architektur. Sie wächst emper wie eine Pflanze nach oben strebend und wendet ihre Blüten des Licht und der Sonne zu. Ich glaube, der Nünstler, der die erfunden hat, ist einmal an einem schönen Abend in einem Buchen walde auf dem Rücken gelegen und hat geträumt, er sel in einen Kirche, darin es ihm so gut gefalle, daß er sich eine nach dem Muster erbaut hat. Was wir Modernen Gotik nennen und in solchem bauen, ist nichts als ein mißverstandenes Zeug. Da gehören Lenz dazu, die in det Luft Walter von der Vogelweides, in gesunher ingendlich nalver Naturanschauung gelebt haben, deren Streben nichts zu hoch war und die aus ber Tiese des Gemsüts bauten,

lich nicht bauten, sondern wachsen ließen die schlanken steinermm Kinder ihres herrlichen Geistes. Was uns fetzt unter Wett ge boten wird, ist nimmer eines guten Geistes Kind. Wir sind. mehr gläubige Gemiter, sondern zweischneidige Kritik 0 Steptizismus find die charakteristischen Werkmale unfrer schnelm Zeit Wir haben bis dato noch keinen Stil in der Architektur, wir eben noch gar nicht eine selbständige Architektur haben. uns geboten wird, auch das Schönste, ist alles schon dag

wird bloß eklektisch wiedergekaut. Dieser moderne Erlerttzismuß ver

trägt sich nun aber mit allen abgeschlossenen Stilarten 7 2 mit der Gotit Db.

Das Jahr 1913 w

der Namfauschen in großem Maßstab. Oder

Die schöne Gotik kommt t