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nach London zurückgekehrt. Begleitet von dem zösterreichischen Leutnant Bauer, der ihm ein treuer Gefährte in all den grausigen Abenteuern der Reise war, hatte er im Dezember 1911 London ver⸗ lassen und war von Bogota aus in das Innere vorgedrungen. „Insekten und Krankheiten“, so erzählt er in einem ersten Bericht, „waren die ärgsten Feinde der Expedition. Moskitos machten das Leben sast unerträglich und Schwärme von großen Gras fressenden Ameisen, die nach Sonnenuntergang auftauchten, zerfraßen unsre Kleider, machten unfre Moskitonetze unbrauchbar und verschlangen selbst unfre Se Dazu kam die schlechte Ernährung, denn unser Nahrungsvorrat ging während der Wanderung zu den Quellen des Apaporis zu Ende, und wir mußten uns mit Affenfleisch begnügen.
Von zweimongtiger harter Arbeit und Krankheit waren schließ⸗ lich meine Gefährten so geschwächt, daß unmöglich alle weiter mit⸗ konnten. Ich drang mit nur zwölf Mann von neuem vorwärts, aber auch von diesen weigerke sich schließlich die Hälfte, als wir in das Gebiet der gefürchteten Carijona⸗Indianer kamen, und es blieben mir nur noch sechs, mit denen ich in wenigen Tagen den Slidarm des Apaporis erreichte. Unsere Reise war unendlich mühe⸗ voll und schwierig: wir legten trotz größter Anstrengung läglich nicht mehr als 3—4 Kilometer zurück. Jeder Fuß Weges mußte erst mit Aexten durch den dichten Urwald freigehauen werden, wobei ein Mann mit einem Kompaß an der Spitze ging. Hunderte von kleinen Flüssen kreuzten unsern Pfad, und sie waren alle belegt mit Rarjas, einer fehr gefährlichen Schwertfischart, die einem schlimme eiternde und fehr schmerzvolle Wunden beibrachte.“ Solch Biß eines Schwertsisches rief bei Rice selbst ein furchtbares Ge⸗ schwür hervor, so daß eine Operation unbedingt nötig wurde. Der Arzt nahm sie selbst vor, spritzte sich bei dem Schein einer flackernden Kerze Kokain ein und schmitt sein Bein bis auf die Knochen. Diese Selbstoperation, die 2 Stunden dauerte, rettete ihm das Leben, aber die Wunde ist noch heute nach 9 Monaten nicht zugeheilt.
Beständige Gewitter, bei denen rings um uns die Riesen⸗ bäume durch Blitze zerschmettert wurden, machten aus unserm Rück⸗ marsch einen grausigen Alptraum. Wir hatten beinahe alles ver⸗ loren außer unsern Hängematten. Endlich hörte der Regen auf, aber nun kamen Myriaden von Ameisen, Bienen und Moskitos hervor und quälten uns weiter. Unsere Lage war verzweifelt. Jeden Tag bekamen die Augen meiner Leute einen merkwürdigeren und verglasteren Ausdruck; unsere Gesichter waren eingesunken und zeigten ein aschfarbiges Gelb, und wir konnten kaum noch ein Wort miteinander wechseln. Einer der Leute verlor überhaupt die Fähig⸗ keit zu sprechen und winselte nur noch wie ein Tier. In dieser Schreckenszeit mußte Dr. Rice verschiedene Operationen im Urwald ausführen, um seine von schrecklichen Geschwüren be— deckten Leute am Leben zu erhalten. Mitten im Dschungel wurde aus roh behauenen Hölzern ein Operationstisch errichtet, und dann bandhabte er Chloroform und Messer, so gut es ging. Auch Einge— borene strömten herbei, um die Hilfe des Wundermannes anzuflehen, und so führte er mehr als 100 Operationen aus, von denen die meisten glücklich verliefen.
Nach 11 Tagen der furchtbarsten Entbehrungen gelangte die Expedition schließlich zu dem Macayafluß, wo Rice acht seiner Leute mit Proviant zursickgelassen hatte, und am Weihnachtstag trafen die Reisenden im traurigsten Zustand, am ganzen Körper mit Wunden bedeckt, in San José am Guaviari ein. Von hier aus trat der Forscher mit zwei Kanus, von Bauer, vier Mischlingen und einem indianischen Boy begleitet, den zweiten Teil seiner Erpedition an:„Unser Zweck war, die Flüsse daraufhin zu unter⸗ suchen, in welchem Verhältnis sie zu dem Orinoco und dem Ama⸗ zonenstrom standen. 6 Tage lang schossen wir stromabwärts durch gefährliche Strudel und Barrikaden von in den Strom gefallenen Bäumen. Durch einen Unglücksfall verloren wir das eine Kann; deshalb ließen wir Proviant zurück und fuhren mit einem Boote weiter. Immer beschwerlicher und gefährlicher wurde der Weg Nach einer Woche Fahrt enkdeckten wir einen riesigen Wasserfall von über 100 Fuß Höhe; noch eine Woche später mußten wir die Weiterfahrt als unmöglich aufgeben.“ Die Reisenden trafen hier auf Indianer, die noch niemals einen Weißen gesehen hatten, aber sehr freundlich waren.
Während der solgenden Wanderung durchquerten sie einen von Schlangen wimmelnden Sumpf an dem obern Teile des Ymirida⸗ Flusses, den sie vorher hinaufgefahren waren.„Es gab hier kein
Aenderungen in den letzten drei Menschenaltern und hat für
die Menschheit in ihren tausend Qualen und Daseinskämpfen schon bisher gewiß nicht weniger Tröstung gespendet als die anderen großen Menschheitsgedanken der Nächstenliebe oden
der Menschenrechte. 3
Um so merkwürdiger berührt es, zu sehen, daß eine so weltbewegende Idee, trotzdem sie in eine Epoche von der⸗ maßen gesteigerter geistiger Regsamkeit fällt, wie es die letzten 100 Jahre sind, bei weitem nicht die Zergliederung, die Durchdringung mit wissenschaftlichem Denken gefunden hat, wie sie etwa irgendeiner ganz untergeordneten Frage der Theologie zuteil wurde. Außer einem ganz engen Kreise von Forschern und Philosophen berührt der Entwicklungsgedanke das geistige Leben des Volkes gar nicht, und auch unter den „FJachmännern“ besteht eine Art Scheu, sich gewissen und zwar gerade den wesentlichsten Fragestellungen, zu denen es herausfordert, zuzuwenden.
Solche Gedanken drängen sich zwingend auf, wenn man beachtet, wie dünnleibig ein soeben erschienenes Werk“, in dem ein angesehener Naturforscher unserer Tage, Professor H. Triepel in Breslau, die Frage nach den Ursachen der Entwicklung einer scharfsinnigen Prüfung unterwirft.
Man möchte annehmen, daß über diesen Kernpunkt des
Entwicklungsgedankens Tausende von Forschern eifrigst be⸗ 4
müht sind und ihr Wissen und Meinen in abertausend Schriften niedergelegt haben— und man ist erfreut, aus der fleißigen Zusammenstellung Triepels zu ersehen, daß die letzten 40 Jahre Forschung hierüber nur 135 Schriften her⸗ vorgebracht haben sollen in allen Kulturländern, zu Zeiten, da im„Lande der Dichter und Denker“ allein im Jahre mehr als 30 000 Druckwerke die Presse verlassen....
Solches ist gewiß ein Kulturmesser und wird dem Be— urteiler unseres Jahrhunderts mehr sagen über den eigent⸗ lichen Kern unserer Kultur als die noch so dickleibigen „Jubiläumsbücher“, die jetzt beliebt sind, um die„deutsche Kultur“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts so recht breit und selbstgefällig aufzutischen. a
Und was ist der Kern dieser 135 Versuche, der wahren Ursache der Entwicklung nahe zu kommen?
Sie leiten hinein in eine maßlos interessante Welt der Tatsachen, gewissermaßen mitten in das Welträtsel selbst und zeigen uns so recht, auf welch verfahrenem Geleis der Dünkel ist, der da glaubt, wir hätten bereits den unumstößlichen, richtigen Begriff von dem Wesen des Lebens, die„Wahr⸗
heit“ über die Natur erfaßt, und den Geschlechtern nach uns bleibe nur mehr die Bewunderung vor unserem Scharfsinn
und eine armselige Nachlese.....
Erfaßt haben wir von der Entwicklung mit Sicherheit eigentlich nur das eine, daß es Aenderungen gibt. Im de⸗
schränkten Ausschnitt ihrer Linie muten diese Aenderungen so an, als führten sie von dem Einfacheren zu dem Ver⸗ wickelten, mit anderen Worten, als sei die Entwicklung den Erde und des Lebens aufsteigend. Da die Natur aber gegen⸗ über der Endlichkeit unseres Urteilsvermögens unendlich er⸗ scheint, werden wir nie sagen können, ob die uns zugänglichen
Ketten von Entwicklungsstadien der Dinge nicht Teile eines
Kreises sind! Für das Weltall selbst drängt uns manches
Erforschbare und unser logisches Bedürfnis, einen Kreislauf
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Zeichen menschlichen Lebens, aber Tapire, Jaguare und Affen in] anzunehmen. Jedenfalls können wir über eine aufsteigende lieberfülle. Sie waren so zahm wie Haustiere. Die Tapfre schwam⸗[oder absteigende Entwicklung des Weltalls gar nichts aus⸗ men um unser Boot, während die Jaguare nachts um unsere Netze] sagen. e
karate are Annes, nene Gen iber d done der. delane en benen belehrt gun ei uwe die nee vom Balkankrieg und von Scotts Untergang... g des Lebens. Namentlich ein Gesetz hat sich immer wieder
1 bestätigt. Nämlich, daß die Entwicklung des lebendigen ö
a 5 8 f Einzelwesens mit der des ganzen Lebens zusammenfällt. Die
Die Ursache der Eutwicklung. persönliche Entwicklung 8 die den— Tier-
Von H. Falkenfels. kreises, dem das betreffende Wesen angehört; ja die des
8 ein Gedanke mit solcher nelligke ganzen Lebens überhaupt. Diese große Entwicklungsline
Ueberzeugungskraft Plat gegriff geistigen Welt. Jaber mutet wie eine Entfaltung von Eigenschaften an, die 1
wie der, daß der Mensch. daß alle lebendigen Wesen, die] im Keim schon im ersten und einfachsten Lebewesen dein
Erde, ja das ganze Weltall in ständiger Aenderung, in einer] waren. So behauptet die eine Schule von Naturforschern,
Entwicklung begriffen seien zeugung, daß es ein. 3
Naturgesetz der Entwicklung ist letzten Endes die 0 1 5 kreibende Kraft aller gesellschaftlichen und politischen] geng. 8 e N ae ng.
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