Ausgabe 
11.11.1913
 
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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung

acht

Nummer 32

Dienstag, den 11.

Nobember 1913 2. Jahrgang

Freie Werte des Geistes und der Seele.

Immer von neuem muß man darüber staunen, wie wenig Kenntnis unsere Gegner vom Sozialismus und seiner Lehre haben, obschon doch das eigene Interesse sie veranlassen sollte, sich recht genau damit vertraut zu machen. Wie wollen sie ihn sonst wirksam bekämpfen? Aber einige vor Jahr- zehnten zurechtgemachte Phrasen, die eine ganz falsche Vor stellung von dem geben, was der Sozialismus uns lehrt das ist in der Regel alles, was sie von ihm wissen. War doch jüngst wieder in der Frankfurter Zeitung eine Mahnung zu lesen, gerichtet an die Adresse eines Arbeiter-Gesangvereins, er möge sich von der materialistischen Geschichtsauffassung abwenden; denn:

es ist ein Unding, freie Werte des Geistes und der Seele zu leugnen, wenn man ihnen selber so würdig dient.

Seit 50 Jahren kennen wir die Behauptung, daß die materialistische Geschichtsauffassung alles menschliche Tun auf ökonomische, sozusagen rein mechanische Ursachen zurück führe und jede eigene geistige Zutat des Menschen leugne. Unzählige Male ist das widerlegt worden. Aber wie Figurg zeigt, bleiben unsere Gegner hartnäckig bei diesem Märchen. Das hat natürlich seinen Grund. Ist es doch schon gar zu oft passiert, daß einer, der sich mit den Lehren des Sozialis mus wirklich beschäftigte, aus einem Saulus zum Paulus geworden ist. Da ist es denn nicht nur bequemer, sondern zugleich auch sicherer, immer nur die alten, ein für allemal festgelegten Phrasen zu wiederholen, und die Hoffnung, unsere Gegner eines besseren zu belehren, werden wir wohl aufgeben müssen. Aber für unsere Genossen wird es gut sein, bei solchen Gelegenheiten das, was der Sozialismus in Wirklichkeit will, immer wieder vorzutragen.

5 Da sei denn zunächst bemerkt, daß die materialistische N Geschichtsauffassung, wie es schon ihr Name besagt, eben eine Auffassung von der Geschichte ist; d. h. sie will ergründen, warum die Geschichte der Menschheit so und nicht anders ver laufen ist, keineswegs aber sucht sie eine Erklärung für die Leistungen eines Gesangvereins. Man begreift den Unter schied, der hier bereits klafft: selbst wenn der historische Materialismus das Werden der Menschheit in der Geschichte auf rein ökonomische Ursachen unter Ausschaltung aller geistigen Tätigkeit zurückführen würde, so wäre damit noch lange nicht gesagt, daß nicht ein Arbeitergesangverein freie Werte des Geistes und der Seele produzieren kann! Dazu kommt nun aber, daß auch das, was der historische Materialis mus über die geschichtliche Entwicklung sagt, von den Gegnern ganz falsch aufgefaßt und dargestellt wird. Freilich sind sie sich nicht ganz einig darüber, was der historische Materialis mus eigentlich lehrt. Zum Teil haben sie ganz unsinnige, geradezu alberne Ansichten darüber, wie z. B. die, daß jeder Mensch in jedem Augenblick nur sein eigenes wirtschaftliches Interesse verfolge, sodaß die Reihe von Handlungen, aus denen sich die Geschichte zusammensetzt, stets von den wirt schaftlichen Interessen der Handelnden diktiert gewesen seien Das ist so komisch, daß es wahrlich nicht lohnt, darüber erst noch zu diskutieren. Nehmen wir deshalb von allen uns bekannten gegnerischen Ansichten über den historischen Materialismus die vernünftigste. Die sieht etwa so aus.

Die Geschichte der Menschheit, wie bereits bemerkt, setzt

sich zusammen aus einer Reihe von menschlichen Taten. Die Taten entspringen dem Denken, Fühlen und Wollen der Täter; ihr Denken, Fühlen und Wollen aber ist nicht frei,

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sondern ein Produkt der Verhältnisse, in denen sie leben, so daß letzten Endes die Taten, also auch die Geschichte der Menschen bestimmt werden von den Verhältnissen, darunter insbesondere den ökonomischen Verhältnissen.

Wir tun der Frankfurter Zeitung gewiß alle Ehre an, wenn wir diese Ansicht bei ihr voraussetzen, die Hand und Fuß hat, die sich sehr wohl sehen lassen kann, und zum Teil sogar richtig ist. Wer wollte denn im Ernst behaupten, daß das Wollen und Denken der Menschen frei sei! Das Wollen und Denken entspringt aus dem Empfinden, dieses aber richtet sich nach der Art, wie die von außen kommenden Ein drücke im Innenleben des Menschen aufgenommen und ver arbeitet werden. Mit anderen Worten: es richtet sich nach der inneren Veranlagung des Menschen, und nach den äußeren Eindrücken, die er empfängt. Kann denn der Reiche so empfinden wie der Arme, der Amerikaner so wie der Deutsche? Es ist schlechthin selbstverständlich, daß die äußeren Verhältnisse einen gewaltigen Einfluß ausüben auf das Empfinden des Menschen, damit auf sein Denken und Wollen, und damit dann letzten Endes auf sein Tun. Gerade wer in der menschlichen Geschichte nichts anderes sieht als eine Reihe menschlicher Taten, der müßte demnach den weit gehenden Einfluß der ökonomischen Verhältnisse auf den Gang der Geschichte anerkennen.

Nun aber und das macht die Sache fast komisch trifft dieser ganze, an sich richtige Gedankengang auf den historischen Materialismus nicht zu, weil dieser nämlich in der Geschichte weit mehr und weit Wesentlicheres erblickt als eine Reihe von Kriegs- und Heldentaten. Nicht daß Moltke die Schlacht bei Königgrätz gewann und daß Bismarck den deutschen Kaiserthron schuf, ist ihm das Wesentliche; für weit wichtiger hält er das soziale Werden der Menschheit, ihre soziale Entwicklung, die unaufhörlichen Umwälzungen, die die menschlichen Zustände in ihrer Gesamtheit von jeher durchgemacht haben und weiter durchmachen. Ein Beispiel aus der Gegenwart: Dem Bourgeois erscheint es als ein wichtiges historisches Faktum, daß in Braunschweig der Cumberländer Herzog wird und daß man in Bayern den Regenten zum König macht. Dem Sozialisten sind das sehr nebensächliche Belanglosigkeiten; weit wichtiger erscheint ihm die durch den Klassenkampf herbeigeführte allmähliche Ver⸗ schiebung des Verhältnisses zwischen Proletariat und Bourgeoisie und die dadurch sich anbahnende soziale Um- wälzung der Zukunft. Das ist für uns die Geschichte, nicht aber die Taten dieser oder jener Person. Demnach ist die Aufgabe, die sich der historische Materialismus gestellt hat, überhaupt nicht die Erklärung von Erejignissen, die Er⸗ klärung von Taten, sondern das Verständnis der sozialen Umwälzungen. Diese erklärt er aus den wirtschaftlichen Ver⸗ änderungen, und diefreien Werte des Geistes und der Seele(mit jener eben gemachten Einschränkung) zu leugnen, hat er schon deswegen keine Veranlassung, weil sie mit den sozialen Umwälzungen denn doch nur in sehr losem Zu sammenhang stehen.

Eine Forschungsreise durch das unbekannte Südamerika.

Nach einer an den furchtbarsten Entbehrungen und Gefahren reichen Reise von 21 Monaten, die ihn durch ein fast völlig unbe⸗ kanntes Gebiet von mehr als 150 600 Quadratkilometern führle, ist der amerikanische Arzt und Naturforscher Dr. Hamilton Rice

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