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ungen der Einsturzspalten liegen, wo die ersterbende vullanische Tätigkeit am kräftigsten ist, ebenso wie auf der Erde. Die trocken Oberfläche der Landteile wird durch die Sonnenwirkung in kleine Stücke zerspreugt, und diese Stücke werden durch den Wind zu seinem Sand zerrieben, ganz wie in den irdischen Wüsten. Dieser Sand enthält aus demselben Grund Eisenoxyd wie auf der Erde, woher die rötlich⸗gelbe Farbe kommt. Im Winter wird dieser seine Sand auch über die gefrorenen Tümpel vom Wind in dünner Schicht gestreut. 9
Wir entnehmen diese Ausführungen mit Erlaubnis der Ala⸗ demischen Verlagsgesellschaft in Leipzig der soeben erscheinenden 4. Auflage des„Werdens der Welten“ von dem berühmten schwed!⸗ schen Chemiko⸗Physiker, der mit seinen genialen Deutungen der neuesten naturwissenschastlichen Beobachtungen ganz neue Wege ge— wiesen und unsere Anschauungen vom Werden der Welten und von der Bewohnbarkeit der Himmelskörper völlig und glaubwürdig um⸗ gestaltet hat. Preis des Werkes 5 Mark.
Aus unserer Sammelmappe.
Das hörbare Licht. Prosessor Fournier d'Albe von der Uni⸗ versität Birmingham, der durch Erfindung eines Apparates zur Sichtbarmachung von Tönen Aufsehen erregte, hat seine Leistung jetzt dadurch ergänzt, daß er unnmehr einen Apparat erfunden hat, der das Licht höcbar zu machen imstande ist. Hatte die erste Erfin⸗ dung den Namen eines Optophons erhalten, so wird die zweite als Optostop bezeichnet, und Prosessor Fournier hat sie nach einer Mit⸗ teilung des English Mechanie in den letzten Tagen des Jahres in seinem Universitätslaboratortum vorgeführt. Das Optofkop besteht in einem kleinen Spiegel, der durch einen Elektromagneten in schnelle Schwingungen von mehreren Hundert in der Sekunde ver— setzt wird. Vor dem Spiegel befindet sich eine kleine sogenannte manometrische Flamme, und ihr Bild wird durch die Schwingungen des Spiegels in ein leuchtendes Band verwandelt. Vor der Flamme ist in Verbindung mit deren Halter ein Rohr besestigt, durch das hineingesprochen werden kann. Die Kraft der Stimme bringt die Flamme zum Erzittern, und das in dem Spiegel erscheinende Licht⸗ band wird sofort in eigentümliche Muster aufgebrochen, die in schnellster Folge wechseln und mehr oder weniger verwickelte Systeme von hellen und dunklen Linien zeigen. Nun entspricht jedes dieser Muster einem bestimmten Ton nach Stärke und Ton⸗ höhe. Ein lautes, ausgehaltenes O z. B. löst das Band in große rautenförmige Figuren auf, die ihre Gestalt so lange beibehalten, wie die durch den Vokal erzeugten Schallwellen andauern. Der Vokal E gibt ein ganz anderes Muster, indem nur der obere Teil des leuchtenden Bandes gestört wird. Die schwächste Veränderung in der Tonhöhe erzeugt schon eine völlige Verwandlung des Bildes, so daß der Apparat ebenso empfindlich ist wie das feinste must⸗ kalische Ohr. Werden ganze Worte in das Rohr hineingesprochen, so folgen die Figuren mit schwindelnder Schnelligkeit aufeinander. Es ist nun die Frage, ob sich diese Bilder so genau werden kenn⸗ zeichnen und verfolgen lassen, daß eine taube Person sie zu unter⸗ scheiden lernen und danach mit dem Auge die gesprochenen Worte verstehen kann.
Die Wunder des Feigenbaumes. Der Feigenbaum gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde und gleichzeitig zu ihren merk⸗ würdigsten, da bei ihm ein höchst wunderbares Band zwischen flanzen⸗ und Insektenleben sich ossenbart. Während der letzten Jahre ist unter der Leitung von Profsessor Tschirsch in Bern ein gründliches Studium der Feigenbäume in Italien begonnen wor⸗ den, über dessen Ergebnisse dann Dr. Ravasini berichtet hat. Bei den Untersuchungen mußte sorgfältig zwischen dem in Italien noch vorkommenden wilden Feigenbaum und seinen durch Einfluß des Menschen erzeugten Abänderungen unterschieden werden. Der wilde Feigenbaum gehört zur Gruppe der monözischen Pflanzen, die auf einem Stamm Blüten beider Geschlechter vereinigen. Die Bllüttenköpfe müssen bei den Urahnen unserer heutigen Feigen bäume die gewöhnliche abgeflachte oder schwachgewölbte Form be sessen haben. Eine verwandte Pflanze, die Dorstenia, die zuweilen in Warmhäusern gezogen wird, zeigt noch eine Schar kleiner grün⸗ licher Blüten auf einer abgeflachten Scheibe von etwa ein Zoll Breite. In einer Feige sind die Ränder der Scheibe nach innen verengt, so daß ein hohler birnenförmiger Behälter entsteht, der mit winzigen, dicht zusammengedrängten, eingeschlechtlichen Blüten ausgekleidet ist. Der Eingang zu dieser Höhlung ist nicht nur an sich verengt, sondern außerdem durch auswärts gerichtete Schuppen versperrt. Wit der Reifung werden die Wände des Behälters
immer dicker, so daß die innere Höhlung fast verschwinbdet. 2
verdickten Wände sind die eßbaren Teile der Feige. Der wilbe de
Feigenbaum hat nun drei verschiedene Arten von Blütenstäuden
je nach der Jahreszeit. Im Frühjahr trägt er männliche und un⸗ fruchtbare weibliche Blüten, im Sommer nur fruchtbare weibliche, im Winter wieder nur unsruchtbare weibliche Blüten. fruchtbaren Blüten werden auch Gallenblüten genannt und dienen zur Ernährung der bekannten Jeigenwespen, die in der Wissenschast den Namen Blastophagen oder Blütenfresser tragen. Am kulti⸗ vierten Feigenbaum treten unfruchtbare Blüten anderer Art auf. Die Wespen bedanken sich nun für die gelieferte Nahrung dadurch, daß sie die Befruchtung des Jeigenbaumes bewirken. Es sind kleine
Insekten, bei denen nur das Weibchen Flügel besitzt, daher auch
allein von einer Blüte zur andern gelangen kann. Im Frühling
Diese un⸗
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kommen die Weibchen aus der Winterblüte mit deren Gehalt be⸗ 1
laden hervor und fliegen zu der Frühlingsblüte. Hier legen sie ihre Eier ab, je eines in eine Blüte, und aus diesen Eiern ent⸗ stehen sowohl männliche wie weibliche Insekten. Das Männchen krabbelt im erwachsenen Zustand träge umher, bis es auf ein Weibchen trifft, das noch in dem Eibehälter einer Gallenblüte ein⸗ gesperrt ist. Dann beißt es in diesen ein Loch, senkt das spitze Ende seines Hinterleibes hinein und erfüllt seine Pflicht. Da daß Männchen überhaupt nur selten die Blüte verläßt, so braucht es weder Flügel noch Augen. Auch die Augen sind demgemäß fast verkümmert und sogar die Fühler nur schwach entwickelt, während die Kiefer und Beine recht kräftig gewachsen sind. Das beschwingte Weibchen beißt nun den Eibehälter an der Spitze auf und dringt in die innere Höhlung der Frühlingsblüte hinein, wo es sich mit dem Blütenstaub der reifen Blüten beladet, die um den Ausgang herumstehen. Das so beladene Weibchen fliegt weiter zu den un⸗ reifen Feigen der sommerlichen Generation, die nur weibliche Blüten enthält, und befruchtet diese in der vergeblichen Suche nach Gallen⸗ blüten, in die es seine Eier ablegen könnte. Es ist höchst merk⸗ würdig, daß diese Täuschung immer wieder geschieht und keine einzige sommerliche Feige unbenutzt bleibt. Wenn ein wilder Feigenbaum im Juli oder August geschülttelt wird, kann man stets darauf rechnen, Schwärme dieser Fliegen aufsteigen zu sehen. Durch den Menschen erst ist daun die sogenannte Kaprifikation der Feigen eingeführt worden, die es zur Trennung von männlichen und weib⸗ lichen Bäumen gebracht hat..
Falsche Pelze. Wahre Meisterwerke aus der Kunst der Pelz⸗ sälschung sind es, die bei der großen, soeben im Pariser Grand zalais eröffneten Internationglen Ausstellung für Vogelzucht vor allem die bewundernden und beneidenden Blicke der Damen auf sich ziehen. dier kann man sehen, zu welcher Vollkommenheit Frank⸗ reich in zäher Arbeit die Fabrikation der sogenannten„künstlichen“ Hermelin-, Otter⸗, Silbersuchs⸗ und Skunkspelze entwickelt hal. Selbst leidliche Kenner von Pelzen werden beim Anblick dieser prachtvollen Mäntel, Muffs und Stolen unsichet. Freilich ist diesen Leistungen eine sustematische und zielbewußte Veredelung der sranzösischen Kaninchenzucht voraufgegangen. Ohne die kostbaren kleinen weißen polnischen Kaninchen ließe sich der Hermelin nicht se tänschend nachahmen; die größeren Silberkaninchen llesern ihr Jell für die Chinchilla⸗ Imitationen, die französischen Havauna⸗ kaninchen geben eine täuschende Nachahmung des Zobelpelzes und die schwarzen Kaninchen werden hingeopfert zugunsten der Frauen, die ihre Freundinnen mit einer als Nachahmung unmöglich er⸗ kennbaren Jacke aus Otterfell erfreuen oder neibisch machen wollen. Für manche Felle dieser veredelten Kaninchen werden heute dem Züchter bereits 75 oder 80 Frs. bezahlt, denn nur ausgezeichnele Exemplare ermöglichen die Herstellung einer ausgezeichneten Nach⸗ ahmung. Aber nicht nur auf dem Gebiete der Pelzindustrie ist die Imitation infolge der gewaltig steigenden Preise eine wichtige und hochentwickelte Kunst geworden: auf der Ausstellung findet man einen Saal mit künstlichen Vogelsedern. Hier sieht man die pracht · vollsten Paradiesvogelreiher, die ihr Dasein den schlichten Be⸗ wohnern eines Hühnerhoses verdanken. Aus den Federn von Gänsen, Truthähnen, Enten, Pfauen, Hühnern und Tauben stellen die französischen Jedersabrikanten und Federfärber wahre Wunder an Federn her und besonders sind es die weissen Pfauensedern, die von den Modistinnen gesucht werden; hier ist die Nachfrage bereits viel größer als das Angebot.
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